Donnerstag, 1. September 2022

#pmdd2022: Der 28. August 2022

An jedem 28. eines Monats ist Picture my Day-Day, kurz pmdd. Ich finde, das ist ein schönes Tagebilderbuch. Mitmachen ist einfach: Fotos vom Tag machen, bloggen oder mit #pmdd2022 auf Twitter oder Instagram einstellen. Gesammelt wird alles auf dieser Seite.

Blick aus dem zukünftigen Schlafzimmer in den noch völlig verwilderten Garten.

Dieser freundliche Geselle guckt mir beim Aufwachen zu. Wie der Schaukelstuhl sucht er ein neues Zuhause.

Heute ist Sonntag, und wir haben zum ersten Mal im alt-neuen Haus geschlafen. Die Nacht war unruhig. Das gewohnte Bett fehlt, Schlafcouch und Couch sind für unsere alten Rücken nicht so optimal. Im Laufe des Tages werden wir für den Gatten ein Luftbett bestellen, auf dem er hoffentlich besser schläft als auch der viel zu schmalen und kurzen Couch (nicht, dass ich es ihm nicht gesagt hätte ...). Mein Luftbett kommt, wenn die Schlafcouch abgeholt wurde, denn solange halte ich es für ein, zwei Nächte darauf aus. Für zwei ist die Schlafcouch allerdings zu schmal, und der Gatte möchte nicht, dass ich sie ihm überlasse und selbst auf dem Sofa schlafe.

Vor dem Frühstück erstmal einen Kaffee. 

Frühstück, sehr improvisiert, weil wir immer nur auf Stippvisite im alt-neuen Haus sind. 

Morgenkaffee, dann Frühstück, bevor der Gatte mit dem Fliesen beginnt und ich mit dem Ausräumen weitermache.

Äpfel aufsammeln für den Fairteiler und einen Geburtstagskuchen für den Gatten.

Unterlagen schreddern. Ich sehe schnell ein, dass es zu viele sind und werde eine Datenmülltonne bestellen.

Wir arbeiten bis zum frühen Nachmittag, dann machen wir uns stadtfein, um Mudderns zum Eisessen abzuholen. Mudderns ist schlecht drauf, das Zusammensein wird anstrengend und schwierig. 

Im Eiscafé. Der Gatte isst zum ersten Mal in seinem Leben Spaghetti-Eis!

Bislang waren wir meistens an Markttagen in der lindgrünen Hölle, und dann ist das NS-Mahnmal mit Marktständen umlagert. Heute kann ich es mir mal kurz anschauen und finde es so schwierig wie nach den bisherigen flüchtigen Blicken vermutet. 

Nach dem Eisessen zeigt Mudderns uns ihr Einzelzimmer im Pflegeheim, wo sie seit fünftem Juli wohnt. Es ist klein, aber ich habe wieder mal das Gefühl, sie ist froh, das große Haus losgelassen zu haben. Ihr Aktionsradius wurde in den letzten Jahren immer kleiner. Wir versuchen herauszufinden, was sie aus dem Haus an Erinnerungsstücken mitnehmen möchte - vergeblich. Mudderns hat mit diesem Teil ihres Lebens so sehr abgeschlossen, dass sie sich an kaum noch etwas erinnert. 

Es ist noch Kuchen vom Vortag da, und wir brauchen Nervennahrung und Seelenfutter ... 

Als meine Großeltern 1949 nach Hamburg kamen, eröffneten mein Großvater und mein Onkel eine Bett- und Liegemöbelfabrik. Dieser Schaukelschemel stammt noch aus ihrer Produktion. Ich entdeckte ihn durch Zufall und werden ihn aufarbeiten. 

Wie vor vier Wochen blühen die Herbstanemonen. 

Der Abend ist ruhig. Der Gatte fliest noch ein bisschen, während ich schlichtweg von der Begegnung mit Mudderns erschöpft bin und am liebsten schliefe. 

Schon mal langsam das Abendessen vorbereiten. Weil es bei Mudderns kein scharfes Messer gibt, ich die vorhandenen auch nicht geschärft bekam, zog mein knapp 30 Jahres altes Kibbuz-Messer mit um. Das bekommt alles klein.

Im Heizungskeller liegen die ersten Fliesen! 

Uns macht diese Puppe eher Angst, aber Mudderns liebt sie, und so wird sie repariert, zieht mit ins Pflegeheim. 

