Freitag, 30. Januar 2026

#pmdd2026: Der 28. Januar 2026

An jedem 28. eines Monats ist Picture my Day-Day, kurz pmdd. Ich finde, das ist ein schönes Tagebilderbuch, auch wenn es mich momentan traurig macht, denn ich erlebe die letzten zehn Monate mit dem Gatten gerade sehr bewusst durch die Beiträge für WMDEDGT, #12von12 und #pmdd.

Der erste Blick nach dem Aufstehen gilt dem Fahrplan. Die Anzeige stimmt selten, aber zumindest die Ausfälle werden zuverlässig angezeigt.

Gleich nach dem Aufstehen setzt sich Schnuffi in Position, um auf sein Herrchen zu warten. Er muss doch irgendwann mal wieder durch die Tür hinein kommen, durch die er Mitte Oktober hinaus ging. 

Schnell dem Gatten guten Morgen sagen, bevor ich mich auf den Weg zum Bahnhof mache.

Für Bahnverhältnisse ist der Zug pünktlich, vor allem angesichts des Wetters.

Ich habe einen Sitzplatz und kann lesen*.

Mitmachen beim pmdd ist einfach: Fotos vom Tag machen, bloggen oder mit #pmdd2026 auf Bluesky, Facebook oder Instagram einstellen. Gesammelt wird alles auf dieser Seite.

Schon fast im Büro. Ich muss daran denken, wie ich den Gatten oft nach Feierabend von der Arbeit abholte (oder er mich), um über die Weihnachtsmärkte zu bummeln. Er liebte die weihnachtlich beleuchtete Innenstadt.

Büro-Frühstück. In der Dose liegen ein Toastie nach einem Rezept aus Shermins neuem Kochbuch*, ein Ingwer-Shot, von dem meine Kolleginnen überzeugt sind, dass ich ihn brauche, ein Schoko-Riegel und darunter Studentenfutter, nach dem ich gerade süchtig bin.

Mittagspausen-Selfie.

Heute darf ich mal wieder basteln.

Heute ist Mittwoch, ich muss ins Echt-Büro. Das ist immer schwer, denn jedes Mal denke ich daran, wie der Gatte früher in der Tür stand, um mich zu verabschieden und mir hinterher zu winken und wie er spätnachmittags mit Tee und Kuchen (und bei diesem Wetter auch mit Kaminfeuer) auf mich wartete. Nun ist das Haus still, dunkel und leer, fehlt ihm jegliches Leben.

Endlich wieder zu Hause.

Dem Gatten guten Abend sagen.

Reicht dann auch für heute. Eine Freundin schafft jeden Tag zwischen 20.000 und 30.000 Schritte - daran werde ich nie kommen.

Ich versuche, einige Rituale, die der Gatte und ich hatten, weiterzupflegen. So gibt es erstmal eine Tasse Tee, wenn ich nach Hause komme. Kuchen fällt aus. Dafür ist es heute schon zu spät. 

Angesichts des Wetters habe ich keine Lust, mit dem Auto einkaufen zu fahren, und ändere den Wochenplan so, dass ich alles fußläufig bekomme, der Hackenporsche reicht.

Seit gestern sind endlich alle israelischen Geiseln wieder zu Hause. Die Uhr, die seit dem Hamas-Überfall am 7. Oktober 2023 auf dem Platz der Geiseln in Tel Aviv läuft, wird abgestellt.

Das heutige Abendessen kommt über Too good to go, denn mir fehlt jegliche Kraft zum Kochen. Das Restaurant verpackte die Tortellini Formaggio sehr appetitlich. Leider bekam ich sie nicht so schön auf den Teller ... 

Schnuffi sitzt noch immer in Position und wartet auf die Rückkehr seines Herrchens. 

Vor dem Einschlafen wird noch etwas gelesen*.

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Einen Tag vorm 28. Januar 2020 war der erste deutsche Corona-Fall bekannt geworden, dachte ich noch, mein Mammutprojekt könne wie geplant analog umgesetzt werden, war der Gatte noch gesund. Die beiden Pullis, an denen ich damals strickte, sind mir beide viel zu weit und müssen neu gestrickt werden - ich habe durch Hormonersatztherapie zwischenzeitlich fast 50 Kilo abgenommen. Am 28. Januar 2021 versuchte ich, einen Impftermin für Schwiegermutter zu bekommen, hofften wir noch, dass der Gatte wieder gesund wird. Am 28. Januar 2022 waren wir mit der Schlafzimmerrenovierung beschäftigt, nicht ahnend, dass wir sechs Monate später ein ganzes Haus renovieren würden. Am 28. Januar 2023 hatte der Gatte gerade einen Schlaganfall überstanden, waren wir noch immer damit beschäftigt, das Haus zu renovieren. Am 28. Januar 2024 waren wir endlich umgezogen, wenn auch auf eine Baustelle, war ich in der dringend benötigten Reha. Am 28. Januar 2025 stand der Gatte vor der ersten von insgesamt acht OPs. Bei einem seiner vielen Krankenhausaufenthalte im Jahr 2025 steckte er sich mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seitdem versuche ich, ohne den Gatten zu leben. / *Affiliate links

Sonntag, 25. Januar 2026

Samstagsplausch KW 04/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCVI

Gestern Abend war ich bei Freunden zum Essen eingeladen. Der Abend war schön, aber emotional schwierig. Es gab Raclette / Fondue / heißer Stein, und ich musste an das Treffen denken, als ich vor 25 Jahren den Freunden den Gatten vorstellte. Auch das war ein schöner Abend mit Raclette / heißem Stein. Der Gatte lachte noch Jahre später bei der Erinnerung daran, dass der heiße Stein Feuer fing und er mit zwei von einem Zimmerbrand überforderten Feuerwehrleuten am Tisch saß. Die beiden Freunde feiern im Herbst silberne Hochzeit. Ein halbes Jahr später hätten der Gatte und ich sie feiern können. Nun bin ich alleine. Die Kinder der Freunde sind 24, 22 und 19 Jahre alt. Unsere wären 21 und 19 Jahre alt.

