Ich habe Urlaub, denn der Gatte hat einen Arzttermin, bei dem er gefahren werden muss. Also sind wir früh auf, und während der Gatte beim Arzt ist, warte ich im Café. Der Gatte kommt wie schon befürchtet mit schlechter Diagnose zurück. Nachdem auch er frühstückte, geht's nach Hause.
#4: Erstmal die bei Mudderns geernteten Äpfel auf dem Balkon einlagern.
Zu Hause wartet Hausarbeit. Der Gatte hat nachmittags noch einen weiteren Arzttermin. Als er wieder da ist, gibt's Tee und Kuchen. Viel los ist heute nicht mit uns. Die Diagnose, die der Gatte bekam, schlägt uns beide nieder.
#7: Vorräte anlegen.
#8: Ein Licht gegen das Dunkel.
#9: Abendbrot.
Da zu viel Brot gekauft wurde, gibt's heute Abend statt den geplanten Fischstäbchen belegte Brote. Auf dem Sofa eingekuschelt "Simpsons" gucken, dabei häkeln, dann Wäsche abnehmen, damit für den kommenden Tag genug Masken da sind (aufgrund der aktuellen Zahlen muss ich nun auch im Büro öfter Maske tragen) und vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.
#10: Nach langer Zeit mal wieder die "Simpsons" gucken.
11: Wäsche abnehmen.
#12: Vor dem Einschlafen noch ein paar Seiten lesen*.
Diese Woche begann mit einem Angriff auf einen jüdischen Studenten vor der Synagoge, wo gerade Sukkot gefeiert wurde. Der Täter wurde gefasst, dem Studenten scheint es den Umständen entsprechend gut zu gehen, und die Tat löste Entsetzen aus.
Am Tag danach gab's eine Kundgebung vor der Synagoge, an der etwa 500 Menschen zusammenkamen, und anders als beim Angriff auf den Landesrabbiner und seinen Begleiter im letzten Jahr war es diesmal nicht die Gemeinde, die die Kundgebung organisierte, weil es sonst niemand machte, sondern das Hamburger Bündnis gegen Rechts, das sofort reagierte.
Gestern schließlich war der Jahrestag des Halle-Attentats. Ich bin sehr, sehr müde und wütend, dass Antisemitismus und Rassismus Alltag sind, und ich wünsche mir mehr als Lippenbekenntnisse von Politik, Polizei und Zivilgesellschaft - ein entschiedenes Vorgehen bei antisemitischen Äußerungen auf den sogenannten Querdenker-Demos oder bei strukturellem Rassismus, beispielsweise. Ponyhof, ich weiß.
Sehr, sehr müde und wütend bin ich auch angesichts der Entwicklung der Corona-Infektionszahlen, u.a. durch rücksichtslose Egoisten und Maskenverweigerer. Es ist absehbar, dass es ab Montag schärfere Maßnahmen geben wird, denn in Hamburg liegt der Inzidenzwert seit zwei Tagen über 35. Ich bin gespannt, wann ich nicht mehr nur zwei Tage im Heimbüro bin, sondern fünf. Ich frage mich, wie lange wir die Mütter noch sehen können, ob wir Weihnachten zur Tante nach Bayern fahren bzw. dort im Hotel übernachten können, ob die beiden OPs, die bei Tante anstehen, durchgeführt werden können, wie es beruflich beim Gatten weitergeht ... Mich belastet dieses Corona-Gedöns gerade enorm. Nur: Nützt ja nichts. Sollte ich gehofft haben, dass wir mit diesem Corona-Gedöns in absehbarer Zeit durch sein könnten, war das vergeblich.
Hier gilt weiterhin: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause, inzwischen seit 30 Wochen. Kontakte sind auf das Notwendigste beschränkt. Der Gatte ist im siebten Monat Kurzarbeit, was ihm inzwischen ganz schön zu schaffen macht. Es gibt ja keine Perspektive, niemand weiß, wann es in der Veranstaltungsbranche wieder los geht - ob überhaupt. Diese Woche war er zwar wieder vier Tage im Büro, aber bald wird es wieder nur einer sein. Mein Arbeitsplatz an sich ist sicher, anders als beim Gatten. Das ist eine große Erleichterung, und wir wissen, dass wir in vielerlei Hinsicht privilegiert sind. Da wir die Situation nicht ändern können, hilft nur Gelassenheit.
