Freitag, 5. April 2024

#WMDEDGT 04/24: Oktober in Deutschland

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Die Nacht war wie gewohnt von Unterbrechungen geprägt. Nun, ich schlief in der Nacht davor fabelhafte vier Stunden am Stück, das muss wieder für ein paar Wochen reichen. Ich hoffe, dass ich mit dem Wechsel des Lungenarztes mein CPAP-Gerät gegen eine Protrusionsschiene ersetzen kann, aber das wird noch dauern, denn vorher stehen noch einige Untersuchungen an. In den letzten Monaten komme ich immer schlechter mit dem CPAP-Gerät zurecht, ist es mit ein Grund für meine Schlafstörungen. Es macht so viel Lärm, dass ich davon aufwache, dass es auch immer öfter den Gatten in die Flucht schlägt.

Heute ist Freitag, was bedeutet, dass ich vor dem ersten Kaffee das Haus aufklare, denn die Putzfrau kommt. Normalerweise räume ich schon donnerstagsnachmittags auf, aber gestern war ich so erschöpft, dass ich während der Teezeit auf dem Sofa einschlief. Das passiert momentan öfter. Die vergangenen zehn Monate fordern ihren Tribut. 

Bei der Müll-Entsorgung stelle ich erfreut fest, dass die Altpapiertonne endlich mal nicht überläuft. Bis zur Leerung kommende Woche kann ich also noch ein paar Kartonage entsorgen. Beim Aufräumen finde ich Post, die der Gatte hilfsbereit aus dem Briefkasten nahm, dann aber irgendwo hinlegte und vergaß. Okay, nun ist zumindest geklärt, warum Rechnungen nicht ankamen, Mahnungen kamen. Ich bin kurz verärgert, weiß aber, der Gatte kann nichts dafür, da Auswirkungen seiner Erkrankungen. Letzten Donnerstag bastelte ich einen Post-Sammelkorb und hoffe, der löst das Problem.

Um halb acht ist das Haus soweit aufgeklart, dass die Putzfrau einigermaßen arbeiten kann. Der Gatte ist auch wach, und ich habe Zeit für einen Schluck Kaffee. Unsere Putzfrau ist da, verbreitet wie immer Optimismus und gute Laune, lässt sich auch vom grummeligen Gatten nicht beeindrucken, und geht gewohnt gründlich ans Werk. Ich bin heilfroh, dass ich sie habe, vor allem angesichts unseres Umzugschaos'. 

Ich beginne mit der Arbeit im Heimbüro, sorge zwischendurch dafür, dass der Gatte frühstückt und pünktlich zum Diabetologen kommt. Im Büro ist einiges zu tun, das sich aber zum Glück schnell erledigen lässt, so dass es insgesamt ein ruhiger Arbeitstag ist. Gemessen am Verhalten einiger Leute muss gerade wieder Vollmond sein, zumindest in einigen Hirnen. 

Der Gatte nutzt die regenfreie Zeit nach seinem Arzttermin, um etwas zu bummeln, und kommt mit guten Nachrichten nach Hause: Vier Monate nach Arztwechsel ist sein Langzeitzuckerwert im Diabetiker-Normbereich! Der Wert hat sich halbiert! Das gelang dem bisherigen Diabetologen in 20 Jahren nicht. Der Gatte nahm zudem ab - kein Wunder, muss er doch nicht mehr ständig Kohlenhydrate und Flüssig-Dextrose in sich hinein stopfen, um den entgleisenden Zucker aufzufangen. Der Gatte merkt gelegentlich, dass es ihm besser geht, zum Beispiel daran, dass er zumindest in der linken Hand schon wieder mehr Kraft und Gefühl hat. Hoffen wir, dass es weiter ein bisschen bergauf geht. 

Zum Feierabend erreicht mich die Nachricht, dass auf die Synagoge in Oldenburg ein Anschlag verübt wurde. Gott sei Dank bewies ein Nachbar Courage, wurden die Flammen schnell gelöscht, gab es nur Sachschaden. Aber die Botschaft ist eindeutig. 


Nachmittags zum Optiker, in den Betrieb, in dem eine Mitschülerin vor 40 Jahren ihre Ausbildung machte, als eine der ersten Azubis. Später zog sie nach Hamburg, machte lange Zeit meine Brillen, bis wir den Kontakt verloren. Dass wir unsere Brillen bei diesem Optiker machen lassen, wenn wir umgezogen sind, war schnell klar. Der Gatte zog vor, ließ sich dort schon eine Arbeitsplatzbrille machen. Nun bekomme ich eine Alltagsbrille. Ich bin überrascht von der Sorgfältigkeit der Optikerin. Noch nie machte eine Optikerin eine Anamnese oder einen Netzhautscan! Es ist wie beim Augenarzt, nur gründlicher. Der Termin dauerte über zwei Stunden, und ich war auch verblüfft, mit wie viel Spaß das Team zusammenarbeitet. Jetzt bin ich gespannt auf die neue Brille. In zwei Wochen ist sie fertig. Der Netzhautscan zeigte leider, was ich schon ahnte: Der Graue Star schreitet langsam fort. Erstmal sehe ich ihn. Der Augenarzt zeigte mir bislang keine Aufnahmen. 

Als ich mit Kuchen nach Hause komme, ist der Tee fertig. Wieder schlafen wir auf dem Sofa ein ...

Als wir aufwachen, ist es Zeit, das Abendessen zuzubereiten. Der Gatte kümmert sich derweil um den Kamin. Abendessen, dann Sofa, fernsehen, Kamin gucken und stricken. Zu spät ins Bett und vor dem Einschlafen noch etwas lesen*. Morgen beginnt nach 20 Monaten das erste Wochenende, an dem wir nicht pendeln müssen.

