Samstag, 31. Oktober 2020

Samstagsplausch KW 44/20: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten XXXI

In normalen Zeiten wäre ich seit gestern in Frankfurt beim Yarncamp. Ich hätte gestern die Kleinmarkthalle leergekauft, wäre heute und morgen den ganzen Tag im Haus des Buches gewesen und hätte irgendwie versucht, noch einen wenigstens kurzen Besuch im neu eröffneten Jüdischen Museum reinzuquetschen. Stattdessen sitze ich im verregneten Hamburg und habe mich noch nicht mal um ein Ticket für das virtuelle Yarncamp bemüht, weil ich bei den ganzen Video- und Telefonkonferenzen im Frühjahr merkte, dass mich diese Kommunikationsform viel zu sehr anstrengt. 

Der Hase hilft beim Maskennähen.

Aber die Zeiten sind nicht normal. Der Gatte und ich sind seit März weitgehend zu Hause, inzwischen seit 33 Wochen. Kontakte sind auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Mütter. Der Gatte ist im siebten Monat Kurzarbeit, was ihm inzwischen ganz schön zu schaffen macht. Es gibt ja keine Perspektive. 

Ich bin abwechselnd im echten Büro und im Heimbüro. Ich rechnete spätestens mit den neuen Corona-Maßnahmen diese Woche damit, dass die Präsenzpflicht wieder aufgehoben wird und ich ganz ins Heimbüro kann, aber dem ist nicht so. Stattdessen werden ab kommender Woche die Abläufe im Büro so organisiert, dass in jedem Büro nur eine Person sitzt, wird der Ladendienst auf alle Schultern verteilt, um das Infektionsrisiko für die beiden Laden-Kolleginnen zu senken, bleiben die beiden Kollegen, die am Gefährdetsten sind, strikt zu Hause. Vernünftig wäre es gewesen, den Laden zu schließen, aber die Nachbar-Abteilung, mit der wir uns den Laden teilen, hält Corona für eine chinesische Erfindung und Masken für Maulkörbe. Kommste nich gegen an. Ab kommender Woche bin ich also einen Tag im Laden, einen Tag im Büro und drei Tage im Heimbüro.

Mein Arbeitsplatz an sich ist sicher, anders als beim Gatten, der in der Veranstaltungsbranche arbeitet. Ein sicherer Arbeitsplatz ist eine große Erleichterung, und wir wissen, dass wir in vielerlei Hinsicht privilegiert sind. Da wir die Situation nicht ändern können, hilft nur Gelassenheit. In dieser Woche war ich einmal mehr sehr dankbar, nicht mehr soloselbstständig zu sein, nicht mehr in der Tourismus- und Veranstaltungsbranche zu arbeiten. 

In dieser Woche begann die Augenbehandlung des Gatten. Die dauert etwa drei Stunden, plus vier Stunden Fahrzeit, würde er mit dem HVV fahren - Autofahren dauert halb so lang, geht aber nicht, weil er nichts sieht. Sein Augenarzt lehnt eine Taxibescheinigung zur Kostenübernahme durch die Krankenkasse ab, und auch, wenn wir uns durch Kurzarbeit kaum einschränken müssen, würden die Taxifahrten so viel kosten wie ein Ferienhaus in Dänemark. Okay, dahin können wir zwar auf absehbare Zeit eh nicht, aber dennoch. 

Also fange ich bis Januar alle zwei Wochen an den Krankenhaustagen sehr früh mit der Arbeit im Heimbüro an, damit ich früh Feierabend machen kann, fahre den Gatten ins Krankenhaus, überbrücke drei Stunden und sammle den Gatten wieder ein. Er würde auch mit dem HVV fahren, aber wenn ich ihn fahre, senkt es das Infektionsrisiko für ihn. Wir sind beide Risikogruppe.

Der Auftakt war sehr entspannt: Die Straßen waren auf Hin- und Rückweg leer, der Gatte überpünktlich im Krankenhaus. Ich fuhr zu einem riesigen Supermarkt in der Nähe, schaffte den Wocheneinkauf in kaum einer Stunde, hatte Glück, dass der Friseur beim Supermarkt gerade frei war, war auch noch tanken, fuhr zum Krankenhaus zurück und hatte es mir gerade im Auto mit Buch, Kakao und Hanseaten auf dem Klinik-Parkplatz kommod gemacht, als der Gatte mitteilte, er sei fertig - nach nur gut zwei Stunden.

