Samstag, 9. Mai 2020

Samstagsplausch KW 19/20: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten VIII

Wir sind inzwischen die achte Woche weitgehend zu Hause. Der Gatte und ich waren je einen Tag im "echten" Büro. Die anderen Tage arbeite ich zu Hause, während der Gatte auf Abruf ist.

Ein gemeinsamer Tagesablauf ist schwierig, denn auch wenn ich zu Hause bin, arbeite ich doch und kann nicht mal eben spontan irgendwohin fahren, einkaufen, spazieren gehen, bummeln, was auch immer. Wenn wir auf den Markt fahren, kann ich die Mittagspause vorziehen, aber mehr eben auch nicht, und Überstunden abbummeln kann ich nur, wenn dem keine dienstlichen Belange entgegenstehen. Das sorgt manchmal für Unverständnis und Gezicke, weil "Du bist doch zu Hause und sitzt nur rum" - ja, am Schreibtisch, um zu arbeiten.

Ich kann gut verstehen, warum eine Kollegin gar nicht erst die Möglichkeit nutzte, zu Hause zu arbeiten, eine zweite schneller als gedacht zurückkehrte, nachdem ihr Mann in Heimarbeit ging, und ein Kollege sich nach sechs Wochen Heimarbeit nebst Kinderbetreuung ebenfalls entschloss, wenigstens die zwei Tage in der Woche im "echten" Büro zu arbeiten, an denen seien Frau sich um die Kinder kümmern kann.

Ich bin aber nach wie vor entschlossen, solange wie möglich so viel wie möglich von zu Hause aus zu arbeiten - momentan bis zum 30. Juni (und vermutlich wenigstens einen Tag pro Woche auch länger, denn ich habe bis auf Weiteres einmal die Woche eine Telefonkonferenz, und selbst das ist mit den Telefonen im "echten" Büro nicht möglich - für die Videokonferenzen nutzen wir ja schon länger die Privatrechner).

Ein ärgerliches Missverständnis gab's mit dem Chef. Wir kommunizierten diese Woche nur im Stille-Post-Prinzip, und dann musste alles schnell, schnell gehen, so dass ich erst merkte, dass wir völlig aneinander vorbeiredeten, als schon fast die Druckmaschinen liefen. Einmal zu dritt miteinander zu sprechen, womöglich noch persönlich, hätte die Kommunikation erheblich vereinfacht. So gab's an vielen Stellen Verärgerung und Mehrarbeit. Das Ergebnis entspricht zwar dem Wunsch von Chef und Chefin, ist aber gelinde gesagt suboptimal. Was soll'. Letztlich bin ich Indianer, nicht Häuptling.

Zum Glück klappt die Kommunikation zum gemeinsamen Projekt mit dem meistens fast 100 km entfernt arbeitenden Kollegen besser. Wir sprechen uns telefonisch darüber ab, was zu tun ist, ich mache einen Entwurf, maile ihm den zu, und dann telefonieren wir wieder. Direkte Kommunikation, keine Stille Post.

Hier sind die verabschiedeten Lockerungen deutlich spürbar. Die Straßen sind voller, ebenso das Parkhaus beim Büro. Ich war völlig verblüfft, dass der Parkplatz direkt am Ausgang, den ich sieben Wochen lang problemlos bekam, plötzlich belegt war, ich ein paar Stockwerke höher fahren und suchen musste, andere Fahrer ebenfalls Runden drehten. Der überteuerte Parktarif ist auch wieder normal, eine Zeitlang war er halbiert.

Die Nachbarskinder spielen wieder haushaltsübergreifend miteinander, nicht mehr alleine oder mit Geschwistern. Da kehrt also auch langsam wieder so was wie Normalität ein, was mich freut, auch, wenn uns jetzt das Vogelgezwitscher fehlt, und man, wenn drei bestimmte Jungs miteinander spielen, sein eigenes Wort nicht mehr versteht, weil die frei drehen. Schon klar, warum ihre Eltern nicht wollen, dass die vor der eigenen Terrasse / dem eigenen Balkon spielen.

Ich fühle mich meistens erschöpft, auch, weil acht Wochen nach der OP das versprochene Ergebnis noch immer ausgeblieben ist, die Beschwerden andauern. Zusammen mit dem, was ich ohnehin schon  an Betreuung wuppen muss, und dem seit vier Wochen heftigem Asthma, das schlaflose Nächte bedeutet, ist mir das einfach zu viel.