Beim Abendessen lassen wir nochmal die Begegnung mit Mudderns Revue passieren. Sie baut zunehmend ab, körperlich und geistig. Der Gatte, der sie zuletzt Ostern längere Zeit sah, ist entsetzt und teilt meinen Eindruck. Wir beschließen, dass Mudderns keine Möbel mitnimmt. Es wäre eh kein Platz, und den einzigen Platz, an dem ein gemütlicher Sessel stehen könnte, hat sie für ihren Gehwagen reserviert. Also werde ich die Kisten mit ihren zurückbehaltenen Sachen nochmal durchgehen und mehr zum Entrümpler geben als ursprünglich gedacht. Sicher bleibt nur die alte Schildkröt-Puppe, die sie Weihnachten 1947 geschenkt bekam. Ein anderes Mädchen war damals sehr traurig, denn deren Vater tauschte die Puppe bei meinem Großvater gegen Kohle ein, um seine Familie über den Winter bringen zu können. Ein Teil von Mudderns Familie arbeitete im Bergbau, brauchte sich um Kohle wenig Sorgen zu machen. 

Wenn der Marienkäfer klingelt, ist das Abendessen fertig.

Das Abendessen ist fertig. Es gibt Salat mit den Resten des Grillhuhns vom Vorabend und gebackene Brötchen mit Kräuterbutter. Für beides gibt es kein Rezept in der Kombüse.

Eigentlich wollten wir noch etwas Scrabble spielen, aber wir sind mit Einsetzen der Dunkelheit schlagartig müde. Das alt-neue Haus ist nicht wirklich gemütlich, weswegen wir uns meistens auf der Terrasse aufhalten. Dafür wird's abends aber langsam zu kalt. Die einzige intakte Stehlampe hat Mudderns mit ins Heim genommen (und wir vergaßen, eine von uns aus der Wohnung mitzunehmen), überall stehen Kartons und Kisten ... Der Fernseher funktioniert nicht, weil ich nicht damit rechnete, dass die Fernbedienung für den Receiver Mudderns Logik entsprechend an einem völlig anderen Ort liegt als Fernseher und Receiver stehen, sie deswegen nicht dem Receiver zuordnete und als Elektroschrott entsorgte. Da muss eine neue bestellt werden, zumindest, solange wir noch keinen digitalen TV-Anschluss haben.

Darf ich am kommenden Tag nicht vergessen. Spoiler: Der kommende Tag entwickelt sich rasant anders als gedacht.

Den Abend verbringe ich lesend* in einem vollgestellten Zimmer, das eines Tages hoffentlich meines wird. 

Und weil ich davon überrascht wurde, dass "Operation Werwolf*" eine mehrbändige Reihe ist, habe ich die anderen Bände natürlich nicht auf dem Tolino ... Also fange ich noch "Als die Flut kam*" an. Schlafschaf und Kleiner Großfußhase lesen natürlich mit. 

Der Blick zurück in die ersten beiden Corona-Jahre: Am 28. August 2020 lebte sich Schwiegermutter gerade in der Seniorenwohnanlage ein, war der Gatte noch gesund, fuhren wir am kommenden Tag nach Dänemark. Am 28. August 2021 war der Gatte schon krank, wartete auf die Entscheidung über seine Verrentung, musste ich arbeiten, holten wir abends Tante ab, um in der kommenden Woche einen runden Gatten-Geburtstag zu feiern.

Samstag, 27. August 2022

Samstagsplausch KW 34/22: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CXXVIII

Oft denke ich, es war eine ruhige Woche - bis ich sie für den wöchentlichen Samstagsplausch Revue passieren lasse. 

Sonnabend war der Gatte alleine beim Herzsport! Bislang war der Rückweg problematisch, weswegen ich ihn fuhr, aber jetzt schaffte er beide Wege selbst - ein Fortschritt! Ich nutzte die Zeit, um wenigstens schnell mal ein bisschen durchzuputzen. Später machten wir uns nach einem ruhigen Tag einen ruhigen Fernsehabend beim Themenabend "Lüneburger Heide". Da ist das alt-neue Haus, da ist unsere neue Heimat. Für den Gatten ist das alles neu, denn er kennt dort kaum etwas. Ich wuchs dort auf, aber auch für mich ist vieles neu, denn seit 38 Jahren war ich nur selten dort. 

Sonntag fuhr ich alleine in die lindgrüne Hölle, fand tatsächlich die ominöse Münzsammlung meines Vaters - im Tresor, wo sie aller Logik nach auch hingehört, womit aber angesichts des Ordnungssinnes meiner Mutter nicht zurechnen war - und kam abends mit 9 Müllsäcken voller Textilien zurück. Da dachte ich noch erfreut, endlich mit den Textilien durch zu sein, aber am kommenden Tag fand der Gatte noch welche ... Wir machen drei Kreuze, wenn das Haus leer ist. 

