Sonntag, 21. September 2025

Samstagsplausch KW 38/25: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCLXXXVIII

Die Tage sind aktuell schwarz, voller trauriger Gedanken und Abschiede, Tränen und letzter Male. Wir realisieren langsam, dass sich unsere Wünsche und Hoffnungen, mit denen wir im Sommer 2022 in das neue Leben im alt-neuen Haus aufbrachen, nicht mehr umsetzen lassen. Wir realisieren, dass es keine gemeinsamen Urlaube mehr geben wird, dass der Gatte die im Krankenhaus geplante Lanzarote-Reise nicht mehr machen wird. Ich soll sie alleine machen, dabei an ihn denken. 

Es wird keine Kinobesuche, keine Spaziergänge, keine Einkaufsbummel, keinen Stadtfest-Besuch, keine Sommer im Garten mehr geben ... Der Gatte wird nicht mehr erleben, wie das nach seinen Plänen umgebaute Haus fertig wird. 

Der Wein trägt dieses Jahr sehr üppig; die Trauben sind besonders süß.

Das letzte Mal den kleinen Apfelbaum ernten, der so üppig trägt, als gäbe es kein Morgen. Das letzte Mal die Weintrauben ernten, die ebenfalls üppig tragen und dieses Jahr unglaublich süß sind. Das letzte Mal an der Hummel-Rast sitzen.

Die Kindheitswege, die ich so gerne gemeinsam mit dem Gatten gegangen wäre, werden wir nicht gemeinsam gehen. Die Wanderungen, die wir machen wollten, werden wir nicht mehr gemeinsam machen. Wir wollten Ausflüge in die umliegenden Städte machen. Diese Ausflüge wird es nicht mehr geben. Es wird kein Hund ins alt-neue Haus einziehen.

Wir hätten gerne eine Prognose zur Lebenserwartung des Gatten, aber die gibt es nicht, und das macht alles nochmal schwerer. Seitens des Krankenhauses war mehrfach von einer Lebenserwartung von zwei Monaten die Rede. Die wären spätestens Mitte Oktober vorbei. Dann wiederum hieß es, man würde keine Prognose wagen. Wir sind dankbar für jeden Morgen, den wir zusammen aufwachen, für jeden Abend, den wir zusammen einschlafen. "Lebe jeden Tag, als wäre es dein letzter" wird zur hohlen Phrase, wenn jeder Tag der letzte sein könnte. 

Dieses Wochenende ist Schwiegermutter zu Besuch, was für den Gatten und mich unwahrscheinlich anstrengend ist. Riss sie sich während der Wochen, die der Gatte im Krankenhaus war, noch einigermaßen zusammen, lebt sie nun ihren Narzissmus komplett aus. So wollten wir gestern eigentlich einen schönen Tag in der Heide verleben. Da Schwiegermutter darauf bestand, dass ich mich entspannen sollte, sollte nicht mit dem Auto gefahren werden, sondern mit dem Heide-Shuttle. Wir haben Schwiegermutter vorher lang und breit mehrfach erklärt, dass der Bus mitnichten mitten über die Heideflächen des Naturparks fährt, sondern durch die Heide-Dörfer, und an jeder Milchkanne hält, so dass wir bis zum Ziel über eine Stunde brauchen. Das kam nur nicht bei ihr an, und so meckerte sie in einer Tour, sie bekäme ja gar keine Heide zu sehen, der Bus wäre so ruckelig, sie habe in der prallen Sonne sitzen müssen (sie hätte sich umsetzen können). Am Ziel angekommen, hätte sie bis zur Heide 500 m gehen müssen, aber das wollte sie nicht. 

Mittlerweile war der Gatte kurz vorm Zusammenbruch, so dass ich für die Rückfahrt kurzerhand ein Taxi organisierte. Beim Einstiegen verletzte sich der Gatte am Fuß ... Es war ein in jeder Hinsicht gebrauchter Tag. Wenigstens hatte Schwiegermutter ein Einsehen und bestand nicht auf das abendliche Essengehen, so dass der Gatte ein wenig Ruhe finden konnte. Ich hoffe, die kommende Woche wird für ihn ruhiger. 

