Dienstag, 6. Dezember 2022

#WMDEDGT 12/22: Baustellen-Blues

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Heute ist Montag. Der Gatte ist noch auf der Baustelle, heißt, ich habe alleine geschlafen und genieße es, mit Radio aufwachen zu können. Ansonsten stünde ich schnell auf, um den Gatten nicht zu wecken, denn der ist ja Rentner und kann meistens ausschlafen. 

Kaffee aufsetzen, zwei Maschinen Wäsche, gewaschen am Vortag, aufhängen, den widerspenstigen Bauunternehmer und Mudderns Gesellschafterin anschreiben, ersteren in der vergeblichen Hoffnung, dass die Baustelle wie zugesagt diese Woche fertig wird, zweite, um sie über Mudderns aktuell schlechten Gesundheitszustand zu unterrichten, nebenbei Kaffee trinken, dann Brote für den Tag schmieren und dem Gatten eine Kanne Tee kochen, über die er sich freut, wenn er mittags durchgefroren nach Hause kommt. 

Ich bin froh, dass ich gestern schon meine Tasche packte, nichts zusammen suchen muss, heute nur noch Brote, Thermobecher und Trinkjoghurt einpacken muss. Duschen, anziehen, dann feststellen, dass ein Bus gerade weg ist, ich zehn Minuten bis zum nächsten habe, was noch für ein Marmeladenbrot reicht. Lecker, nur dusseligerweise habe ich jetzt richtig Hunger ... 

Aktuell ist Weihnachtsmärchenzeit, sind entsprechend viele Schulklassen unterwegs ins Theater, ist der Bus voll. Ich freue mich über einen Sitzplatz, weil die Klassen erst später einsteigen. Es gibt die üblichen Verspätungen; ich bin nicht so früh im Büro wie ich es mir wünschte, aber pünktlich. 

Ankommen, E-Mails sichten, dann bei der Bank anrufen, von der wir jetzt tatsächlich einen Baukredit bekommen werden - gestern kamen die unterzeichneten Unterlagen. Jetzt muss ein Termin vereinbart werden, damit ich unterschreiben kann, denn das geht nur vor Ort. Bei der Hausbank hingegen ging alles digital ... Zumindest ist die Baufinanzierungsabteilung der Bank in der lindgrünen Hölle, nicht irgendwo anders im Landkreis. Ich kann also zwischendurch schnell zu Fuß hin. Außerdem muss ich zum Notar, damit die Bank ins Grundbuch eingetragen werden kann. Das lässt sich quasi im Vorbeigehen erledigen, bedeutet aber wieder Kosten, von denen wir vorher nichts wussten. Der aktuelle Bankmensch, mittlerweile der vierte, ist entspannt, wir finden einen Termin. Wann der Baukredit ausgezahlt wird, steht weiterhin in den Sternen, denn dafür fehlen weiterhin Unterlagen. Der Bankmensch ist aber optimistisch. Wenigstens einer.   

Arbeiten, zwischendurch mit Mudderns Gesellschafterin besprechen, wie's bei Mudderns weitergeht, und vergeblich auf Nachrichten vom Bauunternehmer warten. Der ist seit Freitag nicht mehr erreichbar. Ganz großartig. Mittags kurz raus, um einzukaufen.

Pünktlicher Feierabend. Auf dem Heimweg ist der S-Bahn-Fahrplan durcheinander, was ausnahmsweise mal keine Wartezeiten bedeutet. Ich bekomme sogar sofort einen Anschlussbus - mit Sitzplatz. Dusseligerweise habe ich morgens mein Buch* vergessen, aber angesichts meiner Einkäufe habe ich eh keine Hand dafür frei. Während ich aus dem Fenster ins Dunkle starre, fällt mir ein, dass es praktisch gewesen wäre, hätte ich morgens daran gedacht, die grünen Bohnen für's Abendessen aus dem Tiefkühler zu nehmen. Später wird sich zeigen: Das war nicht weiter schlimm. Sie lassen sich leicht angetaut prima in mundgerechte Stücke brechen.

Der Gatte ist schon zu Hause, und wir freuen uns, dass wir uns wiederhaben. Umziehen, abschminken, dann in die Küche, denn das Abendessen braucht gute zwei Stunden. Während ich das Gulasch vorbereite, tauschen wir uns kurz über unseren Tag aus. Erwartungsgemäß hat er die Nachricht, dass heute niemand auf der Baustelle war. Wir sind frustriert, verärgert und ratlos. Zugesagt ist, dass die Baustelle diese Woche fertig ist (ursprünglicher Termin war 26.09.2022). Nur ist seit Sonnabend kein Handwerker mehr zu sehen, kam der angekündigte Elektriker nicht.

Dann widmet sich der Gatte sehr gründlich dem Kreditvertrag inkl. Lektüre der AGB und der darin zitierten BGB-Paragraphen. Der Kreditvertrag gleicht Straßenräuberei, aber wir haben keine andere Wahl. Für die kommenden zehn Jahre gehört unser Haus der Bank, und die kann damit machen, was sie will. Genau das wollte ich nie. Das Haus war immer mein sicherer Hafen. Durch das Haus hatte ich nie die Angst, obdachlos zu werden. Aber genau dieser Fall kann jetzt eintreten. Egal, da müssen wir durch. Anders können wir das Haus nicht finanzieren. Wir gingen halt nie davon aus, zu Mudderns Lebzeiten ins Haus zu ziehen. Es ist schön, dass wir noch zu ihren Lebzeiten ins Haus ziehen, natürlich. Immerhin kann der Gatte mir erklären, was ich da unterschreibe. Ein, zwei Fragen hat er, die notiert werden für den Unterzeichnungstermin. 