Nachmittags war ich mit Mudderns zum Eisessen. Sie war körperlich in schlechter Verfassung, schaffte den Hinweg nur mit Mühe und bestand beim Rückweg darauf, im zufällig geöffneten Kirchencafé zu warten, bis ich das Auto holte. Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis sie es sonntags wieder in die Kirche schafft, falls sie es überhaupt wieder schafft, denn sobald sie außerhalb des Heimes unterwegs ist, ist sie unsicher, meint, vertraute Wege nicht mehr zu kennen. Für die zweimal drei Stunden, in denen sie mit ihrer Gesellschafterin unterwegs ist, reißt sie sich anscheinend extrem zusammen, aber für mehr reicht die Kraft nicht.

Montag begann mit der Krankmeldung einer Kollegin - Corona, was sonst?! Sie weiß genau, wo sie sich infizierte: Bei einer als sicher geltenden Veranstaltung. 

Der Gatte fuhr ins alt-neue Haus und kam mit acht Müllsäcken zurück. 

Ich musste zur Horror-Hormontante, und der Termin war, wie nicht anders zu erwarten, unerfreulich. Leider gibt es keine Alternative zu dieser Ärztin. Die Endokrinologin beschimpfte mich, weil ich nicht regelmäßig zu ihr in die Sprechstunde gekommen bin, sondern mir nur Rezepte abholte - ich versuchte seit September 2020 vergeblich, herauszubekommen, in welchem Rhythmus ich zu ihr soll, erhielt aber keine Antwort auf entsprechende Fragen bzw. nur die Info, ich solle zu Hausarzt und Gynäkologe gehen, sie sei für regelmäßige Konsultationen nicht zuständig. Also dachte ich irgendwann, sie solle sich halt melden, wenn sie was will ... Sie besteht auf der bariatrischen OP, die nichts mit meinen gynäkologischen Beschwerden zu tun hat, aber ich bin nur zu dumm, um ihr Behandlungskonzept zu verstehen. 

Sie bestand zudem überraschend auf einer gynäkologischen Untersuchung - bislang betonte sie, als gynäkologische Endokrinologin sei sie nicht für gynäkologische Untersuchungen zuständig. Sie sieht nicht mehr eine Total-OP als einzige Option, sondern will erstmal klären, woher die Hypermenorrhoe eigentlich kommt, denn angesichts von Endometriose und Myomatose gibt's dafür mehrere Möglichkeiten. Sie will für mich einen Termin in einer poshen Privatklinik arrangieren, damit die sich ein Urteil bilden und ggf. minimalinvasiv operieren. Sie selbst sei dazu nicht in der Lage, weil ihre Ultraschallgeräte zu klein seien, um jemanden mit meinem Gewicht zu untersuchen. Ähm, ja, nee, is klaa. Ich bezweifle, dass die in der Privatklinik zu einem anderen Urteil kommen als mittlerweile fünf Gynäkologinnen, deren Ultraschallgeräte nicht zu klein waren, aber bitte. Zumindest ist die Klinik auf Endometriose und Myomatose spezialisiert, und normalerweise bekäme ich als Kassenpatientin dort keinen Termin. Ich bin gespannt, ob die Hormontante sich an den Telefontermin erinnert - den im Frühjahr 2021 vergaß sie. 

Mit den verschriebenen Hormonen komme ich ganz gut zurecht, aber niemand kann mir die Frage beantworten, wie lange ich die nehmen kann. Alle sehen in einer OP die einzige Lösung, nur kann ich es mir nicht leisten, mindestens acht Wochen nicht körperlich belastbar zu sein. Okay, aktuell geht's dem Gatten gut, sind die Mütter versorgt, aber die Erfahrung zeigt, dass alles außer Balance gerät, sobald ich Schwäche zeige, nicht mehr funktionieren kann. 