Wir fanden diese Woche einen Relax-Sessel für den Gatten, und die Verkäuferin erkannte, das Eile Geboten ist. So zeigte sie uns ein Modell aus dem Abverkauf, das wir sofort hätten mitnehmen können. Der Sessel wird Mittwoch geliefert. Ansonsten dauern die Lieferzeiten schon mal bis zu 18 Wochen, und die hat der Gatte nicht mehr. Der Gatte hat jetzt einen Hausnotruf, und der Treppenlift ist auch in Arbeit. Der wird allerdings erst Mitte / Ende Oktober kommen.

Diese Woche habe ich schweren Herzens meinen für Mitte Oktober geplanten Kurzurlaub abgesagt. Der Gatte sagte zwar immer, ich solle fahren, er schaffe das schon alleine, aber ich sehe ja jeden Tag, wie schwer es ihm fällt, sich selbst zu versorgen. Also bat ich ihn, nicht an mich zu denken, sondern nur an sich, und danach zu entscheiden, ob ich fahren solle. Er fand es ganz schon krass, vier Tage alleine zurechtkommen zu müssen. Also bleibe ich zu Hause. Es wird schon schwierig, den Gatten übernächste Woche zwei halbe Tage alleine zu lassen, aber ich habe Arzttermine in Hamburg, die ich wahrnehmen muss. Wir werden gucken, dass der Gatte ihm ersten Stock bleiben kann und dort alles hat, was er braucht. Wenn er den Treppenlift noch erlebt, ist es einfacher, den Gatten etwas länger alleine zu lassen. 

Normalerweise würde sich der Gatte jetzt Gedanken machen über die Halloween-Deko, denn seitdem wir das alt-neue Haus haben, liebt er das Fest. In diesem Jahr hat er allerdings keine Lust. Ich überlege noch, ob ich mich um Deko und Schnobkram kümmere oder ob wir einfach alles verrammeln. 

Morgen Abend beginnt das neue Jahr. Ich kann mich nicht erinnern, es jemals so traurig und voller schwerer Gedanken begangen zu haben. 

Hier gilt seit mittlerweile 288 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten wurde er ein Palliativfall. Der Gatte ist schwerbehindert und berufsunfähig verrentet. Es geht uns dennoch vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus, wenngleich die Erkrankungen und der Schlaganfall des Gatten zu Wesensveränderungen führten, die ein Zusammenleben manchmal sehr schwer machen. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Samstag, 13. September 2025

Samstagsplausch KW 37/25: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCLXXXVII

Sonntag saßen wir auf der Terrasse, hatte ich nach neun Wochen endlich mal wieder die Muße, in Ruhe die Lokalpostille zu lesen. Ich entdeckte eine Todesanzeige für den jungen Mann, der mit dem Gatten zwei Tage das Zimmer teilte. Er kam an einem Donnerstag als Notfall, war sehr schwach und desorientiert, als er zum Gatten auf's Zimmer verlegt wurde. Zwei Tage später wurde er dann hektisch auf die Intensivstation verlegt. Wiederum zwei Tage später starb er. Wir sind traurig und geschockt. Dem Gatten steckt der Besuch der Eltern des jungen Mannes in den Knochen. Sie haben ihn über Stunden beschimpft, weil er nicht eher ins Krankenhaus ging. Sie brachten ihm allerdings auch eine Rose mit, die im Krankenzimmer vergessen wurde, als alle Sachen des jungen Mannes eingepackt wurden. Ich hatte nach drei Tagen Mitleid mit dem zunehmend trockner werdenden Pflänzchen und nahm es mit nach Hause, wo es seitdem üppig blüht. Die Mitnahme war vermutlich moralisch verwerflich, aber ich konnte nicht anders.

Insgesamt reden wir in diesen Tagen viel über das, was der Gatte in neun Wochen Krankenhaus erlebte. Es wird dauern, bis er die vielen Eindrücke verarbeitete. Erfreulicherweise erledigte sich aber manches, was mir im Krankenhaus Kopfzerbrechen machte, quasi sofort nach Ankunft des Gatten zu Hause, ist das Delir komplett verschwunden.