Der Blick zurück in die ersten vier Corona-Jahre: Am 5. April 2020 beschäftigten uns die unterschiedlichen Corona-Regeln, eröffneten wir die Balkon-Saison. Dieses Jahr wird der Balkon nicht bepflanzt, denn wir sind ja kaum in Hamburg. Am 5. April 2021 war der Gatte schon krank und versuchte, wieder gesund zu werden. Am 5. April 2022 bastelte ich eine Osterkarte. Am 5. April 2023 war ich von der Gesamtsituation erschöpft, hofften wir auf einen Umzug spätestens im Herbst. 

#pmdd2024: Der 28. März 2024

An jedem 28. eines Monats ist Picture my Day-Day, kurz pmdd. Ich finde, das ist ein schönes Tagebilderbuch. Mitmachen ist einfach: Fotos vom Tag machen, bloggen oder mit #pmdd2024 auf Twitter oder Instagram einstellen. Gesammelt wird alles auf dieser Seite.

Parkplätze sind abgesperrt für den Sperrmüll, und nachdem bei unserem Umzug die Parkverbotszone missachtet wurde, Nachbarn abgeschleppt wurden, halten sich diesmal alle daran.

Was von der Wohnung übrig blieb ... Wir kommen knapp mit 16m³ Sperrmüll aus. Das ist die Höchstgrenze.

Der Morgen startet hektisch, deswegen gibt's da noch keine Bilder. Wir haben die letzte Nacht in der Wohnung, in der wir zwanzig Jahre lebten, verbracht. Die Nacht war unruhig, dem Gatten ging's nicht gut. Wir sind beide gerädert. Um sieben kommen die Gärtner, um unseren Garten umzuziehen. Um kurz vor acht traben die Mitarbeiterinnen des Vermieters, der Hausmeister und jede Menge Handwerker an. Letztere sollen Kostenvoranschläge für die Sanierung machen. Wir flüchten uns auf den Balkon. Die Mitarbeiterin des Vermieters ist gewohnt zickig, und der Hausmeister gibt uns die Schuld für den Müll im Kellereingang und vor den Tonnen. Das wird auch nach der Schlüsselübergabe noch reichlich Stress geben. 

Warten und lesen*, fast drei Stunden lang.

Nachdem die Meute aus der Wohnung verschwand, heißt es Warten auf den Sperrmüll. Der Gatte nutzt die Zeit, um Geraffel ins Lager zu fahren.

Mit der Müllabfuhr kommt die Sonne.

Nachdem der Sperrmüll da war, packen wir beide Autos voll und machen uns auf den Weg nach Hause.

Was ich nicht vermissen werde: Den Stau auf der Zufahrtsstraße zur A7 und den Stau auf der A7.

Das Karlchen ist voll, aber jetzt lade ich erstmal nur das Notwendigste aus, denn es regnet in Strömen.

Zu Hause!

Auf der anderen Elbseite dauerregnet es, so dass wir keine Lust haben, die Autos auszuräumen. Stattdessen fallen wir erschöpft auf's Sofa, bis die Gärtner an die Terrassentür klopfen: Der Garten wäre dann jetzt auch da. Leider sind die Hochbeete so marode, dass sie nur von Spanngurten gehalten werden. Da muss der Gärtner doch jetzt schon neue bauen, nicht erst im Herbst. 

Füße hoch und - nein, nicht stricken, sondern Bindfäden flechten.

Dekadenz: Während die Gärtner den Garten in den Garten schleppen, haben wir Teezeit (die Gärtner wollten weder Tee noch Teilchen).

Der mobile Teil des Hamburger Gartens zog um. Am liebsten hätte ich auch noch alle Blumenzwiebel ausgegraben ... 

Dafür habe ich Bindfäden geflochten: Im Treppenhaus hängt ein Korb, um die Post zu sammeln. Die fliegt nämlich überall rum, was mich nervt.

Als ich nach Hause kam, stellte ich gleich die Spülmaschine an. Jetzt ist sie fertig und wartet darauf, dass der Gatte sie ausräumt.

Der Rest des Tages ist dann wirklich ruhig. Wir sind erschöpft, spüren jeden Muskel. Morgen muss ich nochmal nach Hamburg, die restlichen Sachen aus der Wohnung holen, fegen und wischen. Ich mag nicht mehr, aber Sonntag können wir das Kapitel ja schließen (weitgehend, denn es wird noch Stress mit dem Vermieter geben, weil wir ein paar Deckenlampen nicht entfernten). 

Jetzt aber: Füße hoch und stricken, zumindest für ein paar Minuten.

Der Gatte machte vorgestern einen Nudelauflauf, den wir heute nur noch aufwärmen müssen.

Joa, passt.

Erstaunlich, wie viele Schritte zusammen kommen, wenn man zwischen Keller, Wohnung und Auto hin und her läuft.

Auch das geschah am einem 28. März, und es gibt Leute, die wollen, dass es wieder passiert. 

Endlich zum Kuschel-Rudel ins Bett fallen. Vorm Einschlafen wird noch gelesen*.