Abendessen, dann sortiert der Gatte seine Monatsration Tabletten, während ich sofasitzen und stricken kann. Der Gatte braucht bei den Tabletten keine Hilfe. Das ist selten und ausgesprochen fein. 

Küche aufräumen, das Abendessen eintuppern, denn das kommt mit ins alt-neue Haus, wo wir den Rest der Woche verbringen, dann zu spät ins Bett und noch etwas lesen*. 

Der Blick zurück in die ersten beiden Corona-Jahre: Am 5. Dezember 2020 schrieb ich nichts, war mit dem erkrankten Gatten beschäftigt, der kurz darauf ins Krankenhaus kommen sollte. Am 5. Dezember 2021 war ich frisch gegen Corona geimpft - zum dritten Mal. Die Hoffnung, dass wir mit dieser Moppelkotze nach dem ersten Corona-Sommer durch wären, war da schon lange verflogen. 

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Samstag, 3. Dezember 2022

Samstagsplausch KW 48/22: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CXLII

Erstmals waren wir fünf Tage am Stück im alt-neuen Haus, in der vergeblichen Hoffnung, dadurch endlich mit unserer Eigenleistung bei der Renovierung voran zu kommen. Wir fuhren Freitag Mittag raus, und Dienstag Vormittag ging's zurück in die große Stadt. Hätten wir wieder ein Bad, hätten wir es auch länger ausgehalten. Es scheint aber geholfen zu haben, dass wir dem Bauunternehmer eine Frist setzten und ihm bei Nichteinhalten Kosten für die Verzögerung des Umzugs in Rechnung stellen werden. In zwei Wochen soll alles fertig sein. Wir sind gespannt. Dieses ständige Hin und Her zwischen Stadt und Land macht uns gerade kirre. Der Gatte wird kommende Woche einen Tag in Hamburg sein. Mit Bad könnten wir länger draußen bleiben, aber fünf Tage ungeduscht ist schon echt eine Herausforderung. Immerhin haben wir jetzt wieder im Gäste-WC warmes Wasser, um uns zu waschen. Wochenlang arbeiteten wir mit warmen Wasser aus einer Thermoskanne. Gerade für den kranken Gatten ist warmes Wasser wichtig.

Die Kirche im Dorf am ersten Advent.

"Was für ein schöner Sonntag!", meinte Mudderns glücklich beim abendlichen Telefonat. Ich hatte es endlich geschafft, sie zu überreden, wieder in die Kirche zu gehen, wo sie seit ihrem Sturz vor einem halben Jahr nicht mehr war, und holte sie Sonntag früh ab. Dabei erfuhren wir, dass es ab dem kommenden Jahr auch wieder im Heim Gottesdienst geben wird. Mudderns ist der Kontakt zu ihrer Gemeinde zwar wichtig, aber Gottesdienst im Heim wäre eine Alternative, falls ich sie nicht abholen kann oder die Uhrzeiten ihr nicht passen, denn nicht jeden Sonntag beginnt der Gottesdienst um 10 Uhr. 

Ich war nach 21 Jahren zum ersten Mal wieder in der Kirche, in der ich getauft und konfirmiert wurde. Lange Zeit war ich auch im Kirchenchor, bis ich wegen Nichtsingenkönnens und damit einhergehenden Gemobbes der anderen Chormitglieder freiwillig ging. Seit 24 Jahren bin ich keine Christin mehr, aber es war erstaunlich, dass ich große Teile des Ritus' noch immer intuitiv kenne. Die Kirche ist inzwischen innen weiß, nicht mehr taubenblau wie früher (was ich hübscher fand), und wirkt merkwürdig kahl - die Adventssonntage in der Kindheit habe ich prächtiger in Erinnerung. Erfreulicherweise war die Kirche gut gefüllt, viele Konfirmanden waren dabei - und die coolen Kids saßen wie früher auf der Empore. Man kennt sich in der Gemeinde, und Fremde wie ich fallen auf.

Schade fand ich, dass ich nicht mitsingen durfte - sowohl Mudderns und ich können zugegebenermaßen nicht singen und wurden deswegen von den anderen Gemeindemitgliedern oft derart abgekanzelt, dass wir nicht mehr singen. In Kirchen müssen halt alle singen wie die Engel. In Synagogen reicht es, so gut zu singen, wie man kann - auch ein Grund zur Konversion. Wobei: Der Organist schaffte es, selbst schmissige Weihnachtslieder wie "Tochter Zion" so zu spielen, dass sie deprimiert klangen, als spiele er mit angezogener Handbremse. Da hätte das Singen keinen Spaß gemacht. "Tochter Zion" ist eines meiner Lieblingskirchenlieder. 

Mudderns tat der Gottesdienst wirklich gut, auch wenn sie wie üblich die Kirche früher verließ und ungeduldig, ungehalten wurde, als ich sie dann auch noch bat, zu warten, weil ich Brötchen holen wollte. Sie traf kaum Bekannte, konnte sich nicht unterhalten, und zum Umtrunk im Gemeindehaus wollte sie nicht. Morgen werden wir nicht in den Gottesdienst gehen, denn der beginnt erst um 11 Uhr, das passt nicht mit dem Mittagessen, aber für den dritten Advent versuche ich wieder, Mudderns zu überreden.

