Montag, 21. Mai 2018

Frøslevlejrens Museum - das Museum des Internierungslagers Frøslev (Dänemark)

Montags gegen Nazis
Update 05.05.2018: Die Nazis pausieren anscheinend. Momentan sind die Montagsdemos abgesagt. Wohlwissend, dass der Schoss fruchtbar bleibt, mache ich mit meiner Montagsreihe weiter. Alle Beiträge aus dieser Reihe findest Du, wenn Du hier klickst.

Wir haben uns da was eingetreten. Es ist braun. Es riecht nach Faschismus, Nationalismus, Antisemitismus und Rassismus. Es trifft sich montags hinterm Bahnhof, eingepfercht in Gattern, umringt von Polizei und der Gott sei Dank immer noch demokratischen Mehrheit dieser Stadt. Es ist eine krude, gefährliche Mischung aus Türstehern, Hooligans, Faschisten, Reichsbürgern und AfDlern, garniert mit ein paar spießbürgerlichen Sahnehäubchen aus dem Hamburger Umland.

Wir hatten schon mal Faschismus in Deutschland. Mein Bedarf daran ist hinreichend gedeckt. Ich muss keinen faschistischen Staat erleben. Mir reichen die Erinnerungen an den, den es zwischen 1933 und 1945 gab.



Montags erinnere ich daran, was passiert, wenn es mit der Demokratie bergab geht und wie es anfing, denn die Nazis fielen ja nicht 1933 vom Himmel. Die krochen schon Jahre vorher aus ihren Löchern, wurden nicht rechtzeitig aufgehalten, auch, weil man sie nicht ernst nahm, dachte, es wird schon nicht so schlimm.

Wurde es aber.

In loser Folge gibt's hier also montags Kunst und Denkmäler gegen Faschismus, Nationalismus und Rassismus. Orte, die daran erinnern, gibt es in unserer Stadt genug, denn wie gesagt: Wir hatten das schon mal.


Gedenkstein für die im Lager inhaftierten Dänen und die, die ihr Leben für die Befreiung Dänemarks gaben, mit Blumenschmuck zum Befreiungstag am 5. Mai.
Heute geht's nach Dänemark, in das Museum für das Internierungslager Frøslev. Das hat nichts mit Hamburg zu tun, sagst Du? Oh doch, hat es. Das Lager ist eng mit dem KZ Neuengamme verbunden.


Blick auf den rekonstruierten Turm, in dem der erste Ausstellungsteil zu sehen ist, und die ehemaligen Lagergebäude, die heute ein Internat beherbergen.
In einem früheren Leben kam ich sehr oft mit Menschen zusammen, die in Frøslev interniert waren, aber erst jetzt gab's die Gelegenheit, mir das ehemalige Internierungslager einmal anzuschauen. Frøslev gehört zu Padborg, liegt also direkt hinter der deutsch-dänischen Grenze - so ziemlich jeder Dänemark-Urlaub passiert also den Ort bei Ein- und Ausreise.

Das Internierungslager Frøslev, in korrektem NS-Deutsch Polizeigefangenenlager Fröslee, wurde im Sommer 1944 errichtet. Gut ein Jahr vorher stellte die dänische Regierung jegliche Zusammenarbeit mit den deutschen Besatzern ein und trat zurück. Der dänische Widerstand erhielt mehr Zulauf. Es bestand die Gefahr, dass vermehrt Dänen in KZ deportiert würden. 


Auch im Lager wurde Widerstand geleistet: Die Häftlinge bauten ein Radio, mit dem sie die BBC hören konnten, und versteckten es in einer Grube unter einem Bett.
Das dänische Außenministerium verhandelte mit den Deutschen und konnte erreichen, dass ein Lager in Dänemark errichtet wird, um Gestapo- und SS-Gefangene zu internieren: Frøslev. In den knapp neun Monaten seines Bestehens durchliefen knapp 12.000 Menschen das Lager, war es völlig überbelegt. Etwa 230 Menschen wurden in dem Lager ermordet. 

Entgegen der Absprache wurden fast 2.000 Menschen in deutsche KZ überführt. Viele kamen nach Neuengamme oder in eines seiner Außenlager. 


Blick in einen der rekonstruierten Schlafsäle. 
Als ab März 1945 etwa 15.000 überwiegend norwegische und dänische KZ-Häftlinge im Rahmen der Bernadotte-Aktion nach Schweden transportiert wurden, wurde im KZ Neuengamme ein Sammellager eingerichtet, bevor die Menschen über Frøslev und Horsens nach Schweden transportiert wurden. 


Auch Bücher können zum Widerstand gehören: Die ersten wurden eingeschmuggelt und heimlich gelesen, bis es gelang, den Deutschen die Erlaubnis für eine Bibliothek abzuringen.
Die Geschichte des Lagers wird in zwei ehemaligen Baracken und einem rekonstruierten Wachturm sehr anschaulich dargestellt. Ausführlich werden beispielsweise Lageralltag, Häftlingsbiographien und Widerstand dargestellt. Die Ausstellung ist mehrsprachig, in Teilen auf Dänisch, Deutsch und Englisch, in Teilen auf Dänisch und Englisch, und da, wo sie nur Dänisch ist, gibt es Hefte mit Übersetzungen der Texte auszuleihen.


Ausschnitt aus der Transportliste.
Frappierend war für mich wieder mal die Effektivität der deutschen Verwaltung: Egal, ob ein Lager in Deutschland, Polen, Dänemark oder in einem anderen besetzten Land war, Aufbau und Formulare war immer gleich. Ich arbeite lange genug mit Verwaltungsfachangestellten zusammen um zu wissen: Das würde heute alles genau so effektiv und reibungslos ablaufen. 


Einer der Weißen Busse, der vielen Menschen das Leben rettete.
Mich berührten die Transportlisten, auf denen ich mache Namen und Schicksale kenne, und der Weiße Bus, weil ich den einen oder anderen Menschen kennenlerne durfte, der in so einem Bus in Sicherheit gebracht wurde, ihm sein Leben verdankt. 

Unmittelbar nach der Befreiung am 5. Mai 1945 inhaftierte die dänische Widerstandsbewegung die deutsche Minderheit in Frøslev, zum Teil wegen Kollaboration, zum Teil aber schlichtweg zum Schutz vor Übergriffen wütender Dänen. Das betraf vor allem Frauen, die eine Beziehung zu einem deutschen Soldaten hatten. 


Blick auf das Gelände des ehemaligen Lagers. In den Baracken sind heute Ausstellungen zu sehen.
Das Lager, in dem über 3.000 Menschen inhaftiert waren, wurde nach einem Dorf in der Nähe in Fårhuslejren umbenannt und bestand bis Oktober 1949. Die Ausstellung über das Fårhuslejren ist noch recht neu und in Baracke H6, wo man auch den Eintritt zahlt, zu sehen. 


Blick auf den Teil des ehemaligen Lagers, der heute als Internat genutzt wird. 
Neben den Ausstellungen zur Geschichte der Lager Frøslev und Fårhus sind auf dem Gelände auch eine Naturausstellung, ein über den dänischen Zivil- und Heimatschutz, dänische Soldaten in der UN und über Amnesty International zu sehen. Zudem gibt es ein Café, das am Tag unseres Besuchs leider geschlossen war. Man kann dort gut und gerne einen ganzen Tag verbringen, auch, weil die Umgebung zum Wandern einlädt.

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