Dienstag hatte ich die vierte Asthmanacht in Folge und blieb zu Hause. Nachmittags rief erst Mudderns an mit der erfreulichen Nachricht, dass sie in zwei Tagen in ein Einzelzimmer umzieht, dann Schwiegermutter mit der wenig erfreulichen Mitteilung, sie habe Corona. Irgendwie bestätigt war das nicht. Ihr Hausarzt kam darauf, machte aber keinen Antigentest, sondern schickte sie ins Krankenhaus - wo sie zum einen ohne vorherige Onlineregistrierung keinen Termin bekommt, zum anderen nur symptomfrei getestet wird, und Symptome hatte sie reichlich. An dem Tag war ihr der Weg ins Krankenhaus zu anstrengend. Wir konnten sie zumindest überzeugen, dass die Hausdamen ihrer Seniorenwohnanlage einen Termin für sie vereinbaren, den sie vorgestern hatte, und in Begleitung ihres Lieblingstaxifahrers klappte dann auch das Onlinegedöns - Schwiegermutter hat nämlich weder Internet noch Smartphone. Der Test war negativ, Gott sei Dank. Sie hat eine sehr heftige Halsentzündung, die mit Antibiotika schnell besser wird. 

Mittwoch hatte ich einen sehr langen Bürotag, auch, weil ich mich mit einer Kollegin verquatschte, mir erst kurz vor Feierabend einfiel, dass ich ja am Vortag versprach, eine Aufgabe der coronakranken Kollegin zu erledigen. Der Heimweg war anstrengend, weil Die Ärzte auf der Trabrennbahn spielten, Massen an Menschen auf den Straßen und im ÖPNV unterwegs waren - wie vor Corona. Abends waren gute Nachrichten in der Post: Die private Zusatzrente des Gatten ist nach acht Monaten Bearbeitungszeit endlich bewilligt! Wir hatten uns schon auf einen Rechtsstreit mit der Lebensversicherung eingestellt. Das Geld ist sehr willkommen, wird zudem rückwirkend bezahlt.

Donnerstag waren wir beide im alt-neuen Haus. Der Statiker kam, um unseren einsturzgefährdeten Balkon zu begutachten. Wir sprachen über verschiedene Möglichkeiten, entschieden uns dann dafür, den bestehenden Balkon zu sanieren. Es gelang dem Statiker sogar, einen Handwerker zu finden, der an einem "so kleinen" Auftrag interessiert ist, weil ihm gerade ein anderer Auftrag wegbrach. Der Handwerker kam sogar noch am gleichen Tag, nahm Maß, rief gestern an und sagte, das Material käme über's Wochenende aus Polen, und schon Montag ginge es los! Wir waren total geplättet ob des Tempos und vergaßen vor lauter Freude, dass der Gatte Montag einen nicht verschiebbaren Arzttermin hat - zum Glück konnte ich spontan einen freien Tag nehmen. Jetzt sind wir gespannt auf Montag, wissen noch gar nicht, wie lange die Arbeiten dauern, rechnen schon damit, den Geburtstag des Gatten im alt-neuen Haus zu feiern, und werden mal fragen, ob der Handwerker auch neue Kellerfenster und einen neuen Durchlauferhitzer beschaffen kann. Den gewünschten Wanddurchbruch macht er, daran dachten wir Donnerstag, denn auch dafür brauchten wir den Statiker. 

Mudderns bezog mit Hilfe ihrer Gesellschafterin das Einzelzimmer, das in der gleichen Wohngruppe ist, so dass sie in der gewohnten Umgebung bleibt. Sie ist froh, dass sie jetzt alleine sein kann, wenn sie alleine sein möchte, kann das Zimmer abschließen, wenn sie weg geht. Jetzt kann sie wirklich im Pflegeheim ankommen. Ihr Sturz ist jetzt acht Wochen her. Sie hat sich im Heim ganz gut eingelebt, während die Welt draußen sie zunehmend zu überfordern scheint. Im Heim bewegt sie sich sicher. Langsam versteht Mudderns auch, dass wir das Haus sanieren, und wenn sie etwas aus dem Haus braucht, setzt sie oft "wenn das noch da ist" dazu.

Ich würde ihr gerne ein paar Kleinmöbel ins neue Zimmer stellen, damit etwas Vertrautes da ist, aber bislang hat sie daran kein Interesse. Ich habe Fotos von den möglichen Möbelstücken gemacht, damit ihre Gesellschafterin mal mit ihr guckt, ob nicht doch etwas umziehen soll. Ich hatte die Hoffnung, dass Mudderns sich wieder selbst um ihre Bankgeschäfte usw. kümmert, die Unterlagen mitnimmt, aber sie hat daran kein Interesse, keinen Spaß mehr. Mal schauen, ob ich es schaffe, mich da einzuarbeiten, denn mir wurde Zeit meines Lebens gesagt, ich wäre dafür zu dumm. Ich habe ihr auch Schmuck, Bücher und persönliche Unterlagen beiseite gestellt, aber auch die möchte sie nicht haben. Ich werde das alles beizeiten noch mal durchsehen und dann im Keller lagern, was unbedingt bleiben muss. Ich habe auch viel zu viel Kleidung aufgehoben, weil ich nicht weiß, was sie zum Winter hin tragen möchte. Ihr Kleiderschrank ist gar nicht so groß, aber vielleicht wechseln wir die Kladage einfach zweimal im Jahr.  

