Samstag, 17. Dezember 2022

Samstagsplausch KW 50/22: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CXLIV

Sonnabend standen wie vereinbart die Bauarbeiter vor der Tür - okay, bis auf den Elektriker, den wie schon geahnt die Weihnachtsfeier am Vortag verhinderte ... Am frühen Nachmittag hatten wir eine Dusche, zwei Waschbecken, ein Ausgussbecken - und eine Toilette, die wir aber noch nicht nutzen können, weil das falsche Anschlussstück geliefert wurde. Aber im Prinzip haben wir ein Bad! Es ist für unsere Verhältnisse sehr luxuriös, vor allem, wenn man bedenkt, dass unser aktuelles Bad auf dem Stand von 1974 ist: Bodengleiche Dusche, für die das Bad ins Treppenhaus hin ausgekragt wurde, und die so groß ist, dass eine halbe Fußballmannschaft gleichzeitig duschen kann, da sie über die gesamte Badbreite geht, und zwei Waschbecken, für die die Leitungen an eine andere Wand verlegt wurden. Die Toilette wurde auch versetzt. Alles ist Weiß und Grau und putzfreundlich.   

Im Laufe der Woche sollen das fehlende Anschlussstück, die Badezimmertür, ein Waschbecken, zwei Kloschüsseln, zwei Spülkästen, ein Fenstergriff, ein Durchlauferhitzer und sechs Steckdosen samt Elektriker kommen. Es bleibt also immer noch spannend. Zumindest das fehlende Anschlussstück wurde Montag tatsächlich montiert. 

Als die Baubrigade Sonnabend bei uns fertig war, ging's weiter zu der zweiten Sandkastenfreundin im Dorf, denn auch an sie haben wir die Brigade empfohlen. Es ist ja nicht so, dass wir unzufrieden mit der Arbeit der Brigade sind. Wir können nur nicht mit ihrer chaotischen Terminplanung umgehen. Die Brigade bekam durch uns insgesamt drei weitere Aufträge - wir sollten Provision nehmen.   

Sonntag war dann langsam bei mir angekommen, dass wir einen Baukredit haben, dass die bislang verauslagten Beträge dadurch erstattet werden, dass sich unsere geplünderten Sparbücher wieder füllen werden, dass ich Heizungsbauer und Gärtner beauftragen und bezahlen kann. Jetzt setzt langsam Entspannung ein - ich schlief zehn Stunden.  

Der Sonntag war überhaupt sehr entspannt, abgesehen von einem erneuten Anruf aus dem Pflegeheim wegen Mudderns Verhalten. Mudderns erfindet ständig neue Geschichten, weswegen das Heim Rücksprache zur Einordnung hält. Sie verliert rasend schnell den Bezug zur Realität, macht es niemandem leicht und sich selbst am schwersten. Es ist jeden Tag auf's Neue erschreckend, wie schnell Mudderns abbaut. Unsere täglichen Telefonate werden immer kürzer, eine Unterhaltung ist kaum noch möglich, selbst die Frage nach dem Mittagessen bringt sie völlig aus dem Konzept. Früher erzählte sie mir immer, was es mittags gab. Seit ein paar Tagen kann ich mit dem, was sie sagt, überhaupt nichts mehr anfangen, ist quasi kein Gespräch mehr möglich. Es ist kaum zu verstehen, dass sie nicht dement sein soll. 

Da Mudderns nicht in die Kirche wollte und auch sonst keinen Besuch, konnte ich ausschlafen, schon mal online nach Spiegelschränken und Co. gucken, seit ewigen Zeiten mal wieder den "Sonntagsspaziergang" hören ... Angesichts des traumhaften Winterwetters hätte sich ein analoger  Sonntagsspaziergang mit dem Gatten angeboten, aber auch er suchte drinnen nach Entspannung. Im Haus arbeitete ich dieses Wochenende nur wenig, sieht man von Abwaschen, Aufräumen, Kochen und Putzen ab. Ich war noch im Hellen zu Hause - allerdings ohne die Lebensmittel für den Wocheneinkauf ... Die sollte der Gatte am kommenden Tag mitbringen, dachte beim Blick in die Tasche aber, das wäre der Baustellenvorrat und ließ sie da. Das stellte unseren Wochenplan auf den Kopf.

