Sonntag, 11. Juli 2021

Samstagsplausch KW 27/21: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten LXVII

Als ich gestern morgen das Fenster zur Welt aka Internet öffnete, erreichte mich die Meldung über den Tod der 96jährigen Esther Bejarano. Möge ihr die Erde leicht sein, möge ihre Erinnerung ein Segen sein! Ihren Angehörigen wünsche ich viel Kraft!

Ich sah Esther Bejarano das erste Mal 1982 auf der Bühne von Künstler für den Frieden in Bochum und hätte damals nicht gedacht, dass ich ein Jahrzehnt später selbst mit ihr auf einer Bühne stehen würde, auf einer viel kleineren natürlich. Das war in einem anderen Leben, aber Esther und ihre Weggefährten prägten mich sehr, und auch viele andere, die ihren Kampf gegen Faschismus fortsetzen werden. Esther, du fehlst! Mehr über Esther Bejarano. 

Wandteller von Frau Jule im Karoviertel.

Von dieser traurigen Nachricht abgesehen, war's eine gute Woche. Dem Gatten geht's etwas besser, sein Arzt ist zufrieden. Er ist langsam wieder selbstständiger und kräftiger. Er fährt auch wieder sicherer Auto, macht alleine Besorgungen, was mich entlastet. Von gesund ist er allerdings noch sehr weit entfernt.

Jetzt, wo ich etwas zur Ruhe komme, merke ich, wie sehr mir das letzte Jahr in den Knochen steckt, wie erschöpft ich bin, wie sehr mir der Verdacht auf Tumor / Nierenerkrankung zusetzt. Ich habe einfach keine Kraft mehr zum Kämpfen, egal, was beim Nephrologentermin Ende des Monats herauskommt. Sollte sich der Tumorverdacht bestätigen, hoffe ich, dass ich meine persönlichen Angelegenheiten noch in Ordnung bringen, mich von Geraffel und Ballast trennen kann, und dann soll's das gewesen sein. 

Hier gilt seit mittlerweile 69 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Unsere Kontakte sind auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Mütter. Der Gatte ist seit über einem Jahr in Kurzarbeit, seit Dezember allerdings öfter im Krankenstand als im Büro. 

Im Gegensatz zum Arbeitsplatz des Gatten ist meiner sicher, was eine große Erleichterung ist. Ich bin normalerweise einen Tag im Büro bzw. im Laden, arbeite ansonsten zu Hause, wie die meisten Kollegen. Zwar ist die Home-Office-Pflicht offiziell aufgehoben, aber vorerst bleibt alles beim alten, zumindest bis zum Herbst. In den kommenden drei Wochen werde ich dennoch fast täglich im echten Büro sein und dann auch noch auf jede Menge Menschen treffen.  

Einen Arbeitstag durfte ich bei bestem Sommerwetter im Hamburger Karoviertel beginnen und Street Art gucken. Das war ein netter Ausgleich zu den Datensätzen, mit denen ich mich sonst Tag für Tag herumschlage!

Street Art von art.omato.

Uns machen die steigenden Corona-Zahlen zu schaffen, auch wenn wir beide geimpft sind. Die Impfung schützt vor einem schweren Verlauf, das ist viel, aber sie schützt nicht vor einer Infektion oder davor, andere anzustecken. In dieser Woche stieg der 7-Tage-R-Wert wieder über 1, und gleichzeitig denkt man über Lockerungen nach, als gäbe es keine Pandemie. Die Bilder aus NRW oder den UEFA-Städten sind unglaublich. Wäre nicht Wahlkampf, sähe es anders aus, aber so steuern wir sehenden Auges in die nächste Welle. Ich versuche, gelassen zu bleiben, aber wohl ist mir dennoch nicht.

Den Müttern geht's gut, Tante hoffentlich auch (hier liegt ein angefangener Brief an sie, ich habe momentan keine Kraft zum Schreiben). Mudderns stöhnt immer noch über die Folgen des letzten Sturzes, hat die Schmerztabletten inzwischen abgesetzt, geht aber immerhin wieder in die Stadt und zum Gottesdienst. Ihr Tagesablauf ist weiterhin schräg und wird's wohl auch bleiben. Mudderns schließt sich dadurch von vielem aus, will es aber nicht anders. Jammern ist schöner als ändern.