Ich überlege, ob ich noch zu einem dritten Arzt gehe, nachdem zwei Ärzte die OP als gelungen betrachten und meinten, die letzten Beschwerden würden sich mit dem Ende der Wechseljahre geben. Nur bis dahin kann es noch bummelig 15 Jahre dauern, und nach fast einem halben Jahr Dauerbeschwerden hätte ich gerne eine finale Lösung, die mir wieder mehr Freizeitaktivitäten ermöglicht als lesen und stricken. Sport wäre auch mal wieder schön. Andererseits, solange eh noch alles geschlossen ist ...

Im Rahmen meiner eingeschränkten Möglichkeiten versuche ich mich an Sport zu Hause, nutze die Videos unseres Sportvereins, so weit es eben geht, und das Theraband, habe auch wieder den Stepper hervorgeholt, denn meine Beine bekommen momentan viel zu wenig zu tun.

Der Gatte redet viel über unseren Jahresurlaub im Herbst, aber ich mag noch gar nicht so weit im Voraus planen. Mallorca haben wir sehr früh gestrichen wegen Schwiegermutters Umzug. Stattdessen soll's nach Dänemark gehen, in ein ganz bestimmtes Haus, aber solange die Grenzen noch dicht sind, können wir nicht buchen. Und dann ist ja auch noch ungewiss, wann Schwiegermutter umzieht.

Ich gehe allerdings nicht davon aus, dass wir in diesem Jahr verreisen können, schon gar nicht außerhalb Deutschlands, sondern rechne mit weiteren Infektionswellen. Mit Ausgangsbeschränkungen und Maskenpflicht habe ich auch keine Lust zum Verreisen, von meinen aktuellen gesundheitlichen Einschränkungen mal abgesehen. Vielleicht sollte wir auch besser die Dänischlehrbücher und mein Dienst-Laptop mit in den Urlaub nehmen - falls die Grenzen wegen einer neuen Infektionswelle wieder geschlossen werden, können wir die Zeit sinnvoll nutzen.

Das Maskengedöns hat sich bei uns ganz gut eingespielt, auch wenn ich gestern kurz überlegte, mich wegen meines Asthmas befreien zu lassen, weil ich kaum Luft bekam. Frische Masken hängen an der Haustür, gebrauchte Masken kommen in einen Stoffbeutel im Bad, und jedes Mal, wenn ich Handtücher wasche, wandert der Beutel mit in die Maschine.

Wir haben zwar aktuell nicht so einen hohen Handtuchverbrauch wie zu den Zeiten, in denen wir zwei Mal in der Woche zum Sport gingen, aber da wir nur eine kleine Maschine und viele Masken haben, geht's. Nebeneffekt: Unsere Stoffbeutel werden endlich mal regelmäßig gewaschen.

Ansonsten: Dankbarkeit anlässlich des gestrigen 75. Jahrestags der Befreiung vom Faschismus, des heutigen 70. Jahrestages der EU und des Umstandes, dass wir Schwiegermutters hohen Geburtstag gemeinsam feiern konnten, wenn auch anders, als geplant.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea - vielen Dank für's Sammeln! Über's Einkaufen und Kochen in der vergangenen Woche berichte ich in der Kombüse. Bleibt zu Hause, bleibt gesund, passt auf euch und eure Lieben auf.

Donnerstag, 7. Mai 2020

Handgenähte Masken

Wie im letzten Samstagsplausch schon beschrieben, fing ich letzte Woche an, Masken mit der Hand zu nähen.

Masken mit Cupcakes.
Der Stoff, ein Gewinn bei Elfis Kartenblog, ist ein richtiger Hingucker und reichte genau für sechs Masken. Auf der Rückseite ist pinkfarbener T-Shirt-Stoff.

Mit dem Nahtband musste ich improvisieren, dann viel Auswahl gab's in den wenigen Geschäften, die Kurzwaren führen, nicht. Das weiße hatte ich noch im Vorrat, ebenso wie die Gummilitze, denn die ist hier auch vergriffen, und die Noodles, die es als Ersatz gibt, halten keine 60°C-Wäsche aus.