Der Gatte, der große Angst vor der Behandlung hatte, war sehr erleichtert, weil das alles nicht so schlimm war wie befürchtet. Zu Hause schlug die Erleichterung in Erschöpfung um: Wir plumpsten erstmal auf's Sofa, das zum Glück so groß ist, dass wir beide darauf liegen können, und schliefen ein.

Diese Woche war auch der Termin zur Besprechung der Laborergebnisse bei der Horror-Hormon-Tante. Angesichts ihres Auftretens stand mir das ziemlich bevor. Sie blaffte mich dann auch erst mal an, weil ich ihr keinen Arztbericht von der März-OP mitgebracht habe. Ich blaffte zurück, den habe sie schon seit fünf Wochen. Danach ging's. Sie bemühte sich sogar, freundlich zu sein.

Die Ärztin erstellte einen Therapieplan, der dem entspricht, was ich erwartete: Ich bekomme jetzt endlich eine ordentliche Hormonersatztherapie. Ich werde wohl auch bei dieser Ärztin bleiben, denn abgesehen von ihrem unmöglichen Umgangston, scheint sie zu wissen, was sie macht, und das ist für mich die Hauptsache. Sie ging die Behandlung detailliert mit mir durch, schrieb mir alles wesentliche auf und schärfte mir ein, bei Komplikationen sofort anzurufen. Inzwischen scheint sie mir auch zu glauben, dass ich mein Übergewicht nicht habe, weil ich unkontrolliert alles in mich hereinstopfe, was ich kriegen kann, sondern sehr genau kontrolliere, was ich esse - das Laborergebnis gibt mir schließlich recht. Da wäre eigentlich 'ne Entschuldigung fällig ...

Das Medikament, das meine Frauenärztin mir verschrieb, war nicht nur sinnlos, sondern wäre auf lange Sicht sogar kontraproduktiv. Die Entfernung der Gebärmutter hätte unweigerlich zur Entfernung der Eierstöcke geführt, und selbst dann wäre die Ursache für meine Beschwerden noch nicht behoben gewesen. Ich bin froh, dass ich mich der OP so hartnäckig verweigerte - und weiß jetzt sicher, dass ich die Frauenärztin wechsle, wenn die nächste gynäkologische Untersuchung ansteht (einstweilen macht das die Horror-Hormon-Tante).

Die Hormonersatztherapie kann allerlei Nebenwirkungen haben, aber ich hoffe, die halten sich in Grenzen. Wird schon - ich hab' ja eh keine andere Wahl. Das erste Hormon nehme ich ja schon seit dem 5. Oktober, täglich eine Wochendosis, bislang ohne Nebenwirkungen. Im Gegenteil: Mein Schüttelfrost ist endlich weg, meine Fingernägel wachsen wieder, das Gewicht geht kontinuierlich runter. Bei den neuen Medikamente wird die Dosis langsam gesteigert. Ich muss in den nächsten Tagen erstmal in einem Regal Platz schaffen für die ganzen Medikamente und brauche eine neue Tablettendose mit Trennung für morgens und abends.

Der Gatte hat seit einer Woche mit einem Blutzuckermesssensor ein neues Spielzeug, und ich fühle mich an die Tamagotchis meiner damaligen Pflegekinder erinnert: Ständig piept's hier irgendwo, weil der Gatte unterzuckert ist oder vergaß, das Lesegerät mitzunehmen, zu weit davon entfernt ist. Aber schon nach zwei Tagen war deutlich, dass ihm das Gerät gut tut, sein Körper zur Ruhe kommt. Das ist auch für mich eine große Erleichterung.

Wir nutzen anscheinend die Corona-Zeit, um unsere diversen Wehwehchen in den Griff zu kriegen ... Bei mir steht für die kommende Woche die Terminierung von drei weiteren Arztbesuchen an, und mit dem Hausarzt muss ich das Ergebnis der Hormonuntersuchung durchsprechen. Und dabei will ich doch Kontakte reduzieren.

Den Müttern geht's Gott sei Dank weiterhin gut, während Tante noch immer auf ihre OP-Termine wartet - vermeidbare OPs werden coronabedingt verschoben. Ich habe angefangen, ihr regelmäßig Postkarten zu schreiben, damit sie weiß, dass wir an sie denken und sie vermissen, denn ein gemeinsames Weihnachtsfest ist ja weiterhin eher unwahrscheinlich.   