Schwiegermutter habe ich länger nicht gesehen, aber der Gatte trifft sie wöchentlich. Besuche bei ihr sind einfacher geworden: Da wir beide durchgeimpft sind, müssen wir uns nicht mehr anmelden, sondern können einfach vorbeikommen, müssen allerdings einen Erfassungsbogen ausfüllen. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Dienstag, 6. Juli 2021

#WMDEDGT 07/21: Linie 16

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Die Nacht ist unruhig, ich überhöre mal wieder zwei von drei Weckern, bin aber dennoch halbwegs in der Zeit. Erfreulicherweise bin ich auch einigermaßen ausgeschlafen - seit gut einer Woche sitzt die Maske meines CPAP-Gerätes nicht richtig, aber jetzt scheine ich wieder die richtige Einstellung gefunden zu haben. 

Aufstehen, den Gatten wecken und Kaffee aufsetzen. Der Gatte will heute mit mir los, will ehemalige Kollegen in ihrem Laden in der Stadt besuchen und bummeln. Wir haben also etwas Zeitdruck. Das kennen wir nicht mehr. Das ist auch nicht gut für den kranken Gatten. Kaffee trinken, Brote für's Büro fertig machen, Minze schneiden und in die Wasserflasche für's Büro geben, den Kaffeebecher zum Mitnehmen füllen, stadtfein machen, Wäsche aufhängen, Spülmaschine einräumen ... Der Gatte frühstückt währenddessen und sortiert sich.

Schnell ist klar: Den Bus, den wir nehmen müssten, damit ich pünktlich im Büro bin, erreichen wir nicht mehr. Ich beschließe, mit dem Auto zu fahren, damit der Gatte nicht alleine los muss. Das ist für uns beide entspannter - und schneller geht's auch. Wir sind binnen 30 Minuten in der Innenstadt. Unterwegs treffen wir auf die Buslinie 16, deren Existenz er am Vortag bestritt. Da hatte ich ihm die optimale Verbindung rausgesucht - mit Linie 16 könnte er bis fast vor die Ladentür seiner Ex-Kollegen fahren. Nur: "Die Linie kenne ich nicht! Die gibt es nicht!" Dass es inzwischen zahlreiche neue Linien gibt, ging an ihm vorbei.

Ich werfe meine Taschen kurz in den Laden, wo meine Kollegin auf ihren Ferienkurs wartet, und gehe mit dem Gatten Richtung Bushaltestelle. Während er mit dem Bus weiterfährt, hole ich beim Bäcker ein Brot. Seitdem der Gatte nicht mehr arbeitet, findet er kein Brot, das ihm schmeckt. Die beiden Bäckereien auf dem Weg zur Arbeit sind einfach phantastisch, nur mal eben 40 km zu fahren, um ein Brot zu kaufen, ist ja irgendwie auch doof. Aktuell probieren wir also immer mal andere Bäcker aus, in der Hoffnung, einen zu finden, der uns die 40 km erspart - bislang vergeblich.

Erstmal muss ich das Büro trockenlegen. Das Fenster hat eine Leckage, deren Ursache nicht gefunden wird. Zum Glück haben wir "Die Zeit" abonniert, aber nach dem Starkregen der letzten Tage ist auch die dicke Zeitung klatschnass, hält das Wasser nicht mehr. Dann steht der Corona-Test an. Zwei Wochen machte ich keinen, weil ich es so verstand, dass die Selbsttests bzw. Schnelltests nach vollständiger Impfung automatisch falsch positiv sind. Das ist offensichtlich falsch. Nun teste ich mich wieder. Das beruhigt, auch, weil ich aktuell beruflich viel Kontakt zu ungeimpften Kindern und Jugendlichen habe. Der Test ist negativ.

Endlich komme ich mal dazu, den Schreibtisch aufzuräumen und den Postberg zu sichten. Der sarggroße Karton, der in meinem Büro steht, entpuppt sich als Lieferung von Kleister, Quast, Abdeckfolie und Eimer - vor lauter Verpackungsmaterial finde ich in dem überdimensionierten Karton kaum die bestellte Ware. Bestellung verräumen, Altpapier im Keller entsorgen, dabei planlos mit dem Aufzug durch die Gegend fahren, weil ich verpeile, dass ich den Schlüssel brauche, um in den Keller zu gelangen.