Sorgen macht, dass Mudderns immer weiter geistig abbaut. Sonntag fand sie den Weg in den Speisesaal nicht mehr. Zufällig stand ich noch im Foyer, als sie aus dem Aufzug kam, und konnte sie in den Speisesaal bringen. Sie verlief sich öfter im heim, aber in der letzten Zeit hatte sie es ganz gut im Griff, brauchte die Etagenpläne, die ich ihr machte, nicht mehr. Erfreulich war, dass Mudderns sowohl Adventskalender als auch Hyazinthe, die ich mitbrachte, annahm, dass die Mitbringsel kein Geschrei auslösten, weil sie aus irgendeinem Grund falsch waren.  

Improvisierter Advent im alt-neuen Haus. Stabkerzen sind aktuell schwierig zu bekommen, warum auch immer.

Dass ich Sonntag mal nicht nach Hamburg zurückfuhr, weil ich Montag ins echte Büro muss, war ganz schön. Ich hatte meine Heimbürotage getauscht und konnte auf dem Lande bleiben. So konnte ich mit dem Gatten Advent feiern, konnten wir zusammen zu Abend essen und einen ruhigen Abend verbringen. 

Hier gilt seit mittlerweile 142 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Es geht uns vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird. Er ist inzwischen schwerbehindert und berufsunfähig verrentet. 

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Mütter und seit Juli Handwerker. Ich bin dankbar, dass Corona uns bislang verschonte. Wir sind natürlich geimpft, aber angesichts unserer Vorerkrankungen ist trotz Impfung eine Corona-Infektion wenig ratsam. Sie ist aber unvermeidbar, und ich kann nur hoffen, dass es uns dann nicht zu hart trifft. Corona wird ja anscheinend langsam endemisch - wären da nicht die weiterhin hohen Todeszahlen. 

In Schwiegermutters Seniorenwohnanlage sind anscheinend die Quarantäneregeln außer Kraft gesetzt, denn infizierte Mitbewohner dürfen neuerdings zum Essen in den gemeinsamen Speisesaal. Immerhin scheinen da die Schnelltests noch zu greifen, denn die sind bei den aktuellen Virenvarianten wohl arg unzuverlässig. PCR-Tests wären besser, werden hier aber kaum noch durchgeführt. 

Montag wurde unser Baukredit bewilligt - eigentlich ein Grund zum Feiern. Nur leider zahlt die Bank den Kredit erst aus, wenn eine bestimmte Unterlage vorliegt, die es hier im Landkreis erst für Neubauten ab 1980 gibt - unser Haus wurde 20 Jahren früher gebaut. Heißt, ich zahle monatliche Kreditraten, bekomme aber kein Geld ausgezahlt, weil ich eine Unterlage liefern soll, die es schlichtweg nicht geben kann. Gelingt es mir nicht, binnen eines halben Jahres eine Lösung zu finden, zahle ich zu den monatlichen Kreditraten auch noch Strafzinsen. Ein lohnendes Geschäft für die Bank, nur nicht für mich, denn defacto stehe ich noch immer ohne Geld da. Ich bin versucht, mich daran zu erinnern, dass sowohl der Gatte als auch ich aus einem anderen Leben eine graphische Ausbildung haben ... 

Donnerstag hatte ich ungeplant frei - ein Fest! Normalerweise sind seit drei Jahren meine Tage zwischen 6 und 22 Uhr strikt durchgeplant, erzeugt jede Terminverschiebung einen Domino-Effekt. Das war diesmal nicht anders, aber ich entschied mich, den eingereichten freien Tag trotzdem wie geplant zu nehmen, und das tat mir wirklich gut. Ich habe zwar kaum etwas von der Hausarbeit geschafft, die ich schaffen wollte, aber einen ganzen Tag zu Hause hatte ich seit Ewigkeiten nicht mehr. Ich drehte mich um sechs Uhr nochmal um und schlief insgesamt fast 11 Stunden. Neben der Dusche fehlen uns auf der Baustelle hauptsächlich die Betten. Luftbetten sind auf Dauer kein adäquater Ersatz. 

Freitag kippte Mudderns um. Der Blutdruck war jenseits von Gut und Böse, und die Beine versagten - wieder mal. Sie lehnte es natürlich ab, ins Krankenhaus zu gehen, weiß ja alles besser. In solchen Momenten bin ich froh, dass Mudderns im Pflegeheim ist und nicht in ihrem Haus, wo sie im Zweifelsfall niemand findet. Schon am Vortag konnte Mudderns kaum laufen. Stock oder Rollstuhl lehnt sie ab, dabei wäre der Stock auf kurzen Wegen eine Stütze.  

Zu den guten Dingen diese Woche gehört, dass die Sehnenscheidenentzündung im rechten Ellenbogen nach vier Wochen endlich besser wurde. Es schmerzt kaum noch. Ich muss nur daran denken, den Arm nicht wieder zu überlasten, nichts Schwereres zu heben als einen leeren Kaffeebecher ... Vom Gatten wurde ich mit einem Rosenstrauß überrascht. Das kam seit einem Jahr nicht mehr vor und zeigt, wie gestresst wir sind. Früher bekam ich jede Woche einen Blumenstrauß, wenn wir auf dem Wochenmarkt waren.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Mittwoch, 30. November 2022

#pmdd2022: Der 28. November 2022

An jedem 28. eines Monats ist Picture my Day-Day, kurz pmdd. Ich finde, das ist ein schönes Tagebilderbuch. Mitmachen ist einfach: Fotos vom Tag machen, bloggen oder mit #pmdd2022 auf Twitter oder Instagram einstellen. Gesammelt wird alles auf dieser Seite.

