Freitag, 21. September 2018

"Melona Melona Coconut Pineapple" oder: Zehn Tage Alcúdia (Mallorca / Spanien)

Im Frühjahrsurlaub auf Als frug der Gatte, wann ich das letzte Mal im Meer gebadet hätte, und mir war sofort klar, dass er damit nicht die dänische Nordsee, sondern das Mittelmeer meinte. Das Baden im Mittelmeer ist bei mir zwar noch nicht so lange her wie bei ihm, aber eben auch schon zwanzig Jahre, und so reifte der Plan, im Herbst gen Süden zu fliegen.

Blick auf die Bucht von Alcúdia.
Nach langem Überlegen fiel die Wahl auf Mallorca - dort gibt es viele deutschsprachige Ärzte, was im Notfall für den Gatten wichtig ist, und der Direktflug ist mit zweieinhalb Stunden kurz, was ebenfalls für den Gatten wichtig ist. Bis dahin hatte ich Mallorca nie ernsthaft als passendes Reiseziel gesehen, auch wenn sich im Reiseführerfundus aus meiner Reiseredakteurszeit tatsächlich einer über die Insel fand - mit Preisangaben in Peseten.

Am Strand.
Lange Überlegung brauchte auch die Hotelwahl. Klar war, dass wir für die Medikamente des Gatten einen Kühlschrank brauchen, was die Auswahl schon einschränkt. Außerdem sollte es strandnah und ruhig sein - eine kleine Anlage ohne Animation und möglichst kinderfrei, denn die Nachbarskinder (oder besser ihre erziehungsvermeidenden Eltern) setzten uns diesen Sommer extrem zu. Bis dahin empfanden wir spielende Kinder nicht als lärmend. Dann kamen Luca, Nico und Samuel. Aber das ist eine andere Geschichte.

Der kurze Weg zum Strand.
Spontan gefiel uns ein Fincahotel in den Weinbergen sehr gut. Ruhig, idyllisch, ein bisschen posh, ein bisschen romantisch und laut Hotel nur 30 Meter vom Strand entfernt. Joa, stimmt. Wenn man sich kopfüber die Steilküste hinab stürzt. Weniger Wagemutige fahren sieben Kilometer mit dem Auto bis zum nächsten Parkplatz und steigen dann knapp 200 Stufen hinab - für den Gatten nicht machbar.

Nach 'nem ordentlichen Wolkenbruch könnte man auch zum Strand schwimmen ...
Außerdem bedeutete die Lage des Hotels auch, dass wir abends auf das hoteleigene Restaurant angewiesen wären, wenn wir nicht jedes Mal kilometerweit fahren wollten. Dabei war die Idee, einfach abends auf's Sträßchen gehen und bummeln zu können - etwas, das wir auf dem heimischen Acker nicht können.

Das reicht bis abends: Frühstück, erster Gang.
Der Kollege, der seit Jahrenden mehrfach im Jahr auf Mallorca ist, empfahl das Appartement-Hotel, in dem er immer wohnt, bei dem der Strand aber auch 700 Meter von einer Steilküste entfernt liegt - der Gatte wünschte sich, einfach nur über die Straße zum Strand gehen zu können. Kurz rezitierte ich Tucholskys "Ideal", dann wandte ich mich wieder den Suchmaschinen zu. Reiseplanung ist meine Aufgabe, weil: "Meine Frau hat das schließlich studiert."

Blick in unser Schlafzimmer.
Schließlich wählten wir genau das, was wir ursprünglich eigentlich nicht wollten: Eine familienfreundliche große Hotelanlage mit Animation und All-inclusive-Angebot - das AlcudiaGarden Aparthotel. Kurz nach der Ankunft war klar: Wir hätten keine bessere Wahl treffen können! Einzig die knapp 40 Stufen in den zweiten Stock waren gelegentlich schwierig, aber machbar, wenn wir langsam gingen. Wir wussten schnell: Wir möchten im nächsten Jahr wieder nach Mallorca und wieder in dieses Hotel, am liebsten sogar ins gleiche Appartement.