Der Blick zurück in die ersten vier Corona-Jahre. Am 28. März 2020 war der Gatte noch gesund, fanden wir uns langsam in den Corona-Alltag ein. Schwiegermutter lebte noch in ihrem Haus, weswegen der Gatte sonntags bei ihr aß und ich etwas kochen konnte, was er nicht mag: Rhabarber-Auflauf. Am 28. März 2021 der Gatte schon krank, hatten wir aber noch Hoffnung, dass er wieder gesund wird, versuchte er gerade wieder, nach Krankenhaus und längerer Krankschreibung, zu arbeiten. Am 28. März 2022 hatte ich einen anstrengenden Arbeitstag und freute mich über das fertiggestellte neue Schlafzimmer. Wir ahnten nicht, dass wir binnen Zwei-Jahresfrist umziehen würden. Am 28. März 2023 pendelten wir schon ein Dreivierteljahr zwischen Wohnung und Haus und mochten schon lange nicht mehr. Der Gatte war nach seinem Schlaganfall zum ersten Mal wieder alleine im Haus. / *Affiliate links 

Montag, 1. April 2024

Ausgelesen: Bücher im März 2024

Pause beim Bäcker, natürlich mit Buch.
Nachdem sich der tolino im Februar so zickig anstellte, wechselte ich wieder zum Kindle. Der läuft einfach stabil. Ich verstehe nicht, warum tolino das nicht auch schafft. Es nimmt mir einfach den Spaß an dem Gerät. Ich traue mich auch nicht, eBooks für den tolino zu kaufen, aus Angst, sie dann nicht öffnen zu können.

In den März ging ich mit  "Sinnentaumel*" von Ines Ebert*. Der historische Krimi spielt im Allgäu im Jahr 1745. In einer malerisch gelegenen Badwirtschaft bei Leutkirch findet sich eine illustre Gesellschaft zu einer Trink- und Badekur einfindet. Die Idylle wird jäh gestört, als Wirt Franz Graf bei einem seiner morgendlichen Kontrollgänge im Ufergebüsch eines Weihers die aufrecht im Wasser stehende Leiche der jungen Theresie Baumann entdeckt. Ein bedauerlicher Unfall? Die Kurgäste ergehen sich aufgeregt in wilden Spekulationen und gegenseitigen Verdächtigungen. Sie vermuten ein Verbrechen. Und tatsächlich: Bereits zwei Tage später ereilt den Nächsten aus ihren Reihen der Tod. 

"Hinterland*" ist der erste Band der bislang dreibändigen Reihe um die Hamburger Ex-Kommissarin Bette Hansen, geschrieben von Nora Luttmer*. Eine Muschel mit einem Kreuz, eingeritzt in ein Holzscheit in ihrem Garten im dörflichen Hamburger Stadtteil Ochsenwerder an der Elbe alarmiert die ehemalige Kommissarin Bette Hansen. Das Zeichen hat sie schon einmal gesehen. Auf einem Hochstand, von dem aus ein Unternehmensberater und seine Trainerin beim Bogenschießen regelrecht hingerichtet wurden. Die Wut, mit der der Täter vorgegangen sein muss, hat selbst der erfahrenen Ermittlerin einen Schreck versetzt. Der Muschelmörder war Bettes letzter Fall. Bis heute ist er ungelöst. Sie musste den Job aufgeben, da sie an unkontrollierbaren Schlafattacken leidet, die sie auch im Dienst überfielen. Von ihrer Krankheit weiß auch der Täter, der nun immer engere Kreise um sie zieht. Ausgesprochen spannend! Ich freue mich auf den dritten Band, "Schwarzacker*".

"Tot im Eis*" ist der sechste Band der "Pech und Schwäfel"-Reihe vom Autorenkollektiv Robin Fuchs*. Della DeLorain, die angesagte Kölner Influencerin, kommt nach Niederteerbach und verspricht PR-Glanz für den neuen Spa-Tempel. Alle schauen gebannt auf den Live-Stream, als die schöne Online-Diva die hochmoderne Eisbox betritt. Ebenso live sind alle dabei, als Della plötzlich als schockgefrostete Eisskulptur ihr tragisches Ende findet. Die tödliche Show ist kaum vorüber, da ist Maike schon am Tatort und stellt fest: die Box wurde manipuliert! Und Zoe Schwäfels Obduktion bringt noch mehr Ungereimtheiten ans Licht. Die Befragungen zeigen, dass das einflussreiche Videosternchen nicht gerade beliebt war. Ihre Mitarbeiter wirken über ihr frühes Ableben nicht wirklich betrübt, und dann erhielt Della auch noch regelmäßig Drohbriefe. Solide Kost mit Flüchtigkeitsfehlern, macht Lust auf eine Fortsetzung. 

Die Serie um "Krimi-Minnie" wurde mir schon öfter auf dem Kindle angezeigt, aber ich war skeptisch, weil mich der Titel zu sehr an den Schlager "Ohne Krimi geht die Mimi ..." erinnerte, mit dem ich oft genervt wurde. "Mords-Trara*", der erste Band der Reihe von Monika Nebl* ist ganz nett, aber in eine Reihe mit Rita Falk* würde ich die Autorin dann doch nicht stellen. Die Charaktere sind okay, die Handlung auch, das Buch macht Lust, Wasserburg am Inn zu besuchen, aber insgesamt war mir alles doch zu bemüht. Bislang sind drei Bände erschienen. Ärgerlich war gelegentlich das mangelde Korrektorat, das dass-das-Fehler übersah.

Auch die bislang sechsbändige Reihe "Die Tannentaler Tanten ermitteln*" von Hanni Faller* wurde mir öfter auf dem Kindle angezeigt, und diesmal lud ich sie herunter. Protagonistinnen sind die junge Kaffeehausbesitzerin Emma Kirsch und die mysteriösen älteren Damen Lucy und Phil, die eines Tages in ihrem Café im fiktiven Schwarzwaldstädtchen Bad Killingen stehen und um Hilfe bitte. Schnell löst das Trio zahlreiche Verbrechen auf. Ich las mich ziemlich schnell durch alle sechs Bände, beginnend mit "Die Tannentaler Tanten und die Sache mit dem Todesfeuer*". Das letzte Kapitel ist immer das erste Kapitel des nächsten Buches, und so gleiten die Bände ineinander über. Die Charaktere sind nett, die Fälle manchmal etwas verworren, aber spannend. Ärgerlich ist die mangelnde Rechtschreibung - "Streusel" mit "ä", "Wikinger" oder "TikTok" mit "ck", "schubsen" mal mit "p" und mal mit "b" usw. An falschen Personalpronomen oder Dativ-Genetiv-Verwechslungen störe ich mich ja schon nicht mehr. Ein Korrektorat wäre nett gewesen - bei manchen Fehlern hätte schon eine einfache Rechtschreibprüfung geholfen. Dass "Moin" die typische Grußformel im Schwarzwald ist, würde ich auch bezweifeln, aber Hanni Faller ist ja ein laut Biographie "ein echtes Schwarzwälder Kind" und würde sich hier bestimmt nicht irren. 