Der Gatte kocht Kaffee. Auf der Baustelle ist ein Zimmer bewohnbar, das als Wohn-, Schlaf-, Arbeits- und Esszimmer dient.

Arbeiten.

Der Gatte sorgt für eine Frühstückspause.

Endlose Telefonate auf der Suche nach Bauunterlagen, die die Bank verlangt, die es hier im Landkreis aber schlichtweg nicht gibt. 

Der erste Abwasch des Tages.

Heute ist Montag, und da ich meine Heimarbeitstage tauschte, bin ich auf der Baustelle in der lindgrünen Hölle. Die Idee war, dass ich dann noch der Arbeit noch bummelig sechs Stunden Zeit zum Renovieren habe. Das klappt bislang leider nicht - auch heute nicht, denn unsere Bank wird mich auf Trab halten. 

Kopfüber in die Altpapiertonne eintauchen, um einen Umschlag zu suchen. 

Gefunden!

Morgen wird die Biotonne abgeholt, und da sie fast leer ist, kommen noch ein paar Grünabfälle hinein.

Der Gatte ist vor mir wach und kochte Kaffee - das ist fast wie früher, vor drei Jahren, als er noch gesund war. 

Der Hase vor der Haustür bekam jahreszeitliche Gesellschaft. 

Den Vormittag verbringe ich mit Arbeiten - und damit, Bauunterlagen hinterher zu telefonieren. Unser Baukredit wurde heute bewilligt - eigentlich ein Grund zum Feiern. Nur leider zahlt die Bank den Kredit erst aus, wenn eine bestimmte Unterlage vorliegt, die es hier im Landkreis erst für Neubauten ab 1980 gibt - unser Haus wurde 20 Jahren früher gebaut. Heißt, ich zahle ab heute monatliche Kreditraten, bekomme aber kein Geld ausgezahlt, weil ich eine Unterlage liefern soll, die es schlichtweg nicht geben kann. Gelingt es mir nicht, binnen eines halben Jahres eine Lösung zu finden, zahle ich zu den monatlichen Kreditraten auch noch Strafzinsen. Ein lohnendes Geschäft für die Bank, nur nicht für mich, denn defacto stehe ich noch immer ohne Geld da. Ich bin ratlos. Ich treffe auf viele ausgesprochen nette Mitarbeiter beim Bauamtes in der lindgrünen Hölle, die versuchen, eine Lösung zu finden, denn das Problem ist bekannt. Die Bank müsste eigentlich wissen, dass es die geforderten Unterlagen erst ab 1980 gibt, denn sie sitzt im Landkreis. Aber Profite gehen halt über Logik. 

Nein, das ist kein Kothaufen mit Hörnern. Das ist eine Schnecke, die daran erinnert, dass hier früher mal eine Schmiedewerkstatt war. Keine Ahnung, warum der ehemalige Schmied dafür ausgerechnet eine Schnecke wählte.

Weihnachtsmarkt im Regen.

Mittags ruft einer der netten Menschen aus dem Bauamt an mit einer Idee, welche Unterlagen ich alternativ einreichen könnte. Diese Unterlagen liegen beim Amtsgericht 30 Kilometer entfernt und können nur per Brief oder Fax angefordert werden. Ein Fax habe ich nicht, aber im Altpapier sind noch Briefumschläge von Weihnachtskarten aus den 1980ern, und Blanko-Papier habe ich auch ... Momentan ist Improvisation alles. Mal gucken, wann die Unterlagen kommen, ob die Bank sie akzeptiert, und welche Ausrede ihr als nächstes einfällt, um die Auszahlung zu verhindern.

Ein bisschen bloggen. Momentan habe ich dazu nur selten Zeit. 

Einmal kurz in die Stadt, und der Schrittzähler ist fröhlich. In der lindgrünen Hölle lässt sich vieles zu Fuß erledigen, wofür ich in Hamburg Bus oder Auto brauche.

Corona ist vorbei, nich? Ich bin dankbar für jeden, der positive Tests an die App meldet. Im November hatte ich so viele Risikokontakte wie bisher nie (und alle erfolgten in der lindgrünen Hölle).

Nachmittags muss ich in die Stadt, den Brief für die Bankunterlagen auf den Weg bringen. Dann wird's ruhiger. Teezeit, bloggen, vor allem aber Listen schreiben, um nichts aus dem Blick zu verlieren. 

Mal gucken, wie's beim Hausumbau voran geht. 

Die Liste für das, was morgen erledigt werden muss. 

Der Blick zurück in die ersten beiden Corona-Jahre: Am 28. November 2020 litt der Gatte unter neun Monaten Kurzarbeit und fühlte sich ein klein wenig erkältet. Wir ahnten noch nicht, was daraus werden sollte. Am 28. November 2021 waren wir zum Adventstee bei Schwiegermutter. Das fiel dieses Jahr erstmals aus, genauso wie das Plätzchenbacken.  

Füße hoch und stricken ... 

Vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.

