Mittwoch, 31. Dezember 2025

#pmdd2025: Der 28. Dezember 2025

An jedem 28. eines Monats ist Picture my Day-Day, kurz pmdd. Ich finde, das ist ein schönes Tagebilderbuch. Mitmachen ist einfach: Fotos vom Tag machen, bloggen oder mit #pmdd2025 auf Instagram einstellen. Gesammelt wird alles auf dieser Seite.

Die Nacht war ruhig, das Reiserudel freut sich auf die Rückfahrt.

Gestern ging der Koffer noch zu ...

Heute ist Tag des Rühreis, und selbstverständlich gibt es welches zum Frühstück.

Wer am Vorabend zu faul war, das Auto abzudecken, darf jetzt Eis kratzen.

Das Reiserudel ist abfahrbereit. Jeder hat seine Aufgaben: Der Großfußhase hält immer eine Pfote zum Drücken bereit, Schnuffi passt auf Portemonnaie und Taschentelefon / Navi auf, und Schlafhase zwei sieht süß aus.

Scheibenreinigung bei einer Pause. Früher übernahm das der Gatte. Er war dabei sehr viel sorgfältiger als ich.

Tee und Kekse.

Das Navi ist optimistisch, dass ich bald zu Hause bin. Leider dauert die Fahrt zwei Stunden länger als geplant.

Ab der Rhön gibt es Nebel, ab Göttingen stehe ich im Stau.

Der heutige Tag ist eine Wiederholung des 28. Dezember 2021 und des 28. Dezembers 2024. Wieder bin ich auf der Rückreise von Dachau und übernachtete in Hammelburg. Gravierender Unterschied: Ich reise alleine. Der Gatte starb vor neun Wochen. Seitdem ist nichts mehr gut.

Wieder zu Hause erwarten mich Grüße von den Nachbarn. Die fürchterlichen Fliesen will ich auch erst seit drei Jahren lackieren ... 

Und noch ein Gruß eines lieben Menschen.

Das Reiserudel kam auch gut an.

Die Spikes kaufte ich am 5. November 2024. Heute brauche ich sie zum ersten Mal, denn die Straße vorm Haus ist spiegelglatt. Irritierenderweise finde ich sie auf Anhieb.

Dem Gatten Guten Abend sagen. 

Alles ist ausgeladen. Ich ziehe meinem Mickey-Mouse-Onesie über, den der Gatte so mochte, und heize erstmal ein. Das Haus ist nicht so kalt wie befürchtet, aber warm ist es halt auch nicht.

Vitamine, flüssig und fest.

Ein paar flüssige Mitbringsel.

Dank Tante habe ich einen bunten Teller. 

Während der letzten Woche sammelte sich ein bisschen was für's Wollsparglas an. Ein Bild mit dem Kassensturz findest du hier.

Yippieh, es gibt keine Feiertagsverschiebung bei der Müllabfuhr, ich muss heute nicht noch die Tonne füllen und an die Straße schieben.

Abendessen.

Die Spülmaschine wäre fertig, wird aber erst morgen ausgeräumt.

Das Rudel ist wieder komplett und liest vor dem Einschlafen noch etwas*.

Der Blick zurück in die ersten fünf Corona-Jahre: Am 28. Dezember 2020 ist der Gatte gerade aus dem Krankenhaus entlassen worden und noch sehr schwach. Wir wissen noch nicht, dass noch einige Krankenhausaufenthalte bevorstehen sollen, dass er nicht wieder gesund wird, dass er sich 2025 schließlich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris anstecken und daran sterben wird. Am 28. Dezember 2021 waren wir auf dem Rückweg von Tante, mit der wir Weihnachten verbrachten. Das war eigentlich auch für den 28. Dezember 2022 geplant, aber dann kamen uns Mudderns Sturz und die Übernahme meines ehemaligen Elternhauses dazwischen. Dafür kam Tante wieder zu uns. Am 28. Dezember 2023 waren wir endlich umgezogen. Am 28. Dezember 2024 wusste der Gatte, dass er bald ins Krankenhaus soll, hoffte, nach einer OP wieder gehen zu können. Es sollten acht OPs und monatelange Krankenhausaufenthalte werden, die letztlich zu seinem Tode führten. Übrigens bekam ich vor einem Jahr doch kein Strafmandat, denn nicht ich wurde geblitzt, sondern ein anderer Wagen, der schneller fuhr als ich. / *Affiliate link

Dienstag, 30. Dezember 2025

#12von12 im Dezember 2025

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür!

