Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!
Ich kann bis halb drei durchschlafen, ganze fünf Stunden! Umdrehen, bis um sechs Uhr weiterschlafen, dann ausnahmsweise mal echt wach sein, was eine Erleichterung ist nach der vorherigen Nacht, als mich der stille Reflux und heftiger Kopfschmerz weckten, ich nicht mehr schlafen konnte und mich durch den Tag schleppte.
In Ruhe frühstücken, dann arbeiten. Über Mittag ist die donnerstägliche Wichtig-Wichtig-Videokonferenz, bei der ich in aller Regel nur zuhören muss. Ich muss daran denken, dass der Gatte früher um diese Zeit gerne seinen Mittagsschlaf hielt. Unser Schlafzimmer ist neben meinem Arbeitszimmer, und oft machte sich der Gatte einen Spaß daraus, mit seinem Schlafhasen die Videokonferenz zu kommentieren - zum Glück achte ich immer sehr darauf, dass Kamera und Mikro aus sind. Der Gatte fehlt mir so!
Es ist reichlich zu tun, anders als die letzten drei Tage, und mich deucht, meine Kollegin wird kommende Woche keine ruhige Urlaubsvertretung haben. Ich arbeite etwas länger, auch in Lifestyle-Teilzeit muss die Arbeit erledigt werden, und stelle mich auf Überstunden am kommenden Tag ein. Es hat sich bewährt, freitags länger zu arbeiten. Also werde ich morgen eine lange Mittagspause machen, dann noch zwei, drei Überstunden anhängen, um möglichst viel abzuarbeiten, damit meine Vertretung am Montag keinen Schreck bekommt, wenn sie in unsere Freigabe guckt.
Nach Feierabend um den Haushalt kümmern. Die Spülmaschine will spielen, der Koffer muss vom Dachboden geholt werden. Auf dem Dachboden kämpfe ich mit den Tränen. Der Gatte wollte hier ein Eisenbahn- und Gästezimmer einrichten, hatte so viele Pläne, war so voller Vorfreude. Geblieben sind ein Durcheinander von begonnenen Bau-Projekten, eine halbfertige Werkstatt, unzählige Modelleisenbahn-Teile. Ich habe keine Ahnung, wie ich mit diesem Durcheinander fertig werden soll, zumal der Keller ebenso aussieht.
Der Wintermantel will ausgelüftet werden, die Wasserspender für die Rosen müssen für den kommenden Urlaub installiert werden, die Gelbe Tonne muss durch den endlich schneefreien Garten gebracht und an die Straße gestellt werden für die Abholung am kommenden Tag, die restlichen Marmorkuchen-Muffins von Sonnabend einfrieren, weil ich doch lieber Kekse zum Tee möchte, die Kombüse auffüllen, Wäsche wegräumen ...
Beim Rausrollen der Gelben Tonne fällt mir wieder mal auf, dass jede Reihe die Tonnen anders zur Abholung aufstellt. Unsere Reihe stellt sie auf die linke Seite, Griffe nach vorne, so dass die Müllwerker sie leicht aufladen können. Die Reihe auf der Gartenseite stellt die Tonnen mittig, so dass der Fußweg blockiert ist, Griffe nach hinten, so dass die Müllwerker die Tonnen erst drehen müssen. Meine Tonne steht links, Griffe nach vorne, denn eine Tonnen-Barrikade finde ich abseits von Straßenkämpfen sinnlos. Mal schauen, ob die Müllabfuhr überhaupt kommt, denn die Firma kämpft selbst im Hochsommer mit Glatteis, eine Metapher für die Personalprobleme, die die Firma seit langem hat. Die wöchentliche Müllabfuhr gleicht einer Lotterie.
Ich nehme den Fruchtgummistrauß auseinander, damit die Gummis nicht hart werden, während ich im Urlaub bin, und bin massiv beeindruckt von der Kunst der Verpackungsingenieure - der Gatte hätte seinen Spaß daran gehabt! Übrigens schmecken die Fruchtgummis sehr gut.
Ich suche einen kleinen Tesafilm-Abroller, weiß, dass der Gatte ganz viele davon hat, sogar welche für den Finger. Bei der vergeblichen Suche finde ich seine Mundharmonika. Prompt fließen die Tränen in der Erinnerung daran, wie gerne (und wirklich gut!) er darauf spielte.
Zum Abendessen gibt's Kartoffeln und Tomaten aus dem Ofen - beides muss weg, weil ich übermorgen eine Woche in den Urlaub fahre.
Ich schaffe es nach über zwei Monaten endlich, dem Ostsee-Cousin zu whatsappen und bekomme prompt eine liebevolle Antwort. Es ist immer wieder erstaunlich, wie liebevoll meine Familie jenseits meiner egozentrischen, narzisstischen Mutter ist. Der Ostsee-Familie geht es zum Glück gut, trotz anstehender OPs in der kommenden Woche.
Ich schaffe die letzte Mütze für die 600-Mützen-Challenge der Lübecker Seemannsmission. Eigentlich sollten meine Mützen diese Woche schon auf dem Weg sein, aber dann dachte ich, aus dem restlichen Sockengarn ginge sich noch eine Mütze aus. Es klappte, und drei Mützchen für Innocent sprangen auch noch dabei heraus. Die machen sich auch übernächste Woche auf den Weg. Ich bin nach wie vor skeptisch, ob die Mützchen nach dem Kauf nicht einfach weggeworfen werden, aber ich finde die Idee lustig, und für kleine Wollreste passt es gut. Alternativ würde ich Schlüsselanhänger-Söckchen en gros stricken, aber mit denen wüsste ich momentan auch nichts anzufangen.
Zu spät ins Bett und vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.
Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 5. März 2020 stand mir eine OP bevor. Fünf Jahre später verweigere ich mich noch immer der Hysterektomie, zu der mich viele Ärzte drängen, weil das ihre einzige Therapie gegen Wechseljahrsbeschwerden ist. Am 5. März 2021 war ich noch bei der Horror-Hormon-Tante in Behandlung - zwei Jahre später gelang endlich der Wechsel zu einer vernünftigen Ärztin. Der Gatte und ich hatten Impftermine und bekamen Atteste, die uns als Angehörige der Risikogruppe 2 zur Impfung berechtigten. Wir hatten noch die Hoffnung, Corona würde sich mit der Impfung quasi erledigen. Am 5. März 2022 beschäftigte uns der Ukrainekrieg. Am 5. März 2023 hatten wir plötzlich ein Haus, bereiteten alles für die Bodenverleger vor, während meine Mutter immer mehr Abschied vom Leben nahm. Am 5. März 2024 waren wir endlich umgezogen und hatten erstmals so was wie Alltag. Am 5. März 2025 hatten wir wieder so etwas wie Alltag. Wir hätten gerne noch viel Alltag miteinander erlebt, aber sieben Monate später sollte der Gatte an Candidozyma auris sterben, viel zu jung, viel zu früh. / *Affiliate links
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