Sonntag, 15. Februar 2026

Samstagsplausch KW 07/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCIX

Dass der Februar durch den Tod des Gatten ein schwerer Monat würde, war mir schnell klar. Im Februar vor 26 Jahren haben wir uns offiziell verlobt - inoffiziell, nur für uns sagten wir schon ein Vierteljahr früher Ja zu einander, ganz kurz nach unserem Kennenlernen. Im Februar vor 24 Jahren heirateten wir. Im Februar ist Valentinstag. Alle drei Tage zelebrierte der Gatte liebevollst mit Blumen, Geschenken, Essenseinladungen. Da wir vor 24 Jahren aus beruflichen Gründen keine Hochzeitsreise machen konnten, uns gerade mal für ein langes Wochenende frei nehmen konnten, fuhren wir jedes Jahr über unseren Hochzeitstag weg, wenigstens für ein langes Wochenende. Damit hörten wir erst 2023 auf, nachdem der Gatte einen Schlaganfall hatte und wir mit dem alt-neuen Haus beschäftigt waren.

Der Abendhimmel auf dem Friedhof kann Drama.

Ich bin froh, dass ich gestern und letzten Sonntag lieben Besuch hatte, um mir die schweren Februarwochen etwas zu erleichtern, mich auch zum Friedhof zu begleiten und mit mir zu weinen. Blumen, Schnobkram und selbstgebackenen Kürbisstuten brachte der Besuch auch noch mit!

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 309. 

Die DRV meldete sich endlich zum Antrag auf Hinterbliebenen-Rente. Der Antrag ist also nach gut einem Vierteljahr in Bearbeitung. Es fehlen zwei Formulare. Eines verschlampte die DRV, das zweite ging zwei Mal bei der Krankenkasse, die es ausfüllen muss, verloren. Kommende Woche habe ich einen Termin bei der Krankenkasse, um das Formular in meinem Beisein ausfüllen zu lassen. Bei dem anderen hoffe ich, dass der DRV eine Kopie reicht, sonst muss ich meinen Arbeitgeber nochmal damit behelligen. 

Ich schlafe seit bummelig zwei Wochen etwas besser, was heißt, dass ich mehr Energie für meinen Alltag habe. Das führte dazu, dass ich es inzwischen schaffte, alle Versicherungen vom Tode des Gatten zu unterrichten und einige Mitgliedschaften zu kündigen. Mal gucken, wann das alles abgewickelt ist. Das hängt auch maßgeblich davon ab, wann ich den Erbschein bekomme. Ich hoffe, das klappt noch in diesem Jahr.

An der Tür zu meinem Arbeitszimmer hängt jetzt eine Pinnwand mit vielen Zetteln der Vorgänge, die ich im Auge behalten muss, und die Vorgänge liegen hübsch sortiert auf der Bettseite des Gatten - da ist einfach am meisten Platz. Ich versuche, jeden Tag ein paar Minuten die Unmengen von CDs, Videospielen und Büchern des Gatten zu sichten für das nächste Momox-Paket. Das kostet unwahrscheinlich viel Kraft. Für die Großbaustellen Keller und Dachboden ist erst recht keine Kraft da. Auch wenn ich besser schlafe, bin ich doch immer noch froh über jeden Tag, an dem ich es schaffe, aufzustehen. 

Im Büro ist viel zu tun, ich muss alles an Kraft und Konzentration aufbringen, was ich finden kann. Die neue Chefin (Chefin I, wir haben jetzt zwei Chefinnen) ist sehr bemüht und fürsorglich. Als sie hörte, dass meine Kollegin und ich arge Technik-Probleme mit unserem CMS haben, kam sie sofort, um sich das CMS samt technischer Tücken demonstrieren zu lassen. Das ist neu! Ergebnis: Wir kümmern uns um ein neues CMS! So schnell fallen bei uns selten Entscheidungen. Außerdem befand Chefin I, ich könne unmöglich mit dem alten Monitor arbeiten, an dem ich arbeite, sondern bräuchte zwei große Bildschirme, um meine Augen zu entlasten. Mit so viel Fürsorge kann ich nur schlecht umgehen. 

Ich versuche, mich auf die bevorstehende Kopenhagen-Reise zu freuen. Im Moment überwiegt das Gefühl, das wird endlos anstrengend. Deswegen fahre ich auch nicht über unseren Hochzeitstag weg - die Kraft fehlt. Eine Wien-Reise ist im Gespräch, worüber ich mich freue, aber auch hier überwiegt aktuell die Sorge, dass die Kraft nicht reichen könnte. Von der angedachten Jordanien-Reise rede ich gar nicht erst. Richtig in die Urlaubsplanung starten kann ich ohnehin erst, wenn ich weiß, wann meine Reha beginnt (falls überhaupt) und wie langfristig meine Finanzen aussehen werden.

Diese Woche musste ich auch zur zweijährlichen Brustkrebsvorsorge. Durch den Umzug kam ich etwas aus dem Takt, musste dem Termin hinterher telefonieren. Dafür fand das Screening jetzt in der Kleinstadt statt, konnte ich ganz kommod zu Fuß gehen und danach noch einen Teil des Wocheneinkaufs erledigen. Hier findet das Screening nicht in einem riesigen Zentrum statt, sondern kuschelig in einem Bus, wo ich zusammen mit fünf anderen Frauen wartete. Wir bekamen alles voneinander mit - Datenschutz wird überschätzt. Ich bin gespannt auf das Mammographie-Ergebnis, lebe ich doch seit April 2021 mit einer Krebs-Diagnose, ohne zu wissen, wo in meinem Körper dieses Biest schlummert.

Schwiegermutter versinkt immer schneller in der Demenz. Aktuell werde ich zwischen ihr und Tante aufgerieben. Tante möchte ja, dass ich mich um ihren Nachlass kümmere, wenn Schwiegermutter dazu nicht mehr in der Lage sein sollte. Das bekam diese ominöse Hilfe mit, die sich mit ihrem Mann um Tante kümmert. Und diese ominöse Hilfe realisierte auch erst jetzt, dass ich Weihnachten dafür sorgte, dass sie nicht als erstes in Tantes Wohnung darf, sobald Tante stirbt. Der Plan dieser Hilfe ist nämlich, sich alle Wertsachen unter den Nagel zu reißen, und das sagt sie auch ganz unverblümt. Weihnachten sorgte ich dafür, dass Schwiegermutter und ich erst den Nachlass sichten, bevor diese Hilfe etwas verkaufen und das Haus ausräumen kann. Das ist mit der Dame auch so in ihrem Beisein abgesprochen, aber sie realisierte das erst jetzt. Ich vermute, dass sie zumindest die Bankkonten leerräumen wird, bis wir da sind. Jetzt will diese Person sich nicht mehr um Tante kümmern, und die ist verzweifelt, weil sie Hilfe braucht. Man könnte eine andere Lösung finden als diese Dame, aber das will Tante nicht.