Mudderns treffen die neuen Corona-Einschränkungen hart: Café- und Kirchenbesuche fallen weg. Ihre Gemeinde hat die Gottesdienste sofort nach Verlautbarung der Maßnahmen eingestellt. Rechtlich wären sie zwar möglich, aber die Gemeinde ist da sehr verantwortungsbewusst. Im Frühjahr war schon zu sehen, dass Mudderns der Wegfall ihrer Sonntagsroutine - Besuch von Vadderns auf dem Friedhof, Latte und Franzbrötchen beim Bäcker, Gottesdienst - nicht bekommt. Sie versucht aber, das beste daraus zu machen, nur die zwischenmenschlichen Kontakte des Gottesdienstes werden fehlen. Ich überlege, ein Laptop so auszurüsten, dass ich sonntags zur Übertragung des Internetgottesdienstes zu Mudderns fahren kann, auch wenn das die Gespräche mit den anderen Gottesdienstbesuchern nicht auffängt. Mal schauen. 

Ansonsten geht Mudderns mit ihrer Gesellschafterin wöchentlich ins Café, was jetzt auch nicht mehr geht. Ich musste sie gestern erstmal beruhigen, dass der Bäcker aber weiterhin geöffnet ist, sie sich die gewohnten Mett- und Eibrötchen holen kann, sie weiterhin sonntags Latte und Franzbrötchen bekommt. Sie wird sich sonntags unterwegs ein Plätzchen für den Rollator suchen und beides dort verzehren - das ist natürlich im Frühjahr schöner als im Herbst ... 

Der Gatte darf seine Mutter weiterhin sonntäglich besuchen, muss aber eine FFP2-Maske tragen. Die besorgte er gestern erstmal - für mich gleich mit, denn bei den steigenden Infektionszahlen fühle ich mich im ÖPNV damit sicherer. Jetzt hängt also neben dem Beutel für die Stoffmasken im Bad auch ein Beutel für die FFP2-Masken in der Küche, damit sie im Ofen desinfiziert werden können. Beim Gatten im Büro gilt jetzt auch die Maskenpflicht am Arbeitsplatz, nicht mehr nur bei Betriebsversammlungen, heißt: Öfter Masken waschen - nur sonnabends reicht nicht mehr. Außerhalb seines Büros trug der Gatte eh schon Maske, denn niemand beachtet die Abstandsregeln. Sein Chef hält Corona ebenfalls für eine chinesische Erfindung.

Ansonsten: Dankbarkeit für jeden Tag, an dem meine Familie und ich keine Corona-Symptome zeigen, und andauernde Erschöpfung, Müdigkeit, Mag-nicht-mehr, Überforderung mit der Gesamtsituation angesichts fehlender Perspektive. Nur: Nützt ja nichts. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Einkaufen und Kochen berichte ich in der Kombüse. Bleibt zu Hause, bleibt gesund, passt auf euch und eure Lieben auf.

Freitag, 30. Oktober 2020

#pmdd2020: Der 28. Oktober

In diesem Jahr ist an jedem 28. eines Monats Picture my Day-Day, kurz pmdd. Mitmachen ist einfach: Fotos vom Tag machen, bloggen oder mit #pmdd2020 auf Twitter oder Instagram einstellen. Gesammelt wird alles auf dieser Seite.
Heute mal ein Bushaltestellen-Warteblick mit Pferden, denn ... 
... es gibt eine Ersatzhaltestelle wegen ... 
... dieser Baustelle, die eigentlich schon seit über zwei Wochen fertig sein soll. Jetzt soll sie angeblich heute fertig werden. Ich bin gespannt.

Für mich ist es in dieser Woche der letzte Bürotag. Ich starte spät, weil ich nicht weiß, ob ich im Laden vertreten muss. Das gäbe Überstunden, und das muss nicht sein.

Die S-Bahn ist mal wieder aus dem Takt.
Büro-Schlüssel und Dienstmaske.
Maskenvorrat.

Kontakt-Tagebuch. Viel steht nicht drin. Wir sind seit Mitte März weitegehend zu Hause.

Schreibtischstilleben.
Trotz Sanierung von Fassade und Dach gibt's in meinem Büro noch immer eine Leckage. Ich müsste mal wieder die Zeitung wechseln.