#1: Dem Gatten Guten Morgen sagen.

#2: Ein letzter Blick auf den Treppenlift, der heute abgebaut wird. Am 12. September wurde dafür Maß genommen. Der Gatte konnte ihn ganze zehn Tage nutzen. Ich werde sicher nie vergessen, dass er damit selbst auf sein Sterbebett fuhr.

#3: Fundstück aus einer Zeit, als mein berufliches Leben noch spannender als heute war.

#4: Der Treppenlift ist weg. An seiner Stelle stehen jetzt Friedhofstasche und Grablichter. Die Löcher muss ich noch verspachteln.

#5: Einkauf, Teil eins. Ich hielt mich ziemlich brav an den Einkaufszettel.

#6: Einkauf, Teil zwei. Auch hier hielt ich mich wieder sehr brav an den Einkaufszettel.

Heute ist Freitag. Ich arbeite zu Hause. Es ist ein irgendwie schwerer Tag: Der Treppenlift des Gatten wird demontiert. Der Gatte wehrte sich so lange gegen einen Treppenlift, war dann aber so glücklich darüber, dass er ihm den Spitznamen "Treppen-Ferrari" gab. Er konnte ihn gerade mal zehn Tage nutzen. Ich werde wohl nie vergessen, wie der Gatte selbstständig mit dem Treppenlift auf sein Sterbebett fuhr.

#7: Tee-Zeit mit Lebkuchen-Brownie und Strickzeug.

#8: Jetzt wäre der Treppenlift doch irgendwie praktisch ... Aber ihn nur für den Wäschekorb-Transport zu behalten, wäre blödsinnig. Außerdem würde mich der Anblick traurig machen und an mein bevorstehendes Siechtum erinnern. 

#9: Das Waffeleisen ist für Sonntag wichtig. Vorsichtshalber gucke ich, ob's noch funktioniert, denn es ist schon einige Jahrzehnte alt, oder ob ich morgen noch schnell ein neues besorgen muss.

#10: Abendessen: Entenkeule in Orangensauce mit Rotkohl und Kartoffeln.

#11: Die Kalenderkerze brennt dieses Jahr sehr interessant ab. Die Tannenbaumkerze zünde ich nur an den Adventssonntagen ab.

#12: Das Kuschel-Rudel liest vor dem Einschlafen noch etwas.

Der Blick zurück in die ersten fünf Corona-Jahre: Am 12. Dezember 2020 hatte ich keinen Kopf, um den Tag festzuhalten, denn der Gatte lag mit unklarer Prognose, ebenso unklarer Diagnose und Corona-Verdacht im Krankenhaus. Sechs Jahre später muss ich ohne den Gatten irgendwie weiterleben. Am 12. Dezember 2021 war der Gatte drittgeimpft und entsprechend malad. Am 12. Dezember 2022 werkelte ich an einem Weihnachtsgeschenk für meine Mutter, das sie sich wünschte, nach Erhalt aber sofort wegwarf. Am 12. Dezember 2023 stecken wir mitten im Umzug. Am 12. Dezember 2024 lebte der Gatte noch und erwartete mich mit Tee und Kuchen, wie so oft, wenn ich aus dem Echtbüro nach Hause kam. / *Affiliate link

Montag, 29. Dezember 2025

Samstagsplausch KW 52/25: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCII

Dreißig Minuten vom Eintreffen bei Schwiegermutter und Tante bis zum Entschluss, wieder abzureisen, sind selbst für mich Rekord. Als ich letzten Sonntag bei Schwiegermutter und Tante ankam, eskalierte Schwiegermutter sofort. Es kam zum Rotgarnelen-Gate.