Jedenfalls habe ich abwechselnd Schwiegermutter und Tante am Telefon. Schwiegermutter unterstellt Tante bösartig zu sein, nur mir gegenüber freundlich zu tun. Ich habe Tante in den letzten 26 Jahren nie anders als lieb und freundlich kennengelernt, was auch dem Empfinden des Gatten entspricht, der sie ja 64 Jahre lang kannte. Sie war ihm immer lieber als seine eigene Mutter. Insofern traue ich eher dem Gatten und mir. Ich weiß, wie bösartig und hinterhältig Schwiegermutter sein kann, auch bei klarem Verstand.

Bei Schwiegermutter kommt jetzt noch eine fürchterliche Weinerlichkeit hinzu, weil sie Angst hat, mich zu verlieren. Ich kenne das von meiner Mutter, grenze mich ab, aber das kostet unwahrscheinlich viel Kraft. Ich hatte gehofft, ich könnte den Tod des Gatten in Ruhe verarbeiten und langsam so etwas wie ein eigenes Leben entwickeln, aber nicht mir dieser Schwiegermutter, die versucht, sich an mich zu klammern. 

Seit heute scheint zumindest bei Tante ein wenig Ruhe eingekehrt zu sein. Ich führte ein längeres Telefonat mit ihr, die dieser Dame ausredete, einen Anwalt einzuschalten, um gegen Schwiegermutter und mich vorzugehen, und besprach mit ihr, wie sie diese Dame notfalls loswerden kann. Tante hat ja einen Pflegedienst, und die Aufgaben, die diese ominöse Hilfe für sie erledigt, kann auch eine Haushaltshilfe vom Pflegedienst übernehmen - gegen Bezahlung, aber ihre komische Hilfe arbeitet ja auch nicht umsonst, sondern zockt Tante kräftig ab. Ich sagte Tante zu, dass ich mich kümmern werde, wenn ihre komische Hilfe tatsächlich abspringt, notfalls gerne ein paar Tage zu ihr fahre, um vor Ort alles zu regeln, und hoffe, das beruhigt sie etwas. 

Aktuell geht es Tante zwar nicht gut, aber generell ist sie quietschfidel. Dass diese Hilfe permanent in Tantes Beisein darüber redet, was sie mit Tantes Sachen macht, wenn sie erst mal tot ist, finde ich, gelinde gesagt, geschmack- und anstandslos. Sie hat sogar auf einige Dinge schon Aufkleber mit ihrem Namen geklebt! Wenn ich könnte, wie ich wollte, hätte ich Weihnachten schon sehr deutliche Worte gefunden. Aber ich mache natürlich nichts, was Tante schadet. 

Zum Glück ruft Schwiegermutter ausschließlich über das Taschentelefon an, und das ist die meiste Zeit über stumm. So kann ich wenigstens entscheiden, wann ich zurückrufe. Schwiegermutter redet inzwischen so wirr, dass ich Mühe habe, ihr zu folgen. Ich bin gespannt, wie lange das noch gut geht. Noch ist keine Demenz diagnostiziert, gilt Schwiegermutter nur als speziell - und das ist sie schon ihr ganzes Leben ... 

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Freitag, 13. Februar 2026

#12von12 im Februar 2026

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt wie jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür! Hier kommen meine Februar-Bilder. 

#1: Schnuffi und ich halten nichts vom Aufstehen bei Dunkelheit. Es will gefühlt morgens einfach nicht früher hell werden, und das Dauergrau hebt auch nicht gerade die Laune.

#2: Dem Gatten guten Morgen sagen.

#3: Lifestyle-Teilzeit leben und langsam in den Arbeitstag starten mit Strickzeug, Milchkaffee und Marmeladenbrot.

#4: Nach dem Krebs gucken. Ich habe seit April 2021 eine Krebs-Diagnose, weiß aber nicht, wo im Körper sich das Biest versteckt.

#5: Erste Frühlingsboten zwischen dem Streusand.

#6: Letzten Mittwoch bestellte ich einen Hasen-Leuchter für den Gatten. Heute konnte ich ihn abholen. Ich hoffe, er gefällt ihm.

#7: Bunte Blumen gegen das Dauergrau.

#8: Mittagspause mit Granola nach einem Rezept aus Shermins neuem Kochbuch*.

#9: Ich halte die Wolldiät bis auf eine Ausnahme eisern ein.

#10: Auf zum Stricktreffen. Jedes Mal, wenn ich die Münzen für den Teilnahmebeitrag suche, muss ich daran denken, wie der Gatte mir im Sommer drei Euro aus seiner Kleingeldsammlung gab und verschmitzt lächelnd meinte, ich solle mir einen schönen Abend machen. Das war ein Vierteljahr vor seinem Tod.

#11: Vor dem Stricktreffen war ich noch schnell einkaufen. Es glitzert, und es zeigt Minnie Mouse - das Brillen-Etui musste einfach mit!

#12: Vor dem Einschlafen noch etwas lesen*. Schnuffi fehlt im Bild. Er hält immer noch Aussicht nach seinem Herrchen, das am 16. Oktober 2025 zum letzten Mal durch die Schlafzimmertür ging. Schnuffi denkt noch immer, dass sein Herrchen doch irgendwann wieder zurückkommen muss. 

Der obligatorische Rückblick in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 12. Februar 2020 beschäftigen mich meine Wechseljahrsprobleme, stand eine OP an. Fünf Jahre später bin ich immer noch mit den Wechseljahren beschäftigt. Am 12. Februar 2021 machte ich meinen ersten Corona-Test. Am 12. Februar 2022 waren die Tests schon Routine ... Dabei hoffte ich so sehr, spätestens mit der Impfung würden wir diese Moppelkotze los. Am 12. Februar 2023 war ich vom Pendeln erschöpft, arbeitete noch an der Nesteldecke für meine inzwischen verstorbene Mutter. Die Decke ist inzwischen aufgeribbelt und wurde zu Socken und Mützen. Am 12. Februar 2024 war ich in der Reha. Am 12. Februar 2025 war der Gatte guter Dinge, hatte er doch zwei schwere OPs und einen Krankenhaus-Keim überstanden. Er wusste nicht, dass noch sechs schwere OPs, diverse Infektionen mit Bakterien, Keimen und letztlich tödlichen Pilzen auf ihn warteten und er nur noch acht Monate zu leben hatte. / *Affiliate links

Sonntag, 8. Februar 2026

Samstagsplausch KW 06/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCVIII

Aktuell lebe ich in einer Warteschleife. Dass mich parallel die Trauer lähmt, ist eine doofe Kombination und willkommene Ausrede, antriebs- und energielos zu sein.

Ich warte auf den Entscheid zum Reha-Antrag, der endlich gestellt ist und von meiner Hausärztin mit Dringlichkeit weitergeleitet wurde. Ich hoffe, dass ich wieder nach Aukrug oder Bad Segeberg komme, wobei Aukrug mein Favorit ist. Beide Kliniken kenne ich, bei beiden ist die Ostsee-Familie in der Nähe. 

Solange der Reha-Antrag nicht entscheiden ist, kann ich keinen Urlaub planen oder berufliche Projekte terminieren. Beruflich spränge natürlich meine Kollegin ein, aber sie schulterte das Projekt schon im letzten Jahr überwiegend alleine. Sie würde das klaglos auch nochmal machen, nur wenn sie es nicht muss, ist sie auch nicht böse.

