Samstag, 18. April 2020

Samstagsplausch KW 16/20: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten V

Diese Woche hatte es in sich, und Donnerstag war ich kurzzeitig mit meiner Kraft am Ende.

Ostern konnten wir etwas Kraft tanken, viel Zeit im Garten verbringen, auch bei der Schwiegermutter. Sie löst gerade ihren Haushalt auf, hat ihr Haus verkauft, zieht in eine Seniorenwohnanlage, und da sind Fristen einzuhalten, die keine Rücksicht auf die momentane Lage nehmen.

Nach den ruhigen Ostertagen kam beim Gatten die Hiobsbotschaft, dass die Kurzarbeit weiter eingeschränkt wird. Solange alle Veranstaltungen, Festivals, Festspiele, Konzerte und Theater- und Zirkusvorstellungen abgesagt, Freizeitparks geschlossen, Dreharbeiten weitgehend eingestellt sind, gibt es keine Arbeit für ihn. Momentan gilt die Absage von Großveranstaltungen bis Ende August, aber es ist absehbar, dass der Zeitraum um einige Monate verlängert wird.

Aktuell sorgt also nicht nur mein Asthma für schlaflose Nächte.

Diese Woche war der Gatte aber noch jeden Tag im Büro, während ich Mittwoch zu einem Diensttermin musste. Ein weiterer Termin am Donnerstag wurde abgesagt, weil im Kulturbereich ja gerade nichts geht (nur da ich nicht in der freien Wirtschaft arbeite, liegt zwar mein drittes Projekt auf Eis, wirkt es sich aber bei mir nicht finanziell aus).

Gestern konnte ich auch zu Hause bleiben, weil bei meinem Mammutprojekt von meinen Blaumännern endlich die Reißleine gezogen wurde und der Beschluss fiel, dass es nur digital umgesetzt wird, nicht auch analog. Gestern war der letztmögliche Termin für die Entscheidung, wenn wir nicht Ressourcen verschleudern wollten.

Ich bin perfektionistisch, und so behagte es mir gar nicht, ein Produkt herzustellen, das letztlich für die Tonne ist. Ich sah mich schon in drei Wochen in die Druckerei rennen und theatralisch "Haltet die Druckpressen an!" rufen, während Chef uns schon in fünf Wochen von der Druckerei direkt zum Altpapiercontainer fahren sah, und beides konnte es nicht sein.

Ich merkte erst nach der Entscheidung, dass sie mich erleichterte. Zum Glück wollten wir dieses Jahr ohnehin mit einer professionellen digitalen Umsetzung starten, was nach acht Monaten Vorlauf tatsächlich auch endlich anläuft.

Dienstag und Donnerstag hatte ich Videokonferenzen, etwas, was ich noch nie machte. Die Behördentechnik ist so desolat, dass wir letztlich auf unsere privaten Geräte zurückgreifen mussten, um arbeiten zu können. Ohne den Technikpark des Gatten wäre ich aufgeschmissen gewesen.

Donnerstag war dann einfach alles zu viel. Vor Tau und Tag rief das Krankenhaus an: Schwiegermutter stürzte nachts, kugelte sich die Schulter aus und bleibt mindestens eine Nacht dort. Sie ließ ausrichten, ich solle mir vom Gatten ihren Schlüssel geben lassen, ihren Koffer packen und ihr vormittags ins Krankenhaus bringen. Schließlich wäre ich zu Hause und hätte Zeit.

Ich bin zwar zu Hause, aber ich arbeite, und an dem Vormittag hatte ich die anderthalbstündige Videokonferenz, die sich nicht verschieben ließ (sonst bin ich ja meistens sehr frei in der Termingestaltung). Ich merkte schon währenddessen, dass nichts mehr geht und lieferte eine schlechte Performance ab. Parallel kam ein weiterer Anruf aus dem Krankenhaus, den ich mit schlechtem Gewissen wegdrückte. Als ich zurückrief, musste mir eine genaue Packliste aufnotieren.

Als der Gatte dann zu Hause war, fuhren wir in Schwiegermutters Haus, um die Liste abzuarbeiten. Angeblich gäbe es einen gepackten Notfallkoffer im Ankleidezimmer. Da war zwar ein gepackter Koffer, nur waren in dem 20 Paar Schuhe. Gleiches galt für eine angeblich gepackte Waschtasche. Die enthielt nur Sonnencremes in Variationen. Wir waren ziemlich entnervt, bis wir endlich einen Koffer gepackt und im Krankenhaus abgegeben hatten (Besuche sind ja aktuell nicht erlaubt).

Immerhin: Am Haupteingang des Krankenhauses gab's zum ersten Mal seit vielen Jahren wenigstens einen provisorischen Sterilliumspender. Schon in normalen Zeiten ist die Hygiene in diesem Krankenhaus allenfalls mangelhaft. Jedes Mal, wenn ich mit Gatten oder Schwiegermutter dort bin (und ich bin leider seit 2013 oft dort), habe ich hinterher Brechdurchfall oder einen grippalen Infekt. Mal gucken, was ich mir diesmal einfing.

Kaum zurück, rief Mudderns an und teilte mir mit, sie wolle ihre Gesellschafterin jetzt direkt bei sich anstellen, nicht mehr wie bisher über den Pflegedienst bezahlen, und ich solle das doch bitte sofort in die Wege leiten. Das war dann schlichtweg zu viel.