Montag und Dienstag hatten eine hohe Schlagzahl, vor allem für den Gatten, der ja neun Wochen quasi nur im Bett lag oder mit dem Rollstuhl geschoben wurde, sich kaum bewegte, jetzt aber partout wieder Normalität haben möchte. Nur spielt da sein Körper nicht mit. Montag wollte der Gatte unbedingt nur mit einem Stock gehen, Dienstag nahm er den Rollator. Der Rollstuhl wäre in beiden Fällen die bessere, da weniger anstrengendere,  Wahl gewesen, aber auf den möchte der Gatte möglichst verzichten. Leider will der Gatte im Haus auch möglichst auf den Stock verzichten. So sehr ich das verstehen kann, so sehr habe ich im Gedächtnis, dass der Verzicht auf einen Stock letztlich meiner Mutter das Leben kostete. 

Wir waren beim neuen Nephrologen, und der Wechsel scheint eine gute Idee gewesen zu sein. Nicht nur, weil uns die Fahrt nach Hamburg erspart bleibt, sondern auch, weil der Gatte von nur einem Arzt behandelt wird. In der Hamburger Praxis hatte er jedes Mal einen anderen Arzt. Das machte ihn irre. Die hiesige Praxis ist auch insgesamt kleiner und ruhiger, was ebenfalls wohltuend ist. Der neue Nephrologe macht einen guten Eindruck. Wir konnten einige offene Fragen klären, zum Beispiel die nach der Dialyse, die immer wieder im Raum stand, zuletzt im Krankenhaus, wo sie der Gatte angeblich verweigert haben soll. Da ich bei so ziemlich allen Arztgesprächen dabei war, war ich irritiert, denn es war nicht von einer Dialyse die Rede. Dafür sah auch der Nephrologe keinen Grund. Die Niere ist auf niedrigem Niveau stabil.

Wir waren auch beim Diabetologen, der in der Fußambulanz die Wundversorgung des Gatten übernimmt. Beim Saubermachen der Amputationswunde zeigte sich, wie "gründlich" das Krankenhaus die Wunde säuberte: Es befanden sich noch Fäden in der Wunde - seit über sieben Wochen! Wundmanagerin und Ärztin waren fassungslos. Dass der Gatte eine tödlich verlaufende Pilzinfektion hat, ist schlichtweg kein Wunder. Die Fäden sind gezogen, und künftig sind wir alle zwei Wochen in der Fußambulanz. Dazwischen übernimmt der Pflegedienst. Sollte sich die Wunde entzünden, können wir jederzeit in die Fußambulanz. Entscheidend für den Verlauf der Pilzinfektion ist nach wie vor, dass die Wundsituation stabil bleibt. Umso länger kann der Gatte leben. 

Beim Diabetologen gab's eine Überraschung: Der Langzeitzuckerwert des Gatten ist so gesunken, dass er fast im Normbereich ist! Das ist nach über 20 Jahren das erste Mal! Das Leben hat einen seltsamen Humor: Der Gatte stirbt an Candidose, aber mit sehr gut eingestelltem Blutzucker. 

Der Haus- bzw. Palliativarzt war da und befand, der Gatte sei noch kein Palliativpatient. Äh, bitte was?! Seiner Meinung nach werden die kommenden vier Wochen zeigen, in welche Richtung es bei dem Gatten gehe. Erst dann würde der Hausarzt ihn als palliativ einstufen. Bleibt der Gatte hingegen fieberfrei, dürfen wir vorsichtig Hoffnung schöpfen.

Okay, der Gatte ist Schrödingers Palliativpatient.

Wir wissen aktuell nicht, was wir davon halten sollen, was wir denken oder fühlen sollen. Es widerspricht allem, was uns die Ärzte im Krankenhaus sagten. Andererseits: Wir vertrauen dem Hausarzt. Der Gatte kämpft tapfer. Er will leben, so lange wie irgend möglich, selbstbestimmt. Er wird langsam selbstständiger, kräftiger, beweglicher, die Muskulatur wird stärker. Die vor einer Woche montierte  Aufstehhilfe am Bett braucht der Gatte kaum noch, und die seit drei Tagen vorhandene Aufstehhilfe am Sofa immer seltener (das Aufstehen vom Sofa war schon zu besseren Zeiten schwierig).

