Samstag, 2. August 2025

Samstagsplausch KW 31/25: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCLXXXI

Der Gatte ist jetzt vier Wochen im Krankenhaus. Es gibt eine vorsichtige Prognose, dass er noch drei weitere Wochen dort bleiben muss. Das hängt u.a. davon ab, wie der gestern gelegte Vakuumverband wirkt, ob wie geplant neue Haut über die Amputationswunde wächst. Dafür müsste auch der Gatte mitspielen, müsste nach einer leichten OP am Donnerstag u.a. Bettruhe halten und das betroffene Bein hochlegen. Ihm das zu vermitteln, ist schwer. Er will einfach nicht einsehen, dass er mitarbeiten muss, dass er andernfalls das ganze Bein verlieren kann, und ist fest davon überzeugt, nicht mehr lebend aus dem Krankenhaus zu kommen. Es ist ein Elend, und mir fehlt langsam die Kraft, gegen ihn an zu arbeiten, um ihn halbwegs in der Spur zu halten. Ich fühle mich immer öfter an die letzten Monate mit meiner Mutter erinnert. Nur: Nützt ja nichts.

Der Gatte wurde diese Woche so oft verlegt, dass ich Mittwoch, nach drei Zimmern in drei Tagen, alle faltete, die mir vor die Füße kamen, inklusive Chefarzt. Der Gatte gilt als delirant, braucht eine vertraute Umgebung mit vertrauten Personen, nicht jeden Tag ein neues Zimmer. Man will mit dem Bettenmanagement sprechen ... Ich bin gespannt, ob es etwas bringt. Dienstag saßen wir fast zwei Stunden vor dem Krankenhaus, denn Station A, wo der Gatte von Donnerstag bis Dienstag zwischengelagert war, brauchte sein Bett, und Station B, auf die der Gatte gehört, hatte noch kein Bett frei, schickte uns zurück zu Station A, wo man uns zurück zu Station B schickte ... In dem Zimmer, dass der Gatte dann bekam, durfte er eine Nacht bleiben, bevor er wieder umziehen musste. Wenn wir zusammen raus dürfen, überlegt der Gatte bei jeder Zimmernummer, ob er dort nicht auch schon mal lag. Von den siebzehn Zimmer auf der Station kennt er ganze fünf noch nicht. Ich hoffe sehr, dass er auf seiner Station bleiben kann, wo er Pflegekräfte und Ärzte kennt (und am besten auch noch im aktuellen Zimmer). 

Schwiegermutter war über das Wochenende da, was wieder sehr anstrengend war. Der Gatte fragte schon besorgt, ob er sie kommendes Wochenende wiedersehen müsse. Nein, wir haben jetzt erstmal (Schwieger-)Mutterpause. Es war nur wichtig, dass sie ihren Sohne vor und nach der OP sieht.

Montag kam eine meiner beiden Sandkastenfreundinnen spontan vorbei. "Ich wollte dich nur mal drücken und gucken, wie's bei dir aussieht!" Wie nett! Kurze Zeit später hatten sich beide Freundinnen verabredet, Donnerstag Vormittag zu kommen, um mir zu helfen. Das war ein schöner Vormittag!  Solange es noch trocken war, wurde das Holz aus dem Vorgarten vor's Gartenhäuschen unters Dach gebracht, dann gab's eine kurze Kaffeepause, bevor die Plissees ins Esszimmerfenster geklebt wurden. Während die beiden die Anleitung studierten, putzte ich schnell das Fenster. Das Anbringen der Plissees war so kompliziert, dass ich heilfroh über drei Hirne und sechs Hände war. Die Plissees mit Klick-Mechanik sind leichter anzubringen, aber beim Panoramafenster im Esszimmer muss geklebt werden. 

Seelentröster-Paket von meinen Kolleginnen.