Die drei Projekte, für die ich beruflich verantwortlich bin, sind alle auf unterschiedliche Weise von der Pandemie betroffen, auch, weil Chef in den betrieblichen Krisenstab abberufen ist, was notwendige Entscheidungen verzögert. Seine Abberufung wurde gerade bis Mitte nächsten Jahres verlängert. Immerhin wurde die Stelle der Chefin für diesen Zeitraum aufgestockt, so dass ich hoffe, die anstehenden Besprechungen können stattfinden, Entscheidungen getroffen werden.
Ich arbeite an zwei Tagen zu Hause, an dreien im Büro. Anders als manche Kollegin mit heimarbeitenden Gatten halte ich es nach einigen Anfangsreibereien meistens ganz gut mit dem Gatten aus. Aber es ist an den Tagen im echten Büro immer noch merkwürdig, morgens vor dem Gatten das Haus zu verlassen, selbst, wenn es diese Woche mal wieder anders war.
Ansonsten war es eine ruhige Woche. Den Müttern geht's gut. Schwiegermutter bekam endlich ihren Stressless-Sessel, auf den sie über ein Vierteljahr wartete. Da sie eine Vorauszahlung leisten musste, dachten wir schon, der Händler sei insolvent und könne deswegen nicht liefern. Sicher ist: Bei dem Händler kaufen wir nicht nochmal. Jetzt braucht sie noch passende Sessel oder ein passendes Sofa, dann ist die neue Wohnung komplett eingerichtet. Sie hat auch erste Kontakte in der Wohnanlage geknüpft und ist viel unterwegs, aber ihre Bridge- und Englisch-Freundinnen, die sie wegen Corona seit Jahresbeginn nicht mehr sah, fehlen ihr.
Mudderns freute sich, dass sie mal wieder am Abendmahl teilnehmen konnte, denn um das coronakonform durchzuführen zu können, bekommt jeder Kirchenbesucher am Eingang ein Tütchen mit einer Oblate und einer Weintraube. So entfällt das Anstehen vorm Altar, das für Mudderns zu beschwerlich ist. Sie kann sich da ja auch nicht auf den Rollator setzen, denn der parkt an der Kirchentür, kommt erst wieder beim Verlassen der Kirche zu ihr. Ich hoffe, sie kann weiterhin am Gottesdienst teilnehmen, denn die Zeit, als Kirche nur virtuell stattfand, bekam ihr gar nicht gut. Aber auch in ihrem Wohnort steigen die Infektionszahlen.
Es macht mich extrem müde, mit Mudderns über coronakonformes Verhalten diskutieren zu müssen. Immerhin trägt sie ihre Maske, aber dass eine Einmalmaske nicht erst gewechselt werden muss, wenn sie auseinanderfällt, dass Stoffmasken auch mal gewaschen werden müssen, ist ihr nicht zu vermitteln. Gleiches gilt für's Händewaschen - nein, sich alle naslang die Hände einzucremen, ist kein Ersatz für's Händewaschen. Alles wird nur kommentiert mit "Ja, ja, du weißt ja, ich habe eine medizinische Ausbildung." Davon merkt man nur nichts.
Weil es Mudderns zu mühselig ist, beim Bäcker den Fragebogen mit ihren Daten auszufüllen, hat sie es sich jetzt zur Angewohnheit gemacht, zum Mitnehmen zu bestellen, dann mit Kaffee und Brötchen durch den Seiteneingang wieder ins Café zu gehen und sich zu setzen. Als sie dann auch noch sagte, sie verstehe gar nicht, warum die Infektionszahlen so steigen, wurde ich dann doch mal energisch, obwohl ich weiß, dass es verschwendete Energie ist. Sie lebt nun mal in ihrer eigenen Welt.
Seit diesem Montag nehme ich einen Hormonersatz. Gestern bemerkte ich überrascht, dass ich Schmerzen habe - ich hatte gar nicht gemerkt, dass sie zwischendurch mal weg waren. In den letzten vielen, vielen Monaten war's umgekehrt. Da war ich überrascht, dass ich keine Schmerzen habe. So schnell wirkt der Hormonersatz sicher nicht; meine Beschwerden ließen schon letzte Woche langsam nach. Ich bin gespannt, welchen Befund die Hormon-Tante Ende des Monats stellt, welche Behandlung sie vorschlägt.
Ich habe das Gefühl, dass sich mein Körper langsam erholt - und prompt tun sich neue Baustellen auf: Neben zwei Implantaten und einer Desensibilisierung, die eigentlich gemacht werden müssen, zickt aktuell auch mal wieder mein linkes Auge. Das muss warten, ich habe für so viele Baustellen einfach keine Kraft, möchte erst mal das Wechseljahrsgedöns erträglich bekommen - und außerdem steht in der kommenden Woche erstmal die Entscheidung an, ob dem Gatten eine OP helfen kann oder nicht. Einfach mal gesund sein wäre schon schön.