Der Gatte hat endlich die Kammer leer, schaffte es auch, die letzten Kisten, die anscheinend mit einem Regal verwachsen waren, herauszuziehen. Um sie zu transportieren, packte ich sie in Ikea-Taschen um, und war entgeistert, als ich alle Schulhefte meiner Mutter und Briefe ihrer Mutter und ihrer Schwester seit 1948 fand! Nicht nur, dass sie abstritt, Erinnerungen von früher zu haben, sie zog auch mehrfach damit um ... Dass ihre Unterlagen in der hintersten Ecke der Kammer verkeilt waren, während die meines Vaters wie Heiligtümer behandelt wurden, spricht Bände. Ich habe kurz überlegt, die Sachen aufzubewahren und in Ruhe durchzusehen, kam aber zu dem Ergebnis, dass es besser ist, nicht daran zu rühren. 

Ich vermute, das Haus atmet erleichtert auf, dass es diese Papiermassen, überhaupt die Massen an Geraffel los ist, und auch ich bin erleichtert. 

Abends fuhren wir mit sechs Müllsäcken und vier Ikea-Taschen voller Altpapier nach Hause. 

Freitag machten wir uns einen ruhigen Tag und waren erleichtert, dass es endlich mal wieder regnete, auch wenn es nicht wirklich abkühlte. 

Hier gilt seit mittlerweile 128 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Es geht uns vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird. Er ist inzwischen schwerbehindert und berufsunfähig verrentet. 

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Mütter. Ich bin dankbar, dass Corona uns bislang verschonte. Wir sind natürlich geimpft, aber angesichts unserer Vorerkrankungen ist trotz Impfung eine Corona-Infektion wenig ratsam. Angesichts der steigenden Infektionszahlen ist sie aber unvermeidbar, und ich kann nur hoffen, dass es uns dann nicht zu hart trifft. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Dienstag, 23. August 2022

Mütze und Schal aus Regia Color Pure Sky Blue

Ziemlich genau vor einem Jahr kaufte ich Wolle* für Werkstatt-Botties* für den Gatten, aber meine Farbwahl gefiel ihm leider so gar nicht. Er wollte lieber ein fröhliches Steingrau ... 

Schal im Zickzack-Muster.
Schal im Zickzack-Muster.

Nachdem ich anfing, die Wolle zu verstricken, verstand ich meine Farbwahl auch nicht mehr. Also gingen Schal und Mütze in die Spendenkiste.

Das Zickzack-Muster im Detail.

Den Schal strickte ich im Zickzack-, Pfauen- oder Missoni-Muster, das ich schon lange mal ausprobieren wollte. Für die Mütze wählte ich das Glomma-Muster, das ich sehr gerne und inzwischen mindless stricke.  

Mütze im Glomma-Muster.

Dieser Beitrag geht rüber zu Dings vom Dienstag, Handmade on Tuesday und Creativsalat. Vielen Dank für's Sammeln!

Wolle und Glomma-Muster im Detail.

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Samstag, 20. August 2022

Samstagsplausch KW 33/22: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CXXVII

Diese Woche hatte der Gatte einen Untersuchungstermin im Krankenhaus, und erst, als der Termin vorbei war, realisierten wir beide, wie angespannt wir doch waren. Es gibt gute Nachrichten: Auf die geplante Untersuchung konnte verzichtet werden, weil die Voruntersuchung ergab, dass der Gatte zu fit dafür ist! Das heißt, die Stürze, die ihm so zu schaffen machen, die ihn im Mai ins Krankenhaus brachten, kommen nicht vom Herzen, sondern von Polyneuropathie und Diabetes. Das macht sie zwar nicht weniger lästig und gefährlich, heißt aber, dass die Herzerkrankung des Gatten gut eingestellt ist. Jetzt müssen sich noch Kardiologe und Diabetologe über die richtige Diabetesbehandlung einig werden ... 

Sonntagabend fuhr ein Heißluftballon über den Garten des alt-neuen Hauses.

Hier gilt seit mittlerweile 127 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Es geht uns vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird. Er ist inzwischen schwerbehindert und berufsunfähig verrentet. 