Die Reihe ist ein Schnellschuss, fünf Bände entstanden alleine im letzten Jahr! Dass die Reihe ein Schnellschuss ohne großartige Recherche, ohne Korrektorat ist, zeigt sich auch an der Umschreibung für Pejes, "Juden mit geringelten Koteletten", im fünften Band "... und die Sache mit den Kellerleichen*". Später ist dann von Juden mit "Korkenzieherlocken" die Rede. Zuerst dachte ich, dass immerhin die Dauer der Nazi-Herrschaft korrekt angegeben, die führenden Nazis korrekt zugeordnet wurden - ich bin manchmal schon für kleine Dinge dankbar - aber dann war die Machtübernahme der Nazis plötzlich am 30. Januar 1937, die Befreiung acht Jahre später am 30. Januar 1945.  

Bei Band sechs, "... und die Sache mit dem Jägerkiller*", ist das zwanzigste Kapitel wieder das erste des nächsten Buchs, das zwar noch nicht angekündigt ist, aber da Faller bislang alle zweieinhalb Monate einen neuen Band veröffentlichte, dürfte es im Mai erscheinen. 

Momentan brauche ich seichte Kost, und da kam mir die Reihe vom die Bäckerin Holly Holmes* von K.E. O'Connor ganz recht. Außerdem ist ein Corgi auf dem Cover. Da kann ich nicht widerstehen. Holmes arbeitet in der Küche von Audley Castle und ist mit den Schlossbewohnern per Du. Obwohl es eine Security gibt, löst Holmes die diversen Mordfälle, die sich in den bislang vier Bänden ereignen. Band fünf, "Mord und Blaubeerkuchen*", erscheint im Mai. Nett ist, dass es am Ende ein Rezept gibt. 

Ansonsten fand ich die Reihe so schlecht übersetzt, dass ich erstaunt war, dass die Bücher nicht von einem Babelfish übersetzt wurden. Angesichts von Übersetzungen wie "Zitronenschwamm" für Lemon Sponge Cake, "Kutschen" für coaches, "neapolitanischer Red Velvet Kuchen" für Neapolitan Cake oder "selbststeigendes Mehl" für self-raising flour fragte ich mich irgendwann, was die Übersetzerinnen wohl beruflich machen. Immerhin wurde dates korrekt übersetzt, je nach Zusammenhang mit "Datteln" oder "Verabredung". Die Titel des britischen Adels sind auch nicht so ganz nachvollziehbar. So werden die Töchter von Lord und Lady Audley als Prinzessinnen betitelt, aber dieser Titel steht nur Angehörigen des Königshauses zu. Ihre Töchter trügen den Titel Lady oder The Honourable. Schlampig korrigiert wurde auch. So wechselt ein Mordopfer schon mal den Namen von Pete zu Bete, fehlen Buchstaben oder gleich ganze Wörter, werden die Herrenhäuser verwechselt, ist seitenweise unklar, ob Holly zum Einkaufen in einen Laden geschickt wird oder Lebensmittel aus dem Vorratslager holen soll. Aber egal. Die Reihe liest sich gut weg, und wie gesagt, ich brauche momentan seichte Kost.

"Die Engelmacherin von St. Pauli*" von Kathrin Hanke* ist solide Koste aus der Reihe "Wahre Verbrechen" im Gmeiner-Verlag. Während ich beim Lektorat / Korrektorat von O'Connor häufig die Augen rollte, stirnrunzelte ich hier nur über "Wasserraten" statt Wasserratten, der falschen Benamsung einer Figur (Fräulein Fuß wird plötzlich zu Fräulein Lux) und dem Umstand, dass nur in einem Falle eine unverheiratete Frau mit "Fräulein" angeredet wird - zu Beginn des letzten Jahrhunderts war das ja noch die gebräuchliche Anrede, nicht "Frau".

In den April gehe ich mit einer Krimi-Reihe um die Kripobeamte Mandy Hanke und Thomas Huber*, die in Pfarrkirchen in Niederbayern spielt. Autoren sind Hans Weber* und Armin Ruland*. Im ersten Band, "Ausgetrabt*", lernt der Niederbayer seine aus Thüringen versetzte Kollegin kennen; im dritten Band, "Ausgewildert*", lernt er sie nach vielen Verwicklungen lieben. Der vierte Band, "Ausgeläutet*", erscheint im April. 

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Samstag, 30. März 2024

Samstagsplausch KW 13/24: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCXI

Unsere Sperrmüll-Abfuhr
sorgt für gesperrte Parkplätze.
Diese Woche lösten sich einige Knoten. 