Heute wollte ich eigentlich mit ein paar Deerns aus der Strickgruppe nach Hamburg ins Strickkino, merkte aber noch rechtzeitig, wie sehr mich der gestrige Abend erschöpfte und blieb zu Hause. Immerhin hatte ich die Kraft für eine Abholerin, die eine Menge Umzugskartons mitnahm. So habe ich wieder Platz im Gartenhäuschen. Und ich habe es geschafft, Wäsche zu waschen, bevor ich keine Unterwäsche mehr gehabt hätte. Haushalt und Selbstfürsorge fallen mir schwer. Stattdessen pflege ich meine Depression. Das klappt gut.

Alleinsein, Stille und Leere machen mir weiterhin zu schaffen. Es gibt jeden Tag unzählige Momente, die ich gerne mit dem Gatten teilen würde, unzählige Gedanken an etwas, das ihm sehr gefallen hätte, das er gerne mit mir geteilt hätte. Stattdessen beschäftige ich mich mit Bestattungsvorsorge, Patientenvollmacht, Mitgliedschaft in der DGHS, Einrichtung eines Treuhandkontos für Beerdigungs- und Grabpflegekosten ... Langsam habe ich alles so formuliert und zurechtgebastelt, dass es für mich passt und umgesetzt werden kann bei Notar und Bank. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 306. 

Diese Woche habe ich es endlich zum Friedhof geschafft, denn das Grab ist ja schon seit vier Wochen fertig. Es ist sehr schön geworden, und der Gatte hat definitiv regelmäßigen Hasen-Besuch. Ich musste ihm ein Grab mit Hasen-Besuch versprechen und bin froh, dass ich das Versprechen halten konnte. 

Im Büro ist Aufregung, weil sich einige der Böberen sehr wichtig nehmen. So muss jetzt jeder Urlaubsantrag der Amtsleitung vorgelegt werden. Die Dame muss ihre Allmachtsphantasien ausleben. Sie neigt dazu, Mitarbeiter vorzuführen und bloßzustellen, vor allem, wenn sie weiblich und intelligent sind. Ich gehe der Dame weitgehend aus dem Weg, inzwischen seit 13 Jahren, und bin gelassener als die Kolleginnen. Gelassen bin ich auch bei der aktuellen Büro-Situation, denn es soll geprüft werden, ob wir tatsächlich alle Büro-Räume nutzen, die wir haben. Die Abteilung, mit der wir uns die Etage teilen, möchte sich vergrößern. Bis auf zwei Glückliche, die ein Einzelbüro haben (ich bin eine davon), werden eh alle Räume mehrfach genutzt (anders als bei der Nachbarabteilung, wo es nur sehr große Einzelbüros gibt). Die beiden Einzelbüros haben wir nur, weil die Räume zu klein für zwei Schreibtische sind. Ich schätze den Luxus eines Einzelbüros sehr, hätte aufgrund meiner Behinderung auch einen Anspruch darauf, denke mir aber, dass ich zu alt für solchen Scheiß bin - und bis vor 13 Jahren war ich prekär beschäftigt, war es gewohnt, ohne festen Arbeitsplatz oder gar ohne Büro zu arbeiten, war oft froh, wenn an einem Küchentisch noch ein Eckchen frei war. Auch hier sehe ich die Aufregung meiner Kolleginnen sehr entspannt. Bis zur Rente dürften es noch sieben Jahre sein ...

Ansonsten hat sich die Schlagzahl im Büro langsam erhöht, wobei ich mich immer noch langsam wieder in meine Rolle als Projektleitung einfinden muss, mir Konzentration und Schlaf fehlen. Die Schlafstörungen begleiten mich weiterhin. Die Kollegin, mit der ich zusammenarbeite, ist eine tolle Unterstützung, hält alle Fäden nach wie vor in der Hand, behält den Überblick im Gegensatz zu mir, organisiert mein Chaos und ist gleichzeitig froh über jedes Fädchen, das sie abgeben kann. Ich habe zudem die unglaubliche Vorgabe, langsamer zu arbeiten. Das ist mir auch noch nicht passiert und fällt mir sehr schwer. Im Gegenteil: Ich habe immer den Eindruck, nicht schnell genug zu arbeiten.

Eine schöne Überraschung bereitete J. mir diese Woche. Sie fragte, ob ich "ein bisschen Sockenwolle" bräuchte. Nun bin ich gerade in der Ich-kann-keine-Sockenwolle-mehr-sehen-Phase, aber ja, für ein bisschen Sockenwolle findet sich noch ein Plätzchen, und dann sind da ja auch noch die Strickgruppe, die 91jährige dauerstrickende Nachbarin, eine Freundin ... Es kam dann erst die Warnung, es könne doch ein bisschen mehr Wolle werden, gefolgt von einem Fünf-Kilo-Paket! Die Sockenwolle ging dann direkt an die dauerstrickende Nachbarin, der Rest an eine Freundin, und zwei Glitzergarne behielt ich für mich - Glitzer kann man schließlich nicht widerstehen! 