Langsam muss ich mal wieder Masken nähen. Irgendwie hatte ich doch die Hoffnung, Corona erledigt sich über den Sommer. So ist der Gatte zwar gut mit Masken ausgestattet, ich aber nicht, und die Masken werden uns ja sicher noch ein paar Monate begleiten. Ich könnte Masken kaufen, aber zum einen bin ich geizig, zum anderen sitzen die gekauften selten so gut wie die selbstgemachten.
Und ich möchte endlich mal wieder ein Blog-Runde drehen und kommentieren, aber irgendwie bekomme ich den Kopf nicht so wirklich frei ...
Im Februar-Bjerregård-Urlaub war ich wieder bei Uldgården, einem Wollgeschäft mit riesiger Auswahl mitten auf dem platten Land, wo ich Wolle für das Verspätungsschal-Projekt kaufte. Wie üblich, wartete der Gatte erst draußen, kam dann aber doch ins Geschäft, um zu stöbern, und drückte mir ein DMC Tie Kit* in die Hand. "Die Krawatte wünsche ich mir zu Ostern!"
Hase mit Krawatte.
Nun ist die Kleiderordnung seines Arbeitgebers sehr leger und kann mit "Hauptsache Hose!" zusammengefasst werden, so dass der Gatte dienstlich keine Krawatte braucht, und außerdem trägt erdienstlich oder privat ohnehin lieber Fliege, aber bitte.
Krawatte mit Hase.
Das Kit enthält alles, was es für die Krawatte braucht: Wolle, Häkelnadel, Anleitung und eine Nähnadel, über die ich mich erst wunderte, aber sie macht Sinn, der zum Annähen der Krawattenlasche wird das Garn in einzelne Fäden geteilt, so dass es Nähgarn wird. Übrigens teilt sich das Garn auch während des Häkelns gerne mal, was mich teilweise zur Verzweiflung brachte.
Mein Tag beginnt eine Stunde vor dem Weckerklingeln. Ich werde wach mit Schüttelfrost und weil meine CPAP-Maske kneift. Seitdem die getauscht wurde, habe ich Probleme. Entweder wurde sie größer oder meine Nase kleiner ... Den Maskensitz kann ich korrigieren, gegen den Schüttelfrost bin ich machtlos. Ich bleibe bis zum Weckerklingeln liegen.
Heute ist es etwas hektisch, denn der Gatte muss diese Woche vier Tage ins Büro. Er ist ja seit April in Kurzarbeit und die meiste Zeit auf Abruf, diese Woche aber fest eingeplant. Also den Gatten wecken, Kaffee kochen, frühstücken, den Gatten ins Büro verabschieden und daran erinnern, dass er ab heute fünf Kilometer Umweg fahren muss, weil in unserer Straße mal wieder gebaut wird.
Ich beschließe, etwas später ins Büro zu fahren und mache mich in Ruhe fertig.
Die Baustelle entpuppt sich als hübscher Hindernisparcours vor der Tiefgarage. Die Straße ist diesmal wirklich richtig abgesperrt. Wir haben hier seit einem knappen Jahr quasi ständig Baustelle mit Einbahnstraßenregelung, aber die Absperrung an der Hauptstraße hielt nie lange, denn nur wenige Anwohner haben Lust auf fünf Kilometer Umweg für 50 Meter und umfuhren die Absperrung oder legten sie um. Das ist diesmal nicht ohne weiteres möglich.
Die Fahrt ins Büro ist zurzeit abenteuerlich, denn egal, welche Variante ich wähle, ich stehe im Stau. Gibt es noch irgendeine Straße im Hamburger Westen, die gerade nicht aufgerissen ist? Am besten komme ich ins Büro, wenn ich mit dem Auto zur S-Bahn fahre, aber das mache ich nur bei frühen Terminen, im Notfall. Schließlich habe ich eine Bushaltestelle vor der Tür und eine gute HVV-Verbindung - wenn denn tatsächlich mal alle Straßen baustellenfrei sind und der Elbtunnel bzw. die A7 frei ist ...
Ruhiger Bürotag. Ich bekomme die Info, dass es nachmittags eine Kundgebung vor der Synagoge geben wird für den jüdischen Studenten, der gestern niedergeschlagen wurde. Normalerweise nähme ich teil, aber heute muss ich zur Apotheke, die erste Ladung Hormone abholen.