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Samstag, 26. November 2022

Samstagsplausch KW 47/22: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CXLI

In dieser Woche sollte über unseren Baukredit entschieden werden, aber der zuständige Bankmensch ist jetzt erstmal im Urlaub - immerhin ist es seit einer Woche der gleiche, denn die wechseln ja sehr schnell. Jetzt beschäftigt uns dieser blöde Baukredit schon seit zwölf Wochen. In der kommenden Woche habe ich keine Zeit dafür, aber in der Woche darauf werde ich mal nach einer anderen Bank Ausschau halten. Wir sind ja weder mit der Hausbank noch mit ihren Kooperationspartner verheiratet. Mir ist klar, dass der Kredit unattraktiv ist, weil die Summe zu niedrig ist, aber dann soll die Bank das einfach sagen und uns nicht ewig hinhalten. Und wenn alle Stricke reißen, müssen wir die Bausanierung doch selbst finanzieren, auch wenn uns das in Schwierigkeiten bringt. Das heißt dann halt, in ein nicht fertig saniertes Haus ziehen und nach dem Umzug Raum für Raum sanieren - genau das, was wir vermeiden wollten. Und angesichts meiner Erschöpfung würde ich Tapezieren, Malen und Laminatverlegen gerne wenigstens zum Teil als Auftrag an einen Handwerker vergeben, aber auch das geht nicht ohne Baukredit.

Hier gilt seit mittlerweile 141 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Es geht uns vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus, wenngleich es mir die Wesensveränderungen des Gatten seit seiner Erkrankung schwer machen. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird. Er ist inzwischen schwerbehindert und berufsunfähig verrentet. 

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Mütter und seit Juli Handwerker. Ich bin dankbar, dass Corona uns bislang verschonte. Wir sind natürlich geimpft, aber angesichts unserer Vorerkrankungen ist trotz Impfung eine Corona-Infektion wenig ratsam. Sie ist aber unvermeidbar, und ich kann nur hoffen, dass es uns dann nicht zu hart trifft. Corona wird ja anscheinend langsam endemisch - wären da nicht die weiterhin hohen Todeszahlen. 

Seit der Lockerung der Maskenpflicht nehmen im Umfeld die Erkältungskrankheiten wieder zu, gibt es zum Teil richtig heftige grippale Infekte. Gleichzeitig gilt keine PCR-Testpflicht mehr, wobei es ohnehin schon seit längerem schwierig war, PCR-Tests zu bekommen. In Hamburg gilt zwar nach einem positiven Selbsttest eine fünftägige Quarantäneregelung, aber danach kann man ungetestet wieder arbeiten, und da es zudem keine regelmäßigen Tests mehr in den Betrieben, Schulen usw. gibt, bleiben viele Infektionen unentdeckt. Ich halte deswegen eisern an der Maske fest, auch, wenn das gelegentlich für Diskussionsbedarf sorgt wie diese Woche mit einer Dozentin in einer Schulung. Die entpuppte sich kurz darauf wenig überraschend als Esoterikerin und Homöopathin. 

Auf Entspannung warte ich weiterhin vergeblich. Immerhin konnte ich diese Woche eine halbe Stunde ungestört die Reportage "Von Hannover an die Front" sehen - nur weil die aktuelle Situation und das alt-neue Haus mir alle Kraft rauben, heißt das ja nicht, dass mich das aktuelle Tagesgeschehen nicht mehr interessiert. 

Weiterhin bin ich in jeder freien Minute mit Behördenkrams beschäftigt. Für alt-neue Haus habe ich inzwischen binnen nicht mal acht Wochen die dritte oder vierte Steuererklärung abgeben müssen - ich verliere echt den Überblick, denn in allen Erklärungen fragt das gleiche Finanzamt nach den gleichen Informationen, die ihm zudem ohnehin schon aus der Grundsteuer vorliegen. Das Grundsteuerreformgedöns läuft zudem noch parallel, denn da beauftragte ich unseren alten Steuerberater, als ich noch dachte, Mudderns kehrt wieder in ihr Haus zurück. 

Dann gibt es so Überraschungen wie den Nachbarn, den Sonntag spätabends klingelt und uns mitteilt, unser Grundstück gehöre laut Brief vom Grundbuchamt jetzt ihm. Als ich am Montag beim Grundbuchamt anrief, stellte sich heraus, dass dem Nachbarn mitnichten unser Grundstück gehört, sondern dass er ein Wegerecht hat - wie acht andere Nachbarn auch, die alle beim Grundbuchamt anriefen, weil sie, wie der zuständige Sachbearbeiter lakonisch meinte, alle nicht lesen könnten. 

Oder Mudderns sorgt für unnötige Arbeit, indem sie mir beispielsweise sagt, ich solle die Abbuchung von diesem komischen Verein stoppen, der schon seit Jahren unberechtigt auf ihr Konto zugreife. Als ich mir die Auszüge ansehe, stelle ich fest, dass dieser komische Verein Einzahlungen in eines ihrer Depots sind, und das werde ich nicht kündigen, bevor ich einen Überblick über ihre finanzielle Gesamtsituation habe. Dass Mudderns bei ihren finanziellen Angelegenheiten den Überblick verliert, ist besorgniserregend, denn selbst nach ihrem Sturz Ende Juni hätte ich ihr noch unbesorgt meine Finanzen anvertraut, weil sie darin so fit war und so viel Spaß daran hatte. Damals wusste sie ihre Kontostände noch bis auf den letzten Cent genau. Das ist schon lange nicht mehr der Fall, und ich bin unsicher, ob sie es nicht mehr kann oder einfach nicht mehr will. 