Ich warte auf die Entscheidung, ob ich Hinterbliebenen-Rente bekomme. Davon hängt ab, ob ich mir weiterhin trotz Lifestyle-Teilzeit solchen überflüssigen Luxus wie Lebensmittel, Freizeit, Kleidung und Urlaub leisten kann.  Aktuell zahle ich das aus Rücklagen. Die sind aber eigentlich dazu bestimmt, das Haus fertigzustellen. Da ich nicht weiß, wie sich meine finanzielle Lage entwickelt, kann ich momentan auch keine Handwerker beauftragen. Das Haus zu verkaufen und in eine Mietwohnung zu ziehen, ist aus diversen Gründen keine Option. 

Ich richte mich sicherheitshalber darauf ein, mir einen Zweitjob oder eine Vollzeitstelle zu suchen, wobei ich aktuell nicht fit genug bin, mich in neue Arbeitsfelder einzuarbeiten, und meine Chefinnen mich ungern gehen ließen. Aber meine Stelle ist nur auf 75% angelegt, kann nicht ohne Weiteres in eine 100%-Stelle umgewandelt werden. Das ginge nur, wenn jemand anderes aus dem Team 25% weniger arbeiten möchte und mir diese Anteile zugeschlagen werden. Ansonsten gibt es aktuell bei uns in der Abteilung keine freien Stellenanteile. Auch wenn die Christus-Dachte-Umgekehrt-Partei mangels Sachverstands etwas anderes behauptet: Man kann nicht überall beliebig von Voll- in Teilzeit oder zurück wechseln. 

Ich warte auf den Erbschein. Solange der nicht vorliegt, kann ich mich um einige Sachen des Gatten nicht kümmern, von denen auch die Entwicklung meiner finanziellen Situation abhängt. Der Erbschein ist seit November beantragt, und ich hoffe, dass er schon im Laufe dieses Jahres ausgestellt wird.

Ich warte auf das Ende des Winters. Eis und Schnee und grauer Himmel kosten mich extrem viel Kraft, die ich ohnehin aktuell nicht habe. Sie liefern andererseits aber auch einen willkommenen Grund, das Haus nicht zu verlassen ... Seit ein paar Tagen zwitschern morgens immerhin schon wieder die Vögel. Ich habe die Hoffnung, dass mit dem Frühling vielleicht auch etwas Energie zurückkommt.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 308.

Hier kommen noch immer Krankenhaus-Rechnungen für den Gatten an, was jedes Mal Wunden neu aufreißt. Diese Woche kamen Rechnungen aus dem Juni. Fehlen noch die Monate Juli bis September.

Schwiegermutters sonntägliche Anrufe lasse ich aktuell ins Leere laufen, was einfach ist, da sie sich weigert, mich auf dem Festnetz anzurufen und das Taschentelefon meistens stummgeschaltet ist. Ich habe keine Lust, ihr Sonntagsclown zu sein. Sie erklärte mir im letzten Telefonat, die Sonntage seien für sie von klein auf unerträglich, weil sie da nicht im Mittelpunkt stand. Die Eltern zogen sich zurück, das Kindermädchen hatte frei, die Freundinnen waren bei ihren Familien ... Tragisch, aber nicht mein Problem. Ich sehe nicht ein, ihrem Wunsch nachzukommen und jeden Sonntag zu ihr zu fahren. Mich verletzt zudem nachhaltig, dass Schwiegermutter befand, das Grab des Gatten, ihres Sohnes, ginge sie nichts an, damit habe sie nichts zu tun. 

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Freitag, 6. Februar 2026

#WMDEDGT 2/26: Grau in Grau II

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln! 

Ich werde gegen vier Uhr kurz wach, schlafe aber schnell wieder ein bis zum Weckerklingeln um sechs Uhr, heißt: Ich habe die dritte Nacht in Folge quasi durchgeschlafen! Scheint, die diversen Tabletten machen endlich, was sie sollen. 

Ich beschließe, langsam in den Tag zu starten. Schließlich arbeite ich in Lifestyle-Teilzeit, seitdem der Gatte starb. Eigentlich arbeitete ich auch vorher schon in Lifestyle-Teilzeit, weil ich ganz egoistisch mehr Zeit für meine Hobbies haben wollte, aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr Vollzeit arbeiten wollte, deswegen von Voll- in Teilzeit ging. Dass ich die Teilzeit nutzen würde, um erst meine Mutter und dann meinen Mann zu pflegen, war nicht geplant. 

Wenn ich schon in Lifestyle-Teilzeit arbeite, will ich das auch genießen, zumindest heute früh - ich habe ohnehin reichlich Überstunden. Also frühstücke ich in Ruhe, kette Mütze Nummer sieben ab, vernähe die Fäden, gebe zwei Euro für die fertige Mütze ins Wollsparglas und nadle Mütze Nummer acht an, bevor ich ins Arbeitszimmer gehe und den dienstlichen Klapprechner anwerfe. 

Die Arbeit gestaltet sich zäh, geht langsam voran, weil das CMS hakt und zickt. Okay, ich habe ohnehin die Anweisung, langsamer zu arbeiten. Nun werde ich zur Entschleunigung gezwungen. Um nicht ewig auf einen Bildschirm voller Fehlermeldungen zu starren, beschließe ich, nebenbei die Betten neu zu beziehen. In Etappen werde ich damit tatsächlich bis zum Feierabend fertig. Und damit sich die Lifestyle-Teilzeit auch richtig lohnt, mache ich eine Stunde früher Feierabend in der Hoffnung, dass sich das zickige CMS bis zum nächsten Tag beruhigt. 

Ein bisschen Hausarbeit, soweit die Kraft reicht. Die reicht meistens nur dafür, im Sessel zu sitzen und zu stricken. Immerhin schaffe ich es, ein wenig aufzuräumen, Holz zu holen und den Kaminofen zu säubern, ein paar Sachen für Momox oder Flohmarkt herauszusuchen und abends eine warme Mahlzeit zuzubereiten. Ich bin stolz, weil ich es schaffe, zu Fertigsauce und Fertiggemüse eine frische Paprika zu schnibbeln - und das Vorratsregal ist wieder ein bisschen leerer. Ich bestelle zwei Hasen - als würde der Gatte noch leben. Der liebte Hasen. Das Haus ist voller Hasen (okay, das Haus ist voll mit allem, aber die Hasen werden bleiben dürfen). 

Eigentlich müsste ich die Stube besuchsfein machen, denn am Wochenende hat sich Besuch angesagt, aber mir fehlt die Kraft. Vermutlich werde ich das Sonnabend in letzter Minute machen, parallel zum Kuchenbacken. Und wenn dann der Esstisch kuchenfein gedeckt ist, entscheiden wir uns, zum Bäcker oder in eine Lokalität zu gehen, wird der Kuchen eingefroren ... Egal, Hauptsache, ich bin auf alles eingestellt.