Ich habe inzwischen oft gehört und gelesen, dass viele statt Gummilitze Haargummis nehmen, aber entweder haben die andere Ohren oder andere Haargummis - meine Haargummis passen jedenfalls nicht über unsere Ohren.

Die werden uns wohl noch einige Monate begleiten ... 
Mir gefällt dieser Maskentyp am Besten, aber er hat seine Tücken: Die Brille, die ich normalerweise trage, beschlägt, rutscht und fällt von der Nase, wenn ich den Kopf senke. So heißt es also, entweder die Brille mit dem größeren Gestell zu tragen oder das Sportbrillenband verwenden. Damit alles passt, nehme ich die Brille ab, setze die Maske auf und dann die Brille samt Sportbrillenband - es ist jedes Mal ein elendiges Getüddel. Nützt ja nichts.

Dieser Beitrag geht rüber zur Linkparty Du für Dich am Donnerstag. Vielen Dank für's Sammeln!

Dienstag, 5. Mai 2020

#WMDEDGT 5/20: "Ich will nicht immer das Virus sein!"

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Ich starte lädiert in den Tag. Seit Ostern haben mich Asthma und Allergien im Griff, heftiger als in den Vorjahren, und die Nacht war entsprechend unruhig und kurz. An einem normalen Tag hätte ich verschlafen, aber da ich in Heimarbeit bin, entfallen ja die zwei bis drei Stunden tägliche Fahrzeit ins Büro, und so sitze ich zwar schlapp, aber pünktlich am Schreibtisch.

Ich arbeite mich durch einige Mails, generiere einen QR-Code und maile ihn an die Kollegen zum Testen, bereite eine Ausschreibung vor und warte auf einen Anruf von Chef oder Chefin zwecks Abstimmung eines Layouts. Warten ist zurzeit das, was ich im Heimbüro am Meisten mache.

Frühstückspause. Der Gatte versorgt mich mit Kaffee und Toast. Vor der Terrasse spielen Nachbarskinder, jedenfalls so lange, bis ein kleiner Junge schmollend ruft: "Ich geh' nach Hause! Ich will nicht immer das Virus sein!"

Mittags mache ich die erste Theraband-Einheit, um Schulter- und Nackenmuskulatur und Atmung zu trainieren, bevor gegen 13 Uhr wie jeden Dienstag die LPK beginnt. Seit Corona ist das wieder ein fester Termin, ebenso wie die am Freitag Nachmittag, denn die Senatsbeschlüsse wirken sich auf meine Projekte aus. Ich bekomme das wesentliche mit, bevor die Chefin anruft, um zwei Stunden lang ein Layout abzustimmen.

Während des Abstimmungsmarathons erledigt der Gatte den Haushalt, macht einen Ausfall in den Baumarkt und kommt mit einer neuen Duscharmatur wieder, die er auch gleich montiert.

Ich könnte jetzt Feierabend machen, bereite aber nach dem Telefonat mit Mudderns noch eine Ausschreibung vor. Die Zeit drängt, ich möchte sie vom Tisch haben, damit die Kollegen in der Beschaffungsabteilung sie morgen gleich weiterleiten können. So viel zum Vorhaben, in der Corona-Phase Überstunden abzubauen ...

Anderthalb Stunden später ist dann wirklich Feierabend. Nach einer weiteren Theraband-Einheit setze ich die eingeweichten Bohnen für's Abendessen auf, werfe die Spülmaschine an, koche Tee und esse als spätes Mittagessen eine der beiden Mohnschnecken, die der Gatte am Vortag auf dem Heimweg aus dem Büro vom Lieblingsbäcker mitbrachte. Die gemeinsame Teezeit mit dem Gatten entfällt, denn der ist noch mit der Dusche beschäftigt. Als er damit fertig ist, füttere ich im Bad die Waschmaschine.

Die Zutaten für's Abendessen wollen geschnippelt werden, denn das besteht nicht nur aus Bohnen. Die sind inzwischen gar, und ich setze die restlichen Zutaten auf. Während ich einen Vorabendkrimi schaue, schmort das Fleisch vor sich hin. Bis das Essen fertig ist, habe ich das Rückenteil des aktuellen Strickstücks fertig und schlage die Maschen für ein Vorderteil an.