Der alte Schleichweg zum Bahnhof existiert noch. Erstaunlicherweise ist noch immer der Zugang zu den Bahngleisen möglich - es gibt keinen Zaun o.ä. Ich könnte also die Notbremse ziehen, den Bahndamm hochklettern und einen Kilometer Fußweg sparen. Auf der Wiese rechts wohnten bis vor ca. 20 Jahren Heidschnucken - mitten in der Stadt. Dann begannen irgendwelche Düffeldaffel, ein Tier nach dem anderen abzustechen. Die überlebenden zogen woanders hin.

Hier gilt seit mittlerweile 144 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Es geht uns vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus, auch wenn mir seine Wesensveränderungen seit seiner Erkrankung immer mal wieder zusetzen. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird. Er ist inzwischen schwerbehindert und berufsunfähig verrentet. 

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Mütter und seit Juli Handwerker. Ich bin dankbar, dass Corona uns bislang verschonte. Wir sind natürlich geimpft, aber angesichts unserer Vorerkrankungen ist trotz Impfung eine Corona-Infektion wenig ratsam. Sie ist aber unvermeidbar, und ich kann nur hoffen, dass es uns dann nicht zu hart trifft. Corona wird ja anscheinend langsam endemisch - wären da nicht die weiterhin hohen Todeszahlen. 

Sonntag hatte ich die Idee, Mudderns eine Nesteldecke (Alzheimer's Blanket, Fidget Blanket, Demenzdecke, Fühldecke ...) zu stricken. Ich beobachtete schon länger, dass Mudderns an ihrem Schultercape eigentlich nur noch herumnestelt anstatt es zu tragen oder es sich über die Kniee legt. Sie bekommt zu Weihnachten zwar ein neues Schultercape, von dem ich annehme, sie wird es auch nicht tragen, und das viele Nestelmöglichkeiten bietet, aber vielleicht hat sie an der Decke trotzdem Spaß. Es war schon sehr frustrierend, beim Entrümpeln zu merken, dass Mudderns fast nichts von dem, was sie in den letzten Jahren gestrickt haben wollte, trug. Bis auf ein Paar Filzpuschen und ein Paar Socken fand ich alles achtlos in irgendwelche Schränke gestopft. 

Der Gatte kämpft aktuell mit einem heftigen grippalen Infekt, wodurch Erinnerungen an den Winter 2020/2021 wach werden. Immerhin schont er sich (damals schleppte er sich fiebrig ins Büro) und war sofort beim Arzt - freiwillig! Das will was heißen. Wirklich besser wird's aber nicht. Mal schauen, wie das Wochenende wird. Solange der Gatte nicht ins Krankenhaus muss, ist alles gut. Mich steckte der Gatte auch an, aber bislang geht's bei mir einigermaßen. Ich meldete mich einen Tag krank und hoffe auf ein ruhiges Wochenende zur Rekonvaleszenz. Ich sollte zu Hause Maskenpflicht verhängen. 

Zu den guten Dingen gehört, dass das dem Gatten verschriebene Antibiotikum in der Apotheke vorrätig war. Das ist ja aktuell nicht selbstverständlich. 

In dieser Woche kamen die ominösen Bewilligungsurkunden, letztlich nur eine Aufstellung von Flurnummern. Jetzt fehlt noch die Eintragung der Grundschuld beim Grundbuchamt, dann kann der Baukredit ausgezahlt werden. Für die Historikerin in mir waren die Bewilligungsurkunden durchaus interessant, stellte sich doch heraus, dass das Grundstück, auf dem die Siedlung gebaut wurde, u.a. einer schwerreichen, aber kaum in der Öffentlichkeit stehenden Reeder-Familie gehörte, die ihr Vermögen außer mit Grundbesitz vor allem durch gute Geschäfte mit Franco und Hitler machte. So transportierte man vom Hamburger Hafen aus Waffen, Munition, Sprengstoffe und Truppen wie die Soldaten der Legion Condor. Das könnte eine spannende Recherche werden, wenn ich mal nichts anderes zu tun habe. 