Der Arbeitstag ist ruhig. Mein Aufgabengebiet besteht aus drei Projekten, die aufeinander folgen, und wenn's gut läuft, ist zwischendrin immer mal eine Ruhephase, so wie jetzt.
Mittagessen.
Büro-Ausblick - wenn ich mich aus dem Fenster lehne. Ansonsten starre ich auf eine weiße Wand. Im Heimbüro sehe ich Bäume, Vögel und Eichhörnchen ...

Ich muss keinen Vertretungsdienst im Laden machen und bin zum Tee zu Hause. Das gemeinsame Teetrinken am Nachmittag ist eine sehr geschätzte Corona-Tradition. Meistens gibt's auch Kuchen dazu.

Herbstfarben auf dem heimischen Acker, diesmal ohne Pferde.

Die Baustelle ist weg!
Mit Gatten und Tee LPK zu den neuen Corona-Maßnahmen gucken. Einmal mehr bin ich froh über unseren böbersten Blaumann mit seiner ruhigen, besonnenen Art und seiner medizinischen Ausbildung.

Die Spülmaschine will geleert werden.
Vorbereitungen für's Abendessen.
Das sollten eigentlich acht Eier und eine Eieruhr* sein ... 
Einkaufszettel für die kommende Woche schreiben.
Füße hoch und stricken. Die andere Sofahälfte wird gleich vom Gatten belegt.
Vorm Einschlafen noch etwas lesen*.
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Dienstag, 27. Oktober 2020

Masken-Nachschub I

Durch die verschärfte Maskenpflicht, die jetzt auch am Arbeitsplatz gilt, brauche ich mehr Masken als die sechs, die ich Ende April nähte. So 'ne Stoffmaske ist ja spätestens nach zwei Stunden durch, wenn sie dauerhaft getragen wird. Ich verstehe die Leute nicht, die ihre Masken länger tragen. Die sind doch eklig, wenn sie feucht sind!

Wir sind sehr diszipliniert: Bei uns tragen auch die Hasen Maske.

Im Sommer räumte der Gatte den Medizinschrank auf und fand diverse Verbandskästen, die er auseinandernahm. Die Dreiecktücher gab er mir: "Vielleicht kannst du ja daraus Masken nähen." Öhm, okay ... Masken sind viereckig und Dreiecktücher  .. na ja, dreieckig halt ... aber den Stoff wegschmeißen, wäre wirklich schade.

Maske mit Mudderns Stadtwappen.

Also habe ich den Stoff erst gewaschen, trocknen lassen, gebügelt, so gefaltet, dass er viereckig ist, gebügelt, zu einem Viereck genäht und Masken zugeschnitten. Die wurden dann bemalt, mit Gummi- und Nahtband versehen und in den Dienst genommen. Gummiband ist hier in den Geschäften übrigens immer noch Mangelware, aber Mudderns hat ihre Vorräte geplündert und bei sich im Dorf 'n büschen was gekauft. 

Lego-Köpfe.

Da weiße Masken langweilig sind, kaufte ich Textilfarbstifte. Bei der ersten Wäsche zitterte ich, weil die eigentlich nur bis 40 Grad waschbar sind, die Masken aber 60 Grad brauchen, aber es passierte nichts.

Masken für den Gatten und für Mudderns.

Als der Gatte mitbekam, dass ich Masken machte, wollte er auch neue. Dabei ist er besser ausgestattet als ich, denn er ist mehr unterwegs. Überraschenderweise macht mir das Stoffmalen aber Spaß, und das Sticheln mit der Hand entspannt mich mehr als Stricken oder Häkeln, weil ich mich sehr darauf konzentrieren muss, was ich gerade mache, um keine Nadel unterm Fingernagel zu haben ... Also habe ich Stoffnachschub, weitere Filzer, Saumband und Gummi bestellt. Die Masken werden uns ja noch viele, viele Monate begleiten.

Dieser Beitrag geht rüber zu den Linkparties Dings vom Dienstag, Creadienstag und Handmade on Tuesday. Danke an alle für's Sammeln!

Samstag, 24. Oktober 2020

Samstagsplausch KW 43/20: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten XXX

Diese Woche war ziemlich rumpelig. Letzten Montag bekam der Gatte ja eine schlechte Diagnose vom Augenarzt inkl. Überweisung in ein auf Augenheilkunde spezialisiertes Krankenhaus. Das bietet nur eine offene Sprechstunde an drei Tagen für je vier Stunden in der Woche an, vergibt keine Termine. Man muss morgens vor Tau und Tag da sein, sich einreihen und hoffen, dass man binnen vier Stunden dran kommt. Das Krankenhaus ist am anderen Ende der Stadt, mit dem ÖPNV braucht der Gatte insgesamt vier Stunden hin und zurück. Also fuhr ich ihn - zwei Mal, denn am ersten Tag konnte ich ihn wegen Streiks gleich wieder einsammeln.