Dienstag kam ein Seelentröster-Paket von meinen Kolleginnen an - was für eine liebe Überraschung! Chef rief an, um sich zu verabschieden, da er in ein anderes Institut wechselt. Eine nette Geste, denn wir arbeiten ja seit zwölf Jahren zusammen, die mir die Gelegenheit gab, zu fragen, wie es zu dem Arbeitsplatztausch kam. Was für ihn ein Karrieresprung ist, ist für die bisherige Stelleninhaberin, die jetzt die Leitung unseres Instituts übernimmt, nämlich ein Rückschritt. Die Begründung ist aber nachvollziehbar. Ich bin gespannt, wie es sich mit der neuen Chefin zurechtläuft, aber das Büro ist für mich aktuell ganz weit weg. Chef hatte auch noch eine gute Nachricht zur Entwicklung meines Projekt, denn es konnte etwas abgeschlossen werden, das ich offen zurückließ, bevor ich in die Freistellung ging.

Hier gilt seit mittlerweile 281 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall. Er ist schwerbehindert und berufsunfähig verrentet. Es geht uns dennoch vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus, wenngleich die Erkrankungen und der Schlaganfall des Gatten zu Wesensveränderungen führten, die ein Zusammenleben manchmal sehr schwer machen. 

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Schwiegermutter und Handwerker. Ich bin dankbar, dass Corona bislang Gatten, Schwiegermutter und Tante verschonte, und hoffe sehr, das bleibt so.   

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Samstag, 26. Juli 2025

Samstagsplausch KW 30/25: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCLXXX

Diese Woche war ein Höllenritt, vor allem für den Gatten! 

Montag erfuhr er quasi zufällig, dass er am kommenden Tag operiert werden soll. Sein behandelnder Arzt und er verpassten sich, weil wir mal wieder draußen waren - der Gatte möchte so wenig wie möglich im Krankenzimmer sein. Wir dehnten meinen Nachmittagsbesuch so lange wie irgend möglich aus und nahmen Abschied voneinander, konnten wir doch nicht wissen, wie die OP ausgeht. Die ist für einen gesunden Menschen schon belastend, und der Gatte ist alles andere als gesund, musste zwei Wochen stabilisiert werden, um die OP überhaupt durchführen zu können. 

Am Abend vor der OP des Gatten machte der Himmel Drama.

Als Dienstag um halb elf das Taschentelefon klingelte, ahnte ich Übles, denn die OP war auf fünf Stunden angesetzt, konnte unmöglich schon vorbei sein, wenn alles glatt läuft. Es war dann aber der behandelnde Arzt, der noch etwas mit mir absprechen wollte, weil er den Gatten am Vortag ja nicht sah und auf der Narkoseaufklärung die Info fehlte, dass der Gatte weiß, dass nach Möglichkeit zwei Eingriffe gleichzeitig durchgeführt werden. Damit soll dem Gatten eine weitere Narkose erspart werden, denn die Narkose ist belastend für Hirn, Herz und Nieren. Die OP hatte noch gar nicht begonnen, der Gatte war noch in der Vorbereitung. Kurz vor sechzehn Uhr klingelte das Telefon wieder: Die OP ist gut gelaufen, schneller als gedacht. Es brauchte zahlreiche Blutkonserven, der Kreislauf musste einmal stabilisiert werden, aber das sei alles im Rahmen des Eingriffs, damit habe man gerechnet. In anderthalb Stunden könne ich zum Gatten, der Arzt habe mich schon auf der Intensivstation angemeldet.

Ich machte mich auf einiges gefasst, denn schon nach der im Rückblich vergleichsweise leichten OP im April, der dritten in diesem Jahr, kämpfte der Gatte massiv mit postoperativen Delir, und in den letzten beiden Wochen glitt er ja auch ohne Betäubung immer wieder in Parallelwelten ab. Diesmal war er in noch desolaterem Zustand. Was mich insbesondere beunruhigte: Er redete immer wieder davon, dass er das alles nicht überleben werde, dass er sterben wolle. Das war neu. Ich blieb, bis der Gatte zu Abend gegessen hatte und ruhig schlief, ging dann ganz leise, um ihn nicht zu wecken. 