Freitag war Mudderns Gesellschafterin wieder bei ihr, und es ist erstaunlich, welchen Einfluss das auf sie hat. Abends konnten wir tatsächlich ein kurzes zusammenhängendes Gespräch führen! Mudderns wollte eigentlich das Grab meines Vaters auflösen, aber als dann jetzt der entsprechende Brief kam, ich ihr sagte, ich fände es besser, wenn die Liegezeit verlängert wird, stimmte sie zu. Das ist erledigt, die Rundfunkgebühren sind auch gekündigt (es gab sogar ungefragt eine Gutschrift über ein halbes Jahr), von der ersten Bank bekam ich eine Depotübersicht - langsam lichtet sich der Dschungel. Ich muss "nur noch" Ordnung in Mudderns Papierberge bringen, denn bislang ist alles nur grob vorsortiert. 

Im Büro ist es ruhig. Ich warte auf eine Blaumann-Entscheidung, nach der es ab Januar trubelig werden könnte. Die neue Kollegin, die letzte Woche schon für Zores bei meinem Projekt sorgte, schlägt weiterhin quer. Da ist wohl mal ein Sechs-Augen-Gespräch mit dem Chef fällig. Das bot er auch schon an, aber da setzte ich noch auf meine natürliche Autorität ... Ansonsten wundere ich mich angesichts des Krankenstandes bei uns im Betrieb, dass unser böberster Blaumann nicht schon längst wieder eine Maskenpflicht verordnete. 

Schwiegermutter und Tante geht's gut. Wir freuen uns auf das Wiedersehen an Weihnachten. Geplant ist, dass wir Heiligabend zum ersten Mal seit Schwiegermutters Umzug in die Seniorenwohnanlage zusammen verbringen. Im ersten Jahr war's ja durch die Erkrankung des Gatten nicht möglich, und im zweiten Jahr waren wir alle bei Tante. Mal gucken, ob's dieses Jahr möglich ist. Große Unbekannte ist das Zugangsmanagement in der SWA, ob wir abends kommen und gehen dürfen oder ob nur nachmittags Besuch erlaubt ist. Dann müssten wir nachmittags zu spät wie möglich kommen und abends heimlich durch einen Nebenausgang verschwinden ... Es wird sich finden. 

Aktuell lese ich die Commissario-Pavarotti-Reihe  von Elisabeth Florin* und habe akutes Meran-Weh. Vor fast einen Jahr planten wir noch, im kommenden Mai zu Tantes 90. Geburtstag nach München zu fahren und von dort weiter nach Südtirol. Das hat sich durch die Entwicklung bei Mudderns zerschlagen. Mit Glück sind wir im Mai schon (endlich) ins alt-neue Haus gezogen.  

Ich bin in diesen Tagen immer wieder verwundert darüber, wie rasend schnell dieses Jahr vorüber ging. Morgen heißt es schon wieder Chag Chanukka Sameach. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

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Freitag, 16. Dezember 2022

Friday Flowerday: Erdbeerfarbene Rosen

Der Gatte war auf dem Wochenmarkt, um Blumen für seine Mutter zu kaufen und brachte mir einen Rosenstrauß mit - entgegen aller Vernunft, da wir ja gerade zwischen zwei Wohnsitzen pendeln, ich kaum etwas vom Blumenstrauß haben würde. 

Die Rosen auf der Fensterbank des Esszimmers im alt-neuen Haus.

Aber im Gegensatz zu mir ist der Gatte Romantiker: Als wir mal zwei Wochen getrennt waren, empfing er mich auf dem Bahnsteig mit einer roten Rose, worauf ich entgeistert fragte, wie wir die denn heil nach Hause bekommen sollten, wo wir doch noch drei Tage mit dem Auto unterwegs wären. Ich bin da eher so pragmatisch.  

Die Rosen auf dem angestammten Vasenplatz in der Wohnung. Mal schauen, wo ich im alt-neuen Haus einen schönen Vasenplatz finde.

Einen Teil der Woche standen die Rosen in der Wohnung, dann zogen sie um ins alt-neue Haus. Somit gibt es jetzt dort auch eine Vase.

Adventskranz vor Rosenstrauß und Barbarazweigen.

Die Rosen sind für die Glasvase mit eingeätzten Schneckenhäusern eigentlich zu kurz, aber ich fand es so gerade schön. Zur Vase habe ich hier schon mal mehr geschrieben.