Mit dem Bus zur Apotheke im kleinen Ladenzentrum, und da ich sehr pünktlich Feierabend machte, sogar einigermaßen staufrei. Ich gucke kurz beim Friseur rein, aber da sind alle Stühle belegt. Also noch länger Zopf tragen. Mit zwei Bussen zurück nach Hause - der, der über die A7 muss, ist wie üblich zu spät, aber es geht noch.
Da ich einigermaßen staufrei durchkam, bin ich viel früher als gedacht zu Hause. Der Gatte ist auch schon da. Normalerweise wäre jetzt Tee- und Kuchen-Zeit, aber darauf wollten wir heute verzichten, weil wir beide dachten, wir kämen eine Stunde später, und dann ist ja fast schon wieder Abendbrotzeit. Deswegen brachte der Gatte keinen Kuchen mit, und ich dachte im Ladenzentrum mit der Apotheke nicht daran, beim Bäcker vorbeizugehen. Also Tee ohne Kuchen auf dem Balkon und Austausch über den Tag.
Danach möchte ich eigentlich Hausarbeit machen und etwas bloggen, aber ich bekomme wieder Schüttelfrost und lege mich auf's Sofa unter die dicke Kuscheldecke. Als der Gatte mich als blanket burrito zittern sieht, bringt er das Plumeau und einen Hasen. Ich zittere mich in einen Schlaf und wache erst wieder auf, als das Abendessen fertig ist.
Ruhiger Sofaabend mit dem Gatten, Fernseher und Häkelzeugs. Früh ins Bett, noch etwas lesen* und schnell einschlafen.
"Sach bloß", war das erste, was mir einfiel, als die Horror-Hormon-Tante mir gestern am Telefon mitteilte, sie könne das Ergebnis der Hormonuntersuchung doch nicht telefonisch besprechen, denn das sei derart komplex, dass sie dafür Zeit brauche und mich zudem untersuchen müsse. Also Termin vereinbart, noch mal vier Wochen auf Ergebnis / Diagnose warten, bevor ich einen anderen Endokrinologen suchen kann, denn jetzt ohne Befund / Behandlungsplan zu wechseln, ist doof (und so schnell bekomme ich woanders ja auch keinen Termin).
Ich habe kurz überlegt, ob ich frage, in welche Richtung der Befund denn gehen wird, es dann aber gelassen, weil ich mich sonst vier Wochen lang verrückt mache - und ich war gerade erst eine Woche lang ein Nervenbündel, bis zum Anruf gestern. Ich weiß ja seit Anfang der 1990er, das was nicht stimmt, da kommt es auf vier Wochen nicht an. Und wäre es etwas Lebensbedrohliches, müsste ich nicht vier Wochen auf die Besprechung warten - hoffe ich einfach mal.
In der Zwischenzeit kann ich den Teil der Ergebnisse, der nicht die Hormone betrifft, und der mir schon vorliegt, mit meinem Hausarzt durchsprechen, den Medikamentenplan anpassen und mir eine neue Frauenärztin suchen. Hoffentlich nimmt eine der Praxen hier in der Nähe noch Patienten auf (und die Ärztin ist dann im Idealfall auch noch empathisch und kompetent).
Ab Montag bekomme ich das erste Medikament zur Hormonsubstitution. Da soll ich vier Wochen lang täglich die Wochendosis nehmen. Wow. Jedenfalls bin ich froh, dass ich mich so hartnäckig der Entfernung der Gebärmutter verweigerte (vom Magenbypass ganz abgesehen) und nicht mehr mit "Essen Sie weniger!" abspeisen ließ. Von Diabetes oder Leberschaden war auch keine Rede mehr. Putzigerweise bin ich seit Dienstag quasi beschwerdefrei, also, bis auf die ständigen Schmerzen, und, da gerade keine Wassereinlagerungen, sieben Kilo leichter. Schon schön, trotz der Schmerzen.
Hier gilt immer noch: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause, inzwischen seit 29 Wochen. Der Gatte ist im siebten Monat Kurzarbeit, was ihm inzwischen ganz schön zu schaffen macht, jetzt, wo er langsam zur Ruhe kommt. Es gibt ja keine Perspektive, niemand weiß, wann es wieder los geht - ob überhaupt. Diese Woche war er zwei Tage im Büro, ist ansonsten auf Abruf.
Mein Arbeitsplatz an sich ist sicher, anders als beim Gatten. Das ist eine große Erleichterung, und wir wissen, dass wir in vielerlei Hinsicht privilegiert sind. Da wir die Situation nicht ändern können, hilft nur Gelassenheit. Wir haben uns ganz gut eingerichtet, unsere Routinen gefunden. Ich versuche nach wie vor, so Feierabend zu machen, dass wir gemeinsam Tee trinken können, eine Gewohnheit aus der Zeit, als ich ganz im Heimbüro arbeitete. Auf dem Balkon ist es dafür zwar inzwischen zu kalt, aber drinnen ist es ja auch gemütlich.