Ich hatte ad hoc keine Ahnung, wie so was geht, konnte keine von Mudderns Fragen beantworten oder ihren Aufträgen nachkommen, kämpfte mich parallel zu ihren Fragen durch's Netz und durch mehrseitige Broschüren zum Thema, deren Inhalt ich aber gar nicht erfassen konnte, weil Mudderns mich nebenbei mit Fragen bombardierte. Im anschließenden Telefonat mit ihrer Gesellschafterin stellte sich dann heraus, dass Mudderns einfach etwas missverstand, und gestern konnte ich sie dann wieder einfangen.

Schwiegermutter ist inzwischen wieder zu Hause, macht uns aber Sorgen, weil der Gatte seit einigen Wochen befürchtet, dass sie dement wird. Sie versinkt immer mehr in ihrer eigenen Welt, zusammenhängende Gespräche sind kaum möglich, sie ist aggressiv und garstig.

Ich hoffe sehr, dass sie sich wieder berappelt, wenn sie in der Seniorenwohnanlage ist, dass ihr momentaner Zustand nur Resultat der Überforderung durch Auflösung ihres Hauses und Planung des Umzuges ist. Das fordert schon in normalen Zeiten wesentlich jüngere Menschen und kann einen jetzt einfach nur irre machen.

Der Gatte würde ihr bei allem helfen, aber das lehnt sie ab. Stattdessen macht sie halbseidene Haustürgeschäfte, wird übers Ohr gehauen. Der Gatte versuchte bislang vergeblich, zu intervenieren oder bei den Vertragsverhandlungen dabei zu sein.

Zu allem Überfluss ist der Umzugstermin aufgrund der aktuellen Lage gerade wieder offen, und selbst, wenn der Termin steht, müsste sie erst Möbel kaufen, was wegen der Schließung der Möbelgeschäfte gerade nicht geht (und dann muss alles sofort lieferbar sein). Sollte sie tatsächlich in acht Wochen umziehen können, müsste sie zwei Wochen in Quarantäne, was ihr auch nicht zusagt.

Bei uns zeigen sich in der fünften Woche langsam Ausfallerscheinungen. Nicht nur, dass wir viel mehr schlafen als sonst, meistens müde sind und oft Kopfschmerzen haben, inzwischen gibt's auch andere Aussetzer. So wird Kaffee gekocht und dann in der Maschine vergessen, Kuchen gekauft und dann vergessen ....

Sehr lachen musste ich, als ich den Gatten bat, mir ein Packset von der Post mitzubringen, weil wir keinen Karton haben, ich Mudderns aber ein Paket schicken möchte. Der Gatte kam ohne wieder, denn Packsets sind vergriffen, nicht mehr lieferbar. Aber: "Du verschickst doch ohnehin mit Hermes, nicht mit der Post. Da brauchst du doch kein Packset!" Schon, nur kann ich den Paketschein ja schlecht direkt auf Pulli und Kekse kleben und alles ohne Kartonage verschicken. Mal gucken, ob's im Hermeslädchen oder im "echten" Büro noch Kartonagen gibt.

Gestern löste sich übrigens mein Maskenproblem. Ich möchte nicht immer mit dem Auto ins "echte" Büro fahren, weil das Parken 30 Euro pro Tag kostet, und selbst, wenn ich das nur einmal die Woche mache, ist es schade ums Geld - das wären schließlich zwei Bobbel oder drei Taschenbücher. Ohne Maske möchte ich aber nicht den ÖPNV nutzen, schon gar nicht, wenn die Schulen wieder geöffnet sind.

Da ich nicht nähen kann und es mich auch gerade überfordert, es "mal eben" zu lernen, ich keine Einmal-Masken irgendwo im Netz bestellen wollte, die frühestens in vier Wochen aus China kämen, oder Mondpreise für Designer-Stoffmasken zahlen wollte, fand ich keine Lösung. Gestern erzählte eine Kollegin, eine andere werde ihr eine Maske nähen. Sie fragt, ob sie gegen Bezahlung auch für den Gatten und mich welche näht.

Nachmittags musste ich in die Apotheke und fragte ohne viel Hoffnung, ob es inzwischen Masken gäbe. Überraschenderweise bejahte die Apothekerin. Ich konnte sogar wählen zwischen Papier und Stoff und entschied mich erstmal für zwei Papiermasken, denn für die aus Stoff sorgt ja hoffentlich die Kollegin. Dabei erfuhr ich, dass man die Papiermaske tatsächlich mehrfach verwenden kann, wenn man sie bei 70°C im Ofen sterilisiert - wunderbar! Die "Büro-Maske", die der Gatte schon seit gut zwei Wochen trägt, macht also heute noch einen Ausflug in den Ofen.

Über's Einkaufen und Kochen in der vergangenen Woche berichte ich in der Kombüse. Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Bleibt zu Hause, bleibt gesund, passt auf euch und eure Lieben auf.

1 Kommentar:

  1. Servus Sabine!
    Puh . . . Corona macht uns alle fix und fertig, ich beneide dich nicht um die vergangene Woche! Jetzt, wo ich deinen Post gelesen habe verstehe ich auch, dass du dich bei mir noch nicht gemeldet hast. Du hast nämlich bei meiner Verlosung gewonnen, ich hab gebeten dich zu melden. Gehe dazu bitte auf meine HP, scrolle gaaanz hinunter und im Impressum findest du meine Mailadresse. Ich hoffe du kannst morgen ein bisschen entspannen, liebe Grüße
    ELFi

    AntwortenLöschen

Kommentare von Corona-Leugner, Quer- und anderen Nicht-Denkern, Wahnwichteln, Das-ist-doch-nur-ne-Grippe-Schwurblern, Wir-haben-genug-freie-Intensivbetten-Rufern und ähnlichen Düffeldaffeln werden gelöscht.