Die Rosen haben einen zauberhaften farbverlauf, der uns an Erdbeeren erinnert.

Dieser Beitrag geht rüber zur Freutag-Linkparty und zum Friday Flowerday. Vielen Dank für's Sammeln! 

Donnerstag, 15. Dezember 2022

#12von12 im Dezember 2022

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür! 

#1: Bushaltestellenwarteblick, heute mal mit Polo- oder Polizeipferden. Diesen Ausblick werde ich nach dem Umzug vermissen.

Heute ist Montag. Der Gatte ist noch auf der Baustelle, wird erst im Laufe des Vormittags zurückkommen. Ich muss ins echte Büro und fuhr deswegen schon gestern. Tatsächlich könnte ich seit vorgestern montags auch direkt mit der Bahn von der Baustelle ins Büro fahren, denn wir haben mittlerweile dort wieder ein Badezimmer. Darauf war ich aber nicht vorbereitet. 

#2: Ich wundere mich, warum meine Handtasche so ungewöhnlich schwer ist: Ich schleppe seit drei Tagen das Weihnachtsgeschenk für den Gatten durch die Gegend ... Hier gibt's mehr Infos zu dem Buch.

#3: Der Gliederkaktus blüht dieses Jahr sehr üppig. Es ist ein Ableger einer über 60 Jahre alten Pflanze, die schon im Büro meines Vaters stand.

#4: Arbeiten.

#5: Es ist kalt im Büro.


#6: Ab nach Hause.

Der Arbeitstag ist ruhig. Trubelig wird's frühestens wieder im Januar.

#7: Scribble für eine Nesteldecke für Mudderns. 

Pünktlicher Feierabend, einen erkälteten Gatten vorfinden, mit Mudderns telefonieren, Hausarbeit, Abendessen zubereiten, dann Füße hoch und die Fäden für einen Poncho für Mudderns vernähen. Früh ins Bett, da ich gerne noch ausgiebig im aktuellen Krimi* lesen möchte. 

#8: Der letzte Monat mit einer Zeichnung von Alexander Holzach. Seine zauberhaften Zeichnungen werden uns fehlen. 

#9: Adventskranz.

#10: Eintauchen in die Kindheit. Im Advent wird jeden Abend eine Geschichte gelesen.

#11: Fäden verziehen. Morgen werden die Knöpfe angenäht.

Der Blick zurück in die ersten beiden Corona-Jahre: Am 12. Dezember 2020 hatte ich keinen Kopf, um den Tag festzuhalten, denn der Gatte lag mit unklarer Prognose, ebenso unklarer Diagnose und Corona-Verdacht im Krankenhaus. Es war dramatisch (und sollte noch dramatischer werden). Am 12. Dezember 2021 war der Gatte drittgeimpft und entsprechend malad. Wie nach jeder Corona-Impfung fragten wir uns, was erst eine Infektion mit ihm machte, wenn ihn die Impfung schon so umwirft. Das ist mit ein Grund, warum ich eine Corona-Infektion nach wie vor nicht für erstrebenswert halte. Ich kenne die Unterschiede zwischen Erkältung, grippalem Infekt, Grippe und Lungenentzündung und sehe beim mittlerweile schwerbehinderten, berufsunfähigen Gatten jeden Tag, was sie anrichten können. Da will ich nicht erfahren, was Corona kann. Da bleibe ich hartnäckig.  

#12: Vor dem Einschlafen noch lange lesen*.

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Dienstag, 13. Dezember 2022

Weihnachtskarten mit Julehjerter (Weihnachtsherzen)

Keine Ahnung, woher ich im letzten Jahr die Kraft nahm, mal eben schnell Weihnachtskarten selbst zu basteln. In diesem Jahr, dem mittlerweile dritte Chaos-Jahr, habe ich sie nicht mehr. In diesem Jahr werden gar keine Weihnachtskarten geschrieben. 

Weihnachtskarten mit Julehjerter.

Diese Weihnachtskarten mit Julehjerter (Weihnachtsherzen) sind schnell gemacht: Ich suchte nach einer Vorlage in den unendlichen Weiten des Internetzes (zum Beispiel dieses hier), übertrug sie auf Klebefilz*, den ich auf Faltkarten* klebte - fertig. Die Karten begleiteten die handgestrickten Spültücher mit Gedöns, die einige liebe Menschen zu Weihnachten bekamen. 