Ich sitze immer noch am liebsten im Relax-Sessel und stricke, aber ich habe es geschafft, eine Balaclava zu stricken, die einen Channel Island Bind Off erfordert. Den zu verstehen, fiel mir sehr schwer, aber ich habe es geschafft! Als nächstes muss mein wattiges, depressives Hirn verschränkte Zunahmen lernen, aber zur Entspannung stricke ich jetzt erstmal eine weitere Fischermütze. Die dauerstrickende Nachbarin machte mir Mut, mein Gestricksel zu verkaufen - es gibt hier einen Laden, der das auf Provisionsbasis macht. Mal schauen.

Schwiegermutter fand jemanden, der ihr Taschentelefon programmierte und ihr die Funktion so erklärte, dass sie es bedienen kann - leider, denn aus irgendeinem Grunde sieht sie angeblich ständig meinen Namen und meine Nummer im Display und ruft mich täglich zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten an. Dabei hatte ich mir gerade abgewöhnt, mein Telefon ständig stumm zu schalten ... Der Jemand, der ihr das Telefon einrichtete, hat angeblich auch ein Wundergerät, mit dem Schwiegermutter wieder lesen kann, aber das Gerät ist sehr teuer, darf nur im Regal stehen, weswegen sie gerade Bücher und CDs wegwarf, und sie soll ihren Augenarzt fragen, ob die Krankenkasse einen Teil der Kosten übernimmt. Ich habe nicht weiter nachgefragt, was das für ein Wundergerät ist, denn ihrer Erklärung könnte ich eh nicht folgen. Entweder, das Teil taugt was, oder nicht, und wenn es nichts taugt, ist sie eh keinen vernünftigen Argumenten zugänglich, sie wird wieder mal abgezockt. Ich vermute, letzteres. Ansonsten möchte sie, dass ich jeden Sonntag zu ihr zum Essen komme. Ja, nee, is klaa. Am Grab des Gatten zeigt sie kein Interesse mehr, und beim Haus interessiert sie nur, ob ich das endlich fertig habe, ob das Gästezimmer für sie bezugsfertig ist.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse

Sonntag, 18. Januar 2026

Samstagsplausch KW 03/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCV

Diese Woche brachte eine schöne Überraschung: Das neue Kochbuch* von Shermins Magischer Kessel flatterte zur Rezension ins Haus! Ich freue mich schon auf's Nachkochen!

Shermins neues Kochbuch* ist ideal für die Verpflegung an meinen Echtbüro-Tagen.

Ansonsten war die Woche ruhig und ereignislos. Ich kämpfe mit Stille, Leere. Trauer und Schlaflosigkeit. Aktuell schlafe ich bis maximal 0:30 Uhr, liege dann bis fünf Uhr wach, bevor ich so fest einschlafe, dass ich alle Wecker überhöre. Das ist kräftezehrend und trägt nicht gerade zur Arbeitsfähigkeit bei, wo ich ohnehin mit Konzentrationsproblemen kämpfe. Zum Glück ist es immer noch einigermaßen ruhig, und da wir inzwischen angewiesen sind, unsere Klapprechner jeden Tag mit nach Hause zu nehmen, konnte ich mich an einem Echtbüro-Tag krankmelden, ohne am kommenden Heimbüro-Tag außer der Reihe nach Hamburg fahren zu müssen. 

Ich sitze immer noch am Liebsten im Relax-Sessel, stricke und gucke in den Garten. Meine Depression ist also weiterhin produktiv. Ich habe ein Paar Socken für eine der beiden Sandkasten-Freundinnen fertig und einen Drachenschwanzschal. Zumindest ist mein Watte-Hirn wieder in der Lage, Strick-Anleitungen zu verstehen, sieht mein Ergebnis so aus wie das auf der jeweiligen Abbildung.

Zu allen anderen Aktivitäten muss ich mich zwingen. Da ich keine Verabredungen hatten, den einzigen Termin wetterbedingt absagte, konnte ich neben der Arbeit in den Tag hinein leben. Eigentlich wollte ich endlich zum Friedhof, mir das fertige Grab ansehen, aber ich konnte mich einfach nicht aufraffen. Bis heute konnte ich mich immerhin noch mit dem Wetter herausreden, aber seit heute gilt das nicht mehr, muss ich mir eingestehen, dass mir einfach die Kraft fehlt. Der Gatte fehlt mir einfach in jeder Minute.

Die Kraft fehlt mir auch, um mich weiter um den Nachlass des Gatten zu kümmern. Die schiere Masse überfordert mich einfach. Da ist es einfacher, nur im Sessel zu sitzen und zu stricken ... Da sehe ich wenigstens ein Ergebnis.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 305. 

Der Kammerjäger war zum vorerst letzten Mal da. Ich überlege jetzt, ob ich die Köderboxen regelmäßig beködere, um zu verhindern, dass die Ratten wiederkommen. 

Ich sah durch Zufall, dass der überrechte Nachbar meinen Teil des Weges vor unseren Häusern fegte. Als ich mich bedankte, stellte sich heraus, dass er in den letzten Tagen immer gemeinsam mit dem rechten Nachbarn meinen Teil des Weges vom Schnee befreite, weil der Winterdienst oft erst nachmittags kam! Eigentlich soll der Winterdienst morgens gegen halb acht und abends gegen halb sechs kommen. Da morgens immer schon geräumt war und abends auch irgendwann, ging ich davon aus, dass es bi auf ein, zwei Mal klappt. Die Nachbarn schlugen mir jetzt vor, den Winterdienst zu kündigen, weil sie die paar Meter schnell mitmachen könnten. Ich bin noch nicht sicher, ob ich das möchte. Zumindest werde ich die Nachbarn im Sommer mal zum Grillen einladen. Das wollten wir schon lange machen. Ansonsten habe ich Probleme mit engen nachbarschaftlichen Kontakten, kenne das so nicht. Aber ich bin ja ohnehin ein bisschen soziophob, muss das langsam wieder ablegen. 

