Montag, 13. April 2020

#12von12 im April 2020

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt wie jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür! Hier kommen meine April-Bilder.

#1: Fast fertiggedeckter Osterfrühstückstisch.
Normalerweise fahren wir Ostersonntag zu Mudderns, um mit ihr in einem Restaurant zu brunchen, ruhen uns dann zu Hause kurz aus, bevor's zur Schwiegermutter. Ersteres fällt dieses Jahr aus. Zum einen hat das Lokal mindestens bis zum 18. April geschlossen, zum anderen möchte Mudderns momentan nicht, dass wir sie besuchen, um die Ansteckungsgefahr zu verringern.

#2: Mal gucken, was ich jetzt noch aussäen kann.

#3: Vier Wochen früher als sonst blüht die Magnolie.

#4: Wollte ich schon lange anfangen: Ein Gartenjournal.
So haben wir viel Zeit für uns und genießen die Ruhe rund um die Wohnung, vor allem auf der Terrasse. Auf der waren wir seit 2016 kaum noch, weil die Nachbarskinder sie als Teil eines Fußballspielfeld nutzten: Die Koniferen waren Abseits, die Fenster die Tore. Es gab Tage, da flogen die Bälle im Zwei-Minuten-Abstand auf die Terrasse und gegen die Fenster. Da machte es keinen Spaß, draußen zu sein. Dass bei uns nicht alle Fenster zerschossen wurden wie die Haustür im Wohnblock gegenüber, war viel Glück, ist den Insektenschutzgittern und hohen Koniferen zu verdanken, die manchen Ball abschwächten.

#5: Nach zu viel Kikeriki schwächelt der stärkste Hase.
Seit einem Jahr ist das Fußballspielen auf der Grünfläche vor unserer Terrasse verboten, und jetzt haben wir endlich Zeit, die Schäden zu beseitigen, und Lust, uns wieder auf der Terrasse aufzuhalten (es gibt übrigens reichlich Flächen zum Fußballspielen, im Park auf der anderen Straßenseite sogar eine Bolzfläche, aber den mögen weder die Bolzblagen noch ihre Väter).

#6: Rübelitorte zum Tee.
Wir gehen davon aus, dass wir nicht sie geplant im August/September in den Urlaub fahren können, und so gucke ich, welche Gemüse ich noch aussäen kann. Sollten wir doch wegfahren können, wird Schwiegermutter ernten.

#7: Mal gucken, was das wird.
Ich hoffe, dass wir im Mai das eine oder andere auch noch im Gartenmarkt oder auf dem Wochenmarkt kaufen können - vielleicht werden die Schlange vor den Bau- und Gartenmärkten ja irgendwann mal kürzer.

#8: Der Bushaltestellenwarteblick ist heute mal wieder ein Ich-warte-auf-den-Gatten-mit-dem-Auto-Blick.

#9: Vier Wochen früher als sonst und zum letzten Mal: Bei Schwiegermutter Magnolienblüten für Sirup ernten.
Für Schwiegermutter wird es das letzte Ostern im eigenen Haus sein - der Umzug in eine Seniorenwohnanlage ist terminiert. Dementsprechend schwer ist diese Zeit für sie. Wir sitzen lange auf der Terrasse, genießen ihren Garten, den sie vermissen wird, und die milden Temperaturen.

#10: Man kann auch ohne Spaß Alkohol trinken: Der Gatte mixt die nächste Runde Kikeriki.

#11: Schwiegermutter schneidet das Abendessen an.
Wieder zurück, gibt's noch ein bisschen Fernsehen. Ich stricke eine Weste für Mudderns zu Ende und gehe wie so oft in diesen Tagen früh ins Bett, um zu lesen*. Das war's dann auch schon mit dem 12. April in diesem Jahr.

#12: Vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.
Die Rezepte zum Tag gibt's wie immer in der Kombüse.