Sicher ist, dass wir durch die zurückgenommene Palliativ-Einstufung weniger Unterstützung bekommen, und das, wo der Gatte jetzt doch erheblich mehr Pflegebedarf hat. Das belastet vor allem mich, da bin ich ganz egoistisch, denn über das Palliativnetz hätte ich Tag und Nacht jemanden erreichen können bei Fragen oder Problemen. Der Gatte ist da wesentlich gelassener.

Der Hausarzt strich zudem den Medikamentenplan aus dem Krankenhaus zusammen, der drei DinA4-Seiten umfasste. Der Gatte bekam in den letzten Wochen über 30 Tabletten täglich und zusätzlich mehrere Infusionen. Auf dem Plan sind Medikamente, deren Wirkung sich gegenseitig aufhebt, und Medikamente, die doppelt eingesetzt wurden. Es sind Antibiotika dabei, bei denen nicht ersichtlich ist, gegen welchen Bakterienstamm sie wirken sollen - inklusive großzügig eingesetztem Reserveantibiotikum, das laut Hausarzt eher schadet als nützt, eher zum Tode führt. Es sind Medikamente dabei, die für den Gatten gar keinen Nutzen haben, nicht zu seinen Erkrankungen passen usw.. 

Als ich mich daran machte, die Tabletten des Gatten zusammenzustellen, stellte ich fest, dass er schon seit einigen Tagen manche Medikamente gar nicht mehr bekam, die er braucht. Das Krankenhaus gab uns nämlich einen Vorrat für eine Woche mit, und da fehlte einiges. Im Krankenhaus hatten wir ohnehin keinen Überblick, welche Medikamente der Gatte bekommt.

Die Entscheidung, den Gatten nach Hause zu holen, begrüßte der Arzt. Das sei die beste Therapie und Medizin. Zu Hause hätte der Gatte eine bessere Chance, sich zu erholen. 

Hoffen und beten.

Eigentlich sollte diese Woche die Augenbehandlung des Gatten fortgesetzt werden, aber der Hausarzt bat darum, damit noch vier Wochen zu warten, bis wir vielleicht wissen, ob der Gatte stabil ist. Der Gatte stimmte zu, worüber ich ganz froh war, denn so hatte er einen ruhigen Tag, hatte ich einen Tag, an dem ich diversen Schriftkram und unseren Wocheneinkauf erledigen konnte. Es fällt mir immer schwer, den Gatten alleine zu lassen, vor allem, weil er noch keinen Hausnotruf und keinen Treppenlift hat. Treppensteigen fällt ihm sehr schwer. Während ich beim Einkaufen war, probierte er allerdings aus, ob er in sein Eisenbahnzimmer auf dem Dachboden kommt ... Ja, er schaffte es, was ihm wieder Auftrieb gab. Generell fällt es ihm aber unendlich schwer, Treppen zu steigen, kann er nur ein paar Schritte gehen, ist bei mehr als ein paar Metern im Rollstuhl noch am besten aufgehoben.

Nach dem Hausarztbesuch war ich so neben der Spur, dass ich ohne nachzudenken einen "Kalender für Zwei" für das kommende Jahr bestellte. Erst danach ging mir auf, dass ja alles andere als sicher ist, dass wir kommendes Jahr noch zu zweit sind. Seit 25 Jahren bestelle ich den Kalender jedes Jahr um diese Zeit, da dachte ich jetzt gar nicht nach.

Viele Gedanken mache ich mir über unsere Grabstätte. Am liebsten wäre uns beiden eine Wald-Bestattung, aber die beiden in Frage kommenden Friedhöfe sind nur mit Auto / Taxi oder mit ÖPNV-Irrfahrten zu erreichen. Eine Taxifahrt kostet aktuell geschmeidige 65 Euro. Der Friedhof, der zu Fuß zu erreichen wäre, auf dem meine Eltern und Großeltern liegen, ist kirchlich, kommt also für uns nicht in Frage. Der städtische Friedhof wäre mit einer einfachen Busfahrt zu erreichen, liegt aber nicht so schön wie die Bestattungswälder. Solange ich arbeite bzw. noch Autofahren kann, muss ich mir über Taxikosten keine Gedanken machen, aber mit der Verrentung werde ich dafür kein Geld mehr haben. Irgendwie alles doof.