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Mütter. Ich bin dankbar, dass Corona uns bislang verschonte. Wir sind natürlich geimpft, aber angesichts unserer Vorerkrankungen ist trotz Impfung eine Corona-Infektion wenig ratsam. Angesichts der steigenden Infektionszahlen ist sie aber unvermeidbar, und ich kann nur hoffen, dass es uns dann nicht zu hart trifft. 

Eigentlich wollten wir dieses Wochenende ins Kino, Guglhupfgeschwader gucken, aber der Gatte befand, keine Lust aufs Masketragen im Kino zu haben und ohne Maske nicht ins Kino zu wollen, weil Corona ... Es sind diese Momente, in denen wir die Pandemie einfach über haben. Nur: Nützt ja nichts. Dass er auf der Anreise nach Mallorca bald bummelig acht Stunden Maske tragen wird, ignoriert der Gatte geflissentlich. 

Bei der Sanierung des alt-neuen Hauses kämpfen wir uns Schritt für Schritt vorwärts. Der Statiker, der den einsturzgefährdeten Balkon beurteilen soll, kommt tatsächlich schon kommende Woche! Beim Vorgespräch hielt er sich ja bedeckt, ob er es dieses Jahr überhaupt noch schaffe. Bei seinen Stundensätzen bekam ich als Geisteswissenschaftlerin allerdings mal kurz Schnappatmung ... Das wird ein teures Vergnügen, das wir uns hätten sparen können, wenn Mudderns die Reparaturbedarfe nicht ignoriert hätte. Immerhin gab sie inzwischen tatsächlich zu, dass sie Reparaturen ignorierte, während sie bislang meinte, wir wollten alles Alte ersetzen, nur, weil es alt sei. Die Kosten müssen wir nun tragen, und der Balkon wird einen Großteil der Hypothek verschlingen (so wir denn eine bekommen). Wir möchten aber beide einen Balkon haben - mal gucken, ob wir noch immer so denken, wenn die Kosten feststehen.  

Internet bekommen wir vermutlich schon im Oktober (und damit einhergehend auch Telefon und Fernsehen), weil wir auf den Montageservice verzichteten - andernfalls gäbe es frühestens im kommenden Jahr einen Termin. Aber der Gatte meint, die Verkabelung bekommt er selbst hin, machte er hier in der Wohnung ja auch. Dann kann ich zumindest vom alt-neuen Haus aus arbeiten. Länger als zwei Tage werden wir dort aber kaum bleiben wollen, denn es gibt noch kein Heißwasser zum Duschen, bis der Durchlauferhitzer erneuert wird (und wann das ist, steht in den Sternen). 

Als ich diese Woche einen Besichtigungstermin mit dem örtlichen Entrümpler für Oktober vereinbaren wollte, stellte sich heraus, dass der noch immer Corona-Probleme hat - deswegen kamen wir schon im Juli nicht zueinander. Momentan kann eine Vorbesichtigung frühestens im November stattfinden, und das auch nur mit Glück, und wann dann genug Personal für die Entrümpelung da ist, steht in den Sternen. So kommen wir nicht weiter. 

Mir wurde dann eine Firma empfohlen, die zwar nicht vor Ort ist, aber einen weiten Aktionsradius hat, und beim Telefonat zur Terminabsprache schon einen sehr guten Eindruck machte. Allerdings hätte sie es gerne gehabt, wenn wir nicht schon vieles in Umzugskartons verpackt hätten, damit sie die Kosten besser schätzen können. Die ursprünglich angedachte Firma hingegen wollte alles verpackt und zerlegt haben. Heißt, wir hören ab sofort mit dem Packen auf, entsorgen nur noch Müll, und für das Dutzend Umzugskartons mit Porzellan und Glas finden wir hoffentlich vor Ort eine Lösung. Die Firma nimmt auch Bücher und Schallplatten mit - eine wirkliche Entlastung. Falls die dänischen Designermöbel und die afghanischen Teppiche niemand haben möchte, gehen sie auch dorthin. 

Der Gatte kann schon mal anfangen, den Keller zu fliesen, und mit Glück kann er sich dann ab November Raum für Raum hocharbeiten. Ich kann mich darauf konzentrieren, die ominösen Münz- und Briefmarkensammlungen zu finden und die Papiermassen zu sichten. Darunter finden sich Schätzchen wie eine Projektarbeit meiner Mutter zu Adenauers Moskaureise 1955 oder ein Zeitungsartikel zur Goldenen Hochzeit meiner Großeltern, in dem auch stand, wie sie sich kennenlernten. Diese Sichtung würden mir die Entrümpler auch abnehmen, nur weiß ich gar nicht, was sich in dem Chaos verbirgt, muss deswegen selbst da durch. Mudderns kann nichts Bedrucktes wegwerfen, und ich bin froh, dass sie die Zeitungen an einen Nachbarn weitergab. Sonst wären da auch noch 61 Jahrgänge dreier Tageszeitungen zu entsorgen. Inmitten von Papiermüll finde sich dann plötzlich Rentenunterlagen oder Wertpapiere, also muss alles durchgesehen werden. 