Die Einladung zur nächsten Mammographie ist endlich gekommen. Durch den Umzug fiel ich durch's Raster, die Einladung zum zugesagten Termin kam dann auch nicht an, weswegen ich mehrfach telefonierte. Jetzt scheint es aber wieder zu klappen. 

Die Jahresabrechnung der Stadtwerke kam, und wie erhofft, gab es eine Rückzahlung. Es machte sich bemerkbar, dass nicht mehr drölfzich PCs, Kühlschränke und Tiefkühler laufen. Mein Stromverbrauch ist zwar immer noch überdurchschnittlich hoch, vor allem für eine Person, wird sich aber hoffentlich langsam normalisieren. Und irgendwann werde ich hoffentlich auch das geplante Balkonkraftwerk haben. 

In sechs Wochen fahre ich nach Kopenhagen, zusammen mit A., die dankenswerterweise alles organisiert und plant. Ich konnte mich inzwischen immerhin aufraffen, einen Reiseführer zu lesen, um wenigstens ein bisschen was zur Ausgestaltung der Reise beitragen zu können. Das überfordert mich aber total. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.  

*Affiliate link

Freitag, 16. Januar 2026

#12von12 im Januar 2026

Vor einem Jahr begann der Anfang vom Ende: Der 12. Januar 2025 war der Tag, bevor der Gatte in eine neunmonatige Krankenhaus-Odyssee mit acht OPs und einer tödlich verlaufenden Candidozyma auris-Infektion durch mangelnde Krankenhaus-Hygiene startete. 

#1: Ich mag nicht aufstehen müssen.

#2: Dem Gatten Guten Morgen sagen.

#3: Die Spülmaschine will ausgeräumt werden.

#4: Arbeiten.

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür!

#5: Mir fielen Sterne vor die Füße.

#6: Der Wochenplan will aktualisiert werden.

#7: Ich glaube, da möchte ich jetzt nicht raus. Fotos und Schilderungen in den lokalen Foren zeigten, dass ich gut daran tat, zu Hause zu bleiben. 

#8: Auch dieses Jahr mache ich wieder bei #pollys100tagechallenge2026 mit. Allerdings entschied ich mich erst am 8. Januar dazu, nachdem ich am Vortag Wolle für ein Paar Freundinnen-Socken kaufte. Wolle für Geschenke nehme ich ungern aus dem Stash, sondern kaufe sie lieber neu, passgenau für die Beschenkte.

Heute ist Montag. Eigentlich wollte ich in einer langen Mittagspause schon mal einen Teil des Wocheneinkaufs erledigen, aber da sich die nächste Schlechtwetterfront ankündigt, bleibe ich zu Hause. 

#9: Teezeit mit Apfelpunsch und der halbfertigen zweite Freundinnen-Socke.

#10: Selbstfürsorge, auch wenn sie schwerfällt: Overnight Oats für zwei Tage im Echtbüro und Frühstück für den nächsten Tag.

#11: Abendessen: Flower Mushrooms mit Chinakohl. Das Rezept gibt's demnächst in der Kombüse.

#12: Das Schlafschaf hat sich einen Platz unter den Hasen des Gatten erobert, und natürlich wird vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 12. Januar 2020 war ich das letzte Mal vor Corona im Theater, nicht ahnend, dass es das letzte Mal sein würde. Am 12. Januar 2021 hatten wir noch die Hoffnung, dass der Gatte wieder gesund wird, hatte ich nach einem Jahr Pause einen grippalen Infekt, machte uns die Psychose meiner Mutter zu schaffen. Am 12. Januar 2022 begannen wir mit dem Renovieren des Schlafzimmers. Hätten wir gewusst, dass wir ein halbes Jahr später Hausbesitzer wären, ein Haus sanieren müssen, hätten wir uns das gespart ... Am 12. Januar 2023 wurde der Gatte nach einem Schlaganfall aus dem Krankenhaus entlassen. Am 12. Januar 2024 waren wir mit einem Jahr Verspätung umgezogen und lebten uns in der alt-neuen Heimat ein. Am 12. Januar 2025 hatte der Gatte noch zehn Monate zu leben. / *Affiliate links

Sonntag, 11. Januar 2026

Samstagsplausch KW 02/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCIV

Wetterbedingt konnte ich die ganze Woche im Heimbüro arbeiten, was mir ganz gut tat, zumal aufgrund der Erkrankung meiner Kollegin auch noch eine Besprechung verschoben wurde. Dafür hätte ich ins Echtbüro fahren müssen, denn dort liegen meine Unterlagen so ganz analog auf meinem Schreibtisch. Auf der anderen Seite fehlte es mir, unter Menschen zu sein. Ich muss mich zwar immer dazu zwingen, weil ich gerne alleine bin, aber ich weiß auch, dass mir das Alleinsein nicht wirklich gut tut. Da auch noch das Stricktreffen wetterbedingt abgesagt wurde, war ich viel für mich.

Stille und Leere im Haus sind schwer zu ertragen. Gegen die Stille lasse ich jetzt im ersten Stock den ganzen Tag das Radio laufen. So ist es, als wäre der Gatte noch da, säße in seinem Zimmer und gucke Harald-Lesch-Videos.