Die Nacht verging Gott sei Dank ohne Anruf aus dem Krankenhaus.

Am kommenden Vormittag durfte ich auf der Intensivstation anrufen und erfuhr, der Gatte sei stabil, man sei zufrieden und verlege ihn im Laufe des Tages auf die Normalstation. Die Verlegung zog sich hin, und so wartete ich auf der Station auf den Gatten, räumte derweil seinen Kleiderschrank und seinen Nachttisch ein, denn er hatte schon wieder ein neues Krankenzimmer.

Der Gatte war kaum ein Stunde auf der Normalstation, als er über Brustschmerzen und Atemnot klagte. Es wurde sofort reagiert. Der behandelnde Arzt wurde im OP angerufen, um die weiteren Maßnahmen zu besprechen: Zwei EKG im Abstand von einer Stunde, Sauerstoff, Bestimmen des Troponin-Wertes, Hinzuziehen eines Kardiologen, ab auf die CPU zur Beobachtung, Herzkatheter. Der Gatte bekam derweil aus reiner Panik Atemnot, sprach immer wieder davon, das alles nicht zu überleben, war völlig damit überfordert, auf die CPU verlegt zu werden. Ich blieb wieder so lange wie möglich bei ihm auf der CPU. Als ich ging, traf ich zufällig auf seinen behandelnden Arzt, der versuchte, mich zu beruhigen. Er ging extra zum Gatten auf die CPU, um sich selbst ein Bild zu verschaffen, und rief später bei mir an, versuchte wieder, mich zu beruhigen. 

Die Nacht verging Gott sei Dank ohne Anruf aus dem Krankenhaus.

Donnerstag Vormittag erledigte ich einige Telefonate, informierte u.a. ungeachtet der aktuellen Situation des Gatten den Sozialdienst des Krankenhauses darüber, dass der Gatte ins Anschlussheilverfahren möchte. Der Gatte rief zwei Mal an, was erstaunlich ist, da er sein Taschentelefon nur selten benutzt, weil die Bedienung für ihn zu schwer ist. Er war desorientiert, meinte immer wieder, das alles nicht zu überleben, wollte, dass ich unbedingt zu Besuch komme, aber auf der CPU ist erst ab 14 Uhr Besuchszeit. Da der Gatte telefonieren konnte, sparte ich mir den Anruf auf der CPU, ging davon aus, dass alles in Ordnung ist. 

Kurz nach dem zweiten Telefonat mit dem Gatten rief eine Schwester von der Normalstation an: Ich möge bitte kommen und die Sachen des Gatten abholen, der käme ja nicht mehr wieder. Äh, bitte was?! 

Auf der CPU war telefonisch niemand zu erreichen, da dauerbesetzt, und so fuhr ich ungeachtet der offiziellen Besuchszeiten ins Krankenhaus. Ich sammelte zuerst die Sachen des Gatten ein - logisches Vorgehen war in der Situation nicht mehr so meins. Als mir die Schwester auch noch erklärte, dass ich die Telefonkarte an der Info abgeben müsse, um das Guthaben zurückzubekommen, ging ich endgültig davon aus, dass der Gatte gestorben ist. Ich brachte das ganze Geraffel ins Karlchen und machte mich dann auf zur CPU, wo noch keine Besuchszeit war, wo man mir aber dennoch die Tür öffnete. Ich erfuhr, dass der Gatte lebt und gerade zum Herzkatheter wäre. Das könne dauern, ich könne in der Cafeteria warten. Da wir in Krankenhausnähe wohnen, entschied ich mich, nach Hause zu fahren. Da war ich gerade angekommen, als das Krankenhaus wieder anrief: Der Gatte sei schon wieder auf der CPU, es ging alles schneller als gedacht. Also wieder zurück ins Krankenhaus. Muss ich sagen, dass ich erleichtert war, den Gatten lebend vorzufinden?! Ich bat um ein Arztgespräch, und wir erfuhren, dass der Gatte keinen Herzinfarkt hatte, die Beschwerden vom eskalierenden Blutdruck kamen. Den versucht man nun in den Griff zu bekommen. Der Gatte bekam ein Nitrospray.