Seit dieser Woche arbeite ich an zwei Tagen wieder zu Hause - Chef hat sein Versprechen gehalten. Ich bekam sogar meine Wunschtage. Es ist für mich eine unwahrscheinliche Erleichterung und tut mir einfach gut. Ich muss mich nicht durch den Verkehr quälen, denn gerade freitags bricht rund um die A7 gerne mal alles zusammen, und da stehen dann auch meine Busse im Stau (ich kann nur für eine Teilstrecke auf die S-Bahn ausweichen). Oft bin ich sonnabends schon so erholt wie sonst frühestens sonntags.
Die drei Projekte, für die ich beruflich verantwortlich bin, sind alle auf unterschiedliche Weise von der Pandemie betroffen. Bei einem Projekt konnten wir die Digitalisierung sechs Monate vorziehen, das zweite digitalisieren wir gerade "so mal eben". Beide bleiben vermutlich digital. Ursprünglich sollte die digitale Version nur ein Zusatz sein. Das dritte Projekt wird gerade neu konzipiert - doppelt, einmal unter Corona-Bedingungen, einmal unter normalen Bedingungen.
Sonnabend war ich bei Mudderns, die erfreulich gut drauf war. Das war also sehr entspannt. Sie nahm es sogar gelassen auf, dass der Gatte und ich unter Umständen Weihnachten nicht da sein werden, wenn wir zur Tante fahren. Mit dem Laufen geht's aber immer schlechter. Sonst bummelte sie immer noch an meinem Arm durch die Stadt, war stolz, dass es ohne Rollator geht, aber jetzt meinte sie nach wenigen Metern, ihr fehle der Rollator. Zukünftig werde ich wieder alle zwei Wochen zu ihr fahren, denn es war deutlich zu spüren, wie gut ihr das tut.
Irritiert war ich, dass bei dem Bäcker, bei dem wir uns normalerweise treffen, Corona anscheinend nicht mehr stattfindet: Alle Tische werden besetzt, die Verkäuferinnen tragen keine Maske, obwohl der Spuckschutz fehlt ... Mal schauen, ob wir nicht besser die Lokalität wechseln.
Dafür hat Mudderns Kirchengemeinde das Corona-Gedöns gut im Griff. Seit letztem Sonntag finden die Gottesdienste wieder in der Kirche statt - mit reichlich Sicherheitsabstand zwischen den Bänken, maximal zwei Personen pro Bank und vorheriger Anmeldung. Gesungen wird nicht, und auf den Wegen gilt Maskenpflicht. Aktuell werden gerade die Konfirmationen nachgeholt, und, was ich sehr traurig finde, die Familien dürfen nicht an den Gottesdiensten teilnehmen, nur die Konfirmanden. Wir leben in besonderen Zeiten.
Schwiegermutter lebt sich weiter in der Wohnanlage ein - und verzweifelt an der Hausordnung. Der Gatte nahm die sonntäglichen Besuche wieder auf, aber in der Wohnanlage ist ab 18:30 Uhr Zapfenstreich, dürfen keine Besucher mehr kommen. Das ist die Zeit, zu der der Gatte normalerweise zu ihr zum Essen kommt. Wir müssen also umdisponieren, vor allem für Weihnachten und Silvester (und alle anderen Feiertage), und ich richte mich schon mal darauf ein, dass Schwiegermutter öfter bei uns ist. Die festlichen Abendessen bei ihr werden mir fehlen, aber es wird sich alles finden. Momentan ist die Anlage ja auch verständlicherweise darauf bedacht, so wenig Besucher wie möglich ins Haus zu lassen.
Seit dieser Woche fahre ich wieder mit Bus und S-Bahn ins Büro, denn durch die diverse Baustellen und ständigen Staus auf der A7 wurde die Busverbindung unberechenbarer als die S-Bahn - und das will was heißen. Die S-Bahn ist zu meinen Fahrtzeiten oft leerer als die Busse, was auch ganz angenehm ist, aber zum ersten Mal fiel mir auf, wie surreal es aussieht, wenn alle Fahrgäste Maske tragen. Nur: Nützt ja nichts. Nach den Herbstferien dürfen Schulklassen wieder Ausflüge machen, und da ich weiß, wie voll die Bahnen zur Weihnachtsmärchenzeit sind, bin ich einmal mehr froh, zwei Tage zu Hause arbeiten zu können.