Da Mudderns keinen Überblick mehr über ihre Ausgaben und ihre Unterlagen hat, ist alles kompliziert, suche ich viel. Aktuell versuche ich, die Rundfunkgebühren zu kündigen. Mudderns ist davon überzeugt, dass sie die nicht zahlt, wahlweise, weil mein Vater schwerbehindert war, der Installateur das für sie erledigte oder weil sie eine Hausantenne hat, also sah ich Kontoauszüge durch, bis ich eine Abbuchung fand. Dann plötzlich erinnerte sich auch Mudderns daran: "Ach ja, dieser komische Betrag, von dem ich nicht weißt, wofür der ist!" Ähm, ja, nee, is klaa. Früher hätte Mudderns bei der Bank nachgefragt, heute interessiert sie das nicht mehr bzw. schlimmer noch, weiß sie das nicht mehr. Heißt, ich muss regelmäßig ihre Kontoauszüge kontrollieren und mich für alle Konten um Online-Zugänge kümmern. Es ist gut möglich, dass die Kündigung der Rundfunkgebühren daran scheitert, dass die Sterbeurkunde meines Vaters fehlt. Dann muss ich noch eine Runde drehen und beim Standesamt um eine Neuausfertigung bitten.

Und dann war der noch das lokale Telefonunternehmen, bei dem wir seit Anfang des Monats Kunde sind. Da trotzdem weiterhin Telekom-Rechnungen für Mudderns Anschluss, den wir übernahmen, kamen, fragte ich mal freundlich nach, wieso der Telekom-Anschluss nicht wie beauftragt gekündigt wurde. Es stellte sich heraus, dass man den Auftrag übersah, stattdessen unseren Hamburger Anschluss kündigen wollte, aber feststellte, dafür habe man keinen Auftrag, und deswegen nicht tätig wurde - in diesem Falle zum Glück, denn ohne den Hamburger Anschluss wären wir aufgeschmissen. Der wird erst gekündigt, wenn wir umziehen. Gekündigt ist hingegen der Sportverein. Als jetzt die Bestätigung kam, wurde ich wehmütig, denn der Gatte war fast 60 Jahre, ich über 30 Jahre dort Mitglied.

Die Baubrigade wollte schon Ende September fertig sein. Anfang des Monats platzte uns der Kragen, setzen wir eine Frist bis Ende November. Das könnte geholfen haben, denn langsam geht's vorwärts. Neuer Termin ist übernächste Woche. Angeblich leidet die Baubrigade unter Lieferschwierigkeiten, allerdings ist das, was fehlt, problemlos im Baumarkt zu bekommen, so dass der Gatte schon überlegte, die fehlenden WCs, Spülkästen und Waschbecken mal eben zu kaufen und der Brigade hinzustellen. Das käme uns zwar teurer, da alles schon bezahlt ist, aber die Baustelle wäre dann endlich mal fertig, und wir könnten mit dem Rest weitermachen. Heute stellte sich heraus, dass der Bauunternehmer bei der Planung des Badezimmers die Steckdosen vergaß ... Aber immerhin ist das Bad schon zu erahnen. Die Steckdosen werden auf Putz verlegt, von nebenanliegenden Zimmer. Die Baubrigade hätte gerne weitere Aufträge von uns, während wir drei Kreuze machen, wenn die bestehenden abgearbeitet sind.  

Zu den Dingen, an denen wir uns im alt-neuen Haus erst gewöhnen müssen, gehört Eiskratzen - der Frost Anfang der Woche erwischte vor allem den Gatten buchstäblich kalt. Wir parken ja seit Jahren in der Garage, so dass Eiskratzen selten ist. In meinem Auto sind allerdings trotzdem Enteiserspray und Eiskratzer, aber der Gatte musste sich das erst besorgen. Lieder bedeutet der Frost auch, dass der Apfelbaum nicht wie geplant dieses Wochenende umzieht, sondern erst im Frühjahr. Und mir fiel ein, dass ich mich schon längst um einen Winterdienst für das alt-neue Haus kümmern wollte, weil wir ja noch nicht täglich vor Ort sind. Mal schauen, ob da jetzt noch jemand einen Auftrag annimmt. 

Morgen ist der erste Advent, und normalerweise würde ich jetzt Kekse backen. Der Gatte ist mucksch, seit ich sagte, ich habe keine Kraft dafür. Auf der Baustelle geht das nicht, und zu Hause weiß ich nicht, wann ich das noch dazwischen schieben soll, denn ich komme ja kaum mit der Hausarbeit nach, habe kaum Kraft, Essen zu kochen. In diesem Jahr werden wir uns auch nicht mit Schwiegermutter zum Wunschzettelschreiben treffen - zum ersten Mal seit 20 Ehejahren fällt das aus. Das wird schwer für Schwiegermutter. Ich finde Advent im aktuellen Chaos doof. Normalerweise freue ich mich auf die brennende Kerzen am Abend, aber aktuell habe ich einfach keine Gelegenheit dazu. Trotzdem steht in der Wohnung ein überdimensionierter Adventskranz, an dem ich nicht vorbei konnte, besorgte ich für alt-neue Haus ein kleines Gesteck. Die Chanukkiah wird dieses Jahr vermutlich aus bleiben. 

In den letzten Tagen beschäftigte mich das Buch "Das zerbrochene Haus. Eine Jugend in Deutschland*" von Horst Krüger sehr, erinnerte es mich doch an die Geschichte meines Vaters. Ich ertappte mich bei dem Gedanken, wie es wäre, könnten wir das Buch gemeinsam lesen und uns darüber austauschen. 

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Samstag, 19. November 2022

Samstagsplausch KW 46/22: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CXL

Trubel hatte ich diese Woche wieder reichlich, allerdings weniger inspirierenden als in der Woche davor.