Beim zweiten Mal aber blieb der Gatte viereinhalb Stunden da und wurde untersucht. Die Diagnose des Augenarztes wurde bestätigt. Das nächste Vierteljahr darf der Gatte regelmäßig für drei Stunden zur Behandlung ins Krankenhaus, und damit er nicht vier Stunden mit dem ÖPNV fahren muss, werde ich ihn hinfahren, drei Stunden im Auto warten und ihn wieder mit zurücknehmen. Ein Taxi scheidet aus - wir müssen uns zwar trotz Kurzarbeit des Gatten wenig einschränken, aber die Taxikosten wären so teuer wie eine Woche Dänemark-Urlaub.

Mal schauen, was ich in den drei Stunden mache. Bei gutem Wetter kann ich im nahegelegenen Wald spazierengehen oder ich erledige die Wocheneinkäufe, ansonsten Wolldecke, Thermoskanne, Strickzeug, Buch und im Auto warten. Im Krankenhaus gibt's zwar ein Café, aber ich bezweifle angesichts der steigenden Infektionszahlen, dass ich da hinein darf (oder will). Wir werden sehen. Hauptsache ist, dass dem Gatten geholfen wird, und das auch noch sehr schnell. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass er in diesem Jahr noch Termine bekommt.

Es gilt weiterhin: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause, inzwischen seit 32 Wochen. Kontakte sind auf das Notwendigste beschränkt. Der Gatte ist im siebten Monat Kurzarbeit, was ihm inzwischen ganz schön zu schaffen macht. Es gibt ja keine Perspektive. Ich bin drei Tage im echten Büro und zwei Tage im Heimbüro. Ich warte darauf, dass die Präsenzpflicht wieder aufgehoben wird und ich ganz ins Heimbüro kann. Ich kann gut zu Hause sein.

Mein Arbeitsplatz an sich ist sicher, anders als beim Gatten. Das ist eine große Erleichterung, und wir wissen, dass wir in vielerlei Hinsicht privilegiert sind. Da wir die Situation nicht ändern können, hilft nur Gelassenheit.

Die fehlende Perspektive macht mir in vielerlei Hinsicht zu schaffen. Wenn wenigstens ein Ende absehbar wäre! Letztens im Bus meinte eine Mutter zu ihrer sechsjährigen Tochter: "Nächstes Jahr musst du auch eine Maske tragen!" In Hamburg gilt die Maskenpflicht im ÖPNV ab sieben Jahre. Ich dachte nur: "Menno, nächstes Jahr auch noch diesen Schiet!" Mir fehlt die Unbeschwertheit, mal einen schnell irgendwo hin zu gehen. Es heißt, ans Brillenband denken, damit die Maske nicht rutscht, an die Maske zu denken, je nach Tagesablauf auch an mehrere, plus Beutel für die sichere Aufbewahrung getragener, und wehe, die Maske wurde vergessen! Zumindest an das ständige Händedesinfizieren habe ich mich inzwischen gewöhnt. Aber es ist alles sehr anstrengend.

Ich habe mich immer sehr auf unsere Urlaube gefreut, aber es ist absehbar, dass wir im Februar nicht nach Dänemark fahren können. Und dass wir Weihnachten zur Tante nach Bayern fahren können, ist auch sehr unwahrscheinlich (dass sie zu uns kommt, ebenfalls). An Urlaub auf Mallorca im September ist nicht zu denken. Sport fehlt mir, Schwimmen und Krafttraining. Beides kann ich zu Hause nicht. Ich würde gerne mal wieder ins Theater, aber auch, wenn das Ansteckungsrisiko dort vergleichsweise gering ist, finde ich es doch immer noch sehr vernünftig, möglichst zu Hause zu bleiben und Kontakte zu vermeiden. Und wie gesagt: Ich kann gut zu Hause sein. Aber manches fehlt mir halt doch.