Blick in unser Wohn- und Esszimmer.
Das Hotel hat sehr freundliches, umsichtiges, emsiges Personal, das auch mit den vielen Kindern liebevollst umging. Das Frühstücksbüfett ist vielfältig, reichhaltig und gut. Die Appartements sind blitzsauber - sogar unter den Betten und hinter dem Sofa, wie ich zufällig feststellte, als ich die verrücken musste, weil mir was runtergefallen war. Als mal was nicht funktionierte, war umgehend ein Techniker da, um Abhilfe zu schaffen.

Und nicht nur die Appartements sind blitzsauber, nein, die Wege der gesamten Anlage wurden morgens erst per Maschine gekehrt, dann per Hand gefeudelt. Wenn's in der Nacht regnete, wurden die Wege erst trocken gefeudelt, dann maschinell gekehrt und schließlich noch mal feucht gewischt ....

Blick in die Kochnische und den Essbereich.
Die Eltern bzw. Großeltern kümmerten sich um die Kinder - bis auf die von Jakob, der mit Nachnamen anscheinend "Verdammt" heißt, denn er wurde immer "Jakob Verdammt" gerufen. Jedenfalls fielen die Heerscharen von Kindern im Hotel lautstärketechnisch weniger auf als die heimischen Luca, Samuel und Nico.

Blick ins sehr geräumige Badezimmer. Hier wäre ein Regal ganz praktisch gewesen - Platz genug wäre da. 
Die Kochnische ist gut ausgestattet - einzig Spülmittel und Schwamm vermissten wir, aber die waren schnell in einem der Supermärkte in der Nähe besorgt. Absolute Überraschung war das scharfe Kochmesser. Und ich vermute, die wenigsten Gäste nutzen die Kochnische so intensiv wie wir.

Abendliche Balkonszene.
Außer dem Restaurant zum Frühstücksbüfett sahen wir kaum was vom Hotel. Unser Appartement ging zur Straße hinaus, die abends genug Unterhaltung bot, und da wir uns im Alltag wenig sehen, genügen wir uns im Urlaub selbst. Einmal stolperten wir auf dem Rückweg vom Abendspaziergang in die abendliche Show, nur, um festzustellen, dass das nicht unser Ding ist. Sonst hätten wir jederzeit die Möglichkeit gehabt, eine Dinnershow zu buchen.

Drama am Abendhimmel.
Einmal blieb ich länger am Frühstückstisch, bekam den Beginn der Animation um 10 Uhr mit und war froh, dass wir an den Strand auswichen. Einzig früh morgens hätte ich gerne in Ruhe im Pool geschwommen, aber die Nutzung war erst ab 10 Uhr gestattet (im nächsten Jahr probiere ich aus, was passiert, wenn ich ihn schon um 7 Uhr nutze).

Blick von der Bushaltestelle gegenüber auf unseren Appartementblock.
Wir waren froh, dass wir nicht Halbpension oder All inclusive buchten, denn so konnten wir in den Tag hineinleben. Nach dem üppigen Frühstück besorgten wir in einem der nahegelegenen Supermärkte Getränke und frisches Obst für den Strand, wo wir meistens den Tag verbrachten. Dreizehn Euro für zwei Liegestühle und einen Sonnenschirm pro Tag wollen schließlich abgelegen werden.

Glasklares Wasser.
Der Strand ist feinsandig, ideal für den Gatten, der auf Badeschuhe verzichten konnte, und sehr langsam abfallend - ideal für kleine planschende Kinder und Gatten, die unsicher auf den Beinen sind. Das Meer hat meistens wenig Brandung, was mich freute, denn so konnte ich in Ruhe schwimmen - ganz weit raus, bis zur Fahrrinne, was beim ersten Mal den Gatten alarmierte, der besorgt hinterher schwamm, was wiederum mich alarmierte, denn so lange Distanzen sind nichts mehr für ihn.