Im Büro ist es zwar ruhig, aber ich müsste mich um einige administrative Sachen kümmern, die an Fristen gebunden sind, müsste wieder meine Funktion als Projektleitung ausfüllen. Dafür fehlt mich aber total die Konzentration. Das wirkt sich auch auf's Bloggen aus. Mehr als im Relax-Sessel sitzen, stricken und in den Garten gucken, ist einfach nicht drin. Hätte der Relax-Sessel nicht nur eine Heizung, sondern auch noch eine Massagefunktion, würde ich vermutlich aus dem Teil nicht mehr aufstehen. Der Gatte hätte auch gerne die Massagefunktion gehabt, aber da hätte er bis zu 18 Wochen auf die Lieferung warten müssen. Als wir den Sessel kauften, war schon klar, dass er nicht mehr so lange leben würde, weswegen wir ein sofort lieferbares Ausstellungsmodell kauften.

Fly me to the moon ... Die Eis-Stalaktiten reichen inzwischen schon bis auf den Balkonboden und glitzern ganz zauberhaft in der Sonne, wenn sie sich denn mal zeigt.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 304. 

Die Kammerjäger waren da, um die Köderboxen zu kontrollieren, und kommen nächste Woche wieder. Ich vermute ja, dass eher der strenge Winter den Ratten den Garaus macht als die Köder, die nur wenig angefressen waren. Ich hoffe, ich denke daran, die Kammerjäger zu fragen, wie ich Rattenbefall zukünftig vermeiden kann. Im Schuppen, in den sie sich einnisteten, war ja nichts Essbares, und trotzdem kamen sie, waren auch im Hochbeet. Vermutlich ist es das Sinnvollste, den kompletten Garten zu betonieren ... Sobald das Wetter es zulässt, muss ich den Schuppen ausräumen, desinfizieren und das von den Ratten genagte Loch schließen. Die dusseligen Biester nagten sich ja durch's Holz, anstatt die Spalte zu nutzen, die ohnehin da sind. 

Mir fehlt jeder Antrieb, mich weiter mit dem Nachlass des Gatten zu beschäftigen, Verträge zu kündigen oder noch mehr von seinen Sachen zu verkaufen. Diese Woche ging ein großes Paket an Momox, verkaufte ich eine Bandsäge. Ergebnis: Ein leeres Brett im Bücherregal und ein halber Quadratmeter mehr Platz im Keller - bei den Massen, die wir haben, aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. 

Eigentlich sollte auch einiges zum Sperrmüll, aber angesichts des Wetters stornierte ich den Termin am Mittwoch. Die Nebenstraßen sind aktuell kaum befahrbar. Dienstag kam zwar die Müllabfuhr noch durch, dann nicht mehr, und ich hatte keine Lust, den Sperrmüll aus dem Keller an die Straße und wieder zurück zu schleppen. Da die zerlegten Möbel, die zum Sperrmüll sollen, aus Konstruktionslatten gebaut wurden, befürchte ich ohnehin, dass die hiesige Müllabfuhr alles als Baustoff einstuft und nicht mitnimmt. Baustoffe muss ich selbst zum Müllumschlag fahren. Das möchte ich nicht bei der aktuellen Wetterlage.

Die internistische Endokrinologin schickte die Labor-Ergebnisse, mit denen sie zufrieden ist. Das ist sicher gut. Ich bräuchte dringend einen Termin bei der gynäkologischen Endokrinologen, um die Hormon-Ersatz-Therapie zu überprüfen, aber da ist so schnell nichts zu machen. 

Ich telefonierte lange mit Tante und der 91jährigen Nachbarin und kurz mit Schwiegermutter - Prioritäten halt. Tante bat mich, mich um ihren Nachlass und ihre Beerdigung zu kümmern, falls Schwiegermutter nicht mehr dazu in der Lage ist oder vor ihr stirbt. Der zu frühe Tod des Gatten bringt alles durcheinander, denn bislang war vorgesehen, dass der Gatte seine Mutter und seine Tante überlebt und sich darum kümmert. Jetzt ist es an mir, gibt es für die Generalvollmacht viel zu besprechen, müssen wir eine Strategie entwickeln, bei der sich Schwiegermutter nicht ausgebootet fühlt. Ich hoffe, Tante lässt sich Zeit mit dem Ableben, denn ich bin durch die Nachlässe meine Eltern und des Gatten noch mehr als gefordert. 

Gedanken mache ich mir über Generalvollmacht, Patientenverfügung und Co. für mich, denn mir fällt niemanden ein, der diese Verantwortung übernehmen könnte. Aber zumindest einen Krankenhauskoffer kann ich vorbereiten. Die letzten sieben Jahre haben gezeigt, dass man so was schneller braucht als man denkt.  

Die eMails des Gatten landen ja inzwischen in meinem Postfach, und so wurde ich auf diese Weltkarte aufmerksam. Seit zwei Tagen überlege ich, ob ich sie kaufen soll, wenn ja, in welcher Farbe, und ob ich in der Lage bin, sie an die Wand zu bringen. Immerhin schaffte ich es, den Griff des Kaminofens wieder anzuschrauben. Nächstes Projekt ist der Austausch eines Wasserhahn in der Waschküche -  der wartet auch erst seit drei Jahren ... Der Gatte sagte gerne, dass ich vor der Ehe mit Werkzeug umgehen sonnte, einen Werkzeugkasten hatte, aber mit der Unterschrift auf der Heiratsurkunde diese Fähigkeit verlor, und damit hat er recht. Er war handwerklich viel besser als ich, hatte im Gegensatz zu mir Spaß daran. Ich mache es nur, weil ich muss.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.  

Mittwoch, 7. Januar 2026

#WMDEDGT 1/26: Schneekönigin

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln! 