Der Schornsteinfeger nahm unseren Kaminofen ab - ohne jegliche Änderung! Ich muss also kein Regal versetzen, keine Paneele entfernen, und wir brauchen auch keine Trittstufen zum Schornstein, da baulich schlichtweg nicht möglich ohne Umbau des Dachgeschosses. Ich muss also nicht weiter nach einem Dachdecker suchen. Der erste Kaminbauer, den wir hier hatten, stellte diese Anforderungen, unser Schornsteinfeger äußerte sich im Vorgespräch widersprüchlich, so dass ich irgendwann einfach nicht mehr wusste, was Sache ist und beschloss, es drauf ankommen zu lassen. Aktuell ist nur eine standfeste Trittleiter mit 170 cm Länge gefordert, uns das werden wir bis zur nächsten Kontrolle hoffentlich schaffen. Auch wurden zurecht die fehlenden Feuermelder bemängelt - die liegen seit über einem Jahr irgendwo im Haus, schafften es aber noch nicht an die Decken ... Mal gucken, wann sie sich wo auffinden.

Der Schornsteinfeger befand, der Ofen sei "ein schönes Stück", was uns wunderte, denn er ist schlicht und einfach - wir haben uns an den Modellen orientiert, die uns in dänischen Ferienhäusern gefielen: Schlicht, mit Fenster und mit einem Fach für Bratäpfel ... Auch vom neuen Brenner der Ölheizung war er sehr angetan. Der alte Brenner hatte schon sehr gute Wette, aber diese erreicht das Optimum. Da haben wir wohl mit dem Kaminbauer und dem Heizungsbauer einen guten Griff getan. 

Der Kaminofen ist inzwischen eingebrannt, hat ordentlich Zug, so dass wir das alte Schamottrohr nutzen können, keines aus Edelstahl maßfertigen lassen müssen. Wie sehr er das Haus heizt und eine Alternative zur Ölheizung ist, wird sich zeigen. Obwohl wir uns schon für einen kleinen Ofen entschieden, ist er laut Schornsteinfeger zu groß, was bedeutet, dass wir die Wohnzimmertür entweder leicht geöffnet oder ein paar Zentimeter absägen lassen müssen. Ich war heilfroh, dass ich mich gegen die Austausch der Fenster entschied, denn dass die etwas undicht sind, ist jetzt ein Vorteil. Auf Anforderung des Gatten muss ich jetzt Türkordeln in Dackelform häkeln ... 

Unser Gärtner transportierte auf den letzten Drücker unseren Garten aus dem Wohnung ins Haus. Dabei zeigte sich, dass die Hochbeete so marode sind, dass sie nur mittels Spanngurten zusammengehalten werden. Es machte keinen Sinn, sie im Garten aufzubauen. Stattdessen erhält der Gärtner kommende Woche den Auftrag, neue Hochbeete zu bauen. Das sollte eigentlich erst im Herbst passieren.

In den letzten anderthalb Jahren, in denen ich mich nicht um den Garten kümmerte, hat er sich so schön entwickelt, dass es mir jetzt wehtat, ihn nicht mehr zu sehen: Der Bärlauch hat sich auf der gesamten Rasenfläche ausgewildert (alles riecht nach Knoblauch), die Osterglocken haben sich rund um die Terrasse ausgewildert. Am liebsten hätte ich alles ausgegraben ... Zum Glück fiel mir noch auf, dass der Liebstöckel in einem der Balkonkästen wiederkam, und den grub ich schnell noch mit einem Esslöffel aus. Der Garten im alt-neuen Haus wird sicher auch schön. Irgendwann. Der kleine Apfelbaum treibt schon aus, eine Beruhigung. Ich muss daran denken, rechtzeitig Fallen für den Apfelwickler zu besorgen und aufzuhängen. Hoffentlich berappelt sich der alte Apfelbaum auch wieder. Er schmollt, nachdem er letztes Jahr zwei Mal kräftig zurückgeschnitten wurde. 

Die Sperrmüllabfuhr kam und befand, dass, was abzutransportieren ist, wären genau 16 m³. Was für eine Erleichterung! Wir befürchteten nämlich, dass wir darüber liegen und wussten nicht, was wir dann machen. Mein Plan B war, dann nur die Großteile abtransportieren zu lassen und den Kleinkram Donnerstag in Rekordzeit zum Recyclinghof zu bringen, damit die Wohnung bis morgen leer wird. Zum Glück tat das nicht not. Die Sperrmüll-Truppe war wieder großartig, kein Vergleich zum hiesigen Entsorger. Der junge Vorarbeiter hatte seinen zweiten Tag in dieser Position und war gehörig nervös. Der Rest der Crew war angetan davon, dass ich die einzelnen Holzleisten, von denen wir Massen hatten, schon bündelte, soweit die ebenfalls zu entsorgenden Mülleimer, Wäschesammler und Hackenporsche reichten. Da das nicht Standard ist, hatten sie auch Big Bags mit. Im Keller beschlossen sie, der Teppich und ein Spiegel wären auch Sperrmüll, ließen aber die Wohnzimmertüren stehen - zum Glück. Der Spiegel gehört eigentlich auch in die Wohnung; ich hoffe einfach er wird nicht vermisst (aber die Mitarbeiterin des Vermieters hat ohnehin keinen Plan von der ursprünglichen Ausstattung der Wohnung).  

Die Mitarbeiterin unseres Vermieters war bei der Wohnungsübergabe wieder gewohnt zickig. Wir sind wirklich froh, dass wir diesen Vermieter los sind. Sie zickte, weil ich nicht sofort auf ihre Mail vom Vortag antwortete (ich sah die Mail erst abends), weil der Sperrmüll noch nicht abgefahren war (sie wusste, dass es zwischen 6:30 Uhr und 14 Uhr passieren würde, bestand aber auf einen Übergabetermin um 8 Uhr), weil Müll im Kellerflur steht, der natürlich von uns ist (klar, wir haben einen Schlitten und einen Fahrradanhänger für Kinder) usw. Die Vermüllung der Anlage ist schon seit 2016 ein Problem, aber seit November, als wir die ersten Auszugsaktivitäten zeigten, sind ausschließlich wir dafür verantwortlich. Ja, nee, is klaa. 