Kurze Zeit später stapelten sich die freundliche Dame von der Krankenhausbibliothek samt Bücherwagen und vier Schwester im Zimmer des Gatten. Der Gatte sollte verlegt werden, wollte sich aber partout noch ein Buch aussuchen. Okay, wenn er der Meinung ist, ein Buch lesen zu wollen, hat das mit dem Sterben wohl noch etwas Zeit. Nachdem der Ausleihvorgang und die Patientenübergabe abgeschlossen waren, wurde der Gatte auf eine Normalstation verschoben, ins fünfte Zimmer in drei Tagen. Bis 18 Uhr musste der Gatte noch Bettruhe halten, dann durfte ich ihn nach draußen schieben - was für eine Freude für ihn! Vorher kam noch sein behandelnder Arzt vorbei. Er scheint ganz zufrieden zu sein und unterstützt den Wunsch des Gatten nach einer Anschlussheilbehandlung. Wenn's klappt, geht der Gatte direkt vom Krankenhaus in die Reha. 

Hier gilt seit mittlerweile 280 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall. Er ist schwerbehindert und berufsunfähig verrentet. Es geht uns dennoch vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus, wenngleich die Erkrankungen und der Schlaganfall des Gatten zu Wesensveränderungen führten, die ein Zusammenleben manchmal sehr schwer machen. 

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Schwiegermutter und Handwerker. Ich bin dankbar, dass Corona bislang Gatten, Schwiegermutter und Tante verschonte, und hoffe sehr, das bleibt so.   

Was dem Gatten neben seinen körperlichen Beschwerden zu schaffen macht, ist die Praxis des hiesigen Krankenhauses, dass man nach jedem Eingriff / jeder Untersuchung außerhalb des Zimmers in ein neues Zimmer kommen kann. Der Gatte hatte alleine diese Woche fünf verschiedene Zimmer, die noch nicht mal auf derselben Station waren, sondern in anderen Trakten sind, wo gerade Platz ist. Aktuell liegt er auf der Bauch-Chirurgie. Ich bin gespannt, wann ich ihn im Kreißsaal wiederfinde. 

Abgesehen davon, dass die ständigen Wechsel den Gatten noch verwirrter machen, als er ohnehin schon ist, muss auch jedes Mal sein ganzes Geraffel mit. Inzwischen habe ich einen Koffer im Auto, nehme abends das meiste aus seinem Zimmer mit, weil ich ja nicht weiß, wo er morgens ist. Und jedes Mal verschwindet was vom Geraffel. Das bindet auch ohne Ende Arbeitskräfte. Pflegekräfte müssen das Geraffel packen, Ärzte suchen ihre Patienten, das Essen muss von einer Station auf die andere gebracht werden, ebenso die Medikamente ...

Hygienisch finde ich das auch äußerst bedenklich, denn die Zimmer werden mitnichten vorm Bettenwechsel gereinigt. Kein Wunder, dass der Gatte sich jedes Mal einen Keim einfängt. Ich habe inzwischen eine Magnumflasche Sagrotan an der Frau. Hintergrund des ständigen Zimmerwechsel ist, dass die Station, auf die der Gatte gehört, überfüllt ist (aktuell auch 4 Iso-Fälle - warum wohl?!). Anstatt die Neuzugänge woanders unterzubringen, verlegt man die "Alt-Patienten". Es ist ein Elend. Ich bin gespannt, wo ich den Gatten heute wiederfinde. Immerhin kam er gestern nach einem Ultraschall, zu dem er im Bett geschoben wurde, wieder in sein Zimmer zurück.