Dennoch sitze ich die meiste Zeit rum und stricke. Mütze Nummer acht wird abends bis auf 18 Reihen fertig sein. Ich überlege kurz, sie schnell noch fertig zu stricken, bin aber vernünftig und gehe ins Bett, da sehr müde und erschöpft. Vor dem Einschlafen wird natürlich noch etwas gelesen*. Dass die Konzentration dafür reicht, ist vermutlich ein gutes Zeichen.

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 5. Februar 2020 erfasste uns langsam die Coronahysterie in Form von vergriffenen Desinfektionsmittel, ging ich noch davon aus, dass mein Mammutprojekt noch ein paar Monate analog bleibt. Am 5. Februar 2021 gab's schon einen Impfstoff gegen Corona, hatten wir noch die Hoffnung, dass der Gatte gesund wird. Am 5. Februar 2022 wussten wir schon, dass der Gatte nicht mehr gesund wird, waren noch immer mit der Schlafzimmerrenovierung beschäftigt. Am 5. Februar 2023 lebte meine Mutter schon ein halbes Jahr im Pflegeheim, versank immer mehr in Aggression und Wut und nahm langsam vom Leben Abschied. Am 5. Februar 2024 war ich zur Reha. Am 5. Februar 2025 lief der Gatte zum ersten Mal dem Tod davon: In der Nacht, in der er auf die Intensivstation kam, holte der Tod seinen Zimmernachbarn. Der Gatte machte auch zum ersten Mal Bekanntschaft mit der mangelnden Hygiene im hiesigen Krankenhaus, denn er musste nach einer Routine-OP auf die Intensiv-Station, weil er sich einen Krankenhauskeim einfing. Im Oktober 2025 sollte er an einer Candidozyma auris-Infektion sterben, die er sich im Krankenhaus zuzog. / *Affiliate links

Sonntag, 1. Februar 2026

Samstagsplausch KW 05/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCVII

Nachdem ich einen Tag schlichtweg nicht wach wurde, einfach nicht die Augen aufbekam und erst mittags einigermaßen funktionsfähig war, hatte ich zwei Tage, an denen ich gut funktionierte und konzentriert arbeiten konnte. Leider dauerte dieser Zustand eben nur zwei Tage an, schleppe ich mich wieder übermüdet und ohne Konzentration irgendwie durch den Tag. Aber an den beiden Tagen, an denen ich gut funktionierte, arbeitete ich sehr effektiv, schaffte im Büro einiges weg. Da beginnt jetzt die heiße Phase, und zudem wird bei meinem Projekt einiges umstrukturiert, müssen Entscheidungen getroffen werden für die kommenden Jahre. Da sollte ich bei einigermaßen klarem Verstand sein, und das genau fällt mir ja schwer.

Diese Woche hatte ich zwei sehr trubelige Tage im Echtbüro, und ich überlege, ob ich meine Bürotage tausche oder wieder öfter ins Echtbüro fahre. Vielleicht tut mir das gut. Noch kämpfe ich aber damit, dass es morgens noch dunkel ist, wenn ich aus dem Haus muss. Nachmittags merke ich inzwischen, dass es länger hell ist, musste schon öfter die Zeitschaltuhr anpassen. Ich mag ja nicht in ein dunkles, leeres, stilles Haus kommen. Die Zeitschaltuhr sorgt dafür, dass es im Esszimmer hell ist, wenn ich nach Hause komme. Gegen Stille und Leere hilft sie nicht.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 307.

Ich bin immer noch am liebsten für mich alleine und pflege meine Depression, auch wenn ich weiß, dass das kein Zustand ist. Manchmal kommt ein My von Aktivismus durch, aber der Moment ist meistens schnell wieder vorbei. Dementsprechend verbrachte ich das Wochenende auch wieder strickend im Relax-Sessel. Eigentlich wollte ich heute ins Kino und danach zum Gatten, aber mir fehlt jegliche Kraft.

Kassensturz im Wollsparglas: Im Januar erstrickte ich stolze 33 Euro!

Heute habe ich Kassensturz im Wollsparglas gemacht und stolze 33 Euro für Januar gezählt! Meine Depression ist echt produktiv. Ich bin gespannt, wie viel es am Ende dieses Monats wird. 

Ich habe mich nach langem Überlegen entschlossen, bei der Innocent-Aktion "Das große Stricken" mitzumachen. Gezögert habe ich, weil ich die Idee zwar lustig, aber wenig nachhaltig finde, denn ich vermute, nach dem Kauf werden die Mützchen einfach weggeworfen. Ich habe aber so viele kleine Wollreste, mit denen ich nichts anfangen kann, so dass ich dann doch anfing, Mützchen zu stricken. Ja, ich weiß, ich kann kleine Wollmengen als Füllwatte verwenden, aber ich habe mehr Füllwatte als ich in absehbarer Zeit brauche und will in dem übervollen Haus nicht anfangen, auch noch kleine Wollreste zu sammeln für den Fall, dass ich irgendwann mal Unmengen an Füllwatte brauche. Für ein Mützchen brauche ich übrigens knapp fünf Gramm Wolle. Inzwischen sind sieben Stück fertig. Mal gucken, ob es noch mehr werden. Mein Fokus liegt ja nach wie vor auf Mützen für die Lübecker Seemannsmission. Da sind inzwischen dreizehn fertig. 

Die Mutter einer Freundin wurde beerdigt, und die einer anderen kam gerade zum Sterben nach Hause. Ich merke, dass ich mit der Trauer der anderen noch weniger umgehen kann als mit meiner eigenen. Das ist untypisch für mich. Es wird Zeit, dass die Brut der Freundinnen für Enkel sorgt, dass es wieder neues Leben gibt, aber die Brut ist enkelfaul. Bislang ist nur eine Freundin Großmutter. 

Gestern war der erste Schabbat seit 2014 (sic!) ohne israelische Geiseln in Gaza. Nach 843 Tagen kehrte nun auch die letzte Geisel Ran Gvili nach Hause. Der 24jährige wurde am 7. Oktobers 2023 von der Hamas ermordet. Die Uhr am Tel Aviver Platz der Geiseln abgestellt, die die Zeit zwischen dem Hamas-Überfall und der Rückkehr aller Geiseln zählte, wurde abgestellt. Ich habe inzwischen die gelben Schleifen von meinen Seiten entfernt.

Angesichts des Winters bin ich einmal mehr froh, dass wir eine neue Haustür haben und den Windfang behielten. Ansonsten hätten wir im Hausflur nur knapp zweistellige Temperaturen. Wenn der Winter vorbei ist und ich wieder ein wenig Kraft habe, muss ich mich um die Fenster kümmern, denn es zieht wie Hechtsuppe. Ich werde es erstmal mit neuen Dichtungen versuchen.

Eigentlich hatte ich diese Woche einen Termin bei der örtlichen Rentenberaterin zur Kontenklärung, aber sie wurde krank. Ich muss kommende Woche mal nachhaken, ob sie schon wieder da ist. Ich brauche ihre Hilfe auch bei der Witwenrente, denn die Krankenkasse verschlampte ein Formular. So ist noch immer noch klar, ob ich Witwenrente bekomme und wenn ja, in welcher Höhe. 