Sonnabend fuhr ich dem Gatten ins alt-neue Haus hinterher und nutzte das gute Wetter, um im Garten weiterzuarbeiten. Ich habe jetzt fast alles geschafft, was ich machen kann. Für den Rest brauchen wir einen Gärtner, der eine überwachsene Terrasse freilegt, Bäume kappt, einen Asbestschuppen entsorgt, Flächen für Fahrradschuppen und Gewächshaus vorbereitet, den vermaledeiten Kirschlorbeer im Vorgarten entfernt und so weiter. Ein bisschen Grünabfall werde ich bei der kommenden Abholung entsorgen, weil wir noch dafür gekaufte Abfallsäcke haben, aber dann war's das erstmal. 

Vom alt-neuen Haus können wir mehr als nur ein Stückchen Himmel sehen.

Sonntag traf ich mich wie jede Woche mit Mudderns. Mit viel gutem Zureden schafften wir den Weg zum 700 Meter entfernten Bäcker zu Fuß hin und zurück. Es ist ein anderer Bäcker als sonst, aber der übliche wäre zu weit weg, um zu Fuß zu gehen. Ich bin mir nicht sicher, ob Mudderns wirklich so schlecht gehen kann oder bei mir nur Spielchen spielt, denn mit ihrer Gesellschafterin schafft sie weitere Wege.

Als ich Mudderns abholte, sah ich im Foyer eine Kondolenzanzeige für die Dame, mit der sie sich drei Wochen ein Zimmer teilte. Als ich einer Pflegerin gegenüber mein Beileid ausdrückte und sagte, wir hätten den Eindruck gehabt, die Dame hätte keine Angehörigen, war die Antwort, der Tod wäre eine Erlösung gewesen, und die Dame habe gar nichts gehabt - eine Mahnung an die Gatten und mich, rechtzeitig Vorkehrungen zu treffen, denn als Kinderlose wird da später auch niemand sein, der sich um uns kümmert.

Montag führte ich ein weiteres Gespräch über den Baukredit, in der Hoffnung, ihn im Laufe der Woche unter Dach und Fach zu bekommen. Den Rest der Woche war ich damit beschäftigt, alle Unterlagen noch einmal einzureichen und neue Unterlagen zu besorgen, denn der neue Bankmensch hatte keinen Zugriff auf alle Unterlagen der ursprünglichen Sachbearbeiterin, die langzeiterkrankte. Mittwoch dachte ich, ich hätte alle Unterlagen zusammen, sah es aus, als könne kommenden Montag endlich der Kredit abgeschlossen werden, aber Donnerstag meldete sich ein weiterer Sachbearbeiter: Sein Kollege ist im Krankenhaus ... Wenigstens müssen vorerst keine neuen Unterlagen eingereicht werden, weil die Bank noch prüft, und mit jedem neuen Sachbearbeiter wurden die Kreditzinsen günstiger, so dass wir jetzt fast wieder beim Ausgangszins von vor neun Wochen sind. Mein Umfeld meint zudem, ich solle mir keine Sorgen machen, den Kredit bekäme ich sicher, schließlich arbeite ich im öffentlichen Dienst, aber nach Jahrzehnten prekärer Beschäftigung bin ich da wenig gelassen. Da wir aber für den größten Teil eine Zwischenfinanzierung haben, könnte ich noch ein paar Sachbearbeiterwechsel mitmachen, wenn das bedeutet, dass jedes Mal der Zins sinkt ...

Hier gilt seit mittlerweile 140 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Es geht uns vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus, wenngleich es mir die Wesensveränderungen des Gatten seit seiner Erkrankung schwer machen. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird. Er ist inzwischen schwerbehindert und berufsunfähig verrentet. 

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Mütter und seit Beginn der Sanierung des alt-neuen Hauses Handwerker. Ich bin dankbar, dass Corona uns bislang verschonte. Wir sind natürlich geimpft, aber angesichts unserer Vorerkrankungen ist trotz Impfung eine Corona-Infektion wenig ratsam. Angesichts der steigenden Infektionszahlen ist sie aber unvermeidbar, und ich kann nur hoffen, dass es uns dann nicht zu hart trifft.

Seit Montag klagen die Kollegen über kalte Büros, denn bei uns ist die Temperatur auf 19 Grad gedrosselt. Eine Kollegin kam auf die Idee, einen alten mobilen Heizkörper aus dem Lager zu holen und anzuschließen - Zack, Strom- und Netzwerkausfall auf der halben Etage! Eine Folge des Energiesparens ist, dass die Bürotüren geschlossen sind - ein ungewohntes Bild. Meine bleibt offen, denn ich fror schon immer im Büro, habe seit jeher Strickjacke und Decke da. Vermutlich erwische ich immer die Büros, in denen es zieht.

