Sonntag, 23. März 2025

Samstagsplausch KW 12/25: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCLXII

Die Woche gab mal wieder alles, die Schlagzahl ist hoch. Es ist aber kein Vergleich zur kommenden, wo in jeden vollen Tag irgendwo noch mindestens ein weiterer Termin hinein gequetscht wurde, damit ich mehr schaffe. Der Gatte versucht mich zu entlasten, soweit er kann, und das weiß ich sehr zu schätzen. Gestern versuchte er sogar, zu kochen! Er schaffte ein Drittel des Rezepts, ich übernahm zwei Drittel, als er signalisierte, dass er nicht mehr kann. Und das Drittel schaffte er ganz ohne Kochbuch, aus dem Gedächtnis. Ich stellte ihm vorher alle Zutaten bereit, so dass es einfacher für ihn ist, denn planvolles Handeln ist ja seit dem Schlaganfall schwierig, wird immer schwieriger. Aber ich denke, er muss im Training bleiben, und er wächst mit jeder Aufgabe, die er schafft.

Am Ende der kommenden Woche benötigen wir dann ein paar gedrückte Däumchen, weil bei dem Gatten eine OP ansteht, außerdem bei ihm ein Krebsverdacht abgeklärt werden muss. Die OP ist aufwändiger als die am linken Bein, dauert vier Stunden, gefolgt von mindestens einer Nacht auf der Intensiv- und vier Tagen auf der Normalstation - wenn alles nach Plan läuft. Nur: Wann läuft bei uns schon mal alles nach Plan?! Es bleibt angespannt. 

In dieser Woche waren wir fünf Stunden in der Augenklinik, mit Fahrt waren wir acht Stunden unterwegs. Zum Glück hatte ich mir einen Tag Freizeitausgleich genommen, sonst hätte ich anschließend noch arbeiten müssen. So muss ich die Stunden zwar nacharbeiten, aber das ist zu schaffen. Für neidvolle oder bewundernde Blicke der anderen Patienten sorgte, dass ich mit einem kleinen Picknickkorb anrückte. Wir mussten um halb sieben los, wussten nicht, wie lange der Termin dauert, der Gatte braucht regelmäßige Verpflegung, also packte ich belegte Brot, Obst, Schnobkram, Dextrosebeutel für Notfälle, Saft, Kaffee und Wasser ein ... 

Die Klinik ist gut organsiert, der Gatte fühlt sich dort gut aufgehoben. Die Behandlung beginnt in fünf Wochen. Ob wenigstens auf einem Auge etwas Sehkraft gerettet werden kann, ist ungewiss. Für den Gatten ist das sehr hart. Als die Ärztin fragte, ob wir die Behandlung nicht lieber in Buchholz durchführen lassen wollen, anstatt jedes Mal 80 Kilometer zu fahren, konnte ich nur lachen. Wir haben drei Optionen: Behandlung in der Klinik, in der wir gerade sind (80 Kilometer), in der Klinik, in der der Gatte bis vor vier Jahren war (105 km) oder in der in Rotenburg (90 km). In unserer Kreisstadt mit 41.000 Einwohner und großem Einzugsgebiet gibt es keine Augenklinik. Hier gibt es ja noch nicht mal einen Augenarzt mit freien Terminen für Kassenpatienten. 

Hoffen und Bangen.

Wir hatten gesagt, sobald klar ist, wie es mit den Augen des Gatten weitergeht, buchen wir einen Urlaub. Wir hatten verschiedene Pläne und Ideen. Letztlich werden es jetzt zwei Wochen Dänemark, nachdem ich es schaffte, den Zeitraum von Arztterminen freizuschaufeln. Wir freuen uns sehr auf den Wikingerhafen, auf historische Flugtage, auf St. Hans, Wollläden und jede Menge Köstlichkeiten. Vielleicht kann der Gatte dann sogar schon wieder mehr als hundert Meter laufen, sind gemeinsame Strandspaziergänge drin. Als wir das erste mal "auf dem Klit" waren, wanderte der Gatte noch "mal eben" über 20 Kilometer in den nächsten Ort ... Jedenfalls: Endlich richtiger Urlaub! Der letzte war Mallorca im Oktober. Weihnachten war mehr Stress mit Schwiegermutter, und Mai wird ebenfalls Stress mit Schwiegermutter. 

Hier gilt seit mittlerweile 262 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall. Er ist schwerbehindert und berufsunfähig verrentet. Es geht uns dennoch vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus, wenngleich die Erkrankungen und der Schlaganfall des Gatten zu Wesensveränderungen führten, die ein Zusammenleben manchmal sehr schwer machen. 

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Schwiegermutter und Handwerker. Ich bin dankbar, dass Corona bislang Gatten, Schwiegermutter und Tante verschonte und hoffe sehr, das bleibt so. 

Eigentlich wollte ich diese Woche zu einer Lesung, aber der Krankenstand im Büro ist gerade so hoch, dass ich an dem Tag einspringen musste und abends zu platt war, um nochmal wegzugehen. Dafür konnte ich endlich mal wieder mit zwei Kollegen klönen, mit denen ich sonst kaum noch Kontakt habe. So erfuhr ich, dass auch sie von der aktuellen Situation im Büro mehr als gefrustet sind und warum eine Kollegin seit Monaten krank ist. Alles nicht schön und ein Grund mehr, mich endlich mal um Kontenklärung und Verrentung zu kümmern - wenn denn mal Zeit ist ... 

Immerhin kam ich im Haus ein kleines Bisschen vorwärts - in Babyschritten. Für größere Projekte fehlen mir Kraft und Konzentration, und um mit den Werkzeugen des Gatten zu hantieren, fehlt mir die Traute.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse

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