Nach dem Abendessen fernsehen und stricken bis nach dem Heute Journal, bettfein machen, noch etwas lesen* und "Das war der Tag" im DLF hörend irgendwann einschlafen.

Das Rezept zum Tag gibt's in der Kombüse. / *Affiliate link

Samstag, 2. Mai 2020

Samstagsplausch KW 18/20: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten VII

"Ich freue mich schon darauf, wenn die Restaurants wieder geöffnet sind", meinte der Gatte, als wir die Tage zur Teezeit auf dem Balkon saßen. Ja, die Restaurants gehen uns beiden ab. Ich freue mich auf geöffnete Kinos, hoffe, es gibt bald die Genehmigung für ein Autokino auf der Bahrenfelder Trabrennbahn.

Ich freue mich auch auf einen Hagenbeck-Bummel, auf Turnhalle und Schwimmbad, auch, wenn Sport weiterhin schwierig ist, weil die OP vor sieben Wochen zwar gut verlief, die von den Ärzten zugesagte Beschwerdefreiheit aber ausblieb. So ist also seit nunmehr fünf Monaten quasi kein Sport möglich, und das nervt.

Wir sind inzwischen die siebte Woche weitgehend zu Hause. Der Gatte war einen Tag im "echten" Büro, ich arbeitete komplett im Heimbüro. Von einem eingespielten Alltag oder einem gemeinsamen Tagesablauf sind wir weit entfernt. Vieles zerrt an den Nerven.

Die Arbeit zu Hause ist einerseits anstrengend, weil ich viel Zeit überbrücken, auf Entscheidungen warten muss, andererseits muss ich das anders als im "echten" Büro aber nicht zwangsläufig am Schreibtisch machen, was wiederum ganz nett ist. Telefon- und Videokonferenzen finde ich immer noch sehr anstrengend und zöge ein analoges Gespräch vor. Nur: Nützt ja nichts. Als ich mich vorgestern auf die Konferenz vorbereitete, ging mir auf, dass ich die gleichen Schritte, die ich sonst für meine Blaumänner als Sekretärin machte, jetzt plötzlich für mich selbst mache - irgendwie komisch.

Inzwischen fand ich eine Möglichkeit, die Software für die Video- und Telefonkonferenzen auf dem Dienstrechner zum Laufen zu bringen. In dem Moment, als allerdings größere Datenmengen durch den Tunnel mussten, ging der Dienstrechner in die Knie, wechselte ich mitten in der Konferenz auf den Privatrechner. Damit war ich besser dran als mein Kollege, dem nur der winzige Smartphone-Bildschirm blieb, um Layout-Entwürfe zu begutachten - und das mit ohnehin kleinen Augen durch eine schlaflose Nacht am Bett seines fieberkranken Kindes.

Normalerweise wären wir seit gestern und bis Montag in Travemünde, um in einem Luxushotel Schwiegermutters halbrunden Geburtstag zu feiern. Heute wären wir sicherlich nach Lübeck zu Sightseeing und Shopping gefahren, hätten bei Niederegger Torte gegessen. Der Gatte und ich hätten uns daran erinnert, dass unsere erste gemeinsame Reise nach Lübeck führte. Morgen hätte ich versucht, mich nach Neustadt fortzustehlen, um wenigstens kurz an der Gedenkfeier zum 75. Jahrestag des Cap-Arcona-Untergangs teilzunehmen.

Stattdessen werden wir bei Schwiegermutter zu Hause feiern - zum letzten Mal, denn ihr Umzug in eine Seniorenwohnanlage steht bevor. Zu unser aller Freude konnte Tante samt Dackel kommen. Die Familie ist also komplett.

Seit Montag herrscht Maskenpflicht im ÖPNV, in Geschäften und Einkaufszentren. Ich finde die Schnutendeckel sehr sinnvoll, theoretisch. Praktisch tue ich mich schwer damit, denn ich bekomme damit schlecht Luft (und zu allem Überfluss feiert mein Asthma seit einiger Zeit Party). Dienstag trug ich den Schnutendeckel erstmals fast zwei Stunden am Stück - schön ist anders. Zum Glück sind die Temperaturen momentan noch moderat - im Sommer sehe ich mich schon am Boden liegen.