Das tägliche Mudderns-Telefonat. Sie klagt noch immer über Schmerzen nach dem letzten Sturz, nimmt aber immerhin Schmerztabletten, richtige Medizin, keinen homöopathischen Humbug. Da sie alles verweigert, was Stürze verhindern könnte, muss sie da durch. Ich bin inzwischen mehr als müde, kann nur zugucken, denn Hilfe oder Veränderung lehnt sie ab. Das geht schon seit Jahrzehnten so, und aus Selbstschutz gab ich irgendwann auf. Sie versuchte auch schon, mich zu erreichen, vergaß, dass ich heute im echten Büro bin. Es ist noch nicht mal Mittag, aber für Mudderns ist der Tag schon wieder zu Ende, denn sie steht inzwischen schon um drei Uhr nachts auf. Anstatt ihren Tagesrhythmus der Umwelt anzupassen, beschwert sie sich, dass man sich nicht ihr anpasst. Ja, nee, is klaa. 

Dann ab in den Laden. Die Lieblingskollegin ist leider krank, ihre Vertretung anstrengend. Zum Glück ist der Arbeitstag kurz, da Ferien. Ich werde sogar eine halbe Überstunde abbummeln können.

Am späten Mittag ruft der Gatte an: Er ist wohlbehalten wieder zu Hause eingetroffen und hatte Spaß mit den ehemaligen Kollegen. Ich machte mir Sorgen, denn die letzten Tage waren ziemlich anstrengend für ihn, und da er sein Taschentelefon zu Hause ließ, kann er mich nicht erreichen, weiß im Notfall niemand, wer angerufen werden müsste. Der Gatte ist guter Dinge, fuhr nur nach Hause, weil er die falschen Schuhe anhatte, hätte sonst noch länger durchgehalten. Das ist erfreulich, denn vor vier Wochen schaffte er kaum die paar Schritte vom Krankenhaus zum Ententeich! Ich mache mir dennoch Sorgen, dass er sich übernimmt, denn die regelmäßigen Labor-Ergebnisse zeigen, dass er alles andere als gesund ist.

Übrigens fuhr der Gatte mit der Linie 16 zurück. "Die Verbindung ist super!" Sach bloß. Und: " Nächste Woche komme ich wieder mit, wenn du in die Stadt fährst."

Pünktlicher Feierabend, problemlose Rückfahrt. Ich rechnete fest damit, dass der Gatte nach dem anstrengenden Vormittag schläft, aber er ist wach, zeigt begeistert seine Einkäufe und erzählt. Eigentlich wäre jetzt Tee- und Kuchenzeit, aber keiner von uns besorgte Kuchen. Also keine Teezeit, stattdessen ins Bett kuscheln und lesen* - auch, wenn der Tag nicht anstrengend war, steckt mir die Anstrengung der letzten Wochen in den Knochen.  

Das Abendessen ist zum Glück schon fertig, muss nur aufgewärmt werden, aber vorher ist noch etwas Hausarbeit angesagt. Der Gatte will nach dem Abendessen in die Werkstatt. Heißt: Ich kann in Ruhe fernsehen. Das kam in den letzten Wochen sehr selten vor. Auf "Trautmann*" freute ich mich schon ein paar Tage und freue mich umso mehr, dass ich den Film jetzt ungestört sehen kann. Während die anschließende Doku läuft, muss ich im Garten auf Nacktschneckenpatrouille gehen. Die Biester lieben Paprika. Eine Pflanze vernichteten sie schon, zwei weitere versuche ich gerade zu retten. Außerdem suche ich noch die Schwimmsachen zusammen, falls ich morgen nicht verschlafe.

Nach der Trautmann-Doku sehe ich auch noch die Tagesthemen, komme viel zu spät ins Bett, lese* aber dennoch etwas vorm Einschlafen.  

Das Rezept zum Tag gibt's wie üblich in der Kombüse.

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Samstag, 3. Juli 2021

Samstagsplausch KW 26/21: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten LXVI

"Mir geht's von Tag zu Tag besser", meinte der Gatte vor zwei Tagen. Er ist wirklich belastbarer, kein Vergleich zu den Zeiten nach den Krankenhausaufenthalten im Januar oder Mai, aber dennoch: Der Schein trügt. Die monatlichen Laborergebnisse zeigten, dass er nicht weit von einem Krankenhausaufenthalt entfernt ist. Aber wir sind weiterhin vorsichtig optimistisch, und die Medikamente scheinen jetzt richtig eingestellt zu sein. 