Vor einem Jahr begann es dem Gatten immer schlechter zu gehen, so dass mir aktuell jedes WMDEDGT, #12von12 und #PMDD sehr weg tut. Dem Gatten ging es ja schon seit Oktober 2020 gesundheitlich kontinuierlich schlechter, und am 12. Oktober 2020 schrieb ich hier zum ersten Mal darüber. Auch wenn die Erinnerungen schmerzen, habe ich das Gefühl, die drei Reihen helfen mir. Ansonsten habe ich ja jederzeit die Möglichkeit, damit aufzuhören. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse

Freitag, 30. Januar 2026

#pmdd2026: Der 28. Januar 2026

An jedem 28. eines Monats ist Picture my Day-Day, kurz pmdd. Ich finde, das ist ein schönes Tagebilderbuch, auch wenn es mich momentan traurig macht, denn ich erlebe die letzten zehn Monate mit dem Gatten gerade sehr bewusst durch die Beiträge für WMDEDGT, #12von12 und #pmdd.

Der erste Blick nach dem Aufstehen gilt dem Fahrplan. Die Anzeige stimmt selten, aber zumindest die Ausfälle werden zuverlässig angezeigt.

Gleich nach dem Aufstehen setzt sich Schnuffi in Position, um auf sein Herrchen zu warten. Er muss doch irgendwann mal wieder durch die Tür hinein kommen, durch die er Mitte Oktober hinaus ging. 

Schnell dem Gatten guten Morgen sagen, bevor ich mich auf den Weg zum Bahnhof mache.

Für Bahnverhältnisse ist der Zug pünktlich, vor allem angesichts des Wetters.

Ich habe einen Sitzplatz und kann lesen*.

Mitmachen beim pmdd ist einfach: Fotos vom Tag machen, bloggen oder mit #pmdd2026 auf Bluesky, Facebook oder Instagram einstellen. Gesammelt wird alles auf dieser Seite.

Schon fast im Büro. Ich muss daran denken, wie ich den Gatten oft nach Feierabend von der Arbeit abholte (oder er mich), um über die Weihnachtsmärkte zu bummeln. Er liebte die weihnachtlich beleuchtete Innenstadt.

Büro-Frühstück. In der Dose liegen ein Toastie nach einem Rezept aus Shermins neuem Kochbuch*, ein Ingwer-Shot, von dem meine Kolleginnen überzeugt sind, dass ich ihn brauche, ein Schoko-Riegel und darunter Studentenfutter, nach dem ich gerade süchtig bin.

Mittagspausen-Selfie.

Heute darf ich mal wieder basteln.

Heute ist Mittwoch, ich muss ins Echt-Büro. Das ist immer schwer, denn jedes Mal denke ich daran, wie der Gatte früher in der Tür stand, um mich zu verabschieden und mir hinterher zu winken und wie er spätnachmittags mit Tee und Kuchen (und bei diesem Wetter auch mit Kaminfeuer) auf mich wartete. Nun ist das Haus still, dunkel und leer, fehlt ihm jegliches Leben.

Endlich wieder zu Hause.

Dem Gatten guten Abend sagen.

Reicht dann auch für heute. Eine Freundin schafft jeden Tag zwischen 20.000 und 30.000 Schritte - daran werde ich nie kommen.

Ich versuche, einige Rituale, die der Gatte und ich hatten, weiterzupflegen. So gibt es erstmal eine Tasse Tee, wenn ich nach Hause komme. Kuchen fällt aus. Dafür ist es heute schon zu spät. 

Angesichts des Wetters habe ich keine Lust, mit dem Auto einkaufen zu fahren, und ändere den Wochenplan so, dass ich alles fußläufig bekomme, der Hackenporsche reicht.

Seit gestern sind endlich alle israelischen Geiseln wieder zu Hause. Die Uhr, die seit dem Hamas-Überfall am 7. Oktober 2023 auf dem Platz der Geiseln in Tel Aviv läuft, wird abgestellt.

Das heutige Abendessen kommt über Too good to go, denn mir fehlt jegliche Kraft zum Kochen. Das Restaurant verpackte die Tortellini Formaggio sehr appetitlich. Leider bekam ich sie nicht so schön auf den Teller ... 

Schnuffi sitzt noch immer in Position und wartet auf die Rückkehr seines Herrchens. 

Vor dem Einschlafen wird noch etwas gelesen*.

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Einen Tag vorm 28. Januar 2020 war der erste deutsche Corona-Fall bekannt geworden, dachte ich noch, mein Mammutprojekt könne wie geplant analog umgesetzt werden, war der Gatte noch gesund. Die beiden Pullis, an denen ich damals strickte, sind mir beide viel zu weit und müssen neu gestrickt werden - ich habe durch Hormonersatztherapie zwischenzeitlich fast 50 Kilo abgenommen. Am 28. Januar 2021 versuchte ich, einen Impftermin für Schwiegermutter zu bekommen, hofften wir noch, dass der Gatte wieder gesund wird. Am 28. Januar 2022 waren wir mit der Schlafzimmerrenovierung beschäftigt, nicht ahnend, dass wir sechs Monate später ein ganzes Haus renovieren würden. Am 28. Januar 2023 hatte der Gatte gerade einen Schlaganfall überstanden, waren wir noch immer damit beschäftigt, das Haus zu renovieren. Am 28. Januar 2024 waren wir endlich umgezogen, wenn auch auf eine Baustelle, war ich in der dringend benötigten Reha. Am 28. Januar 2025 stand der Gatte vor der ersten von insgesamt acht OPs. Bei einem seiner vielen Krankenhausaufenthalte im Jahr 2025 steckte er sich mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seitdem versuche ich, ohne den Gatten zu leben. / *Affiliate links

Sonntag, 25. Januar 2026

Samstagsplausch KW 04/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCVI

Gestern Abend war ich bei Freunden zum Essen eingeladen. Der Abend war schön, aber emotional schwierig. Es gab Raclette / Fondue / heißer Stein, und ich musste an das Treffen denken, als ich vor 25 Jahren den Freunden den Gatten vorstellte. Auch das war ein schöner Abend mit Raclette / heißem Stein. Der Gatte lachte noch Jahre später bei der Erinnerung daran, dass der heiße Stein Feuer fing und er mit zwei von einem Zimmerbrand überforderten Feuerwehrleuten am Tisch saß. Die beiden Freunde feiern im Herbst silberne Hochzeit. Ein halbes Jahr später hätten der Gatte und ich sie feiern können. Nun bin ich alleine. Die Kinder der Freunde sind 24, 22 und 19 Jahre alt. Unsere wären 21 und 19 Jahre alt.

Heute wollte ich eigentlich mit ein paar Deerns aus der Strickgruppe nach Hamburg ins Strickkino, merkte aber noch rechtzeitig, wie sehr mich der gestrige Abend erschöpfte und blieb zu Hause. Immerhin hatte ich die Kraft für eine Abholerin, die eine Menge Umzugskartons mitnahm. So habe ich wieder Platz im Gartenhäuschen. Und ich habe es geschafft, Wäsche zu waschen, bevor ich keine Unterwäsche mehr gehabt hätte. Haushalt und Selbstfürsorge fallen mir schwer. Stattdessen pflege ich meine Depression. Das klappt gut.