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Samstag, 11. April 2020

Samstagsplausch KW 15/20: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten IV

Auch in der vierten Corona-Woche gilt: Der Gatte fährt täglich zur Arbeit und macht auf dem Heimweg kleine Besorgungen, während ich nach Möglichkeit zu Hause bleibe. Da er zum Arbeiten in ein anderes Bundesland muss, warten wir beide auf den Tag, an dem er Passierschein A38, den sein Arbeitgeber ausstellte, vorzeigen muss. Gemessen an den Risikofaktoren wäre es besser, der Gatte bliebe zu Hause, aber bei ihm ist keine Heimarbeit möglich.

Frohe Ostern und chag pessach sameach ve kasher.
Überhaupt die Risikofaktoren: Dienstag sagte ein Hamburger Mediziner, es sei gar nicht so schlimm mit der Sterblichkeit durch Corona-Infektionen, weil alle bisherigen Toten Krebs oder eine chronische Lungenerkrankung hatten, starke Raucher oder schwer fettleibig waren, Diabetes oder eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hatten. Sie starben also nicht in erster Linie an Corona, sondern dadurch, dass Corona ihre Vorerkrankungen verschlechterte.

Wie beruhigend. Keult uns Risikogruppen doch einfach. Wir sind nach dieser menschenverachtenden Logik ja eh nur 30 Millionen Ballastexistenzen, verursachen auch in normalen Zeiten Kosten für die Kranken- und Rentenkassen. Diese Mediziner sind der Grund, dass ich befürchte, aus der Triage wird in diesen Zeiten eine Selektion.

Solche Äußerungen machen mir Angst, sorgen für schlaflose Nächte, denn meine Familie, viele Menschen aus meinem Umfeld und auch ich gehören zu den Risikogruppen, denen jetzt vehement das Recht auf Leben abgesprochen wird.

Montag war ich einen ganzen Tag im "echten" Büro, weil vor Corona-Zeiten eine Besprechung angesetzt war. Unser Gesprächspartner vergaß den Termin aber (analog zur "Depressionsdemenz" vermute ich inzwischen, es gibt auch eine "Coronademenz"). Nun gut, hatten wir alle Besprechungskekse für uns. Wir waren an dem Tag zu viert im Büro, für unsere Verhältnisse voll besetzt, denn die meisten arbeiten zu Hause - im Gegensatz zur Nachbarabteilung, die, warum auch immer, jeden Tag komplett antritt.

Mittwoch war ich vor Tau und Tag auf dem Wochenmarkt, aber sonst verließ ich die Wohnung nicht. Warum auch?

Die Heimarbeit ist noch immer ungewohnt. Ich denke oft, ich müsse mich um den Haushalt kümmern, wo ich schon mal zu Hause bin, aber dann fällt mir ein, dass ich ja zu Hause bin, um zu arbeiten, dass es völlig okay ist, mich nicht um den Haushalt zu kümmern.

Da das Mammutprojekt noch immer in der Phase ist, in der ich unangenehme Entscheidungen kommunizieren muss, nehme ich viel Negatives mit in den Feierabend. Das ist leichter, wenn ich im "echten" Büro arbeite, denn da habe ich den langen Heimweg, um runterzukommen. Vielleicht sollte ich mir angewöhnen, nach Feierabend einen Spaziergang zu machen?

Die unangenehmen Diensttelefonate und Mails waren wirklich sehr unangenehm, und es fällt mir schwer, zu realisieren, dass die positiven Telefonate und Mails die überwiegende Mehrheit waren. Ich bin heilfroh, wenn das Projekt gestartet, die Pressetermine vorbei sind. Sobald ich weiß, wann die Pressekonferenz ist, trage ich mir für den kommenden Tag einen Nervenzusammenbruch im Terminkalender ein.