Diese Woche holten wir aus dem Haus 4 Ikea-Taschen voller Altpapier, 2 Müllsäcke voller Müll, diverse Taschen, 8 Müllsäcke voller Textilien und einen Kofferraum samt Ladefläche voller Sperrmüll. 

Da noch ungewiss ist, wann Mudderns in ein Einzelzimmer umziehen kann, überlege ich, die wenigen Möbel, die sie mitnehmen könnte, einlagern zu lassen. Davor muss der Gatte aber prüfen, ob sie sich zwei Schränke ab- und wieder aufbauen lassen oder ob sie dann auseinanderfallen, denn die sind auch schon bummelig 50 Jahre alt. Der Gatte schlug zu recht einen Neukauf vor, aber es geht ja darum, dass Mudderns etwas Vertrautes hat, und den Sessel, den sie gerne mitnehmen möchte, bekommt sie nicht, weil sie selbst sagt, mit dem kippt sie immer um. Bleiben noch ein paar kleine Tischchen, Lampen, Bilder, Stehrümchen, Bücher und ihre geliebte Puppe. Ich hoffe, für die finde ich noch jemanden, der sie repariert. 

Wenn das alt-neue Haus entrümpelt ist, geht's in der Wohnung weiter, und da werden die gleichen strengen Maßstäbe angesetzt - andernfalls ziehe ich noch mit 400 Kronkorken um. 

Mudderns realisiert langsam, dass sie im Pflegeheim nicht eingesperrt ist. Sonntag verzichteten wir auf das Eisessen, weil es einfach zu heiß war, aber dann bat sie mich, sie bis zur Tankstelle zu begleiten, um sich eine Zeitung zu kaufen. Das sind zwar nur 300 m, aber sie schaffte sie nicht ganz, also ging ich den Rest alleine und holte uns neben der Zeitung Eis am Stiel, das wir auf der Straße aßen - nicht das Geplante, aber es tat ihr gut. Ich hoffe, sie traut sich auch bald wieder in die Kirche. Mudderns ist wieder in der Phase, dass sie mit mir nicht zu Fuß gehen möchte, während sie mit ihrer Gesellschafterin auch weiteste Strecken zu Fuß macht ... 

Im Pflegeheim hat sie viele Kontakte geknüpft, und der strukturierte Tagesablauf tut ihr weiterhin gut. Die Personalsituation ist aber weiterhin desolat, die Tablettenversorgung klappt nicht. Wir haben überlegt, die Heimaufsicht einzuschalten, was Mudderns aber nicht möchte. Sie will ihre Tablettenversorgung wieder selber machen - chaotischer als die durch's Heim kann das auch nicht werden ... Ein anderes Heim kommt für sie nach wie vor nicht in Frage. Die beiden Alternativen liegen zu dezentral; sie möchte die Möglichkeit haben, alleine in die Stadt, zur Kirche oder zum Friedhof zu gehen. 

Die Dame, mit der sich Mudderns das Zimmer teilt, bekommt nie Besuch. Als ich dem Gatten sagte, wie traurig ich es fände, dass sich niemand kümmert, gab er zu bedenken, dass es vielleicht niemanden gibt, der sich kümmern kann, dass sie vielleicht ganz alleine ist, keine Angehörigen hat. Das führte uns vor Augen, dass uns genau das auch erwarten wird, da wir kinderlos sind. Nun, es ist ja, wie es ist, und wir hoffen, dass wir noch lange zusammen sein können.   

Im Büro sind wir inzwischen wieder vollzählig und coronafrei. Zum September kommt eine neue Kollegin, und die Stelle der seit einem Jahr verrenteten Kollegin wird hoffentlich auch bald wieder ausgeschrieben. Wenn die Stelle wieder besetzt ist, kann ich einige zeitfressende administrative Aufgaben wieder abgeben. Ansonsten gab's viel Lob für meine Arbeit am Mammutprojekt - so was höre ich ja immer gerne. 