Zum Glück ging der Dame von selbst auf, dass wir noch bis 31. März Miete zahlen und solange auch noch die Wohnung nutzen dürfen. Strenggenommen hätte die Übergabe sogar erst am 2. April erfolgen müssen, weil der 31. März ein Sonntag und der 1. April ein Feiertag ist. Stress wird es noch geben, weil wir u.a. nicht alle Deckenleuchten abbauten, und sicher wird die Dame auch noch mehr finden, was wir versäumten. Wir haben uns schon damit abgefunden, dass wir die Kaution nicht zurückbekommen und sind gespannt, wieviel wir draufzahlen müssen. Ich habe jedenfalls keine Kraft mehr für eine Auseinandersetzung. Es ist reine Schikane, dass sie u.a. auf die Entfernung der Deckenleuchten besteht, denn die Wohnung wird kernsaniert, es wird alles herausgerissen. Trotzdem verlangte sie bei der Vorübergabe noch, dass wir renovieren! Das konnte ich ihr ausreden, denn wir übernahmen die Wohnung vor 20 Jahren unrenoviert und sanierten sie auf eigene Kosten. Den Zustand des Gartens wird sie auch bemängeln - nicht, dass sich in den letzten Jahren jemand um die Grünanlage gekümmert hätte.

Immerhin gab's keinen Stress beim Ablesen der Heizung, denn in einem Zimmer fehlt ein Verdunsterröhrchen. Da wurde der Heizkörper erneuert, das Anbringen des Röhrchens aber vergessen. Nun werden die Heizkosten ohnehin gewürfelt, da das Ablesen per Funk in der Anlage nicht funktioniert. Das ist auch der Grund, warum unser Heizungsverbrauch in den letzten zwei Jahren kontinuierlich stieg, obwohl wir kaum in der Wohnung waren. Das diskutierte ich im Sommer mit dem Vermieter aus, als er mir den exorbitanten Verbrauch mit plötzlichen Nachtfrösten erklären wollte - im August. Sollten wir bei der Heizung nachzahlen müssen, schalte ich einen Anwalt ein.  

Mittwoch und Donnerstag machten wir noch zig Fahrten ins Lager und zum Recyclinghof (für das, was der Sperrmüll nicht mitnimmt). Gestern fuhr ich nochmal in die Wohnung, um die letzten Sachen zu holen und durchzuwischen. Morgen hole ich noch einen Sessel und einen Curver und lasse den Schlüssel in der Wohnung. Ein komisches Gefühl. 

Während wir die Autos beluden, fanden sich irgendwie nochmal alle netten Nachbarn zum Plausch ein - und die weniger netten auch. Es zeigte sich wieder mal, wer alles Interesse an unserer Wohnung hatte - sicher nur Zufall, dass es samt und sonders die Eltern der Brüll- und Bolz-Blagen sind, deren Kinder uns seit 2016 terrorisieren (und komischerweise nur uns, denn es gibt insgesamt vier Erdgeschosswohnungen, darunter eine mit häufigen Mieterwechsel, aber die ist uninteressant, da sehr dunkel). Da werden sich einige ärgern, dass sie nicht in unsere Wohnung wechseln können, weil sich der Vermieter dagegen entschied.

Ich will unter das Kapitel "Wohnung" nur noch einen Schlussstrich ziehen und zur Ruhe kommen. Gleichzeitig bin ich gespannt, welche neue Katastrophe Herausforderung nun diese Lücke ausfüllen wird. Nein, ich habe keine Angststörung. Ich habe Erfahrung. Und die Erfahrung zeigt mir, dass alles, was geschehen kann, geschieht. Fraglich ist nur, wann und in welcher Reihenfolge. Kurz: Ich glaube einfach nicht, dass es ruhiger wird, so sehr ich es mir auch wünschte. 

Hier gilt seit mittlerweile 211 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall. Er ist schwerbehindert und berufsunfähig verrentet. Es geht uns dennoch  vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus, wenngleich die Erkrankungen und der Schlaganfall des Gatten zu Wesensveränderungen führten, die ein Zusammenleben manchmal sehr schwer machen. 

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Schwiegermutter und Handwerker. Ich bin dankbar, dass Corona bislang Gatten, Schwiegermutter und Tante verschonte und hoffe sehr, das bleibt so.

Ich kann kaum glauben, dass die fast zwei Jahre des Pendelns jetzt endlich vorbei sein sollen, dass wir in der alt-neuen Heimat ankommen, zur Ruhe kommen können. Mal schauen, wie das wird. 

Eigentlich wollte ich das lange Wochenende dazu nutzen, schon mal die ersten Artikel online zu stellen, die wir verkaufen können, all die Fehlkäufe der letzten zwei Jahre. Mein Desktop-PC zickt aber hartnäckig, so dass ich erstmal jemanden finden muss, der das in Ordnung bringt. Vom Klapprechner aus ist mir vieles zu fummelig. Jetzt muss ich noch länger damit zurechtkommen, dass viel für uns unnützes Zeug im Weg steht.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.


Samstag, 23. März 2024

Samstagsplausch KW 12/24: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCX

Für unsere Verhältnisse war es eine ruhige Woche. Ich hatte sogar zum ersten Mal seit Reha-Ende wieder einen freien Nachmittag. Den nutzte ich zum Schlafen ... 