Und wenn der Prozess im nächsten Jahr wieder so grauenvoll ist wie in diesem Jahr, wo er leichter sein sollte, aber das Gegenteil eintrat, nehme ich mir den nächsten Nervenzusammenbruch von Januar bis Juni. Der Kollege, der für den Digitalisierungsprozess zuständig ist, verspricht mir in jedem Gespräch, dass es im nächsten Jahr viel einfacher wird, organisiert Hilfe für dieses Jahr und arbeitet an Problemlösungen für nächstes Jahr. Immerhin: Der Digitalisierungsprozess läuft - endlich. Wir sind ja auch erst seit letzten August dabei ...

Die Probleme verursachen allerdings nicht wir, sondern unsere Kooperationspartner, und die werden uns projektbedingt auch im nächsten Jahr (und länger) begleiten. Ich habe seit Januar das Gefühl, ich arbeite mit trotzphasigen Dreijährigen und rebellierenden Pubertierenden. Ich muss immer wieder Grenzen setzten, Machtworte sprechen, Bedrohungen aushalten und wünsche mir im Wechsel Gin, Uzi oder Whisky.

Mein entzückender Kollege würde die unangenehmen Gespräche zwar übernehmen, aber letztlich landen die Vorgänge dann doch wieder bei mir, muss ich einfach auch lernen, Konflikte auszuhalten.

Ansonsten habe ich wann immer möglich meine Arbeitszeiten so gelegt, dass sie mit der Kurzarbeit des Gatten korrespondieren und wir nachmittags gemeinsam frei haben. Das ist bei dem aktuellen Wetter ein bisschen so wie Urlaub und führt schon mal dazu, dass wir die aktuelle Lage vergessen. So meinte der Gatte, jetzt, wo die Spargelsaison langsam beginne, könnten wir doch mal wieder zum Spargel-und-Schnitzel-Essen in ein nahegelegenes Restaurant. Nur: Wer weiß, wann das wieder möglich ist?

Belastend ist, dass wir nicht wissen, wie lange die Situation noch so ist, wie sie ist. Wie lange ist der Gatte in Kurzarbeit? Wie lange hat er überhaupt noch Arbeit? Wir sind beruflich beide davon abhängig, dass die Film-, Kultur- und Freizeitindustrie arbeitet, nur arbeite ich nicht in der freien Wirtschaft, habe also keine Sorge um meinen Arbeitsplatz.

Wenn ich Rezepte für die Kombüse vorbereite, frage ich mich, wie lange ich noch das Schlagwort #MyCovidKitchen verwenden werde.

Schon in normalen Zeiten strengt mich Einkaufen an - ich war nie ein Mensch, der gerne durch Geschäfte oder über Märkte bummelt. Jetzt ist es doppelt anstrengend, weil ich in mehr Geschäfte als üblich muss, bis ich alles zusammen habe, nichts mal eben schnell in der Mittagspause in der Innenstadt erledigen kann, nicht mehr die Gewissheit habe, dass ich die Waren, die ich brauche, dann bekomme, wenn ich sie brauche.

Zum Glück kauft der Gatte gerne ein, macht es ihm weniger aus, durch die Läden zu tigern. Aber auch bei ihm ist eine große Erschöpfung zu spüren. Wir lebten ja beide in den letzten Jahren über unsere Kräfte, und dieses Herunterfahren zeigt, wie erschöpft wir sind. Wir schlafen beide mehr als sonst.

Mit Mudderns telefoniere ich jeden Tag. Sie hält sich gut und hatte diese Woche die große Freude, dass ihre Gesellschafterin wieder kam. Auch, wenn sich die beiden nur einmal die Woche für ein paar Stunden sehen, bringt das doch unglaublich viel.

Eigentlich wollten wir Ende des Monats das Einjährige der beiden in einem Café feiern - mal gucken, ob das möglich ist. Über die Osterüberraschung freute Mudderns sich sehr, vermutete gleich richtig, dass der zweite Kuchen für ihre Gesellschafterin ist und packte ihr einen Osterbeutel.