Ich bewundere die Verkäuferinnen, die es den ganzen Tag mit den Schnutendeckeln aushalten und überlege, auf ein Visier zurückzugreifen, wenn ich im Laden eingesetzt werde. Der Laden sollte eigentlich schon seit Montag geöffnet sein, ist aber noch geschlossen, nachdem Blaumann II intervenierte - ein Glück! So wichtig Kultur und Bildung sind, kann die Ladenöffnung doch noch ein paar Tage warten (unser Laden ist nicht kommerziell, insofern machen wir keinen Verlust, sondern könnten entspannt sein).

Schon in der letzten Woche fiel mir auf, dass der Verkehr zunahm, und diesen Dienstag standen wir tatsächlich im Feierabendstau. In der Fußgängerzone und im Einkaufszentrum waren viele Menschen unterwegs, zumindest im Vergleich zu unserem "Dorf" am Stadtrand. Gleichzeitig war es im Einkaufszentrum gespenstisch: Viele Läden schlossen um 17 Uhr oder 18 Uhr anstatt wie sonst um 20 Uhr, und die Markthalle im Einkaufszentrum war quasi verwaist. Im Bahnhof war's nur auf den ersten Blick recht belebt. Auf den zweiten waren viele Geschäfte geschlossen, patrouillierte viel Polizei.

Mit Maske und ggf. Schlangestehen, um ins Geschäft zu kommen, macht das Bummeln keinen Spaß, und so schaute ich nur noch im Bastelladen vorbei. Da fand ich auch die schon lange gesuchten Stecknadeln und das Nahtband - die Versorgung mit Kurzwaren ist für mich gerade schwierig, wenn ich nicht online bestellen will (was ich möglichst vermeide; die Paketboten sind schon gestresst genug) und die Kurzwarenabteilungen in den Kaufhäusern geschlossen sind.

Eine erste Maske.
Diese Woche kam ich ins richtig Nähen. Beim Bloggeburtstag von Elfis Kartenblog gewann ich entzückenden Cupcakes-Stoff und machte mich noch am gleichen Abend, als der Stoff ankam, ans Nähen - ohne Hilfe von Tante, die wie Schwiegermutter einst eine Ausbildung zur Schneiderin machte, und ohne Nähmaschine (Schwiegermutter kann leider nicht mehr gut genug sehen und musste deswegen das Nähen schweren Herzens aufgeben).

Ich sage zwar immer, dass ich nicht nähen kann, aber natürlich habe ich wie alle Kinder meiner Generation Handarbeitsunterricht gehabt und Nähen gelernt. Nur war bei mir immer was falsch: Die Nadel, der Faden, der Stich, der Fadenlauf ... Mit der Maschine bekomme ich keine gerade Naht hin, ich kann Stoff nicht ordentlich zuschneiden usw.

Dass das Ergebnis immer tragbar und akzeptabel war, interessierte nicht: Mudderns und Handarbeitslehrerin kamen zu dem Ergebnis, dass ich einfach zu dumm zum Nähen bin, und genau wie Sport (zu fett dafür) und Mathe (zu dumm dafür) wurde es mir systematisch verleidet. Dabei nähte ich damals eigentlich gerne, erfasse Schnitte schnell, kann sogar Schnitte entwerfen, nur umsetzen kann ich das nicht, weil ich halt einfach zu dumm dazu bin.

Und so steht im Keller zwar eine geerbte Nähmaschine, liegt hier ein Nählernbuch, aber es gab keinen Grund, mich damit zu befassen. Schwiegermutter, solange sie noch sehen konnte, und Tante sind schließlich Nähprofis und übernehmen gerne, und ansonsten gibt es immer irgendwo eine Änderungsschneiderei.

Als ich dann aber die einfachen Maskenschnitte sah, packte mich dann doch ein wenig Nähfiber, und schwuppdiwupp war Elfis Stoff in sechs Masken umgewandelt. Das machte sogar Spaß. Wenn's im Radio gerade kein Feature oder Hörspiel gab, lief ein Hörbuch, und inzwischen schaffe ich eine Maske in unter einer Stunde.