Diese Woche wurde der Kaminofen montiert. Das ging ratzfatz. Komplizierter war die Demontage des alten Kohleofens. Den haben die Ofenbauer zwar mit viel Mühe von der Wand bekommen, aber sie bekommen ihn nicht aus dem Keller, weil die Kellertreppe zu schmal für die Sackkarre ist. Jetzt suchen sie starke Männer, um den Ofen mit Muskelkraft aus dem Keller zu bekommen. Mal gucken, ob der lokale Schrotthändler eine Lösung hat. Das Haus wird ja kaum um den Kohleofen herum gebaut worden sein. Beim Kohleofen hätten wir nicht damit gerechnet, dass der nicht aus dem Haus zu bekommen ist, eher beim Öltank und der Ölheizung, falls die mal raus müssen. Kommende Woche kommt der Schornsteinfeger, um zu gucken, was noch geändert werden muss, bevor der Kaminofen in Betrieb genommen werden kann, und dann muss ich mal sehen, wann ich die Umsetzung der erforderlichen Änderungen schaffe. Ziemlich sicher muss das Regal mit meinen Kochbüchern durch ein schmaleres ersetzt werden, weil es zu dicht am Schornstein steht, muss mindestens ein Holzpaneel entfernt werden. Ich hatte das vorm Einzug nicht gemacht, weil unklar war, wann der Kamin kommt, und ich schlichtweg den Überblick verlor, welcher Kaminbauer bzw. Schornsteinfeger welche Änderungen verlangte.  

Ich nahm Abschied von der Lungenarztpraxis, bei der ich über 25 Jahre in Behandlung war. Damals machte sich der Arzt gerade selbstständig, arbeitete noch an den Wochenenden, um z.B. bei Akut-Patienten nachzufragen, wie es ihnen geht. Dann wurde daraus ein MVZ mit mehreren Ärzten, eine GmbH, Ausbildungspraxis für die Uniklinik, wurde alles etwas unpersönlicher. Aber ohne unseren Umzug hätte ich nicht gewechselt. Wie alles, was in diesen Tagen zu Ende geht, ist es ein merkwürdiges Gefühl. In zwei Wochen bin ich beim neuen Lungenarzt.

Ganz spontan haben eine Blogfreundin und ich beschlossen, im September über ein langes Wochenende zum Strickfestival nach Fanø zu fahren! Ein Ferienhaus ist gebucht, und vielleicht kommen noch zwei weitere Frauen mit. Das wird bestimmt toll! Der Gatte schmollt ein wenig, weil er nicht mit darf, aber er würde sich dort nur langweilen und ich hätte keine ruhige Minute, weil ich permanent im Kümmermodus wäre, sich alles nach ihm richten muss. Er dachte, er ist tagsüber am Strand oder unterwegs und wartet abends mit gekochtem Essen und Kaminfeuer auf uns - eine liebe Idee, aber wir haben ja Programm und wollen fremdessen. Die vielen Eindrücke und Leute würden ihn auch überfordern. Und schlussendlich sind ein paar Tage nur für mich ja auch therapeutisch verordnete umgesetzte Selbstfürsorge. Für mich werden die Tage auch anstrengend. Ich muss gucken, dass ich mir nicht zu viel vornehme, denn auch mich überfordern die vielen Eindrücke und Leute. Aber ich kann mich jederzeit in mein Zimmer im Ferienhaus zurückziehen. Eigentlich ist es der Gatte gewohnt, dass ich immer mal alleine wegfahre, weswegen ich überrascht war, dass es diesmal ein Problem für ihn ist.

Aktuell überlege ich, ob ich Mitte Juni einen Wochenend-Crashkurs Dänisch mache, was bedeutet, zwei Tage lang jeweils 6 Zeitstunden Unterricht zu haben. Ob ich das durchhalte? Ein paar Fahrminuten entfernt wohnt ein ehemaliger Kollege, der zufällig auch Dänisch unterrichtet und mir unabhängig vom Wochenkurs Privatstunden gäbe, wenn ich das möchte. Ich muss mal schauen, ob mein Hirn schon wieder fit genug dafür ist.  

Ich habe Konzertkarten für ein Stefan-Gwildis-Konzert gekauft und spontan beschlossen, die Freundin, die mitkommt, einzuladen. Sie hat vorher Geburtstag, und ehe ich mir lange Gedanken über ein Geburtstagsgeschenk mache, ist das besser, dachte ich. In unserem Alter hat man ja prinzipiell alles. 

Im Büro ist viel zu tun, und es fällt mir aktuell schwer, zu Hause zu arbeiten. Ich mache viele Flüchtigkeitsfehler. Der Gatte hat sehr viel Betreuungsbedarf, so dass ich selten in Ruhe telefonieren oder konzentriert arbeiten kann. Wenn er Mitte April mit den Arztterminen, bei denen er Begleitung braucht, durch ist, schaue ich mal, ob ich nicht wieder drei Tage ins Echtbüro gehe. Das Pendeln und die Zwölf- bis Vierzehn-Stunden-Tage strengen mich zwar sehr an - aktuell fallen viele Züge aus, die, die fahren, sind oft verspätetet, es gibt zudem Schienenersatzverkehr - aber im Büro kann ich gerade effektiver arbeiten. Wie sehr mich andererseits die Arbeit im Echtbüro anstrengt, sehe ich an meinem Kalorienbedarf. Er ist an den beiden Echtbüro-Tagen etwa 600 Kalorien höher als an den anderen fünf Tagen ... Ich kann es nicht ändern, nur versuchen, an den anderen fünf Tagen auszugleichen, denn ich muss ja noch 66 Kilo abnehmen, um den ärztlich gewünschten BMI von 18 zu erreichen. Ich bezweifle allerdings, dass ich das in diesem Leben noch schaffe.