Alleinsein, Stille und Leere machen mir weiterhin zu schaffen. Es gibt jeden Tag unzählige Momente, die ich gerne mit dem Gatten teilen würde, unzählige Gedanken an etwas, das ihm sehr gefallen hätte, das er gerne mit mir geteilt hätte. Stattdessen beschäftige ich mich mit Bestattungsvorsorge, Patientenvollmacht, Mitgliedschaft in der DGHS, Einrichtung eines Treuhandkontos für Beerdigungs- und Grabpflegekosten ... Langsam habe ich alles so formuliert und zurechtgebastelt, dass es für mich passt und umgesetzt werden kann bei Notar und Bank. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 306. 

Diese Woche habe ich es endlich zum Friedhof geschafft, denn das Grab ist ja schon seit vier Wochen fertig. Es ist sehr schön geworden, und der Gatte hat definitiv regelmäßigen Hasen-Besuch. Ich musste ihm ein Grab mit Hasen-Besuch versprechen und bin froh, dass ich das Versprechen halten konnte. 

Im Büro ist Aufregung, weil sich einige der Böberen sehr wichtig nehmen. So muss jetzt jeder Urlaubsantrag der Amtsleitung vorgelegt werden. Die Dame muss ihre Allmachtsphantasien ausleben. Sie neigt dazu, Mitarbeiter vorzuführen und bloßzustellen, vor allem, wenn sie weiblich und intelligent sind. Ich gehe der Dame weitgehend aus dem Weg, inzwischen seit 13 Jahren, und bin gelassener als die Kolleginnen. Gelassen bin ich auch bei der aktuellen Büro-Situation, denn es soll geprüft werden, ob wir tatsächlich alle Büro-Räume nutzen, die wir haben. Die Abteilung, mit der wir uns die Etage teilen, möchte sich vergrößern. Bis auf zwei Glückliche, die ein Einzelbüro haben (ich bin eine davon), werden eh alle Räume mehrfach genutzt (anders als bei der Nachbarabteilung, wo es nur sehr große Einzelbüros gibt). Die beiden Einzelbüros haben wir nur, weil die Räume zu klein für zwei Schreibtische sind. Ich schätze den Luxus eines Einzelbüros sehr, hätte aufgrund meiner Behinderung auch einen Anspruch darauf, denke mir aber, dass ich zu alt für solchen Scheiß bin - und bis vor 13 Jahren war ich prekär beschäftigt, war es gewohnt, ohne festen Arbeitsplatz oder gar ohne Büro zu arbeiten, war oft froh, wenn an einem Küchentisch noch ein Eckchen frei war. Auch hier sehe ich die Aufregung meiner Kolleginnen sehr entspannt. Bis zur Rente dürften es noch sieben Jahre sein ...

Ansonsten hat sich die Schlagzahl im Büro langsam erhöht, wobei ich mich immer noch langsam wieder in meine Rolle als Projektleitung einfinden muss, mir Konzentration und Schlaf fehlen. Die Schlafstörungen begleiten mich weiterhin. Die Kollegin, mit der ich zusammenarbeite, ist eine tolle Unterstützung, hält alle Fäden nach wie vor in der Hand, behält den Überblick im Gegensatz zu mir, organisiert mein Chaos und ist gleichzeitig froh über jedes Fädchen, das sie abgeben kann. Ich habe zudem die unglaubliche Vorgabe, langsamer zu arbeiten. Das ist mir auch noch nicht passiert und fällt mir sehr schwer. Im Gegenteil: Ich habe immer den Eindruck, nicht schnell genug zu arbeiten.

Eine schöne Überraschung bereitete J. mir diese Woche. Sie fragte, ob ich "ein bisschen Sockenwolle" bräuchte. Nun bin ich gerade in der Ich-kann-keine-Sockenwolle-mehr-sehen-Phase, aber ja, für ein bisschen Sockenwolle findet sich noch ein Plätzchen, und dann sind da ja auch noch die Strickgruppe, die 91jährige dauerstrickende Nachbarin, eine Freundin ... Es kam dann erst die Warnung, es könne doch ein bisschen mehr Wolle werden, gefolgt von einem Fünf-Kilo-Paket! Die Sockenwolle ging dann direkt an die dauerstrickende Nachbarin, der Rest an eine Freundin, und zwei Glitzergarne behielt ich für mich - Glitzer kann man schließlich nicht widerstehen! 

Ich sitze immer noch am liebsten im Relax-Sessel und stricke, aber ich habe es geschafft, eine Balaclava zu stricken, die einen Channel Island Bind Off erfordert. Den zu verstehen, fiel mir sehr schwer, aber ich habe es geschafft! Als nächstes muss mein wattiges, depressives Hirn verschränkte Zunahmen lernen, aber zur Entspannung stricke ich jetzt erstmal eine weitere Fischermütze. Die dauerstrickende Nachbarin machte mir Mut, mein Gestricksel zu verkaufen - es gibt hier einen Laden, der das auf Provisionsbasis macht. Mal schauen.

Schwiegermutter fand jemanden, der ihr Taschentelefon programmierte und ihr die Funktion so erklärte, dass sie es bedienen kann - leider, denn aus irgendeinem Grunde sieht sie angeblich ständig meinen Namen und meine Nummer im Display und ruft mich täglich zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten an. Dabei hatte ich mir gerade abgewöhnt, mein Telefon ständig stumm zu schalten ... Der Jemand, der ihr das Telefon einrichtete, hat angeblich auch ein Wundergerät, mit dem Schwiegermutter wieder lesen kann, aber das Gerät ist sehr teuer, darf nur im Regal stehen, weswegen sie gerade Bücher und CDs wegwarf, und sie soll ihren Augenarzt fragen, ob die Krankenkasse einen Teil der Kosten übernimmt. Ich habe nicht weiter nachgefragt, was das für ein Wundergerät ist, denn ihrer Erklärung könnte ich eh nicht folgen. Entweder, das Teil taugt was, oder nicht, und wenn es nichts taugt, ist sie eh keinen vernünftigen Argumenten zugänglich, sie wird wieder mal abgezockt. Ich vermute, letzteres. Ansonsten möchte sie, dass ich jeden Sonntag zu ihr zum Essen komme. Ja, nee, is klaa. Am Grab des Gatten zeigt sie kein Interesse mehr, und beim Haus interessiert sie nur, ob ich das endlich fertig habe, ob das Gästezimmer für sie bezugsfertig ist.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse

Sonntag, 18. Januar 2026

Samstagsplausch KW 03/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCV

Diese Woche brachte eine schöne Überraschung: Das neue Kochbuch* von Shermins Magischer Kessel flatterte zur Rezension ins Haus! Ich freue mich schon auf's Nachkochen!

Shermins neues Kochbuch* ist ideal für die Verpflegung an meinen Echtbüro-Tagen.

