Sonntag, 2. Mai 2021

Samstagsplausch KW 17/21: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten LVII

"Da guckst du einmal nicht hin, schwupps, sind die Bäume wieder grün!", stellte der Gatte Mittwoch fest, als wir auf dem Balkon saßen. Recht hat er! Es wurde quasi über nach grün. Das ist so schön!

Plötzlich sind die Bäume wieder grün.

Ruhige Momente waren diese Woche rar. Jeder Tag brachte mehrere Termine. Das ist mir selbst ohne Corona zu viel, und oft hatte ich den Eindruck, Corona ist vorbei, weil so viele Menschen unterwegs sind. Sogar Flugzeuge sind wieder häufiger zu hören. Einzig die Typhone der Kreuzfahrtschiffe fehlen, und durch die Ausgangsbeschränkungen ist es nachts so ruhig auf der Straße, dass sogar ich bei geöffnetem Fenster schlafen könnte. Nach über einem Jahr Corona merken wir immer öfter, was uns alles fehlt, sogar der Dom! 

Hier gilt seit mittlerweile 59 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Unsere Kontakte sind auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Mütter. 

Der Gatte ist seit einem Jahr in Kurzarbeit, arbeitet drei Mal pro Woche. Die Perspektivlosigkeit ist weiterhin belastend. Sein Nervenkostüm ist dünner als dünn. Gesundheitlich ist er immer noch angeschlagen.

Mein Arbeitsplatz ist sicher, was eine große Erleichterung ist. Ich bin einen Tag im Büro bzw. im Laden, arbeite ansonsten zu Hause, wie die meisten Kollegen. Ich kämpfe auch nach über einem Jahr noch mit den Tücken der Digitalisierung meines Mammutprojekts. Immerhin aber konnte ich Freitag vermelden, dass im Moment alles stabil läuft. Mal schauen, wie lange dieser Zustand anhält. Der Kollege, der für die technische Umsetzung zuständig ist, will sich mit dem Satz das Büro tapezieren, um mich daran zu erinnern, dass es zumindest einen Tag gab, an dem alles lief. 

Der Gatte hatte gesundheitlich viele schlechte Tage, musste mit seinen Kräften sehr haushalten, und ich bin froh, dass er kommende Woche einen Arzttermin hat. Der geplante lange Frühlingsspaziergang war deswegen noch nicht drin, aber vielleicht können wir ihn nachholen. Hoffnung macht, dass er Reisepläne schmiedet. Im kommenden Jahr ist eine Donau-Kreuzfahrt angedacht, und für dieses Jahr haben wir gerade ein Ferienhaus in Dänemark gebucht - das gleiche, in dem wir uns letztes Jahr so wohl fühlten. Mal schauen, ob wir tatsächlich reisen können. 

Bei mir sind sich immerhin vier Ärzte darin einig, dass mit meinen Nieren was nicht stimmt. Es gab also diese Woche wenigstens keine neue Diagnose. Im zweiten Halbjahr habe ich einen Facharzttermin. Bis dahin wird alle vier Wochen Blut abgenommen, auch wegen dieses ominösen Tumorverdachtes, den der Human-Genetiker in die Welt setzte. Zu dem schickte mich die Horror-Hormon-Tante - keine Ahnung, warum. Sie pflegt ja keine Fragen zu beantworten, weil ich zu dumm bin, um ihr zu folgen. Dementsprechend sagte sie auch nichts zum Befund, als ich diese Woche bei ihr war. 

Sie sagte mir auch nicht, wie die Behandlung der Wechseljahrsprobleme und der Hormonstörung weitergeht, nahm nur wieder mal Blut ab, will mich irgendwann anrufen, um mir das Ergebnis mitzuteilen, und gab mir neue Rezepte mit. Ich hätte ja schon gerne gewusst, in welchem Rhythmus ich jetzt zu ihr muss, aber ich hatte keine Lust, zu diskutieren, ob ich intellektuell in der Lage bin, ihre Antwort zu verstehen. Beim nächsten Rezept frage ich mal die MFA, und parallel suche ich weiter nach einer anderen Endokrinologin.

Es gibt Momente, in denen ich merke, wie sehr dieses ganze Corona- und Krankheits-Gedöns an mir zerrt, zum Beispiel, als heute Morgen die Spülmaschine zickte und ich keine Ahnung hatte, wie ich in meinem eng getakteten Tagesablauf eine Reparatur unterbringen sollte. Da der Gesundheitszustand des Gatten so schwankt, bleibt so was halt am mir hängen. Gott sei Dank berappelte sich die Maschine vorerst wieder, ohne dass ich den Siphon aufschrauben oder einen Handwerker bestellen musste. Und nachdem das Ferienhaus gebucht war, flossen bei mir erstmal Tränen, so groß ist die Sehnsucht nach Urlaub und Erholung. Aktuell gehen meine Urlaubstage ja für Arzttermine drauf - habe ich mehr als einen am Tag, kann ich nicht drum herum arbeiten. 

Ich bin unwahrscheinlich erschöpft. Ich hätte nie gedacht, dass wir nach einem Tag noch immer mit diesem Corona-Gedöns beschäftigt sind. Immerhin scheint ein Ende in Sicht, macht die Aussage Karl Lauterbachs, der Sommer weder gut, Mut.  

Den Müttern und Tante geht's gut, Gott sei Dank. Mudderns stellte heute fest, dass ihre Gemeinde wieder Gottesdienst vor der Kirche feiert. Als sie angechoppert kam, wurde hier gleich ein Stuhl gebracht, aber es war ihr zu voll, denn es war ein Konfirmationsgottesdienst. Aber wenn es jetzt wieder mit Draußen-Gottesdiensten los geht, wäre das schön für Mudderns, denn die Gottesdienste fehlen ihr sehr. Die Alternativen per Netz oder Telefon sind nicht ihrs. Schwiegermutter freut sich auf eine Woche mit Tante, denn die beiden sahen sich über ein Jahr nicht mehr. Diese Woche schaffte ich es nicht, ihr eine Karte zu schicken, aber Tante betont ja auch immer, ich soll nur schreiben, wenn es sich ausgeht. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

1 Kommentar:

  1. Da wünsche ich dir einfach mal eine bessere Woche mit ganz vielen schönen Momenten. *G*
    Liebe Grüße
    Manu

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