Ich habe angefangen, ein Kontakttagebuch zu führen, denn inzwischen geht's ja nicht mehr darum, ob wir uns mit Corona infizieren, sondern nur noch, wann. Und da die Kollegen in den Gesundheitsämtern zunehmend mehr belastet werden, setze ich lieber auf Eigenverantwortung. Mir macht zu schaffen, dass weder die Mütter noch Tante, der Gatte oder ich im Falle einer Überlastung der Krankenhäuser, im Falle einer Triage, eine Chance haben, da alt, chronisch krank und schon in normalen Zeiten eine Belastung für das Gesundheitssystem. Ich bin dankbar für jeden Tag ohne Infektion. Ich hoffe, das hält noch möglichst lange an.

#drostenultras-Masken von Carbolution.

Diese Woche trafen neue Masken ein, und der Diabetologe des Gatten reagierte schon begeistert darauf. Meine ist ein stiller Protest gegen die Maskenverweigerer unter den Flurnachbarn und im Laden. Meine direkten Kollegen sind zum Glück sehr disziplinierte Maskenträger, aber unser Chef gehört auch zum Corona-Krisenstab, und viele Kollegen gehören zur Risikogruppe. Auf die Idee mit den "Drosten Ultras"-Masken kam die Firma Carbolution, als die Bild-"Zeitung" eine ihrer Kampagne gegen Drosten fuhr. Die Masken werden verschenkt - vielen Dank dafü! Mehr Infos gibt's in diesem Video:


Einen Masken-Lacher gab's diese Woche: Unterwegs zum Krankenhaus, hielt ich an einer Tankstelle. Im Laden war's 'n büschen wühlig, viele Männer, wenig Abstand, Masken auf Halbmast. Als ich den Laden mit meinem üblichen fröhlichen "Mooiihooiiiin!" betrat, drehten die sich zu mir um, zuckten zusammen, richteten die Masken und bildeten eine Schlange mit Abstand. Ich war irritiert. Wieder im Auto, nahm ich meine Maske ab, und da ging mir auf, dass ich gerade eine der Dienstmasken getragen hatte, die als Notfallmaske im Auto liegt. Meine privaten waren in der Handtasche im Kofferraum, diese lag griffbereit in der Mittelkonsole. Die gleichen Dienstmasken wie ich tragen u.a. auch die Kollegen vom Ordnungsamt bei ihren Kontrollgängen ... Ich sollte die Dienstmasken öfter außerhalb des Büros tragen, wenn die solche Wirkung haben. Oder lag's am Snoopy-Shirt und an den Snoopy-Ohrringen?

Den Müttern geht's gut, Gott sei Dank. Bei Tante stehen OPs an, sind aber noch nicht terminiert. Ihr Krankenhaus meldet erste coronabedingte Überlastungen. Schwiegermutters neue Wohnung in der Seniorenwohnanlage ist inzwischen vollständig eingerichtet. Ich würde gerne mal wieder mit zu ihr, war seit dem 28. August nicht mehr da, aber coronabedingt sind Besuche nur eingeschränkt möglich, und da hat der Gatte den Vorrang. Ich hätte mich gefreut, Schwiegermutter in zwei Wochen bei einer Veranstaltung zu Astrid Lindgren in der Wohnanlage zu sehen - Glögg und Nyckelharpa wären eine perfekte Einstimmung auf die Adventszeit gewesen, aber coronabedingt ist die Veranstaltung exklusiv für die Bewohner, verständlicherweise. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Einkaufen und Kochen berichte ich in der Kombüse. Bleibt zu Hause, bleibt gesund, passt auf euch und eure Lieben auf.

Samstag, 17. Oktober 2020

Samstagsplausch KW 42/20: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten XXIX

Im Harburger Binnenhafen.
In dieser Woche hatte ich seit Monaten tatsächlich mal wieder einen dienstlichen Auswärtstermin. Dafür gondelte ich drei Stunden mit dem HVV durch Hamburg. Mit dem Auto wäre es in einem Drittel der Zeit gegangen, aber dann müsste ich monatelang wegen der Übernahme der Parkkosten diskutieren, die die Buchhaltung trotz Genehmigung der Chefs verweigert, weil man in meiner Entgeltgruppe gefälligst den HVV zu nutzen habe. 

Meine Arbeitszeit ist zwar teurer als die Parkkosten, zumal ich auch Überstunden machen muss, wenn ich den halben Arbeitstag in Bus und Bahn sitze, aber das ist der Behörde nicht verständlich zu machen. Vorschrift ist Vorschrift. 