Die Hitze machte uns auch diese Woche sehr zu schaffen - und nicht nur uns: Mittwoch, als ich im Garten gießen wollte, fand ich eine völlig entkräftete Meise, die hechelte! Piepsen konnte sie nicht mehr, zur Wasserschale oder zum Futter schaffte sie es nicht mehr. Ich goss ihr erst Wasser vor die Füße, stellte ihr dann eine zweite Wasserschale und ein paar Mehlwürmer hin - keine Ahnung, ob das richtig war. Jedenfalls hatte  sich die Meise irgendwann soweit berappelt, dass sie ins Spalier am Hochbeet flattern konnte. 

Gedanken machen uns weiterhin die gestiegenen Lebenshaltungskosten, vor allem bei Gas und Strom. Wie viele andere auch haben wir keine Ahnung, wie wir die Preissteigerungen wuppen sollen. Auch deswegen möchten wir baldmöglichst ins alt-neue Haus einziehen, denn so bleibt uns wenigstens der volle Zeitraum der Gasumlage erspart. Ich rechne täglich mit einem Schreiben unseres Vermieters wegen einer höheren Nebenkostenvorauszahlung. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Sonntag, 14. August 2022

#12von12 im August 2022

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt wie jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür! Hier kommen meine August-Bilder.

#1: Morgenkaffee auf der Terrasse. Unser grünes Paradies werde ich vermissen, wenn wir im alt-neuen Haus leben, denn der Garten ist weitläufiger, die Terrasse nicht so zugewachsen. Vögel, Eichhörnchen, Mäuse. Igel und Siebenschläfer fehlen dort auch.

#2: Es verspricht, eine reiche Traubenernte zu werden. Wo der Wein wohl im nächsten Jahr wächst? Mit Glück sind wir dann schon im alt-neuen Haus, aber wo wir welche Pflanzen unterbringen, wissen wir noch nicht. Vieles aus dem jetzigen Garten kommt aber tatsächlich mit.

Der Tag verspricht, sehr heiß zu werden, und da der Wocheneinkauf ansteht, hätte ich den gerne morgens um sieben erledigt, als es gerade mal 20 Grad hat, aber da der Gatte mitkommt, fahren wir nachmittags los, wenn's weit über 30 Grad sind. Der Gatte darf ausschlafen, denn er schleppte gestern den ganzen Tag Fliesen ins alt-neue Haus und soll sich ausruhen. Für mich beginnt der Tag früh. Ich arbeite zum Glück im Heimbüro, wo es kühler ist als in der Innenstadt.

#3: Bis auf Anlage R ist die Steuererklärung fertig! Anlage R ist neu, denn der Gatte ist erst seit letztem Dezember in Rente. Ich bin gespannt, was wir nachzahlen müssen, denn das letzte Jahr war mit Kurzarbeiter- und Krankengeld knackig.

#4: Arbeiten.

Am frühen Nachmittag geht's zum Einkaufen. Das dauert länger als gedacht, und die Hitze macht uns beide gereizt. Danach ist nur noch irgendwie die Hitze aushalten angesagt. 

#5: Schon mal überlegen, was wir kommende Woche essen können und was wir einkaufen müssen.

#6: Die tierischen Mitschläfer genießen leicht verstört die Sommerfrische. Sie wurden ausquartiert, weil ich die Betten frisch beziehe.

Ein bisschen Hausarbeit, dann das Abendessen zubereiten - ein Kohlrabi-Cabanossi-Eintopf ist nicht das richtige für dieses Wetter, aber nun ja. Abends Sofa und unser Freitagsritual: Gemeinsames "Hubert und Staller"-Gucken. Zu spät ins Bett und vorm Einschlafen noch etwas lesen*.

#7: Pfand und Retoure wegbringen, dann einkaufen. 

#8: Pause mit Wassermelone.

#9: Das Bett ist frisch bezogen, die bisherige Bettwäsche hängt zum Trocknen.

#10: Die beinahe tägliche Spülmaschine.

#11: Das wird das Abendessen. Zwei Kohlrabi wurden allerdings gewürfelt eingefroren, da es sonst einfach zu viel geworden wäre.

#12: Vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.

Das Rezept zum Tag gibt's bald in der Kombüse. Der Blick zurück in die ersten beiden Corona-Jahre: Am 12. August 2020 war der Gatte noch gesund, arbeitete in Kurzarbeit, und es war auch sehr heiß. Am 12. August 2021 war der Gatte schon krank, musste in einer Klinik durchgecheckt werden, war Gott sei Dank ohne Befund - und es war sehr heiß. / *Affiliate link