Tante rief auch sehr erfreut über die gelungene Osterüberraschung an. Sie geht mit der momentanen Situation wohl ganz gut um. Ihr Tag ist strukturiert durch den Pflegedienst und das Gassigehen mit dem Dackel, aber die Ungewissheit der Situation zehrt natürlich auch an ihr.

Meinen Ufos tut die momentane Situation gut: Ich bekam endlich den Pullover fertig, an dem ich seit etwa drei Jahren stricke. Es kam immer wieder etwas dazwischen, so dass ich ihn beiseite legte. Ende Januar hatte ich ihn schon mal fast fertig, stellte dann aber fest, dass ich beim Vorderteil zehn Maschen mehr angeschlagen hatte als beim Rückenteil. Und zu guter Letzt setzte ich beim Zusammenhäkeln die Ärmle falsch ein, aber jetzt ist der Pulli fertig - rechtzeitig zum Sommer.

Über's Einkaufen und Kochen in der vergangenen Woche berichte ich in der Kombüse. Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Bleibt zu Hause, bleibt gesund, passt auf euch und eure Lieben auf.

Dienstag, 7. April 2020

Osterkarten aus Klebefilz

Dieses Draußen ist ja momentan nicht so empfehlenswert, und dadurch, dass ich meistens zu Hause arbeite, überlege ich mir zurzeit jeden Ausfall mehrfach. Mal eben los, um Osterkarten zu kaufen, ist also nicht drin. Aber die Bastelkisten sind gut gefüllt und boten genug zum Selbermachen.

Osterkarten aus Klebefilz.
Den Klebefilz* hatte ich letzten Sommer gekauft, um Sandalen damit auszukleiden, weil ich ungern barfuß auf Einlagen laufe. Der Gatte meinte allerdings, die Filzplatten würden verrutschen. Inzwischen kenne ich ihre Klebekraft und werde es doch mal versuchen - sobald alles wieder soweit funktioniert, dass ich in dieses Draußen kann, um neue Einlagen machen zu lassen, wenn's dann doch nicht klappt mit der Klebekraft.

Freihand wird das Gras aufgezeichnet. Ich habe dann mit einem Lineal einen Strich gezogen und hatte so gleich die doppelte Gras-Menge.
Neben dem Klebefilz in Grün und Braun braucht es Klappkarten im Format 10 x 15 cm mit Umschlägen, Keksausstecher in Hasenform*, Bleistift, Schere, Stanzer mit Blumen*- bzw. Glückskleemotiv*, Papierreste und einen Klebestift.

Die Hasenformen werden auf den Filz übertragen und ausgeschnitten.

Ausschneiden der Hasenform.
Die Formen für Gras und die Hasen habe ich auf die Papierrückseite des Filzes aufgezeichnet. Die Hasen müssen seitenverkehrt sein, damit sie später auf der Karte in die richtige Richtung gucken.

Nachdem der Hase aufgeklebt ist, wird das Gras platziert.
Die Osterkarte ist fast fertig.
Auf der Karte wird zuerst der Hase platziert, dann das Gras. Damit das ganze etwas bunter wird, habe ich ein paar ausgestanzte Blümchen und Glücksklee dazu geklebt.

Noch ein paar bunte Blümchen, dann ist die Osterkarte fertig.
Dieser Beitrag geht zu den Linkparties Handmade on TuesdayDings vom Dienstag und Creadienstag. Danke an alle für's Sammeln!

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Sonntag, 5. April 2020

#WMDEDGT 4/20: Eröffnung der Balkonsaison

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Ich schlafe endlich mal wieder durch und aus. Der Gatte ist knapp vor mir wach und serviert zügig den Milchkaffee. Wir vertrödeln den Vormittag mit Zeitunglesen, Radiohören, spielen und bloggen. Ich füllen die Tablettendose nach und denke schon mal über die Blumengrüße für Mudderns zum Muttertag und für Tante zum Geburtstag nach, denn ich denke nicht, dass die Reisebeschränkungen bis dahin schon aufgehoben sind, Tante aus Bayern zu uns kommen kann, ich zu Mudderns fahren kann.