Die Nacht ist ruhig, und für einen kurzen Moment denke ich, das Melatonin, das ich seit zwei, drei Wochen zum Ein- und Durchschlafen nehme, wirkt endlich. Ich werde zwar rechtzeitig wach, schaffe es aber dennoch, noch einmal kurz und fest einzuschlafen. Zum Glück arbeite ich heute im Heimbüro, habe also nicht verschlafen. 

Duschen, dabei feststellen, dass es eine blöde Idee war, den Wäscheständer ins Bad zu stellen. Das ist zwar der wärmste Raum im Haus, aber die Wäsche trocknet nicht innerhalb eines Tages. Ich darf also erstmal alles abnehmen, den Wäscheständer zusammenklappen und in mein Arbeitszimmer bringen, wo ich die Wäsche wieder aufhänge, bevor ich duschen kann. Anziehen, Kaffee kochen, frühstücken, dann ab an den dienstlichen Klapprechner zum Arbeiten. Gegen elf Uhr logge ich mich aus. Es hilft nichts, ich muss heute einkaufen, und leider brauche ich dazu das Auto, weil ich Dinge brauche, die ich fußläufig nicht bekomme. Ich hoffe, dass nach fünf Tagen Winter zumindest die Hauptstraßen einigermaßen befahrbar sind und sich die anderen Autofahrer auf den Winter eingestellt haben. Ich habe vor 40 Jahren bei diesem Wetter Autofahren gelernt und bin immer wieder froh darüber, auch, wenn ich bei diesem Wetter möglichst auf Autofahrten verzichte. Kurz überlege ich, dem hiesigen ÖPNV eine Chance zu geben, aber ich brauche zu viel für Hackenporsche und Rucksack.

Da ich nach meiner Rückkehr vor acht Tagen zu faul war, das Karlchen in die Garage zu fahren, es auch seitdem nicht tat, steht das arme Karlchen inzwischen unter 40 cm Schnee inmitten von Schneehügeln. Ich fluche über meine Faulheit, während ich es mit Handeule und Aufnehmer so gut wie möglich von Schnee und Eis befreie. Dann jubiliere ich, weil das Karlchen sofort anspringt, und hopple es aus den Schneehügeln heraus. Bis zur Hauptverkehrsstraße schliddern und mich freuen, dass die geräumt ist. 

Heute ist Montag, der Parkplatz für zwei Discounter, einen Super- und einen Drogeriemarkt ist voll. Ich arbeite meinen Einkaufszettel ab, schaffe es, den Toast zu vergessen, denke aber an Brot (und einen Spritzkuchen zur Belohnung), muss dann noch in der Drogeriemarkt, weil der Supermarkt den gewünschten Tee zwar im Angebot, aber nicht im Sortiment hat. 

Wieder zu Hause, werfe ich schnell die Einkäufe vor der Haustür ab und fahre dann das Karlchen in die Tiefgarage, damit es in den kommenden Tagen schnee- und eisfrei steht. Ich brauche aller Wahrscheinlichkeit nach den Wagen erst wieder in einer Woche. 

Auf dem Rückweg treffe ich zufällig den rechten Nachbarn, der in den letzten Tagen bei mir Schnee schippte. Ich bezahle dafür zwar eigentlich einen Winterdienst, aber der war ein wenig überfordert. Nach einer Beschwerde vor zwei Tagen klappt es jetzt wieder, und für alle Fälle habe ich einen Schneeschieber bestellt. Bestellt, weil vor Ort ausverkauft. Jedenfalls kann ich mich nochmal direkt beim Nachbarn bedanken, nicht nur per SMS bei seiner Frau.

Die Einkäufe verräumen, die Auto-Abdeckung in der Dusche aufhängen, weil sie dort am Besten abtropfen kann, dann wieder an den Klapprechner und arbeiten bis zum Feierabend. Die Chefin vermeldet, dass wir aufgrund der Wetterlage den Rest der Woche zu Hause arbeiten dürfen, und das Angebot nehme ich gerne an. 

Die rechte Nachbarin klingelt und bringt einen Neujahrsgruß vorbei. Ich kann ihr zwei Flaschen Bourbon des Gatten anbieten - ich trinke keinen Bourbon, und ihr Mann freut sich.

Beim Abnehmen der Weihnachts- und der Chanukka-Girlande denke ich daran, dass der 24jährige Ran Gvili seit 822 Geisel der Hamas ist. Der junge Polizist scheint von der Welt vergessen. Bring him home gilt seit unfassbaren 118 Wochen. Ich hoffe, dieses Chanukka kann ich die gelben Schleifen annehmen, weil Gvili heimgekehrt ist und beerdigt wurde.

Der Rest des Tages wird ruhig. Ich sitze seit einiger Zeit ohnehin am liebsten strickend im Relax-Sessel des Gatten und gucke in den Garten. Zu allen anderen Aktivitäten muss ich mich zwingen. Eine Sandkastenfreundin schreibt, wie glücklich sie über die Socken ist, die ich ihr strickte, und schickt einen Foto-Beweis mit. Ich beschließe, ihr ein weiteres Paar zu stricken, statt Blumen, denn Ende des Monats bin ich bei ihr eingeladen. Jemand ist gestorben. Die Nachricht kam nicht überraschend, aber ich merke, wie leer ich vor eigener Trauer bin, finde keine passenden Worte, keinen Trost.

Wäsche in den Keller bringen und auf dem Rückweg eine Dose passierte Tomaten für die Küche mitbringen. Dabei stelle ich überrascht fest, dass wir schon wieder binnen eines Jahres ein 12er-Dosen-Pack passierte Tomaten verbrauchten. Wird Zeit, dass das 12er-Dosen-Pack wieder im Angebot ist, auch, wenn ich aktuell meistens nur noch eine halbe Dose brauche.