Der Rentenantrag wurde Montag gestellt, die Sachbearbeiterin macht einen gut strukturierten Eindruck. Das scheint also zu laufen. Ein paar Unterlagen müssen wir nachliefern, bislang nichts dramatisches, weil die Kontenklärung schon lange erfolgte, aber da der Gatte sein eigenes Ordnungssystem hat, wird ständig was gesucht. Ich habe bislang vergeblich versucht, Ordnung in die Unterlagen zu bringen, und bin mit meinem eigenen Chaos mehr als ausgelastet, nur nützt ja nix. 

Beim Antrag auf Schwerbehinderung sind wir jetzt auch einen Schritt weiter, müssen eine Unterlage nachliefern, und dann heißt es warten, warten, warten, weil beide Stellen, Rentenversicherung und Versorgungsamt, erst Auskünfte bei Ärzten und Krankenhäusern einholen müssen und dann entscheiden. Das kann Monate dauern. 

Dritte Baustelle ist die Krankenkasse, die jetzt das Vergnügen hat, herauszufinden, seit wann der Gatte eigentlich Krankengeld bekommen müsste, denn durch das ganze Hin und Her zwischen Krankenhaus, Krankschreibung und Arbeiten seit Mitte Dezember haben alle irgendwie den Überblick verloren. Die Krankenkasse möchte außerdem die Arbeitsfähigkeit des Gatten mittels einer Reha wiederherstellen, während seine Ärzte meinen, er sei nicht rehafähig, weil das Herz viel zu schwach ist. Mal schauen, wie sich das entwickelt.

Hier gilt seit mittlerweile 68 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Unsere Kontakte sind auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Mütter. Der Gatte ist seit über einem Jahr in Kurzarbeit, seit Dezember allerdings öfter im Krankenstand als im Büro. 

Im Gegensatz zum Arbeitsplatz des Gatten ist meiner sicher, was eine große Erleichterung ist. Ich bin normalerweise einen Tag im Büro bzw. im Laden, arbeite ansonsten zu Hause, wie die meisten Kollegen. Zwar ist die Home-Office-Pflicht offiziell aufgehoben, aber vorerst bleibt alles beim alten, zumindest bis zum Herbst. In den kommenden drei Wochen werde ich dennoch fast täglich im echten Büro sein und dann auch noch auf jede Menge Menschen treffen. 

Heißt auch, dass mir jeden Tag 4 bis 5 Stunden fehlen: Eine Stunde muss ich eher aufstehen, bis zu 4 Stunden fahre ich. Theoretisch brauche ich hin und zurück 94 Minuten von Tür zu Tür, aber auf der Busstrecke sind jede Menge Baustellen, auf der Bahnstrecke SEV, außerdem fallen Bus und Bahn regelmäßig aus. Rechnete ich früher mit 2 Stunden Fahrzeit, bin ich inzwischen mit 4 Stunden gut dran. Mit dem Auto bräuchte ich insgesamt 1 Stunde, zahle aber 30 € für's Parken. Tscha nun. Mal schauen, wann ich wieder auf's Auto umsteige.

Diese Woche hatte ich tatsächlich mal Zeit, in Ruhe Fernsehen zu gucken, und sah ein Feature über Herzerkrankungen. Das war recht aufschlussreich, denn ich fühle mich mit der Erkrankung des Gatten ziemlich alleine gelassen, und ihn überfordert das alles total. Dusseligerweise machte mir das Feature auch klar, dass ich wegen eines Proteins ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall habe. Daran kann ich wenig ändern, da genetisch, und Medikamente gibt's auch nicht. Nun ja. Noch ist ja auch nicht geklärt, wo der ominöse Tumor ist, auf den ein Laborbefund hinweist. Vielleicht bin ich nach dem Nephrologenbesuch diesen Monat schlauer. Vermutlich entdeckt der aber nur eine weitere Krankheit. Das war definitiv einfacher, als alle Wehwehchen mit "Essen Sie einfach weniger!" abgetan wurden.  