Und dann hatte ich mich gerade dazu durchgerungen, dass wir nach zwei Grabstätten in dem Bestattungswald gucken, der uns am besten gefällt, ich schon mal anfange, für die Taxikosten zu sparen, da meint der Gatte, er solle doch keine Feuer- sondern lieber eine Erdbestattung, was wieder zum städtischen Friedhof führt. 

Diese Woche wurde auch ein Treppenlift in Auftrag gegeben. Er wird in ca. zwei Monaten geliefert und eingebaut. Denken wir mal optimistisch, dass der Gatte das noch erlebt ... Es gibt ja keine Prognose zur Lebenserwartung mit Candidose. Beim Treppenlift haben wir uns für einen lokalen Anbieter entschieden. Der Vertreter des werbestarken Unternehmens, das überall auftaucht, war uns zu sehr auf's Verkaufen um jeden Preis aus und enttäuscht, dass wir Bedenkzeit brauchten, nicht sofort den Vertrag abschlossen. Aber bei einer fünfstelligen Summe möchte ich dann doch mal einen Moment nachdenken.

Stricktreffen, diesmal mit Sushi, weil einige von uns Hunger hatten.

Diese Woche konnte ich auch zum Stricktreffen gehen. Der Gatte befand, er sei stabil genug, um ein paar Stunden alleine zu sein, und die Aufstehhilfe für's Sofa kam einen Tag vorher, so dass auch keine Gefahr bestand, dass er dort hilflos strandet. Montag kommt der Hausnotruf, dann kann ich den Gatten beruhigter alleine lasse. Wir hätten uns gerne für die Notruf-Variante entschieden, die auch draußen funktioniert, aber die ist auf unbestimmte Zeit nicht lieferbar - und wer weiß, wann der Gatte wieder alleine draußen unterwegs sein kann.

Gestern waren wir auf dem Stadtfest. Der Gatte freute sich sehr darauf. Ich schob ihn die ganze Zeit im Rollstuhl, denn er war vernünftig genug, nicht den Rollator nehmen zu wollen - anderthalb Kilometer können lang sein, wenn man alle zehn Meter eine Pause braucht. Als wir gerade loszockeln wollten, kamen die überrechten Nachbarn aus der Tür. Die Nachbarin begleitete uns den ganzen Weg (ihr Mann rannte vor; da ist mal wieder Ehekrise) und gab mir hilfreiche Tipps zum Umgang mit dem Rollstuhl an Bordsteinen und den Kabelkanälen, die auf dem Festplatz alle paar Meter liegen. Es war ein schöner Ausflug. Doof war nur, dass es anders als im letzten Jahr keine Tische und Bänke gab, an denen man in Ruhe essen und trinken kann. Der Gatte hatte seine Sitzgelegenheit ja dabei, aber ich musste im Stehen essen, was ich blöd fand. 

Hier gilt seit mittlerweile 287 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten wurde er ein Palliativfall. Der Gatte ist schwerbehindert und berufsunfähig verrentet. Es geht uns dennoch vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus, wenngleich die Erkrankungen und der Schlaganfall des Gatten zu Wesensveränderungen führten, die ein Zusammenleben manchmal sehr schwer machen. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse. 


Freitag, 12. September 2025

#pmdd2025: Der 28. August 2025

An jedem 28. eines Monats ist Picture my Day-Day, kurz pmdd. Ich finde, das ist ein schönes Tagebilderbuch. Mitmachen ist einfach: Fotos vom Tag machen, bloggen oder mit #pmdd2025 auf Twitter oder Instagram einstellen. Gesammelt wird alles auf dieser Seite.

Acht Wochen im Krankenhaus ... Eine weitere Woche wird folgen.

Heute gibt es nur ein Bild. Der Gatte ist seit acht Wochen im Krankenhaus. Es gibt keine Prognose mehr, keine Chance auf Heilung. Wir entscheiden heute, dass er nach Hause in die palliative ambulante Versorgung geht. Es ist ein schwerer Tag.