Ein Abholer für eines der Geräte aus dem Nachlass des Gatten kündigt sich an. So froh ich über alles bin, was aus dem Haus kommt, so traurig bin ich doch auch. Mit jedem Stück verschwindet ein Stück des Gatten. Ich weiß ja noch, wie sehr er sich über jeden Kauf freute, wie stolz er mir jede Neuerwerbung vorführte, mir jedes Mal von der Gestaltung seiner Werkstatt erzählte. Seit gestern laufe ich zudem an einem großen Paket für Momox vorbei, gefüllt mit DVDs des Gatten (und ein paar Büchern von mir). Auch das macht mich traurig, aber ich kann und will kein Mausoleum aufbauen. Ich möchte das Haus nach meinen Wünschen gestalten, ohne dabei den Gatten zu vergessen. Ich muss unser Haus zu meinem machen, das Haus, in dem ich nie alleine leben wollte, in das ich nur wegen des Gatten zurückkehrte.

Die Zutaten für das Abendessen schnibbeln. Es gibt Ofen-Shakshuka mit Avocado und Ei. Während das Essen gart, kann ich im Relax-Sessel sitzen und stricken.

Abendessen, dann auf's Sofa wechseln, fernsehen und stricken, bis es Zeit ist, in Bett zu gehen. Vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 5. Januar 2020 hatten wir zum letzten Mal ein Neujahrsessen mit Tante, bevor Corona unsere Leben durcheinander wirbelte. Ich nahm die ersten Hormone in der leider vergeblichen Hoffnung, sie linderten meine Wechseljahrsbeschwerden. Am 5. Januar 2021 versuchte der Gatte, gesund zu werden, ahnten wir nicht, dass er nicht mehr gesund werden würde, war ich erkältet und kämpfte mit meiner Mutter. Am 5. Januar 2022 kämpfte ich mit einem zickigen CPAP-Gerät, für das ich coronabedingt lange auf Ersatzteile warten musste. Am 5. Januar 2023 ahnten wir nicht, dass unser Leben vier Tage später durch den Schlaganfall des Gatten wieder mal auf den Kopf gestellt würde. Am 5. Januar 2024 waren wir mit über einem Jahr Verspätung endlich umgezogen. Am 5. Januar 2025 ging es dem Gatten schlecht. Im Laufe des Monats sollte eine OP Abhilfe schaffen. Aus einer OP wurden acht, und bei einer der OPs infizierte er sich mit Candidozyma auris, woran der Gatte viel zu jung und viel zu früh starb. Das Haus, das im Laufe des Jahres fertig werden sollte, ist immer noch eine Baustelle, und den Telefon-Dialog, den der Gatte damals mit seiner Mutter führte, führte ich ein Jahr später, gestern, fast wortwörtlich genau so.

Das Rezept zum Tag gibt's in der Kombüse, sobald ich meinen Blog-Rückstand aufgearbeitet habe. / *Affiliate link 

Dienstag, 6. Januar 2026

Snowflake-Schal aus Metallico von Hobbii

Ich überlegte lange, welchen wolligen Adventskalender ich möchte, entschied mich dann für den von Hobbii, denn es gibt jeden Sonntag ein Projekt, das sich kommod in einer Woche abschließen lässt - also, in der Theorie. In der Praxis warf mich der Tod des Gatten so aus der Bahn, dass ich eine Strickblockade hatte bzw. seit Wochen nur Mützen stricke, weil das Hirn für mehr nicht reicht. Als ich den Kalender bestellte, saß der Gatte neben mir auf einer Bank in der Sonne vorm Krankenhaus, wussten wir noch nichts von seiner tödlichen Infektion ... 

Ich mag es sehr, dass der Schal die Form von Engelsflügeln hat.

Schneeflocken auf dem Snowflake-Schal.

Am vierten Advent waren Wolle und Anleitung für den Snowflake-Schal im Beutel. Die flauschige Wolle begeisterte mich so sehr, dass ich den Schal am Montag annadelte und am Mittwoch abkettete. Kraus rechts stricken schaffte mein wattiges Hirn noch gerade so, und die Zunahmen und die Noppen sehen auch nicht so verkehrt aus.

Wolle, gestickte Schneeflocken und Noppenrand im Detail.

Mit den gestickten Schneeflocken tat ich mich etwas schwer, weswegen meine Schneeflocken sehr minimalistisch ausfallen. 

Nochmal Wolle und Muster im Detail.

Dieser Beitrag geht rüber zum Dings vom Dienstag, zum Flickensalat und zum Creativsalat. Vielen Dank für's Sammeln!

Samstag, 3. Januar 2026

Samstagsplausch KW 01/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCIII

Silvester sandte ich das Feuerwerk, das noch der Gatte geplant hatte, als letzten Gruß an ihn in den Nachthimmel - und setzte dabei fast den Garten in den Brand ... Die Idee, jedes Jahr Silvester Raketen als Gruß an den Gatten zu den Sternen zu schicken, hatte sich damit erledigt (wobei ich die Idee noch immer schön finde). 

Kassensturz im Wollsparglas 2025. Am Häufigsten verstrickte ich Garne von Gründl und Fischer.

Neujahr machte ich Kassensturz im Wollsparglas. Darin waren 161 Euro. Die Etiketten zeigten, dass ich 1.850 g Wolle verstrickte mit einer Länge von 4.817,50 Metern. Das erscheint mir nicht viel. Ich bin gespannt, wie es in diesem Jahr aussehen wird. Pünktlich zu Silvester wurde das letzte Projekt fertig: Der Snowflake-Schal aus dem Hobbii-Adventskalender. Ich bin gespannt, wann ich mal zum Fotografieren komme, und ich habe mich sehr gefreut, dass meine Konzentration endlich mal für etwas anderes als Socken oder Mützen reichte, ich die Anleitung verstand. 