Angesichts der aktuellen Corona-Entwicklung (Delta-Variante) mache ich drei Kreuze, dass die ganze Familie durchgeimpft ist, der Gatte und ich sogar kreuzgeimpft sind. Was für ein Glück hatten wir bislang! So sehr ich mich über die Lockerungen freue, so sehr ich Lust auf Kino, Theater und Museen habe, so sehr bin ich doch auch skeptisch, ob die Lockerungen wirklich schon angebracht sind, und versuche, Ansteckungsrisiken zu vermeiden. Mehr als Sport ist nicht drin, zumal ja jetzt auch noch die HVV-Nutzung dazu kommt, wir öfter im Einkaufszentrum sind ... Das sind mir zu viele Kontakte.

Den Müttern geht's gut, Tante hoffentlich auch (wir haben länger nichts voneinander gehört, aber Schwiegermutter telefoniert regelmäßig mit ihr). Mudderns wäre fast wieder gestürzt, diesmal die Treppe herunter, will aber nach wie vor nichts von Sturzprophylaxe, Physio oder ähnlichem wissen, was die Beine kräftigen könnte und sie gerader gehen ließe. Sie habe doch schon mal Physio gemacht und gehe auch nicht krumm. Das sähe nur so aus wegen ihrer Weste. Ja, nee, is klaa. Immerhin hat sie sich für die Treppe einen zusätzlichen Griff bestellt, um mehr Halt zu haben. 

In Schwiegermutters Seniorenwohnanlage wurden die Besuchsregeln gelockert: Statt einmal am Wochenende für eine Stunde darf Besuch jetzt wieder jederzeit und unbegrenzt kommen, muss allerdings angemeldet werden. Da der Gatte inzwischen durchgeimpft ist, muss er auch nicht mehr vorher zum Coronatest (ob das so gut ist, sei dahingestellt). Außerdem darf der Restaurantbereich wieder mit mehr Bewohnern besetzt werden, was es für das Personal einfacher macht. Für Schwiegermutter heißt das allerdings, wieder eine andere Essenszeit, ein anderer Tisch, eine andere Tischgesellschaft. So richtig angekommen ist sie auch nach einem Jahr nicht - Corona ist halt Moppelkotze.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Freitag, 2. Juli 2021

#pmdd2021: Der 28. Juni 2021

An jedem 28. eines Monats ist Picture my Day-Day, kurz pmdd. Ich finde, das ist ein schönes Tagebilderbuch. Mitmachen ist einfach: Fotos vom Tag machen, bloggen oder mit #pmdd2021 auf Twitter oder Instagram einstellen. Gesammelt wird alles auf dieser Seite.

Morgenkaffee im Garten.

Im Garten hängen auch noch die Schwimmsachen vom gestrigen Training.

Heute gibt es nicht viel fotografisch festzuhalten. Ich schlafe zu lange und schaffe es deswegen nicht zum Schwimmen. Außerdem fange ich zwei Stunden früher an zu arbeiten als sonst, da ich eine Stunde eher Feierabend machen kann und zwischendrin zwei private Telefontermine habe - letztere sind die Mittagspause, die ich normalerweise nicht mache.

Arbeiten im Heimbüro.

Schnell ins echte Büro (mit dem Auto brauche ich maximal halb so lang wie mit dem HVV, leider).

Alles am Start für den Ladendienst am frühen Nachmittag.

Nach Arbeitsbeginn im Heimbüro und den beiden Telefonterminen breche ich auf ins richtige Büro, wo ich nur kurz bin, bevor ich in den Laden verschwinde, denn heute habe ich Ladendienst. Der ist entspannt, vor allem, weil auch die Lieblings-Ladenkollegin mit am Start ist. 

Dankeschön der Lieblings-Ladenkollegin für einen Gefallen.

Wieder mal ein Wasserschaden, wieder mal das Herren-WC, und endlich sind Trockner da. Die waren wegen Corona lange nicht lieferbar. Wir haben so oft Wasserschäden, dass ich Fluttore inzwischen effektiver fände.