Ansonsten war die Woche ruhig und ereignislos. Ich kämpfe mit Stille, Leere. Trauer und Schlaflosigkeit. Aktuell schlafe ich bis maximal 0:30 Uhr, liege dann bis fünf Uhr wach, bevor ich so fest einschlafe, dass ich alle Wecker überhöre. Das ist kräftezehrend und trägt nicht gerade zur Arbeitsfähigkeit bei, wo ich ohnehin mit Konzentrationsproblemen kämpfe. Zum Glück ist es immer noch einigermaßen ruhig, und da wir inzwischen angewiesen sind, unsere Klapprechner jeden Tag mit nach Hause zu nehmen, konnte ich mich an einem Echtbüro-Tag krankmelden, ohne am kommenden Heimbüro-Tag außer der Reihe nach Hamburg fahren zu müssen. 

Ich sitze immer noch am Liebsten im Relax-Sessel, stricke und gucke in den Garten. Meine Depression ist also weiterhin produktiv. Ich habe ein Paar Socken für eine der beiden Sandkasten-Freundinnen fertig und einen Drachenschwanzschal. Zumindest ist mein Watte-Hirn wieder in der Lage, Strick-Anleitungen zu verstehen, sieht mein Ergebnis so aus wie das auf der jeweiligen Abbildung.

Zu allen anderen Aktivitäten muss ich mich zwingen. Da ich keine Verabredungen hatten, den einzigen Termin wetterbedingt absagte, konnte ich neben der Arbeit in den Tag hinein leben. Eigentlich wollte ich endlich zum Friedhof, mir das fertige Grab ansehen, aber ich konnte mich einfach nicht aufraffen. Bis heute konnte ich mich immerhin noch mit dem Wetter herausreden, aber seit heute gilt das nicht mehr, muss ich mir eingestehen, dass mir einfach die Kraft fehlt. Der Gatte fehlt mir einfach in jeder Minute.

Die Kraft fehlt mir auch, um mich weiter um den Nachlass des Gatten zu kümmern. Die schiere Masse überfordert mich einfach. Da ist es einfacher, nur im Sessel zu sitzen und zu stricken ... Da sehe ich wenigstens ein Ergebnis.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 305. 

Der Kammerjäger war zum vorerst letzten Mal da. Ich überlege jetzt, ob ich die Köderboxen regelmäßig beködere, um zu verhindern, dass die Ratten wiederkommen. 

Ich sah durch Zufall, dass der überrechte Nachbar meinen Teil des Weges vor unseren Häusern fegte. Als ich mich bedankte, stellte sich heraus, dass er in den letzten Tagen immer gemeinsam mit dem rechten Nachbarn meinen Teil des Weges vom Schnee befreite, weil der Winterdienst oft erst nachmittags kam! Eigentlich soll der Winterdienst morgens gegen halb acht und abends gegen halb sechs kommen. Da morgens immer schon geräumt war und abends auch irgendwann, ging ich davon aus, dass es bi auf ein, zwei Mal klappt. Die Nachbarn schlugen mir jetzt vor, den Winterdienst zu kündigen, weil sie die paar Meter schnell mitmachen könnten. Ich bin noch nicht sicher, ob ich das möchte. Zumindest werde ich die Nachbarn im Sommer mal zum Grillen einladen. Das wollten wir schon lange machen. Ansonsten habe ich Probleme mit engen nachbarschaftlichen Kontakten, kenne das so nicht. Aber ich bin ja ohnehin ein bisschen soziophob, muss das langsam wieder ablegen. 

Die Einladung zur nächsten Mammographie ist endlich gekommen. Durch den Umzug fiel ich durch's Raster, die Einladung zum zugesagten Termin kam dann auch nicht an, weswegen ich mehrfach telefonierte. Jetzt scheint es aber wieder zu klappen. 

Die Jahresabrechnung der Stadtwerke kam, und wie erhofft, gab es eine Rückzahlung. Es machte sich bemerkbar, dass nicht mehr drölfzich PCs, Kühlschränke und Tiefkühler laufen. Mein Stromverbrauch ist zwar immer noch überdurchschnittlich hoch, vor allem für eine Person, wird sich aber hoffentlich langsam normalisieren. Und irgendwann werde ich hoffentlich auch das geplante Balkonkraftwerk haben. 

In sechs Wochen fahre ich nach Kopenhagen, zusammen mit A., die dankenswerterweise alles organisiert und plant. Ich konnte mich inzwischen immerhin aufraffen, einen Reiseführer zu lesen, um wenigstens ein bisschen was zur Ausgestaltung der Reise beitragen zu können. Das überfordert mich aber total. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.  

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Freitag, 16. Januar 2026

#12von12 im Januar 2026

Vor einem Jahr begann der Anfang vom Ende: Der 12. Januar 2025 war der Tag, bevor der Gatte in eine neunmonatige Krankenhaus-Odyssee mit acht OPs und einer tödlich verlaufenden Candidozyma auris-Infektion durch mangelnde Krankenhaus-Hygiene startete. 

#1: Ich mag nicht aufstehen müssen.

#2: Dem Gatten Guten Morgen sagen.

#3: Die Spülmaschine will ausgeräumt werden.

#4: Arbeiten.

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür!

#5: Mir fielen Sterne vor die Füße.

#6: Der Wochenplan will aktualisiert werden.

#7: Ich glaube, da möchte ich jetzt nicht raus. Fotos und Schilderungen in den lokalen Foren zeigten, dass ich gut daran tat, zu Hause zu bleiben. 

#8: Auch dieses Jahr mache ich wieder bei #pollys100tagechallenge2026 mit. Allerdings entschied ich mich erst am 8. Januar dazu, nachdem ich am Vortag Wolle für ein Paar Freundinnen-Socken kaufte. Wolle für Geschenke nehme ich ungern aus dem Stash, sondern kaufe sie lieber neu, passgenau für die Beschenkte.

Heute ist Montag. Eigentlich wollte ich in einer langen Mittagspause schon mal einen Teil des Wocheneinkaufs erledigen, aber da sich die nächste Schlechtwetterfront ankündigt, bleibe ich zu Hause. 

#9: Teezeit mit Apfelpunsch und der halbfertigen zweite Freundinnen-Socke.

#10: Selbstfürsorge, auch wenn sie schwerfällt: Overnight Oats für zwei Tage im Echtbüro und Frühstück für den nächsten Tag.

#11: Abendessen: Flower Mushrooms mit Chinakohl. Das Rezept gibt's demnächst in der Kombüse.