Aktuell stricke ich einen Drachenschwanzschal aus einem der Wollknäuel, die ich von meinen Kolleginnen als Begrüßungsgeschenk bekam - und eine weitere Mütze, denn die kann ich blind beim Fernsehen stricken, wenn ich nichts aus der Mediathek auf dem Klapprechner des Gatten gucke. Da kann ich Audiodeskription einstellen, was beim Fernseher leider nicht geht. Im Relax-Sessel sitzen und stricken ist nach wie vor meine Lieblingsbeschäftigung. So ist die Depression wenigstens produktiv. 

Stille und Leere im Haus machen mir sehr zu schaffen. Mir fehlt jeglicher Antrieb.

Angesichts der Wetterlage wird das Pendeln gerade zur Herausforderung. Gestern war ich mit anderthalb Stunden Verspätung im Büro, konnte gerade noch meinen Klapprechner einpacken, bevor ich zum Arzttermin musste. Zum Glück entschied ich mich dafür, direkt nach dem Arzttermin wieder nach Hause zu fahren und dort weiterzuarbeiten, denn nachmittags brach der Bahnverkehr wieder zusammen. Auf der Straße sah's genauso schlimm aus, weswegen das Auto ausnahmsweise keine Alternative gewesen wäre. Morgen wollte ich eigentlich nachmittags ins Theater, aber die Bahn hat sich immer noch nicht auf den Winter eingestellt, und so bleibe ich wohl besser zu Hause - oder ich fahre sehr früh, richte mich auf Stunden Wartezeit ein und verbringe die Zeit bis zum Vorstellungsbeginn in einem Café oder mit Strickzeug im Büro (natürlich, ohne mich einzustempeln, bevor jemand auf Ideen kommt). Das Auto ist wetterbedingt keine Alternative, denn in Hamburg sind die Straßen auch nur rudimentär befahrbar. Alles irgendwie doof.

Eigentlich wollte ich auch schon lange zum Friedhof, mir das Grabmal des Gatten ansehen, Blumen und Kerze bringen, aber nicht bei diesem Wetter. Ich habe zwar Spikes, gehe aber trotzdem so selten wie möglich raus. In der lindgrünen Hölle gibt es quasi keinen Winterdienst, sind die Anlieger selbst für das Schneeräumen verantwortlich, und dementsprechend sehen Straßen und Gehwege aus. Wir haben eigentlich seit mehr als zwei Jahren einen Winterdienst, nur ist der mit der Wetterlage aktuell überfordert. Den gemeinsamen Gehweg vor der Häusern räumen seit Tagen die Nachbarn für mich mit, weil der Winterdienst erst am Nachmittag oder gar nicht kommt. Ich muss morgen mal gucken, ob ich an Mudderns alten Schneeschieber komme (ich hätte gerne einen neuen gekauft, aber Schneeschieber sind ausverkauft). Ich bin gespannt, wie der Winterdienst auf meine Beschwerde reagiert, und überlege, ihn zu kündigen, das Schneeschieben selbst zu übernehmen. 

Einzig für den rattenverseuchten Garten ist das aktuelle Wetter gut. Der Kammerjäger war Montag da, kommt Donnerstag wieder (und vermutlich noch zwei weitere Male). Mich dauert, dass ich wegen der Ratten keine Vögel füttern kann, vor allem jetzt bei der dicken Schneedecke. Es hängen noch ein paar Beeren an den Sträuchern. Ich hoffe, das reicht. 

Mittwoch sollte eigentlich Sperrmüll abgeholt werden, aber angesichts des Wetters habe ich den Termin storniert. Da unsere Straße nicht geräumt wird, fällt die Müllabfuhr ohnehin aus, selbst die reguläre. Um die Straße zu räumen, müssten alle Anlieger privat einen Winterdienst beauftragen. Die Stadt räumt allenfalls Hauptverkehrsstraßen. Und so schimpfen zwar alle im Winter über die ausbleibende Müllabfuhr, aber die Straße räumen oder für eine Räumung privat bezahlen, will niemand.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 303. 

Silvester rief ich nach Mitternacht bei Schwiegermutter und Tante an, so wie früher, als der Gatte noch lebte. Da war er immer der erste, der anrief. Das Telefonat mit Tante war gewohnt herzlich, das mit Schwiegermutter unverbindlich. Mal gucken, wie sich die Beziehung zu ihr entwickelt. Eigentlich sollen alle Vollmachten, die der Gatte für den Notfall hatte, auf mich übertragen werden, aber da dränge ich mich nicht auf, sondern warte, bis sich Schwiegermutter deswegen meldet (und da sie sich von sich aus nicht meldet, sondern will, dass ich mich melde ...). 

Im Büro ist es zum Glück ruhig. Wir haben ja eine neue Vorgesetzte für beide Abteilungen, und die vereinbarte jetzt mit jedem ein Einzelgespräch zum besseren Kennenlernen. Dafür suchte ich seit 14 Jahren wieder meinen Lebenslauf heraus - ich war ganz erstaunt, dass ich ihn noch habe. Ich muss mir noch kluge Antworten ausdenken bzgl. der beruflichen Perspektiven / Erwartungen, die ich habe. Das fällt mir schwer, denn in den letzten drei Jahren ging ich davon aus, kommendes Jahr in Rente zu gehen, um mehr Zeit mit dem Gatten verbringen zu können. Jetzt fehlen Gatte und Perspektive.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.