Der Blick zurück in die ersten fünf Corona-Jahre: Am 28. August 2020 lebte sich Schwiegermutter gerade in der Seniorenwohnanlage ein, war der Gatte noch gesund, fuhren wir am kommenden Tag nach Dänemark. Am 28. August 2021 war der Gatte schon krank, wartete auf die Entscheidung über seine Verrentung, musste ich arbeiten, holten wir abends Tante ab, um in der kommenden Woche einen runden Gatten-Geburtstag zu feiern. Am 28. August 2022 waren wir noch so optimistisch, spätestens im kommenden Frühjahr ins alt-neue Haus zu ziehen. Am 28. August 2023 bezweifelten wir, dass wir überhaupt noch dort einziehen werden. Am 28. August 2024 waren wir umgezogen und erlebten einen kurzen Moment der Normalität.

Donnerstag, 11. September 2025

#12von12 im August 2025

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt wie jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür! Hier kommen meine August-Bilder.

#1: In unser aktuelles Krankenzimmer scheint der Vollmond.

#2: Körperpflege für den Gatten. Er ist noch zu schwach, das selbst zu machen.

#3: Außer auf den Gatten aufzupassen, stricken und lesen habe ich nicht viel zu tun. Aktuell lese ich die Thriller von Cara Hunter*.

Der Gatte ist seit bummelig fünf Wochen im Krankenhaus. Ich schlafe seit zwei Nächten bei ihm, um ihm aus dem Delir zu helfen. 

#4: Mittagessen. Laut Plan mediterraner Seelachs mit ebensolchem Gemüse. Keine Ahnung, wo das Mittelmeer war ... Die Knusperhaube war aber lecker.

#5: Der Zustand des Gatten ist kritisch. Er kommt auf die Überwachungsstation.

#6: Auf der Überwachungsstation dürfen Angehörige nicht übernachten, also packe ich mein Backbeermus und fahre schweren Herzens nach Hause. 

Der Zustand des Gatten verschlechtert sich, und im Laufe des Tages kommt er auf die Überwachungsstation, so dass ich wieder zu Hause schlafe. Ich frage eine der behandelnden Ärztinnen, ob ich mir angesichts der Verschlechterung des Zustandes Sorgen machen müsse. Sie verneint. Das ist allerdings die Ärztin, die seit bummelig fünf Wochen mit Falschdiagnosen daher kommt. Später wird sich zeigen: Meine Sorge war berechtigt. Der Gatte schwebte zwei Tage in Lebensgefahr. Inzwischen ist er wieder zu Hause. Das Krankenhaus stufte den Gatten als palliativ ein. 

#7: Das Abendessen auf den Weg bringen.

#8: Das Abendessen ist fertig: Ofenpfannkuchen mit Bickbeeren.

#9: An den Socken für eine meiner beiden Sandkastenfreundinnen weiterstricken.

Der Blick zurück in die ersten fünf Corona-Jahre: Am 12. August 2020 war der Gatte noch gesund, arbeitete in Kurzarbeit, und es war sehr heiß. Am 12. August 2021 war der Gatte schon krank, musste in einer Klinik durchgecheckt werden, war Gott sei Dank ohne Befund - und es war sehr heiß. Am 12. August 2022 war es - oh, wunder - sehr heiß, waren wir plötzlich Hausbesitzer. Am 12. August 2023 wollten wir eigentlich schon seit vier Monaten ins Haus umgezogen sein. Am 12. August 2024 waren wir umgezogen und genossen einen kurzen Moment der Normalität.

#10: Wieder ein Tag Krankenhaus geschafft. Es sollen noch viele weitere folgen. Diese Woche bestellte ich ohne nachzudenken wie jedes Jahr um diese Zeit einen "Kalender für Zwei"* für das kommende Jahr. Dabei ist mehr als ungewiss, ob wir dann noch zu zweit sein werden. 

#11: Das Kuschelrudel will noch etwas lesen*, aber Schnuffi hält Ausschau nach Herrchen, das doch irgendwann mal durch die Schlafzimmertür kommen muss. 