Donnerstag rief mich Mudderns Pflegeheim an: Meine Mutter habe mehrfach Mitbewohner und Mitarbeiterinnen verbal angegriffen, und ich solle bitte darauf einwirken, dass sie das lässt. Sonst sei die Konsequenz, dass sie nicht mehr im Speisesaal essen dürfe. Dass ich auf meine Mutter einwirken kann, ist ein guter Witz. Auf mich hört Mudderns am wenigsten. Ich habe ihre Gesellschafterin gebeten, zu intervenieren, denn auf sie hört meine Mutter - gelegentlich. Mudderns hat schlichtweg keine Lust, im Pflegeheim zu sein, glaubt hartnäckig, dass sie noch alleine leben kann, deutete auch schon mal an, sie wolle zu uns ziehen, wenn das alt-neue Haus fertig sei, und begreift nicht, dass sie es sich mit ihrem Verhalten nur selbst schwer macht. Ich kann verstehen, dass es schwer ist, sich mit der Realität zu arrangieren, denn ein Leben im Pflegeheim kam nie in ihrem Lebensentwurf vor, aber es nützt ja nichts. Jegliche mögliche Alternative wie 24-Stunden-Betreuung oder ein Treppenlift lehnte Mudderns ab, und ich werde ganz sicher nicht meinen Beruf aufgeben und den Gatten verlassen, um meine Mutter zu pflegen, so sehr sie es sich auch wünscht. Wir fragen uns schon länger, ob Mudderns sich bewusst so aggressiv verhält oder ob sie das gar nicht mehr wahrnimmt. Misstrauisch macht, dass sie sich gegenüber ihrer Gesellschafterin angemessen verhält. 

Donnerstag fuhren wir ins alt-neue Haus, denn inzwischen haben wir dort Internet, kann ich von dort aus arbeiten. Für mich war's schwierig, nur am Wochenende dort zu sein, weil ich dann mit meinem Anteil an den Renovierungen nicht voran kam. Bislang kam ich sonnabends mittags, musste mit lauten Arbeiten die Mittagszeit abwarten, und sonntags sind keine lauten Arbeiten möglich, konnte ich kaum arbeiten, weil ich mich mittags mit Mudderns traf, dann nach Hamburg zurück musste. So war ich außer mit dem Garten im Wesentlichen mit Räumen und Putzen beschäftigt, denn Wändestreichen machte keinen Sinn, solange noch staubige Arbeiten gemacht wurden. Jetzt haben ich nach jedem Arbeitstag etwa vier Stunden für laute Arbeiten, konnte endlich damit anfangen, die Türen abzuschleifen, wobei mich der Multischleifer irre macht. Der Staubfangsack klemmt so fest, dass er sich nicht lösen lässt, sitzt aber gleichzeitig so locker, dass er mir irgendwann während des Schleifens um die Ohren fliegt. Jetzt scheinen aber auch die staubigen Arbeiten der Baubrigade abgeschlossen zu sein, denn Fliesen oder das Auswechseln der WCs sollte eigentlich keinen Staub machen. Immerhin ist schon eine von sechs Türen geschliffen, werde ich heute die zweite schleifen und mit dem Lackieren anfangen. Wenn ich gut in der Zeit bin, kann ich auch schon anfangen, die erste Wand zu streichen. Weiterer Vorteil, wenn ich vier Tage am Stück im alt-neuen Haus bin: Ich kann sonnabends mit dem Gatten auf den Wochenmarkt.

Die Bauarbeiten gehen weiter sehr langsam voran. Der Schutthaufen vor dem Haus war vorgestern weg. Im Keller sind inzwischen alle drei Fenster eingebaut, ist das Urinal montiert und funktioniert. Bei einem Fenster fehlt der Griff, mal gucken, wann der kommt. Das gehört zu dem, was wir an der Arbeitsweise der Baubrigade nicht verstehen. Warum macht sie halbe Sachen? Warum schafft sie es, binnen drei Stunden Zu- und Abwasserleitung für ein Urinal zu legen und das Urinal zu montieren, klappt es aber nicht, in neun Wochen zwei WCs mit Spülkästen auszuwechseln?

Kommende Woche soll das Bad gefliest werden, wobei der Bauunternehmer erneut über die Bodenfliesen diskutiert - eigentlich war der Punkt schon abgehakt. Auf die Milchglasscheiben für das Balkongeländer warten wir seit inzwischen neun Wochen, weil sie nicht lieferbar sind, obwohl doch weiland das komplette Geländer über's Wochenende kommen sollte, und das Geländer ist auch nur provisorisch angebracht. Von Außensteckdosen und neuen WCs ist noch nichts zu sehen. 

Extrem genervt sind wir, weil immer wieder Dinge aus dem Haus verschwinden, Erinnerungsstücke, Geschirr, Besteck, Taschenlampen und Werkzeuge. Da außer uns und der Baubrigade niemand Zutritt zum Haus hat, liegt der Verdacht nahe, es könne die Baubrigade sein. Wir erwägen, Kameras zu montieren.

Immerhin habe ich gestern kurz den Bauunternehmer gesehen, und als ich ansprach, dass wir kein warmes Wasser haben, weil der Durchlauferhitzer fehlt, guckte er, als dächte er "Mist, sie haben's gemerkt!" Mal schauen, wann alles fertig ist - sehr sicher nicht zum 30. November, der von uns gesetzten Frist. Ursprünglich sollte ja alles schon seit Ende September fertig sein. Immerhin haben der Gatte und ich inzwischen eine Flasche Champagner getrunken, weil das Haus ja jetzt offiziell mir gehört. Die nächste gibt es, wenn der Baukredit bewilligt wurde, und wenn die Baubrigade tatsächlich irgendwann fertig ist, feiern wir.

Schwiegermutter und Tante geht's soweit gut. Sorgen macht die aufgehobene Isolationspflicht für Corona-Infizierte in Bayern, wo Tante lebt. Wir sind von der in Schleswig-Holstein betroffen, denn es gibt ja viele Pendler. Da die Infektionszahlen kaum noch erfasst werden, werden sie kaum steigen, und Risikogruppen sind ja ohnehin egal. Wir sind Ballastexistenzen. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.