Silvester sandte ich das Feuerwerk, das noch der Gatte geplant hatte, als letzten Gruß an ihn in den Nachthimmel - und setzte dabei fast den Garten in den Brand ... Die Idee, jedes Jahr Silvester Raketen als Gruß an den Gatten zu den Sternen zu schicken, hatte sich damit erledigt (wobei ich die Idee noch immer schön finde).
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| Kassensturz im Wollsparglas 2025. Am Häufigsten verstrickte ich Garne von Gründl und Fischer. |
Neujahr machte ich Kassensturz im Wollsparglas. Darin waren 161 Euro. Die Etiketten zeigten, dass ich 1.850 g Wolle verstrickte mit einer Länge von 4.817,50 Metern. Das erscheint mir nicht viel. Ich bin gespannt, wie es in diesem Jahr aussehen wird. Pünktlich zu Silvester wurde das letzte Projekt fertig: Der Snowflake-Schal aus dem Hobbii-Adventskalender. Ich bin gespannt, wann ich mal zum Fotografieren komme, und ich habe mich sehr gefreut, dass meine Konzentration endlich mal für etwas anderes als Socken oder Mützen reichte, ich die Anleitung verstand.
Aktuell stricke ich einen Drachenschwanzschal aus einem der Wollknäuel, die ich von meinen Kolleginnen als Begrüßungsgeschenk bekam - und eine weitere Mütze, denn die kann ich blind beim Fernsehen stricken, wenn ich nichts aus der Mediathek auf dem Klapprechner des Gatten gucke. Da kann ich Audiodeskription einstellen, was beim Fernseher leider nicht geht. Im Relax-Sessel sitzen und stricken ist nach wie vor meine Lieblingsbeschäftigung. So ist die Depression wenigstens produktiv.
Stille und Leere im Haus machen mir sehr zu schaffen. Mir fehlt jeglicher Antrieb.
Angesichts der Wetterlage wird das Pendeln gerade zur Herausforderung. Gestern war ich mit anderthalb Stunden Verspätung im Büro, konnte gerade noch meinen Klapprechner einpacken, bevor ich zum Arzttermin musste. Zum Glück entschied ich mich dafür, direkt nach dem Arzttermin wieder nach Hause zu fahren und dort weiterzuarbeiten, denn nachmittags brach der Bahnverkehr wieder zusammen. Auf der Straße sah's genauso schlimm aus, weswegen das Auto ausnahmsweise keine Alternative gewesen wäre. Morgen wollte ich eigentlich nachmittags ins Theater, aber die Bahn hat sich immer noch nicht auf den Winter eingestellt, und so bleibe ich wohl besser zu Hause - oder ich fahre sehr früh, richte mich auf Stunden Wartezeit ein und verbringe die Zeit bis zum Vorstellungsbeginn in einem Café oder mit Strickzeug im Büro (natürlich, ohne mich einzustempeln, bevor jemand auf Ideen kommt). Das Auto ist wetterbedingt keine Alternative, denn in Hamburg sind die Straßen auch nur rudimentär befahrbar. Alles irgendwie doof.
Eigentlich wollte ich auch schon lange zum Friedhof, mir das Grabmal des Gatten ansehen, Blumen und Kerze bringen, aber nicht bei diesem Wetter. Ich habe zwar Spikes, gehe aber trotzdem so selten wie möglich raus. In der lindgrünen Hölle gibt es quasi keinen Winterdienst, sind die Anlieger selbst für das Schneeräumen verantwortlich, und dementsprechend sehen Straßen und Gehwege aus. Wir haben eigentlich seit mehr als zwei Jahren einen Winterdienst, nur ist der mit der Wetterlage aktuell überfordert. Den gemeinsamen Gehweg vor der Häusern räumen seit Tagen die Nachbarn für mich mit, weil der Winterdienst erst am Nachmittag oder gar nicht kommt. Ich muss morgen mal gucken, ob ich an Mudderns alten Schneeschieber komme (ich hätte gerne einen neuen gekauft, aber Schneeschieber sind ausverkauft). Ich bin gespannt, wie der Winterdienst auf meine Beschwerde reagiert, und überlege, ihn zu kündigen, das Schneeschieben selbst zu übernehmen.
Einzig für den rattenverseuchten Garten ist das aktuelle Wetter gut. Der Kammerjäger war Montag da, kommt Donnerstag wieder (und vermutlich noch zwei weitere Male). Mich dauert, dass ich wegen der Ratten keine Vögel füttern kann, vor allem jetzt bei der dicken Schneedecke. Es hängen noch ein paar Beeren an den Sträuchern. Ich hoffe, das reicht.
Mittwoch sollte eigentlich Sperrmüll abgeholt werden, aber angesichts des Wetters habe ich den Termin storniert. Da unsere Straße nicht geräumt wird, fällt die Müllabfuhr ohnehin aus, selbst die reguläre. Um die Straße zu räumen, müssten alle Anlieger privat einen Winterdienst beauftragen. Die Stadt räumt allenfalls Hauptverkehrsstraßen. Und so schimpfen zwar alle im Winter über die ausbleibende Müllabfuhr, aber die Straße räumen oder für eine Räumung privat bezahlen, will niemand.
Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 303.
Silvester rief ich nach Mitternacht bei Schwiegermutter und Tante an, so wie früher, als der Gatte noch lebte. Da war er immer der erste, der anrief. Das Telefonat mit Tante war gewohnt herzlich, das mit Schwiegermutter unverbindlich. Mal gucken, wie sich die Beziehung zu ihr entwickelt. Eigentlich sollen alle Vollmachten, die der Gatte für den Notfall hatte, auf mich übertragen werden, aber da dränge ich mich nicht auf, sondern warte, bis sich Schwiegermutter deswegen meldet (und da sie sich von sich aus nicht meldet, sondern will, dass ich mich melde ...).
Im Büro ist es zum Glück ruhig. Wir haben ja eine neue Vorgesetzte für beide Abteilungen, und die vereinbarte jetzt mit jedem ein Einzelgespräch zum besseren Kennenlernen. Dafür suchte ich seit 14 Jahren wieder meinen Lebenslauf heraus - ich war ganz erstaunt, dass ich ihn noch habe. Ich muss mir noch kluge Antworten ausdenken bzgl. der beruflichen Perspektiven / Erwartungen, die ich habe. Das fällt mir schwer, denn in den letzten drei Jahren ging ich davon aus, kommendes Jahr in Rente zu gehen, um mehr Zeit mit dem Gatten verbringen zu können. Jetzt fehlen Gatte und Perspektive.
Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.