Seit gestern Nachmittag steht ein zweiter Nachttisch im aktuellen Zimmer. Auf der dazugehörigen Tablettendose stehen zwei Zimmernummern. Da nach Stunden noch immer kein Bett kam, nur Leute, die nach dem Patienten fragten, irrt der vermutlich samt Bett durchs Krankenhaus. 

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Sonntag, 20. Juli 2025

Samstagsplausch KW 29/25: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCLXXIX

"Ich will nicht den ganzen Sommer im Krankenhaus bleiben!", rief der Gatte gestern verzweifelt, als wir vor dem Krankenhaus in der Sonne saßen. Normalerweise hätten wir einen langen Sommerabend mit Grillgut, Sangria und Häppchen an der Hummelrast genossen. Wer weiß, wann das mal wieder möglich ist - und ob überhaupt?! 

Der Gatte ist jetzt schon die zweite Woche im Krankenhaus. Es geht weiterhin einen Schritt vorwärts und zwei zurück. Der OP-Termin wird in letzter Minute immer wieder verschoben. Der Chefarzt ist vorsichtig optimistisch, kommende Woche operieren zu können. Das war er in dieser Woche auch schon - und in der letzten Woche. 

Der Zustand des Gatten hat sich laut den Ärzten konsolidiert, fast alle Blutwerte sind besser geworden nach gefühlt endlosen Infusionen. Dennoch: Der Gatte ist sehr schwach, isst und trinkt zu wenig, taucht in Parallelwelten ab, kann sich kaum noch bewegen, schläft viel. Ich bin weiterhin zwei Mal täglich bei ihm, aber nicht mehr so lange, weil ihn meine Besuche anstrengen. Mich erinnert das alles fatal an das letzte dreiviertel Jahr mit meiner Mutter. Kraft, Hoffnung und Zuversicht schwinden zusehends. 

Hier gilt seit mittlerweile 279 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall. Er ist schwerbehindert und berufsunfähig verrentet. Es geht uns dennoch vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus, wenngleich die Erkrankungen und der Schlaganfall des Gatten zu Wesensveränderungen führten, die ein Zusammenleben manchmal sehr schwer machen. 

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Schwiegermutter und Handwerker. Ich bin dankbar, dass Corona bislang Gatten, Schwiegermutter und Tante verschonte, und hoffe sehr, das bleibt so.  

Von Sonnabend auf Sonntag war Schwiegermutter zu Besuch, was sehr anstrengend war, muss sie doch immer im Mittelpunkt stehen. Ich hatte sie im Hotel untergebracht, aber natürlich wollte sie auch das Haus sehen. Sie will sich, wenn der Gatte wieder zu Hause ist, länger im Hotel einquartieren, um Haus und Garten auf Vordermann zu bringen. Na, ich danke! Den Vorgarten möchte sie schottern, alle hier noch stehenden Umzugskisten unbesehen entsorgen, weil darin ja nur meine Bücher wären, und das sind ja eh nur Staubfänger, und die Zimmer, an denen der Gatte noch arbeitet, will sie fertig einrichten. Ja, nee, is klaa. 

Durch Schwiegermutters Besuch kam ich aber immerhin zu einem ordentlich Abendessen und zu einem ordentlichen Frühstück. Seit zwei Tagen schaffe ich es auch, mir wieder echtes Essen zuzubereiten, nicht nur Fertigfutter. 

Diese Woche war die Jahrespressekonferenz für mein Projekt. Da ich zurzeit freigestellt bin, fiel die Durchführung meiner Kollegin zu, und sie meisterte es grandios! Mich freute, dass sie in einigen Veröffentlichungen auch namentlich erwähnt wurde. Ich hatte erst überlegt, ob ich bis zur Pressekonferenz irgendwie durchhalte, dachte mir dann aber, dass meine Kollegin sich freischwimmen müsse, ich hier nicht auf Teufel komm raus stark sein müsse. Die Kollegin war schon in den letzten zwei, drei Jahren bei allen Vorbereitungen und -besprechungen dabei, wurde also nicht ahnungslos ins kalte Wasser geworfen, hatte zudem die Unterstützung des ganzen Teams. Jetzt hat sie wirklich alle Facetten des Projekts durchgespielt und ist fit, die Projektleitung ganz zu übernehmen, wenn ich in zwei Jahren in Rente gehe, um Zeit mit dem Gatten zu genießen. So ist zumindest der Plan, Mal schauen, was die Gesundheit des Gatten dazu sagt.