Eines der Herzen im Detail. 

Dieser Beitrag geht rüber zu Dings vom Dienstag, Creativsalat und Handmade on Tuesday. Vielen Dank für's Sammeln!

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Samstag, 10. Dezember 2022

Samstagsplausch KW 49/22: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CXLIII

Sonntag wollte ich Mudderns zum Weihnachtsmarkt abholen, aber als ich ins Pflegeheim kam, saß sie nicht wie sonst wartend auf ihrem Platz im Foyer, sondern musste aus dem Gemeinschaftsraum ihres Wohnbereichs geholt werden. Sie hatte nicht vergessen, dass wir verabredet waren, dachte aber, ich käme eine Stunde früher. Auf meine Frage, warum sie denn nicht angerufen habe, antwortete sie, das Heim lasse sie nicht telefonieren. Sie hat ein Telefon in ihrem Zimmer, das sie jederzeit nutzen kann (und nutzt es auch zu allen Tages- und Nachtzeiten, wenn sie etwas von mir will). Mit Mühe bekam ich sie angezogen, aber dann wollte sie nicht spazierengehen, weil ich nicht ihre Gesellschafterin bin und sie nur mit ihr spazierengehen will. Sie fragte mehrfach, warum denn ihre Gesellschafterin nicht da sei, wann sie wiederkomme, sagte, sie vermisse sie so sehr usw. Letztlich brachte ich sie zurück in den Gemeinschaftsraum und ging wieder nach Hause. Ein trauriger Besuch, Erschreckend, wie rasend schnell Mudderns geistig und körperlich abbaut. 

Durch den ausgefallenen Weihnachtsmarktbummel kam ich Sonntag im Hellen nach Hause, was auch mal ganz schön war. 

Hier gilt seit mittlerweile 143 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Es geht uns vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird. Er ist inzwischen schwerbehindert und berufsunfähig verrentet. 

Blick vom Jungfernstieg auf die Alstertanne, die jedes Jahr in der Adventszeit auf dem Fluss steht.

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Mütter und seit Juli Handwerker. Ich bin dankbar, dass Corona uns bislang verschonte. Wir sind natürlich geimpft, aber angesichts unserer Vorerkrankungen ist trotz Impfung eine Corona-Infektion wenig ratsam. Sie ist aber unvermeidbar, und ich kann nur hoffen, dass es uns dann nicht zu hart trifft. Corona wird ja anscheinend langsam endemisch - wären da nicht die weiterhin hohen Todeszahlen. 

Blick auf den Weihnachtsmarkt am Jungfernstieg.

Montag bekam ich schriftlich, dass der Baukredit bewilligt ist und ausgezahlt wird, sobald ich drölfzich weitere Bedingungen erfülle ... 

Dienstag war Nikolaus, und erstmals beschenkten der Gatte und ich uns nicht. Das zeigt unser aktuelles Stresslevel. Morgens brachte ich eine Überraschungstüte bei Schwiegermutter vorbei, die sich sehr freute. Nachmittags holte mich der Gatte im Büro ab, damit wir Weihnachtsgeschenke für Tante und Schwiegermutter kaufen und über die Weihnachtsmärkte in der Innenstadt bummeln konnten. Wir sahen sogar den Nikolaus! Vor Corona  bummelten wir jedes Jahr in der Adventszeit über die Weihnachtsmärkte, dann setzten wir aus naheliegenden Gründen zwei Jahre lang aus. 

Mittwoch geriet ich mit einer neuen Kollegin aneinander, der die anderen Kolleginnen, denen sie seit September vorgesetzt ist, schon reichlich Konfliktpotential bescheinigten. Jetzt weckt mein Projekt Begehrlichkeiten, und da musste ich Grenzen abstecken. Es gibt zudem im Rahmen unserer Organisationsentwicklung seitens der Chefs Überlegungen, dass ich verstärkt im Bereich dieser Kollegin arbeite, wogegen ich mich bislang erfolgreich wehre - ich bin schließlich bewusst aus diesem Bereich weggegangen. Ansonsten freut sich Chef, dass bei uns alle vollständig gesund an Bord waren - der Krankenstand ist aktuell in allen Abteilungen, aber auch hamburgweit sehr hoch. Corona kann's ja nicht sein, das ist ja vorbei ... Ich trage weiterhin so oft wie möglich Maske.