#12: Das Schlafschaf hat sich einen Platz unter den Hasen des Gatten erobert, und natürlich wird vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 12. Januar 2020 war ich das letzte Mal vor Corona im Theater, nicht ahnend, dass es das letzte Mal sein würde. Am 12. Januar 2021 hatten wir noch die Hoffnung, dass der Gatte wieder gesund wird, hatte ich nach einem Jahr Pause einen grippalen Infekt, machte uns die Psychose meiner Mutter zu schaffen. Am 12. Januar 2022 begannen wir mit dem Renovieren des Schlafzimmers. Hätten wir gewusst, dass wir ein halbes Jahr später Hausbesitzer wären, ein Haus sanieren müssen, hätten wir uns das gespart ... Am 12. Januar 2023 wurde der Gatte nach einem Schlaganfall aus dem Krankenhaus entlassen. Am 12. Januar 2024 waren wir mit einem Jahr Verspätung umgezogen und lebten uns in der alt-neuen Heimat ein. Am 12. Januar 2025 hatte der Gatte noch zehn Monate zu leben. / *Affiliate links

Sonntag, 11. Januar 2026

Samstagsplausch KW 02/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCIV

Wetterbedingt konnte ich die ganze Woche im Heimbüro arbeiten, was mir ganz gut tat, zumal aufgrund der Erkrankung meiner Kollegin auch noch eine Besprechung verschoben wurde. Dafür hätte ich ins Echtbüro fahren müssen, denn dort liegen meine Unterlagen so ganz analog auf meinem Schreibtisch. Auf der anderen Seite fehlte es mir, unter Menschen zu sein. Ich muss mich zwar immer dazu zwingen, weil ich gerne alleine bin, aber ich weiß auch, dass mir das Alleinsein nicht wirklich gut tut. Da auch noch das Stricktreffen wetterbedingt abgesagt wurde, war ich viel für mich.

Stille und Leere im Haus sind schwer zu ertragen. Gegen die Stille lasse ich jetzt im ersten Stock den ganzen Tag das Radio laufen. So ist es, als wäre der Gatte noch da, säße in seinem Zimmer und gucke Harald-Lesch-Videos.

Im Büro ist es zwar ruhig, aber ich müsste mich um einige administrative Sachen kümmern, die an Fristen gebunden sind, müsste wieder meine Funktion als Projektleitung ausfüllen. Dafür fehlt mich aber total die Konzentration. Das wirkt sich auch auf's Bloggen aus. Mehr als im Relax-Sessel sitzen, stricken und in den Garten gucken, ist einfach nicht drin. Hätte der Relax-Sessel nicht nur eine Heizung, sondern auch noch eine Massagefunktion, würde ich vermutlich aus dem Teil nicht mehr aufstehen. Der Gatte hätte auch gerne die Massagefunktion gehabt, aber da hätte er bis zu 18 Wochen auf die Lieferung warten müssen. Als wir den Sessel kauften, war schon klar, dass er nicht mehr so lange leben würde, weswegen wir ein sofort lieferbares Ausstellungsmodell kauften.

Fly me to the moon ... Die Eis-Stalaktiten reichen inzwischen schon bis auf den Balkonboden und glitzern ganz zauberhaft in der Sonne, wenn sie sich denn mal zeigt.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 304. 

Die Kammerjäger waren da, um die Köderboxen zu kontrollieren, und kommen nächste Woche wieder. Ich vermute ja, dass eher der strenge Winter den Ratten den Garaus macht als die Köder, die nur wenig angefressen waren. Ich hoffe, ich denke daran, die Kammerjäger zu fragen, wie ich Rattenbefall zukünftig vermeiden kann. Im Schuppen, in den sie sich einnisteten, war ja nichts Essbares, und trotzdem kamen sie, waren auch im Hochbeet. Vermutlich ist es das Sinnvollste, den kompletten Garten zu betonieren ... Sobald das Wetter es zulässt, muss ich den Schuppen ausräumen, desinfizieren und das von den Ratten genagte Loch schließen. Die dusseligen Biester nagten sich ja durch's Holz, anstatt die Spalte zu nutzen, die ohnehin da sind. 

Mir fehlt jeder Antrieb, mich weiter mit dem Nachlass des Gatten zu beschäftigen, Verträge zu kündigen oder noch mehr von seinen Sachen zu verkaufen. Diese Woche ging ein großes Paket an Momox, verkaufte ich eine Bandsäge. Ergebnis: Ein leeres Brett im Bücherregal und ein halber Quadratmeter mehr Platz im Keller - bei den Massen, die wir haben, aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. 

Eigentlich sollte auch einiges zum Sperrmüll, aber angesichts des Wetters stornierte ich den Termin am Mittwoch. Die Nebenstraßen sind aktuell kaum befahrbar. Dienstag kam zwar die Müllabfuhr noch durch, dann nicht mehr, und ich hatte keine Lust, den Sperrmüll aus dem Keller an die Straße und wieder zurück zu schleppen. Da die zerlegten Möbel, die zum Sperrmüll sollen, aus Konstruktionslatten gebaut wurden, befürchte ich ohnehin, dass die hiesige Müllabfuhr alles als Baustoff einstuft und nicht mitnimmt. Baustoffe muss ich selbst zum Müllumschlag fahren. Das möchte ich nicht bei der aktuellen Wetterlage.

Die internistische Endokrinologin schickte die Labor-Ergebnisse, mit denen sie zufrieden ist. Das ist sicher gut. Ich bräuchte dringend einen Termin bei der gynäkologischen Endokrinologen, um die Hormon-Ersatz-Therapie zu überprüfen, aber da ist so schnell nichts zu machen. 

Ich telefonierte lange mit Tante und der 91jährigen Nachbarin und kurz mit Schwiegermutter - Prioritäten halt. Tante bat mich, mich um ihren Nachlass und ihre Beerdigung zu kümmern, falls Schwiegermutter nicht mehr dazu in der Lage ist oder vor ihr stirbt. Der zu frühe Tod des Gatten bringt alles durcheinander, denn bislang war vorgesehen, dass der Gatte seine Mutter und seine Tante überlebt und sich darum kümmert. Jetzt ist es an mir, gibt es für die Generalvollmacht viel zu besprechen, müssen wir eine Strategie entwickeln, bei der sich Schwiegermutter nicht ausgebootet fühlt. Ich hoffe, Tante lässt sich Zeit mit dem Ableben, denn ich bin durch die Nachlässe meine Eltern und des Gatten noch mehr als gefordert. 

Gedanken mache ich mir über Generalvollmacht, Patientenverfügung und Co. für mich, denn mir fällt niemanden ein, der diese Verantwortung übernehmen könnte. Aber zumindest einen Krankenhauskoffer kann ich vorbereiten. Die letzten sieben Jahre haben gezeigt, dass man so was schneller braucht als man denkt.  

Die eMails des Gatten landen ja inzwischen in meinem Postfach, und so wurde ich auf diese Weltkarte aufmerksam. Seit zwei Tagen überlege ich, ob ich sie kaufen soll, wenn ja, in welcher Farbe, und ob ich in der Lage bin, sie an die Wand zu bringen. Immerhin schaffte ich es, den Griff des Kaminofens wieder anzuschrauben. Nächstes Projekt ist der Austausch eines Wasserhahn in der Waschküche -  der wartet auch erst seit drei Jahren ... Der Gatte sagte gerne, dass ich vor der Ehe mit Werkzeug umgehen sonnte, einen Werkzeugkasten hatte, aber mit der Unterschrift auf der Heiratsurkunde diese Fähigkeit verlor, und damit hat er recht. Er war handwerklich viel besser als ich, hatte im Gegensatz zu mir Spaß daran. Ich mache es nur, weil ich muss.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.