Es zeigt sich, wie unterschiedlich die Regelungen sind: Während wir für die bayerische Tante problemlos einen Blumenstrauß per Fleurop ordern können, sind die Blumengeschäfte in Niedersachsen geschlossen. Zum Glück habe ich eine Bastelidee in petto, für die ich nur eine Kleinigkeit bestellen muss - normalerweise würde ich sie in der Mittagspause kaufen, aber momentan ist nichts normal. Wenigstens bin ich früh genug dran für die momentan langen Lieferzeiten.

Nach dem Frühstück schlägt der Gatte einen Spaziergang durch den Hirschpark zur Elbe vor, aber ich erinnere ihn daran, dass er den Balkon aufräumen und frühlingsfein machen wollte. Er verflucht die buchstäbliche Schnapsidee des Vorabends und macht sich ans Werk.

Ich räume ein wenig in der Wohnung auf, schreibe den Wochenplan an die Tafel im Flur, baue das Büro-Laptop samt Tastatur und Maus ab, weil ich morgen im "richtigen" Büro arbeite, in dieses Draußen muss, suche den Papierberg für's Büro zusammen und packe alles in eine Tasche, lege schließlich "Tantz!*" von Klezmofobia auf und bastle die dem Gatten versprochene Osterdeko für's Balkonfenster. Der ist inzwischen passend beim Fensterputzen angelangt.

Einmal am Basteltisch, falte ich ein Bandana zu einem Mund-Nasen-Schutz, aber es ist wie befürchtet: Ich trage das Teil kaum zwei Sekunden, als ich würgen muss. Ich kann einfach nicht damit umgehen, dass Mund und Nase bedeckt sind. Da helfen auch nicht die Peanuts, die auf das Tuch gedruckt sind.

Es folgen drei Telefonate mit Mudderns. Das erste ist erfreulich, denn sie hatte bis auf den fehlenden Gottesdienst endlich mal wieder einen fast normalen Sonntag mit Friedhofsbesuch, Frühstück beim Bäcker (das sie auf einer sonnigen Parkbank einnahm, weil das Bäckereicafé geschlossen ist) und vielen netten Begegnungen.

Die anderen beiden Telefonate waren weniger erfreulich: Ihre ältere Schwester teilte ihr mit, dass sie am kommenden Tag ins Krankenhaus muss für eine Brustkrebs-OP. Ich bin verwirrt, weil bislang nur von einer verschobenen Hautkrebs-OP die Rede war, aber was weiß ich schon. Da beide Schwestern keine gemeinsame Sprache haben (doch, doch, sie sprechen schon beide Deutsch ...), ist die Kommunikation schwierig.

Da anscheinend nur OP und keine Chemo vorgesehen ist, kommen wir zu dem Ergebnis, dass ein Tumor entfernt werden soll, der wohl noch nicht gestreut hat. Tante soll auch nur drei bis fünf Tage im Krankenhaus bleiben, und vielleicht ist es auch kein Tumor, wer weiß. Mudderns will ihre Schwester Karfreitag wieder anrufen. Hoffen und beten.

Zum ersten Mal Tee und Kuchen auf dem Balkon. 
Die Teezeit verbringen wir auf dem Balkon, wo es kalt ist, weil die Sonne weg ist. Auf der Terrasse wäre jetzt Sonne, aber die Terrasse müsste erst aufgeräumt werden, und wir wollen ja nun nicht gleich übertreiben. Also Strickjoppe an und durch. Zum Tee gibt's Rüeblikuchen. Aus der Nachbarwohnung riecht es grauenhaft nach Glutamat.