Die Chefin bat um ein Telefonat und stellte dabei erstaunt fest, dass ich tatsächlich nicht in meine Dienstmails schaue, wenn ich dienstfrei habe. So erfuhr ich dann erst durch sie, dass unser Chef uns sehr kurzfristig verlässt, wir ebenso kurzfristig eine neue Chefin bekommen als Vorgesetzte für das gesamte Institut. Soll sein. Für mich gibt es aktuell Wichtigeres.

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Mittwoch, 16. Juli 2025

#12von12 im Juli 2025

Auf diesen #12von12-Beitrag hätte ich liebend gerne verzichtet, denn der Gatte ist seit über einer Woche im Krankenhaus, und es ist ungewiss, ob er wieder nach Hause zurückkehrt. Dennoch: Auch diesen Monat gibt's die Bildersammlung bei Caro von "Draußen nur Kännchen". Ich schreibe diesen Beitrag in einer Mittagspause, denn über Mittag habe ich meistens zwei, drei Stunden "gattenfrei". Morgens bin ich gegen acht Uhr im Krankenhaus bis gegen Mittag, komme dann nachmittags wieder bis gegen zwanzig Uhr - es sei denn, der Gatte möchte lieber alleine sein und bittet mich, zu gehen.

#1: Der Wecker klingelt um sechs Uhr. Der Schlafhase des Gatten ermahnt mich, aufzustehen und ins Krankenhaus zum Gatten zu fahren. 

#2: Eine der wenigen Freuden, die der Gatte aktuell hat, ist das tägliche Viertel Wassermelone, das ich ihm mit ins Krankenhaus bringe. Für mich gibt's Espresso und drei Scheiben trocken Toast zum Frühstück, das ich mit dem Gatten zusammen esse.

Heute früh bin ich aber nur kurz im Krankenhaus, denn vormittags kommt Schwiegermutter, um ihren Sohn zu sehen. Sie bleibt über Nacht, was dazu führt, dass ich zum ersten Mal seit über einer Woche ein ordentliches Abendessen bekomme (und am kommenden Tag ein ordentliches Frühstück).

#3: Hier bin ich in den letzten acht Jahren definitiv zu oft. Der Gatte liegt zum sechsten Mal in diesem Jahr im Krankenhaus. 

#4: Während ich auf Schwiegermutter warte, möchte ich im Garten arbeiten, komme aber nicht weit. Der Engel aus Schwiegermutters ehemaligem Garten ist jedenfalls wunderbar eingewachsen.

#5: Die Yucca, die meine Mutter vor Jahrzehnten in den Garten pflanzte, blüht wieder wunderschön und üppig.

#6: Der kleine Apfelbaum, der mit aus Hamburg umzog, hat reichlich Früchte angesetzt. 

#7: Nach Schwiegermutters erstem Besuch im Krankenhaus müssen wir ein paar Kleinigkeiten für den Gatten besorgen. Ich sorge dafür, dass Schwiegermutter ein kleines Mittagessen bekommt. 

#8: Klimawandel ist Moppelkotze, aber die Aprikosen aus dem Alten Land schmecken einfach nur geil. 

#9: Nach dem zweiten Krankenhausbesuch und kurzer Pause für Schwiegermutter geht's zum Abendessen.

#10: Noch immer sind 50 entführte Männer und Frauen in der Gewalt der Hamas - seit unfassbaren 645 Tagen. 