So gondelte ich erst zwei Stunden vom Hamburg Westen in den Hamburger Süden, entdeckte vom Bus aus die idyllischen Seiten von Georgswerder, Kirchdorf und Wilhelmsburg, und landete dann bei dieser Schönheit links im Bild. Zurück nach Mitte ging's dann schneller, denn ich erwischte einen Regionalexpress. 

Der Termin selbst war toll: Engagierte, talentierte Kinder und Jugendliche, ebensolche Teamer - mit dem Projekt habe ich hoffentlich noch öfter zu tun.

Die drei Projekte, für die ich beruflich verantwortlich bin, sind alle auf unterschiedliche Art und Weise von der Pandemie betroffen, und so verfolgte ich auch diese Woche die Entwicklung der Inzidenzzahlen, MPK und KMK ganz genau. Wenn die Weihnachtsferien verlängert, die Sommerferien verkürzt werden, die Frühjahrsferien ausfallen, muss ich zwei Projekte "mal eben schnell" neu konzipieren. Ich habe dieses Jahr schon ein ganzes Alphabet an Alternativ-Plänen konzipiert. Beim dritten Projekt steht in der kommenden Woche eine Veranstaltung an. Meine Kollegin hat schon vorgedacht und ein Hygienekonzept erstellt, so dass wir sie trotz verschärfter Coronaregeln nach derzeitigem Stand durchführen können. Mal schauen, wie's aussieht, wenn spätestens Dienstag der Inzidenzwert bei 50 ist. 

Es gilt weiterhin: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause, inzwischen seit 31 Wochen. Kontakte sind auf das Notwendigste beschränkt. Der Gatte ist im siebten Monat Kurzarbeit, was ihm inzwischen ganz schön zu schaffen macht. Es gibt ja keine Perspektive. Diese Woche war er drei Tage im Büro, aber bald wird es wieder nur einer sein. Ich bin drei Tage im echten Büro und zwei Tage im Heimbüro. Mein Arbeitsplatz an sich ist sicher, anders als beim Gatten. Das ist eine große Erleichterung, und wir wissen, dass wir in vielerlei Hinsicht privilegiert sind. Da wir die Situation nicht ändern können, hilft nur Gelassenheit.

Zu Beginn der Kurzarbeit kam sie uns ganz gelegen, weil sich der Gatte um Haushaltsauflösung und Umzug seiner Mutter kümmern konnte. Jetzt ist sie gelegen, weil sich der Gesundheitszustand des Gatten verschlechterte. Montag bekam er die sich schon vor vier Wochen ankündigende negative Diagnose. Kommende Woche fahre ich ihn in eine Augen-Klinik, wo er erfährt, wie die Behandlung weitergeht. Selbst fahren kann er nicht, und mit dem HVV wäre er fast zwei Stunden unterwegs (mit dem Auto sind es 30 Minuten). 

In der Klinik gibt es keine Termine, man muss sich morgens um 8 Uhr in eine Schlange einreihen und hoffen, dass man bis 12 Uhr dran kommt - wenn nicht, kommt man am nächsten Tag wieder ... Ich hoffe, die eigentliche Behandlung kann dann bei uns im Westen in einer Arztpraxis stattfinden. Und ich hoffe, der Gatte findet den Rückweg mit dem HVV, denn ich kann ihn in der Klinik wirklich nur absetzen, muss dann zu einer Besprechung ins "echte" Büro. Notfalls muss er ein Taxi nehmen.

Langsam haben ich Lust, mal wieder ins Theater zu gehen, aber bei der aktuellen Infektionslage gilt einmal mehr Einigeln. Ich will weder den Gatten noch die Mütter in Gefahr bringen. Für den kommenden Monat ist ein Betriebsausflug mit Museumsführung und Essengehen geplant. Ich habe erst zugestimmt, finde das inzwischen aber immer unangemessener und bin unsicher, ob ich mitgehe. Notfalls zahle ich meinen Anteil und bleibe zu Hause. Erst dachte ich, ich gehe ja auch privat essen, dann kann ich das auch mit den Kollegen, nur privat bin ich ausschließlich mit den Menschen zusammen, zu denen ich, da Familie, kaum Abstand halte, während wir im Dienst sehr aufs Abstandhalten wert legen. Nur sitze ich im Restaurant ja nicht anderthalb Meter von meinen Kollegen entfernt ... Aber wer weiß, vielleicht sind wir in vier Wochen schon längst wieder im nächsten Shutdown.

