Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!
Ich bin in meiner letzten Reha-Woche. Heute ist Sonnabend. Die dusselige Plantarsehnen-Entzündung, die sich durch drei Wochen Nordic Walking ordentlich verschlimmerte, kostet mich so viel Kraft, dass ich schon länger keine Kraft mehr für Freizeitgestaltung habe, obwohl ich mir einiges für die Reha-Wochenenden vornahm. Aber heute mobilisiere ich meine Kräfte, denn ich möchte zu den Aukruger Hafentagen von den Störpiraten. Die finden seit 2012 zum Saisonende im Freibad Aukrug statt.
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| Der Himmel kann Drama: Blick auf die große Hafenanlage der Aukruger Hafentage. |
Normalerweise verschlafe ich sonnabends das Frühstück und frühstücke unterwegs bei einem Bäcker oder in einem Café, aber heute treffe ich mich mit den "Strickliesels". Es regnet in Strömen und sieht so aus, als fielen die Hafentage buchstäblich ins Wasser. Ich will also meinen Tagesplan überdenken, und das geht am Besten in der Gruppe (wobei ich problemlos allein sein kann, aber ich übe weiter tapfer, meine Soziophobie abzulegen).
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| Hier wird Schüttgut verladen. |
Ein Teil schlägt vor, nach Friedrichsstadt zu fahren. Verlockend, aber ich weiß, ich kann nicht mithalten, denn sie werden länger unterwegs sein als ich Kraft habe. M. und ich entscheiden uns für das Designer-Outlet in Neumünster. Dahin wollte ich eigentlich ohnehin, um Chucks zu kaufen, aber da meine entzündete Plantarsehne immer schlimmer wurde, kann ich bis auf Weiteres keine Chucks tragen. Alleine wäre ich also nicht gefahren, aber ich habe nichts dagegen, in Gesellschaft durch die Geschäfte zu bummeln. Außerdem könnte ich eine neue, hochseetaugliche Winterjacke gebrauchen.
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| Ein Teil der Hafenanlage im Detail. |
Wir starten am späten Vormittag. Durch die Sperrung der Bundesstraße ist der Weg ein wenig abenteuerlich, aber wir kommen an. Ich muss daran denken, wie ich mit dem Gatten hier war. Er liebte es ja, durch Geschäfte zu bummeln und einzukaufen, anders als ich.
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| Containerbrücken mit Lkw-Zubringern. |
Ich finde tatsächlich eine neue Winterjacke.
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| Ein Containerschiff hat angelegt. |
Am frühen Nachmittag ist das Wetter einigermaßen stabil, so dass wir uns überlegen, zu den Hafentagen zu fahren und zu gucken, wie es dort aussieht. Wir bummeln über das Gelände. Ich bin beeindruckt von der Anlage, die im Wasser geschaffen wurde. Und natürlich fließt beim Gedanken an der Gatten auch die eine oder andere Träne. Er hatte darauf gehofft, seine Schiffe in der lindgrünen Hölle fahren zu können, befand den Rathausteich ideal dafür. Leider sollte es anders kommen.
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| Noch ein Blick auf die umfangreiche Hafenanlage. |
Nach dem Besuch der Hafentage fahren wir noch in die Alte Kaffeewirtschaft, einem entzückenden Café mit riesigen Kuchenstücke. Zum Glück hatte ich nur ein Softeis als Mittagessen, und das ist auch schon länger her.
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| Eine der kleinen Stuben der "alten Kaffeewirtschaft". Die Tische bleiben nicht lange leer. |
Zurück in der Klinik verabreden wir uns zum Abendessen, wobei ich nur meiner Begleitung Gesellschaft leiste, denn mein Abendessen wird ein mitgebrachtes Fischbrötchen sein.
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| Waldi der Erste ist fertig. Fehlen noch zwei, denn ich brauche insgesamt drei Türstopper. |
Ich stelle den ersten Türstopper-Dackel fertig - ironischerweise passend zum 50. Jahrestag des Münchner Olympia-Attentats. Der Türstopper-Dackel ist nämlich in den Farben des Olympia-Maskottchens Waldi, entworfen von Otl Aicher, gehalten. Der Gatte hatte das Maskottchen als Kuscheltier und sprach noch als Erwachsener davon. Als der Schornsteinfeger bei Abnahme des Kamins befand, wir müssten dafür sorgen, dass die Stubentür immer offen bleibt, meinte der Gatte, wir bräuchten einen Zugluft-Dackel für den Türgriff. So kam die Idee für den Türstopper-Dackel. Schnell war klar, dass die Farbgebung dem legendären Waldi nachempfunden wird.
Der Abend wird ruhig. Nach einem Tag in Gesellschaft brauche ich abends social detox.
Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 5. September 2020 urlaubten wir in Dänemark, waren auf der Suche nach Kreuzkümmel, war der Gatte noch gesund. Am 5. September 2021 waren der inzwischen kranke Gatte und ich zum ersten Mal seit seiner Erkrankung im Urlaub und ruhten uns am ersten Urlaubstag nach einer anstrengenden Anreise aus. Am 5. September 2022 bereiteten wir uns auf die juristische Übernahme des alt-neuen Hauses vor. Am 5. September 2023 waren wir noch immer nicht umgezogen, hatten mal wieder Probleme mit einem betrügerischen Handwerker und suchten vergeblich einen Dachdecker. Am 5. September 2024 war der Gatte noch fit genug, um selbst zu Fuß zum Arzt zu gehen. Am 5. September 2025 wusste der Gatte, dass er bald sterben würde.








Das ist ja mal eine tolle Idee von dem Freibad oder dem Veranstalter.
AntwortenLöschenDanke für die schönen Bilder.
LG
Martha