#11: Während Schwiegermutter schon schläft, steht bei mir noch die Wäsche an. Der Sofa-Schlafhase musste in die Badeferien und trocknet nun im Hops-Flausch-Handtuch aus Weißenhäuser Strand. Am kommenden Tag kommt er zum Gatten ins Krankenhaus, um bei der Heilung zu helfen. 

#12: Vor dem Einschlafen wird noch etwas gelesen*.

Der Blick in die ersten fünf Corona-Jahre: Am 12. Juli 2020 waren wir mit Schwiegermutters Umzug beschäftigt, war der Gatte noch gesund. Am 12. Juli 2021 war der Gatte schon krank, der Antrag auf Berufsunfähigkeitsrente gestellt, lebte er sich gerade im neuen Status Quo ein. Drei Jahre später stellten wir einen Antrag auf Pflegestufe. Am 12. Juli 2022 lebte meine Mutter seit einer Woche im Pflegeheim und war guter Dinge, während wir uns darauf einrichteten, ihr Haus zu unserem zu machen. Als wir morgens auf dem Weg ins Haus an ihrem Pflegeheim vorbeikamen, war sie gerade mit ihrer Gesellschafterin auf dem Weg in die Stadt. Es sollte eines der letzten Male sein, dass sie den kompletten Weg schaffte. Am 12. Juli 2023 pendelten wir seit einem Jahr, stolperten von einer Handwerkerpleite in die nächste und hofften auf ein baldiges Baustellen-Ende. Am 12. Juli 2024 wollten wir eigentlich nur ruhig auf der Baustelle vor uns hin leben, aber das Schicksal sah anderes mit uns vor und stellte unser Leben vier Monate später auf den Kopf. Eine Folge ist der aktuelle Krankenhausaufenthalt des Gatten - der sechste in diesem Jahr. / *Affiliate links

Samstag, 12. Juli 2025

Samstagsplausch KW 28/25: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCLXXVIII

Der Gatte ist seit über einer Woche im Krankenhaus. Die geplante OP war noch nicht möglich, weil sein Körper eskaliert. Es ist ein bisschen wie bei Dr. House, nur dass wir nicht wissen, ob es ein Happy End gibt, ob der Gatte wieder nach Hause kommt. Hoffnung macht, dass die geplante OP bislang nur verschoben, nicht abgesagt wurde. Ob der Gatte die OP dann überleben wird, steht auf einem anderen Blatt. Ich musste mich diese Woche bereits einmal von ihm verabschieden. Er aß und trank nicht mehr, war nicht mehr ansprechbar.

Ich bin morgens um acht Uhr im Krankenhaus bis mittags. Dann fahre ich für zwei, drei Stunden nach Hause, und gegen sechzehn Uhr bin ich wieder im Krankenhaus. Manchmal sitze ich nur still da, lese, stricke, halte seine Hand und bewache den Schlaf des Gatten. Manchmal kann ich ihn im Rollstuhl vor die Tür schieben, genießen wir den Sommer (den wir viel lieber im heimischen Garten genießen würden). Der Gatte ist ehrlich genug, mir zu sagen, wenn er alleine sein möchte. Dann gehe ich. Aber meistens möchte er Gesellschaft. Wir wissen ja beide nicht, wie lange wir einander noch haben. Gegen zwanzig Uhr bin ich normalerweise wieder zu Hause. 

Der Himmel kann Drama.

Hier gilt seit mittlerweile 278 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall. Er ist schwerbehindert und berufsunfähig verrentet. Es geht uns dennoch vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus, wenngleich die Erkrankungen und der Schlaganfall des Gatten zu Wesensveränderungen führten, die ein Zusammenleben manchmal sehr schwer machen. 

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Schwiegermutter und Handwerker. Ich bin dankbar, dass Corona bislang Gatten, Schwiegermutter und Tante verschonte, und hoffe sehr, das bleibt so.  

Trostblumen.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.