Noch zwei Mal werden wir in der Wohnung übernachten, dann ist das Kapitel Hamburg Geschichte. Die Fahrten fallen mir immer schwerer, zumal wir wegen der Ferien aktuell auch immer lange im Stau stehen. Dieses Wochenende müssen wir den Keller so sortieren, dass klar ist, was zum Sperrmüll soll und was ins Lager. Auch, weil der Gatte diese Woche mal wieder erkältet war, blieb mehr an mir hängen, als ich dachte. Ich muss da sehr fokussiert sein, damit Arbeiten auch zu Ende geführt werden, denn der Gatte fängt an allen Enden an, schließt aber nichts ab. Im Haus ist es genau so. Kommenden Monat werde ich mal sichten, was noch gemacht werden muss, und mich um Handwerker kümmern. Das passt zwar dem Gatten nicht, aber einige Arbeiten ruhen seit anderthalb Jahren, und mir fehlen Kraft oder Know-How oder beides, um das zu Ende zu bringen, was der Gatte anfing. Sein einziges Interesse gilt seiner geplanten Modellbahn. Er hat Angst, dass er seine geplante Anlage nicht fertigstellen kann, weil ihm gesundheitlich die Kraft fehlt. Er befürchtet, dass ihm keine Zeit mehr bleibt, und angesichts seines Gesundheitszustandes ist das eine durchaus realistische Einschätzung. 

Ich hingegen habe keine Kraft mehr darüber zu diskutieren, warum er dünnste Kabel für die Modellbahn verlegen kann, aber keine fingerdicken für Internet oder Fernsehen, warum er winzigste Schrauben verarbeiten kann, aber keinen Badezimmerschrank montieren kann usw. Damit das Elend ein Ende hat, suche ich jetzt Handwerker. Ich möchte endlich nach einem Jahr einen Spiegelschrank und Licht im Badezimmer haben. Gleichzeitig echauffiert sich der Gatte über all das, was ich noch nicht erledigte. Irgendwie muss er seinen Frust über sich selbst ja kompensieren. Jedenfalls ist mein Ziel, bis Jahresende ein bewohnbares Haus zu haben. Mal gucken, ob ich das schaffe.

Der Gatte ist sehr geknickt, dass ich darauf bestehe, dass aktuell nichts mehr ins Haus kommt, sondern alles ins Lager geht, denn er möchte, dass das Lager aufgelöst wird. Das möchte ich auch, aber im Haus ist einfach kein Platz mehr für weitere Umzugskartons oder Regal-Elemente. Ich muss das Lager auch so sortieren, dass alles passt, was noch in der Wohnung ist, denn langsam quillt das Lager über. Letztes Wochenende führte es wieder zu Diskussionen, dass ich nichts mehr ins Haus mitnehmen möchte, aber dass ich im Recht war, merkte ich, als die Ofenbauer kamen und ich mal eben ein halbes Dutzend Umzugskartons wegzaubern musste, damit sie Platz zum Arbeiten haben. An so etwas denkt der Gatte nicht, Folge seiner Erkrankung, und eine Hilfe war er auch nicht, denn in solchen Situationen fällt er aus. Letztes Wochenende habe ich nicht nur Sachen ins Lager gefahren, sondern auch tonnenschwere Kartons zum Recyclinghof bzw. Beistellsäcke zu den Mülltonnen gehievt.

Wir sind vorsichtig optimistisch, dass der Diabetes des Gatten langsam eingestellt ist - nach über 20 Jahren! Es gibt wesentlich seltener Alarme wegen Unterzuckers, wir können nachts ruhiger schlafen. Wenn der Zucker mal einen kritischen Wert erreicht, lässt er sich ziemlich schnell wieder einfangen, anders als vor einigen Wochen noch. Das ist eine große Erleichterung! Der Arztwechsel hat sich anscheinend gelohnt. Der Verdacht auf diabetische Gastroparese scheint sich mit einer Medikamentenumstellung auch erledigt zu haben. 

Ich habe endlich begriffen, wie Gum-Gum-Socken gestrickt werden - das heißt, ich vermute, dass ich es begriffen habe. Das Ergebnis sieht aus wie schlichte Ringelsocken. Mal gucken, wie es wird, wenn ich mit mehr als zwei Farben stricke. 

Hier gilt seit mittlerweile 210 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall. Er ist schwerbehindert und berufsunfähig verrentet. Es geht uns dennoch  vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus, wenngleich die Erkrankungen und der Schlaganfall des Gatten zu Wesensveränderungen führten, die ein Zusammenleben manchmal sehr schwer machen. 

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Schwiegermutter und Handwerker. Ich bin dankbar, dass Corona bislang Gatten, Schwiegermutter und Tante verschonte und hoffe sehr, das bleibt so.  

Schwiegermutter und Tante geht's gut. Tante muss kommenden Monat allerdings ins Krankenhaus. Sie braucht eine Magenspiegelung, die in ihrem hohen Alter nicht mehr ambulant gemacht wird. 

Im Klapsenklub, der wöchentlichen Therapiegruppe, musste ich über's Maskentragen und den Luftfilter diskutieren. Luftfilter filtern nur Bakterien, und Wissenschaft beruht nur auf Annahmen. Ja, nee, is klaa. Wir haben's voll vergeigt. Dass die Person, die diese Diskussion startete, auf einem Friedhof arbeitet, ist sicher Zufall. Zum Glück muss ich über solchen Blödsinn nicht mit der Therapeutin diskutieren. Das wäre ein Grund, die Gruppe zu verlassen. 

Dieses Wochenende ist Purim, normalerweise ein fröhliches Fest. Da sich aber noch immer 130 Männer, Frauen und Kinder in Geiselhaft befinden, seit inzwischen 24 Wochen, wird es kein fröhliches Fest. Es fehlt nach wie vor der internationale Druck auf die Hamas, die Geiseln freizulassen und damit auch das Leiden der Zivilbevölkerung in Gaza zu beenden. Die Täter-Opfer-Umkehr ist immer wieder erschreckend und faszinierend. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.