Auf dem Balkon liegt der Strand. 
Ich könnte jetzt so tun, als hätte ich Geheimtipps für Lokale mit typisch mallorquinischer Küche, aber ich bin lieber ehrlich: Einmal waren wir beim Chinesen (super), einmal gab's Pizza (die hatte gerade mal Esstemperatur, und so, wie das Fleisch beim Grillen hin-, äh zugerichtet wurde, würde ich da nichts Gegrilltes bestellen, also eher keine Empfehlung), einmal Grillfleisch bzw. Burger (Service verpeilt, Essen sehr gut), ansonsten kamen wir öfter an Lokalen vorbei, von denen wir dachten, da könnten wir abends hingehen, stellten aber abends immer wieder fest, dass uns Wein, Käse, Schinken, Salami, Cracker und Oliven völlig reichen. Zudem gab's einmal Nudeln, einmal Omelette, beides vom Gatten in der Kochnische zubereitet.

Typisches Abendessen.
Ansonsten waren unsere Tage faul: So oft wie möglich waren wir am Strand. Ich dachte erst, das könne mir schnell langweilig werden, aber dem war nicht so. Als wir buchten, bestand ich auf eine Fahrt mit der historischen Eisenbahn von Sóller nach Palma, und der Gatte wünschte sich einen Ausflug in die Höhlen von Artà. Beides machten wir. Der Mallorca-Kollege empfahl noch einige Touren, in den Reiseführern fand ich auch einiges, aber letztlich reichte uns der Strand. Und wie schon gesagt: Schnell war klar, dass wir wieder nach Mallorca reisen möchten.

Typischer Tagesstart auf dem Balkon: Löslicher Kaffee und schmökern vor dem Frühstück.
Beim nächsten Mal werden wir einiges anders machen. Der Mallorca-Kollege empfahl, einen Mietwagen in einer der Stationen zu buchen, die vom Flughafen aus per Shuttle zu erreichen sind, weil das günstiger sei. Da er das mehrmals im Jahr macht und es trotz Frau und zwei Kleinkindern als stressfrei empfand, folgten wir seinem Rat.

Appartementpflichten: Der Abwasch.
Allerdings zeigte sich, dass es für uns ein großer Stressfaktor ist, denn es dauerte knapp drei Stunden, bis wir endlich unseren Wagen von OK Cars bekamen - trotz Expressabfertigung. Drei Stunden in der Hitze stehend (es gab nicht genügend Stühle für alle) zu warten, war zu viel für den Gatten. Es folgte eine Nacht, in der wir mehr als einmal überlegten, den Notruf zu wählen.

Die Rückgabe kostete ebenfalls Nerven, denn die Station war nicht ausgeschildert. Zudem kostete uns die eigentlich kostenlose Eintragung eines zweiten Fahrers und die Hinterlegung der Kreditkarte eine Gebühr, die höher war als der Mietpreis - kein korrektes Verhalten, was ich aber angesichts des Zustandes des Gatten und drei Stunden Wartezeit auch nicht in Frage stellen konnte. Nur: Bei OK Cars buchen wir nicht wieder. Bei der nächsten Mallorca-Reise werden wir den Shuttleservice zwischen Flughafen und Hotel nutzen und erst vor Ort einen Wagen mieten. Das mag teurer sein, ist für uns aber praktikabler.

Zudem müssen wir noch mehr Zeit für die Wege im Flughafen einplanen oder einen speziellen Transfer buchen, denn der Gatte kommt nur langsam vorwärts. Und wir brauchen beide Kabinentrolleys, um das Handgepäck über weite Strecken besser transportieren zu können. Ich brauche einen neuen Koffer, denn der jetzige wiegt leer schon satte acht Kilo. Außerdem nutzen wir beim nächsten Mal die hoteleigenen Strandlaken - ich wusste bislang nicht, welches Gewicht feuchte Strandlaken haben können ...

Ansonsten freute ich mich jeden Tag über das Strandkleid, das auch zum Wechseln das Badeanzugs prima taugt, über die Strandtasche und das Häkelkleid, das sich sowohl am Strand als auch in der Stadt gut macht. Und ich freute mich, dass ich meinen Reisebedarf richtig einschätzte, nichts Überflüssiges einpackte - nachdem meine Touristikerzeit fast 20 Jahre zurückliegt, kann ich das immer noch. Für den nächsten Badeurlaub packe ich aber weniger Unterwäsche ein, stattdessen lieber einen weiteren Tankini.

Mehr Mallorca-Impressionen gibt es hier.

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