Danach bringe ich die erste von zwei Maschinen Wäsche auf den Weg und packe die Bügelwäsche zusammen, die der Gatte mit zur Schwiegermutter nehmen wird. Der Gatte bricht auf, ich hänge die erste Maschine Wäsche auf und falle auf's Sofa, um zu stricken und die letzten Folgen der aktuellen Staffel "Father Brown*" zu sehen, gefolgt vom "Tatort". Zwischendrin gibt es Abendessen, heute mal vorm Fernseher.

Ich bekomme endlich den zweiten Ärmel des Pullovers, an dem ich gerade stricke, fertig, kann am nächsten Tag mit dem Zusammennähen und dem Fädenverziehen beginnen. An dem Pulli stricke ich schon bummelig zwei Jahre - Corona ist gut für die Ufos.

Nach dem "heute journal" ignoriere ich, dass die Küche aufgeräumt werden müsste und nehme Brot und TK-Obst aus dem Tiefkühler. Dem Gatten eine Kerze auf dem Balkon anzünden, Zähne putzen, endlich daran denken, den Wecker eine halbe Stunde später einzustellen, weil die Straßen aktuell so leer sind, ab ins Bett und noch etwas lesen*, und dann kommt auch der Gatte nach Hause.

Das Rezept zum Tag gibt's wie üblich in der Kombüse. Passt auf euch und eure Lieben auf, bleibt zu Hause und bleibt gesund.

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Samstag, 4. April 2020

Samstagsplausch KW 14/20: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten III

Bei uns gilt weiterhin: Der Gatte fährt täglich zur Arbeit und erledigt auf dem Rückweg kleinere Besorgungen, während ich nach Möglichkeit zur Hause bleibe. Sonnabend waren wir zusammen einkaufen. Mittwoch musste ich wie vor zwei Wochen wieder zu dem Arbeitstreffen, bei dem es mit dem Mindestabstand schwierig ist, aber wir versuchten, so viel Abstand wie möglich zu halten. Donnerstag begleitete ich den Gatten zur Post und zur Schwiegermutter.

Montag war plötzlich Winter.
Die Straßen sind so leer, dass der Gatte morgens zehn Minuten später losfahren kann, und auch ich plane für meine Autofahrten quer durch die Stadt keine Stunde ein, sondern eine halbe - Mittwoch reichte das sogar für die Parkplatzsuche in Eimsbüttel, wo Parkplätze Mangelware sind.

Die Arbeit am Mammutprojekt ist merkwürdig, denn wir wissen immer noch nicht, ob es wie geplant umgesetzt wird. Wir können nur auf Sicht fahren. Meine Devise ist zurzeit "Life is all about how you handle plan B to Z". Momentan bin ich bei Plan G. Mal schauen, wie oft ich das Alphabet durchspielte, bis das Projekt in acht Wochen live geht (bzw. gehen soll).

Die Digitalisierung des Projektes hat's endlich durch das Nadelöhr der Beschaffungsstelle geschafft. Sobald ich den Kollegen, der maßgeblich daran beteiligt ist, leibhaftig wiedersehe, gibt's was Alkoholisches. Und mit dem Team, das die Digitalisierung umsetzt, werden wir sicher auch kräftig feiern, wenn wir uns wieder analog treffen können.

Ich sprach mit der Mitarbeiterin des Auftragnehmers, der die analoge Umsetzung übernehmen soll, um eine faire Regelung zu finden, falls wir doch noch kurz vor knapp die Reißleine ziehen müssen, und war sehr betroffen, als ich merkte, wie fertig sie war, weil ich eine faire Regelung für den Auftragnehmer suchte, weder stornieren noch Preise drücken wollte. Die wenigen Auftraggeber, die nicht stornieren, versuchen momentan, die Preise zu drücken, verlangen Rabatte, berichtete sie. Und dass sie sich Sorgen um ihre Arbeit macht, Kurzarbeit erwogen wird. Es gibt dieser Tage nur wenige, denen es anders geht.

Ich bin dankbar, so privilegiert zu sein, dass ich mir keine Sorgen um meinen Arbeitsplatz mehr machen muss. Das war bis vor sieben Jahren anders.