Inzwischen steche ich mich auch nicht mehr bei jedem Stich, höchstens noch bei jedem zweiten, landen Nadeln nicht mehr unter Fingernägeln oder im Nagelbett, sondern im Stoff, meistens jedenfalls, verwandeln sich die Blasen in Hornhaut. Ja, ich weiß, die Stiche sind krumm und schief, das Garn ist ebenso falsch wie die Nadel und der Fadenlauf stimmt nicht, aber so ist das halt, wenn man zu dumm zum Nähen ist.

Die letzten aussortierten T-Shirts, aus denen eigentlich Garn werden sollte, werden noch in Masken verwandelt, und danach werde ich das Angebot der inzwischen wieder geöffneten Änderungsschneiderei in der Nähe nutzen, dort Masken kaufen - die werden uns ja leider noch einige Monate begleiten.

Diese Woche gab's noch mehr Neues: Ich habe das Video-Sportangebot unseres Vereins ausprobiert, soweit das mit meinen Einschränkungen möglich ist, und nutze die Online-Kulturangebote verschiedener Anbieter. So entdecke ich einiges für mich neuer Musik. Das Sportangebot ist oft so, dass es sich auch zwischen unseren Schreibtischen machen lässt. Außerdem nutze ich wieder das Theraband, gegen die Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich.

Über's Einkaufen und Kochen in der vergangenen Woche berichte ich in der Kombüse. Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Bleibt zu Hause, bleibt gesund, passt auf euch und eure Lieben auf.

Freitag, 1. Mai 2020

Ausgelesen: Bücher im April 2020

Viele Freizeitaktivitäten kann ich immer noch nicht machen, zum einen, weil ich gesundheitlich noch immer eingeschränkt bin, zum anderen, weil coronabedingt Turnhalle und Theater geschlossen sind. Also lese ich, wenn ich nicht stricke oder nähe.

Im März entdeckte ich die Reihe um den Münchner "Kommissar Pascha", Zeki Demirbilek, und im April erschien der siebte Band, "Tödliche Auszeit*" von Su Turhan. Wenn es keine Wende im Stile der Duschszene mit Bobby Ewing gibt, dürfte es der letzte Band gewesen sein, kommt die Reihe zu einem drastischen Ende.

Worum geht's? Kommissar Pascha ist entschlossen, hinzuwerfen. Doch dazu kommt es nicht, als eine junge Polizistin, die zum Schutz der Münchner Sicherheitskonferenz in die Landeshauptstadt einberufen wurde, spurlos verschwindet. Zeki und seine Kollegen geben alles, um die Tat aufzuklären. Die Spuren führen in den Teilnehmerkreis der Sicherheitskonferenz – doch sicher ist bald niemand mehr.

Man merkt deutlich, dass Turhan keine Lust mehr hat - und der Verlag anscheinend auch nicht, denn das Buch ist nachlässig korrigiert und lektoriert. Falsche Grammatik, nicht in der dialekt geprägten direkten Rede, wo's zu verschmerzen wäre, und unlogische Szenen wie die mit der Nichte von Isabel Vierkant, die entführt und verschnürt in einem Kofferraum liegt und es trotz gefesselter Hände schafft, sich am ganzen Körper abzutasten. Zeki scheint zudem völlig abgedreht, so dass sein vermutlicher Tod am Ende fast schon eine Erlösung ist - für den Kommissar und die Leserin.

Wie bei "Kommissar Pascha" kam ich auch bei "Allmen und die Erotik*" durch die Verfilmungen auf die Idee, mal nach den Büchern zu gucken. Die Allmen-Reihe schreibt Martin Suter, und die Verfilmungen mit Heino Ferch, dem vermeintlichen verarmten Adeligen Allmen, und Samuel Finzi, dem schlitzohrigen Diener Carlos, sehe ich gerne. Das Buch kann mit der Serie mithalten, macht Lust auf mehr. Mal schauen, dass ich die bislang sechsbändige Serie von Anfang an lese.

Nachdem mir der Thriller "Das Schweigen der Angst*" von M. Sean Coleman gut gefiel, las ich gleich den ersten Band, "Der Ruf der toten Mädchen*". Obwohl beide Bände ineinander abgeschlossen sind, schadet es nicht, sie in der richtigen Reihenfolge zu lesen, weil dann manche Bezüge deutlich werden. Im ersten Band klärt die Theologin und Expertin für Übersinnliches Dr. Alex Ripley eine Serie von Teenager-Selbstmorden im englischen Lake District, und im zweiten Band beschäftigt sie sich mit einer Wunderheilerin an der Küste von Nordwales. Beide Bücher sind spannend und haben für mich genau das richtige Maß an Thrill - wobei für mich allerdings auch "Bambi*" ein Horrorfilm ist.