#12: Gute Wünsche ins Universum schicken.

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Mittwoch, 10. September 2025

#pmdd2025: Der 28. Juli 2025

An jedem 28. eines Monats ist Picture my Day-Day, kurz pmdd. Ich finde, das ist ein schönes Tagebilderbuch. Mitmachen ist einfach: Fotos vom Tag machen, bloggen oder mit #pmdd2025 auf Twitter oder Instagram einstellen. Gesammelt wird alles auf dieser Seite.

Wäsche aus dem ersten Stock mit nach unten nehmen. Den Briefblock brauche ich für einen Brief an die Ostsee-Tante.

Der Gatte liegt auf der dritten Station in drei Wochen im inzwischen vierten Zimmer. Auf dieser Station gibt es einen Wartebereich, in dem ich sitze, während der Gatte zu einer Untersuchung gefahren wurde. Die Uhr geht übrigens falsch.

Jetzt darf der Gatte endlich raus. Ich bleibe bei ihm bis nach dem Mittagsessen, wie jeden Tag.

Die Mittagspause nutze ich, um einzukaufen. Der Gatte braucht Melonennachschub.

Ich mache Schnäppchen und fühle mich wie eine gute Hausfrau.

Blumen und ein LTB für mich. 

Endlich frühstücken ... Morgens kam eine Sandkastenfreundin vorbei, um mich einfach mal zu drücken, und vor lauter Gedrücke schaffte ich nicht mein Frühstück. Die Aprikosen sind übrigens regional aus dem Alten Land.

Eines der vor vier Wochen bestellten Bücher wird geliefert.

Wäsche abnehmen.

Wassermelonennachschub für den Gatten.

Der Gatte liegt seit über drei Wochen im Krankenhaus, und wie jeden Tag bin ich etwa acht Stunden bei ihm, unterbrochen von einer Mittagspause.

Endlich wieder beim Gatten!

Wie jeden Tag bleibe ich, bis der Gatte zu Abend aß - mindestens. Meisten gehe ich erst gegen 20 Uhr wieder nach Hause.

Blich aus dem aktuellen Krankenzimmer auf die Baustelle des Krankenhauses.

Der Hoptimist möchte nach Hause, das ohne den Gatten so schrecklich leer ist.

Die Spülmaschine wird aktuell selten voll, aber heute lief sie tatsächlich mal wieder.

Kaum ausgeräumt, wird die Spülmaschine auch schon wieder eingeräumt.

Am kommenden Tag hole ich Essen vom Schlachter und stelle schon mal die Rebowls bereit, damit ich die nicht vergesse.

Ich habe es endlich geschafft, die perfekte TK-Pizza zu backen!

Ich bin aktuell so fertig, dass ich keine Socken stricken kann. Ein Schal in glatt rechts geht gerade so.

Das Kuschelrudel will vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.

Der Blick zurück in die ersten fünf Corona-Jahre: Am 28. Juli 2020 war der Gatte noch gesund und mit der Haushaltsauflösung seiner Mutter beschäftigt. Zwei Tage später wurde ihr Haus an die Käufer übergeben. Zwei Jahre später ist er mit der Haushaltsauflösung meiner Mutter beschäftigt. Am 28. Juli 2021 war der Gatte schon krank, beschäftigte mich ein ominöser Tumor-Verdacht (der sich ein Vierteljahr später zum Glück nicht bestätigte, da die gefunden Tumore gutartig sind). Am 28. Juli 2022 machte ich erste Erfahrungen mit der Ölheizung, zog meine Mutter aus der Kurzzeitpflege in die stationäre Pflege um, hatten wir noch die Hoffnung, dass sie im Pflegeheim heimisch wird und sich dort wohlfühlt. Am 28. Juli 2023 lebten wir seit einem Jahr auf einer Baustelle, pendelten zwischen Haus und Wohnung. Am 28. Juli 2024 waren wir umgezogen, war unsere Küche fertig, dachten wir, wir könnten endlich im alt-neuen Haus ankommen. Ein Jahr später würde unser Leben mal wieder auf den Kopf gestellt. / *Affiliate link