Der Feierabend verschiebt sich, es wird sogar kurz trubelig, denn bei uns ist gerade ein Ferienkurs zu Gast, und die Lütten kommen alle nach Ladenschluss von einem Ausflug aka Dreharbeiten wieder. Dann braucht der Azubi Infos - er hat heute seinen ersten Tag bei uns und weiß noch nicht, dass viele Teilzeit arbeiten, ich schon Feierabend hätte. Egal, die Arbeit macht Spaß, und der Gatte kann schon wieder länger alleine bleiben, da kann ich entspannt sein.

Und täglich grüßt die Spülmaschine ...

Kurz mal die Füße hochlegen.

Der Gatte kann nicht nur wieder länger alleine sein, er entschied zu meinem Leidwesen sogar, schon wieder so fit zu sein, dass er mit dem Auto zum Arzttermin fuhr. Ich atme auf, als er wieder zu Hause ist. 

Melone.

Hausarbeit, dann kurz Füße hoch, bis der sichtlich erschöpfte Gatte da ist. Teezeit, in der es heute keinen Tee gibt, sondern Melone, denn es ist heiß, was uns nicht vom Tee abhielte, vor allem aber eklig schwül. Wir reden über den Tag, darüber, dass nun endlich der Rentenantrag des Gatten gestellt werden kann, ich ihn am kommenden Tag auf den Weg bringen werde, und die Laborergebnisse, die nicht so gut sind wie erhofft. Der Gatte ist nicht weit vom nächsten Krankenhausaufenthalt entfernt, auch, wenn er sich anders fühlt. 

Den Wochenplan an die Tafel im Flur schreiben.

Wäsche abnehmen.

Der Abend ist ruhig. Der Gatte ruht sich aus, ich puzzle ein wenig im Haus herum. Das Abendessen ist schnell gemacht: Der Gatte wünschte sich Würstchen und Kartoffelsalat, also Fertigfutter, und für mich gibt es einen Rest spanisches Kartoffelgulasch. Gemeinsames floddern auf dem Sofa, dabei fernsehen und stricken und für meine Verhältnisse zu spät ins Bett.

Ich mag die Pfingstrosen-Pompoms. Die aktuellen Exemplare sind weiß.

Das aktuelle Strickstück.

Vor dem Einschlafen noch etwas lesen*. Ich freue mich auf den dritten Band der Jens-Druwe-Reihe, der Mitte Juli erscheint.

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Donnerstag, 1. Juli 2021

Ausgelesen: Bücher im Juni 2021

Im Juni las ich relativ wenig. Zum einen gab's harte Kost, also nicht nur Krimis, zum anderen habe ich gerade ein Zeitschriftenabo, und das Magazin reichte mir oft als Lektüre. 

In den Monat ging ich mit "Die Bücherdiebin*" von Markus Zusak - ein unwahrscheinlich bewegendes Buch, das mit bei Twitter empfohlen wurde. Im Mittelpunkt steht Liesel Meminger , die 1939 zu den Pflegeeltern Hans und Rosa Hubermann in die Himmelstraße in Molching bei München kommt.  Das Paar, das zwei erwachsene Kinder hat, bekommt dafür eine bescheidene Beihilfe, die ihnen die ersten Kriegsjahre kaum erträglicher macht. Für Liesel jedoch bricht eine Zeit voller Hoffnung, voll schieren Glücks an – in dem Augenblick, als sie zu stehlen beginnt. Anfangs ist es nur ein Buch, das im Schnee liegen geblieben ist. Dann eines, das sie aus dem Feuer rettet. Aber sie sieht auch  die Juden nach Dachau ziehen. Sie erlebt die Bombennächte über München. Und überlebt: weil der Tod sie in sein Herz geschlossen hat. Sie – und die Menschen aus der Himmelstraße. Eine Diebin zu beherbergen, wäre halb so wild, sind die Zeiten doch ohnehin barbarischer denn je. Doch eines Tages betritt ein jüdischer Faustkämpfer die Küche der Hubermanns.

Ich kann nicht sagen, dass ich das Buch verschlang, denn ich fand schon, dass es phasenweise Längen hat (und ich fing schon am 5. Mai damit an, es zu lesen - es zog sich also). Manche angerissenen Handlungsstränge werden auch nicht ausgeführt. So hätte ich gerne erfahren, was aus Liesels Mutter wurde, die einfach "verschwand". Dann aber fand ich es schade, als das Buch zu Ende war und wünschte mir einen Fortsetzung. 