Von Vielschreiber Sebastian Thiel las ich vor etwa vier Jahren schon "Geheimprojekt Flugscheibe*" und war nicht so sehr angetan, da das Thema des Krimis zwar spannend war, die Umsetzung aber nicht so gelungen. Mit "Deutscher Frühling*" aus der Reihe Zeitgeschichtlicher Krimis im Gmeiner-Verlag machte ich einen weiteren Versuch, ohne wirklich überzeugt zu werden. Protagonisten sind der ehemalige Polizist Hardy Schmittgen und die Halbwüchsige Luisa Porovnik, die sich in den brutalen letzten Kriegstagen buchstäblich durchschlagen.

Zufällig retten sie Reginald Taylor, Verbindungsoffizier des britischen Militärgouverneurs, das Leben. Er stellt die beiden in seine Dienste, und sie erledigen allerlei Aufträge für ihn: Sie retten von den Nazis beiseite geschaffte Kunst, finden russische Spione, und zu guter Letzt vereiteln Schmittgen und Porovnik während der Feierstunde zur Verkündung des Grundgesetzes auch noch ein Attentat. Die Fälle wirken wahllos aneinander gereiht, sind allesamt der konstruiert und sehr brutal. Muss man nicht unbedingt lesen.

Viel besser gefiel mir "Rheinlandbastard*" von Dieter Aurass. Von Aurass möchte ich unbedingt mehr lesen und habe mir schon die Reihe um den Frankfurter Hauptkommissar Gregor Mandelbaum vorgemerkt.

Der historische Krimi rund um die Kinder schwarzer französischer Soldaten und weißer deutscher Mütter spielt im Jahr 1924 in Coblenz am Rhein. Soldaten der französischen Besatzung fallen einer Mordserie zum Opfer. Fremdenhass? Rache? Oder hat der Täter ein ganz anderes Motiv?

Als der französische Ermittler Didier Anjou bei seinen Untersuchungen an seine Grenzen stößt, muss er wohl oder übel den jungen deutschen Kommissar Adalbert Wicker um Hilfe bitten. Zu Anjous Ärger vermutet dieser den Täter in den Reihen der Soldaten selbst. Doch Licht ins Dunkel kann erst Wickers heimliche Geliebte bringen, die französische Krankenschwester Babette. Sie ist nicht nur der Schlüssel zu dem Fall, sondern auch zu Anjous verdrängter Vergangenheit. Kann die Liebe zwischen Babette und Adalbert den Hass zwischen Franzosen und Deutschen besiegen?

Durch das Maskennähen wandte ich mich auch wieder Hörspielen und Hörbüchern zu. So hörte ich endlich "Die drei ??? Höhenangst*". Ein unbekannter Anrufer behauptet, Bob wäre der einzige Augenzeuge eines Mordes. Und als wäre das nicht schon seltsam genug, handelt das neueste Buch des Autors Ben Hustler von genau diesem Verbrechen. Bob glaubt an einen schlechten Scherz. Doch als er beginnt, die ersten Kapitel von "Höhenangst" zu lesen, überkommt ihn eine Gänsehaut. Eine sehr spannende Folge, inklusive der Geschichte in der Geschichte!

In Hörspielfolge 202, "Die drei ??? Das weiße Grab*" nehmen sich die drei Detektive sich Auszeit in den Bergen, die aber anders verläuft als vorgestellt. Nach dem Abgang einer Lawine stecken sie in einer Hütte fest! Mit ihnen zwei Wanderer und eine Bewohnerin des nahegelegenen Bergdorfs. Und als wäre die Situation nicht heikel genug, beginnen die Detektivinstinkte der drei ??? Alarm zu schlagen. Gibt es etwa eine Verbindung zwischen den Personen und dem geheimnisvollen Unfall, der vor einiger Zeit hier passierte? Die Geschichte riss mich nicht so sehr mit, denn es war zu früh ersichtlich, wie alles zusammenhängt.

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