Mittwoch fuhren wir auch in die lindgrüne Hölle, weil wir abends in eine Lesung von Wladimir Kaminer* wollten.  Auf dem Weg ins Veranstaltungszentrum bummelten wir über den örtlichen Weihnachtsmarkt, und auf dem Heimweg durch die weihnachtlich erleuchtete Stadt mit einsetzendem Schneefall freuten wir uns darüber, in einer Viertelstunde zu Hause zu sein anstatt wie in Hamburg eine gute Stunde mit zwei Buslinien zu fahren und in den Wartezeiten in der Kälte zu bibbern.

Donnerstag traf ich mich mit Mudderns und ihrer Gesellschafterin zum Frühstück in einem Lokal - das war zumindest der Plan. Es gelang auch tatsächlich, Mudderns zu Fuß ins Lokal zu bekommen, aber dort war sie sichtlich überfordert. Nach einer Stunde bat sie mich, das Auto zu holen und sie nach Hause zu fahren. Ihre Gesellschafterin blieb bei ihr, zum Glück, denn während ich noch unterwegs war, entschied sich Mudderns, sich doch zu Fuß aufzumachen ... Was für ein Unterschied zu unserem letzten Treffen im April oder zu Mudderns Geburtstag im Juli! Immerhin fragte Mudderns, ob wir uns am Wochenende sehen und überlegt, mit mir zum Gottesdienst zu gehen. Nach der Begegnung am letzten Sonntag nahm ich mir vor, sie nicht mit der Frage zu überfordern, ob wir uns wie sonst Sonntag sehen, sondern zu warten, bis sie danach fragt. Die Reservierung für das geplante Brunch an Weihnachten werde ich aber absagen, um Mudderns nicht zu überfordern. Wir müssen mal gucken, was wir dann Weihnachten machen. Zu uns holen können wir Mudderns nicht. Die Fahrt nach Hamburg und zurück wäre zu viel, und das alt-neue Haus ist noch nicht eingerichtet.  

Freitag sollten die Baumaßnahmen, die ja laut Bauunternehmen schon seit 26. September fertig sind, jetzt wirklich fertig sein. Ganz sicher. Fest versprochen. Bestimmt. Vormittags kamen dann auch zwei Handwerker, um die Fliesen zu verfugen, und nachmittags, als wir gerade den Schabbes einläuten wollten, stand die ganze Brigade vor der Tür, um mal eben drei Kloschüsseln, drei Spülkästen, vier Waschbecken, eine Dusche, einen fehlenden Fenstergriff und eine Tür zu montieren ... Heute wollen sie weitermachen, Montag spätestens alles fertig sein - okay, bis auf das Balkongeländer, denn Milchglasscheiben sind angeblich aktuell Mangelware. Heute soll auch der Elektriker kommen und sechs Steckdosen legen, die wir schon seit 1. September haben sollten. Für letzten Sonnabend war der Elektriker auch schon avisiert, kam aber nicht. Gestern hatte er Weihnachtsfeier. Mal schauen, ob er heute kommt - und in welchen Zustand. Es bleibt also spannend.

Freitag unterzeichnete ich den Baukredit. Der Gatte kam mit. Rein rechtlich ist er zwar kein Kreditnehmer, da wir noch in Gütertrennung leben, aber es ist natürlich auch sein Haus und somit auch sein Kredit. Nach dem ganzen Hin und Her wegen fehlender Unterlagen fanden wir auch eine Lösung, falls es diese ominösen Bewilligungsurkunden tatsächlich nicht gibt. Der mittlerweile vierte Bankmensch war tiefenentspannt und versprach, nicht wie seine drei Vorgänger nach dem Gespräch mit mir langzeitzuerkranken und falls doch, sei die Filiale so durchdigitalisiert, dass jederzeit ein Kollege einspringen könne. Die Bedingungen für die Auszahlung des Kredits sind auch sehr niedrigschwellig. Vielleicht wird alles gut?

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

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