In der Krise zeigt sich nicht nur Charakter, sondern auch Irrsinn. Anfang März stand eine Frau in kompletter Schutzausrüstung inklusive Helm im Laden und schwadronierte davon, Corona sei eine Verschwörung der Illuminaten. Vorgestern sah ich eine Frau in Schutzkleidung auf der Straße, in der ausgestreckten Hand eine Sprühflasche mit Desinfektionsmittel. In regelmäßigen Abständen bedachte sie ihre Umgebung mit Sprühstößen. Okay, das macht man also mit den Hektolitern an Desinfektionsmitteln, die so hirnlos gekauft wurden.

Der Gatte ist seit Mittwoch in Kurzarbeit, und wie geplant, reduziere auch ich meine Arbeitszeit, soweit möglich, damit wir den Nachmittag für uns haben. Überstunden habe ich ja genug.

Kommenden Donnerstag will Mudderns Gesellschafterin sie wieder besuchen - mit Mundschutz, Handschuhen und so viel Abstand wie möglich. Die beiden vermissen sich, und Mudderns wird es gut tun, sie wiederzusehen. Sie schafft es bislang zwar, ihren Tag zu strukturieren und ist insgesamt guter Dinge, aber ihr fehlt einfach die persönliche Ansprache, die über unser tägliches Telefonat hinaus geht.

Schwiegermutter hingegen versinkt immer mehr in ihrer eigenen Welt. Gespräche oder Absprachen sind schwierig, nicht nur, weil sie ihre Hörgeräte nicht trägt. Ich hoffe, der Umzug in die Seniorenwohnanlage bringt Besserung. Allerdings ist momentan fraglich, ob und wie er stattfinden kann, denn coronabedingt ist die Anlage geschlossen. Diese Unsicherheit verstärkt Schwiegermutters Verunsicherung und sorgt für schlaflose Nächte. Auch macht ihr zu schaffen, dass sie momentan ihre Bridge- oder Englisch-Damen, Tante und eine Freundin nicht sehen kann. Einziger Kontakt neben dem Gatten ist die Putzfrau.

Was mir immer wieder auffällt, ist das völlige Fehlen von Kindern. Die Kinder aus der Siedlung sind ja sehr laut und sehr aktiv. An freien Tagen ist hier von morgens bis abends eine unwahrscheinlich laute Lärmkulisse von um die Häuser rennenden und spielenden Kindern. Durch's Treppenhaus bewegt sich von halb acht morgens bis Mitternacht eine (meist kreischende) Stampede. Und jetzt ist plötzlich Ruhe. Nur Mittwoch traf ich auf die beiden Kinder der Prügel-Party-Proleten über uns, als sie auf Rollern um den Block fuhren.

Mittwoch sah ich im Dorf auch ein Kind mit Tornister, sicher auf dem Weg in die Notbetreuung. In Eimsbüttel, wo ich Mittwoch war, sind deutlich mehr Kinder auf der Straße als hier. Donnerstag kamen wir zufällig an einer Schule vorbei, bei der Kinderzeichnungen an den Zaun gehängt wurden - mit Alles-wird-gut-Regenbögen. Das rührt, genauso wie die Gotteswort-Banner vor den Kirchen.

Ansonsten beschäftigt es mich immer wieder, ob ich Maske tragen soll oder nicht. Ich bin froh über jeden, der Maske trägt, kann mich selbst aber noch nicht überwinden, weil ich Panik bekomme, wenn mir etwas Mund und Nase bedeckt. Mal schauen, wie ich mich entscheide.

Mit großem Interesse habe ich den Artikel "Die Welt nach Corona" von Matthias Horx gelesen. Hoffen wir, dass vieles, was er beschreibt, eintritt.

Über's Einkaufen und Kochen in der vergangenen Woche berichte ich in der Kombüse. Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Bleibt zu Hause, bleibt gesund, passt auf euch und eure Lieben auf.