"Die verstummte Liebe*" ist der dritte Band aus der Leise Helden-Reihe von Melanie Metzenthin. Ich hatte mich sehr auf das Buch gefreut, denn die beiden anderen Bände "Im Lautlosen*" und "Die Stimmlosen*" rund um Richard und Paula Hellmer las ich sehr gerne. Hier steht nun Helen Mandeville, die Mutter von Fritz Ellerweg, einem engen Freund der Hellmers, im Mittelpunkt und irgendwie fand ich die Handlung nur an den Haaren herbeigezogen. Die Handlung beginnt in England im Jahre 1896: Von der eigenwilligen Helen Mandeville erwartet ihre Familie vor allem eine standesgemäße Heirat. An ihrer Verlobung mit James Mitchell, einem schneidigen Anwalt mit besten Verbindungen, geht kein Weg vorbei. Aber dann verliebt Helen sich auf einer Bildungsreise in den deutschen Arzt Ludwig Ellerweg. Für ihn riskiert sie es, für immer mit ihrer Familie zu brechen. 

Helen löst ihr Verlöbnis und reist heimlich nach Hamburg, um Ludwig zu heiraten. Es ist für beide die große Liebe und die Geburt ihres Sohnes Fritz macht ihr Glück komplett. Doch dann erfährt Helen, dass ihre Mutter im Sterben liegt und sie reist zurück nach England – nicht ahnend, dass der erste Weltkrieg ausbrechen und ihr Leben vollkommen verändern wird. Ludwig ist der perfekte Mann, Helen wir ihm die perfekte Ehefrau. So weit, so schmachtfetzig. Haarsträubend wird die Geschichte, als Helen aufgrund des Ersten Weltkriegs nicht mehr nach Hamburg zurückkommt und sich für Tot erklären lässt, was ein Lügengebäude nach sich zieht. Spätestens jetzt ist die Handlung nur noch haarsträubend, langatmig und redundant. Kurz: Das Buch macht keinen Spaß!  

"Der Apfelbaum*" von Christian Berkel las ich sehr gerne und freute mich sehr, als ich "Ada*" zu Weihnachten bekam. Es ist quasi die Fortsetzung, denn die Handlung setzt im Argentinien der Nachkriegszeit ein, von Sala, Berkels Mutter, mit ihrer Erstgeborenen Ada lebt. Sala fühlt sich fremd und kehrt nach Berlin zurück, um Adas Vater, ihre große Liebe Otto, zu suchen. Die Geschichte wird aus der Perspektive der heranwachsenden Ada erzählt und spannt sich eben vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis kurz vor dem Mauerfall. Der Einblick in eine sehr spezielle Familiensituation ist spannend, auch, wenn das Buch phasenweise recht schwierig zu lesen ist.

Eine wirkliche Entdeckung war die Jens Druwe-Reihe von Michael Jensen. Die bislang dreiteilige Reihe beginnt mit "Totenland*". Die Handlung setzt Ende April 1945 ein. Der Krieg geht zu Ende. Nachdem er schwer verwundet wurde, ist Jens Druwe aus Berlin nach Schleswig-Holstein abkommandiert worden. Hier soll er als Polizist für Ordnung sorgen. Als ein hoher Funktionär der NSDAP ermordet wird, wollen seine Vorgesetzten sogleich den ersten Verdächtigen, einen entflohenen Häftling, aburteilen. Doch Druwe stellt sich gegen die Profiteure des untergehenden Regimes. Ihm zur Seite steht allein die Schwester des Verdächtigen, die wie er voller Mut und Hoffnung den Kampf gegen einen übermächtigen Gegner aufnimmt. 

Ich las gleich danach "Totenwelt*". Hier setzt die Handlung kurz nach der Befreiung ein und verlagert sich größtenteils zum Flensburger Marinestützpunkt. Druwe soll beim Aufbau einer neuen Polizeieinheit helfen, kämpft aber weiter gegen die sich absetzenden oder den Befreiern als vermeintlich unschuldig präsentierenden Nazis. Dabei gerät er unter Mordverdacht und wird verhaftet, muss hilflos und wütend beobachten, wie die Nazis Karriere machen. 

Für beide Bände gilt: Absolute Lese-Empfehlung! Ich habe mir gleich den dritten Band "Totenreich*" vorbestellt. Er erscheint im Juli.

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