Ich habe wieder angefangen, Masken zu nähen. Ich selbst habe ja nur sieben Stück, da ich mehr zu Hause bin als der Gatte, aber da seit Montag im Büro verschärfte Maskenpflicht gilt, brauche ich Nachschub, vor allem, wenn ich im Laden einsetzt werde und gut fünf Stunden durchgehend Maske tragen muss. So eine Maske ist ja nach spätestens zwei Stunden durch und muss ersetzt werden. Ja, ich weiß, es gibt Menschen, die wechseln ihre Maske nicht. Das ist eklig. Als erstes habe ich mir die fünf Dienstmasken, die mir mein Arbeitgeber zur Verfügung stellt, geholt, und  die Bänder so versetzt, dass es Ohrenschlaufen sind, ich sie nicht binden muss. Die Dienstmasken trage ich ungern, weil sie sich nicht gut unter die Brille schieben lassen, aber für's Büro, für den Laden geht's.

Irgendwie hatte ich gehofft, wir würden dieses Corona-Gedöns über den Sommer los, aber dem ist ja leider nicht so. Also Masken nähen. Momentan komme ich nur nicht dazu, welche für mich zu gestalten, denn der Gatte und Mudderns waren von ihren so begeistert, dass sie Nachschub wollen. Die müssen aber erst mal warten, ich muss an mich denken.

Übrigens braucht man sicher nicht so viele Masken, wenn man sie abends bügelt oder heiß durchwäscht. Für mich ist es aber am praktischsten, sie in die Sechzig-Grad-Wäsche zu geben, und das mache ich nicht mit ein oder zwei Stück. Also haben wir so viele Masken, dass sie normalerweise erst am Wochenende alle in einem Rutsch gewaschen werden müssen. Außerdem macht mir das Gestalten und sogar auch das Nähen Spaß.

Sonnabend waren wir bei Mudderns. Sie ist momentan wieder schlechter drauf, verfängt sich in Verschwörungsideen, was Unterhaltungen etwas anstrengend macht. Aber wir konnten miteinander frühstücken, über den Markt bummeln, anschließend dann sogar noch in einen Sonderpostenmarkt - das ist für sie immer ein Highlight, da sie dorthin nicht zu Fuß kommt und den ÖPNV nicht nutzen will. Inzwischen scheint es auch bei ihr angekommen zu sein, dass sie Einmalmasken nicht tragen kann, bis sie zerfallen, dass sie Stoffmasken waschen muss - jetzt muss sie es nur noch umsetzen. Ansonsten ist sie immer schlechter zu Fuß. Und sie möchte, dass ich sie alle zwei Wochen besuchen komme, was ich aktuell nicht schaffe, zumal mein Auto gerade Fehlermeldungstourette hat und erst mal in die Werkstatt muss, bevor ich wieder eine längere Strecke damit fahre. Und ich hätte gerne mal viel Zeit für mich, ohne mich um die Mütter oder den Gatten kümmern zu müssen. Nur: Is eben nich. 

Schwiegermutter lebt sich weiter in der Wohnanlage ein. Ich bin gespannt, wie lange der Gatte sie noch besuchen kann. Aktuell muss er sich nicht nur anmelden und den Zapfenstreich beachten, sondern bekommt auch Zeitfernster zugeteilt, damit nicht zu viele Besucher auf einmal in der Anlage sind. Tante wartet auf zwei OPs, und wir hoffen, beide können zeitnah durchgeführt werden, aber die Krankenhäuser schieben ja vermeidbare OPs schon wieder auf, um Corona-Kapazitäten zu haben. Schwiegermutter fährt dann zu Tante, um sich um sie, vor allem aber um den Dackel zu kümmern. Da Bayern aktuell das Beherbungsverbot ausgesetzt hat, sind wir vorsichtig optimistisch, dass wir zusammen bei Tante Weihnachten feiern können. Wir müssen halt von Tag zu Tag sehen, wie sich die Lage entwickelt.

Zum Glück mucken meine Wechseljahre zurzeit wenig. Ich bin weiter gespannt auf die Diagnose der Hormon-Tante, muss aber noch zuwarten bis zum Termin. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Einkaufen und Kochen berichte ich in der Kombüse. Bleibt zu Hause, bleibt gesund, passt auf euch und eure Lieben auf.