Schwiegermutter und Tante kauften die falschen Garnelen: Rohe, ungeputzte Rotgarnelen. Keiner der beiden wusste, wie man sie küchenfertig macht. Sie versuchten es am Vortag und veranstalteten anscheinen ein Massaker. Tante und ich überlegten, was wir damit machen können, denn wir wollten nicht anderthalb Kilo Garnelen wegwerfen (und Foodsharing ist in Dachau schwierig). Schwiegermutter, die harthörig ist und Hörgeräte verweigert, war der Ansicht, wir reden über sie und gäben ihr die Schuld für die falschen Garnelen. Sie betonte mehrfach, nicht sie sei Schuld an den falschen Garnelen, sondern ausschließlich Tante, denn die habe ihr nicht richtig vorgelesen was auf der Packung stehe (Schwiegermutter ist auch noch halbblind). Ich bekam das Verbot, mich mit Tante zu unterhalten, damit wir uns nicht gegen Schwiegermutter verbünden. 

Das war die erste halbe Stunde. Da überlegte ich, wie ich die Rückfahrt stressfrei organisiere, saß still auf meinem Platz und strickte. I sit, I knit, und Tante hat nichts dagegen, im Gegenteil. Schwiegermutter unterhielt sich nur noch mit Tante, ich durfte nichts mehr sagen, wurde angeschrien, wie ich es denn wage, mich in die Unterhaltung von Erwachsenen einzumischen, wenn ich wagte, etwas zu sagen. Ich durfte auch nicht stricken, sondern sollte andächtig Schwiegermutters Ergüssen lauschen (und Stricken ist ordinär). Schwiegermutter ignorierte zum zweiten Mal meine sehr deutliche Ansage zu ihrem Benehmen.

Das war der Punkt, an dem ich meine Sachen packte und beschloss, im Hotel mit Internet die Rückreise zu klären (bei Tante gibt es keinen Empfang). Das brachte Schwiegermutter total aus der Fassung. Sie schrie, wenn ich jetzt ginge, wären wir geschiedene Leute. Ob ich das wolle? Sie sollte keine rhetorischen Fragen stellen. Zu ihrem Leidwesen kann sie mich anders als ihren Sohn nicht erpressen. Als Schwiegermutter merkte, dass sie mich nicht aufhalten kann, lenkte sie ein, entschuldigte sich und war den Rest der Woche handzahm. 

Ich entschied von Tag zu Tag, was besser für mich ist: Bleiben oder Abfahren. Letztlich blieb ich die ganze Woche, was mir gut tat. Ich konnte in München nochmal die vertrauten Wege gehen und war dabei nicht alleine mit meiner Trauer. Ich konnte in Dachau die Wege gehen, die wir im letzten Jahr nicht mehr gemeinsam gehen konnte, weil der Gatte schon nicht mehr schmerzfrei gehen konnte. Ich reduzierte das Zusammensein mit Schwiegermutter auf das notwendige Minimum, was leider bedeutete, dass ich auch mit Tante, die ich sehr gerne mag, nur wenig Zeit verbringen konnte. Dafür leistete ich ihr noch länger Gesellschaft, nachdem Schwiegermutter abfuhr und bevor ich selbst fuhr. Ich muss mal schauen, dass ich zukünftig öfter mit ihr telefoniere, denn wir beide möchten nicht, dass der Kontakt abreißt. 

Ich konnte etwas zur Ruhe kommen, ging viel spazieren, schlief viel (manchmal denke ich sogar, meine Augenringe sind weg) und strickte viel. Dafür lese ich aktuell kaum, was auch daran liegt, dass der Tolino mal wieder zickt.

Alphornbläser vor einem der Schleißheimer Schlösser. 

Beim Spaziergang durch die Schleißheimer Schlossanlagen musste ich besonders oft an den Gatten denken. Die Nische, in der er sich letztes Jahr ausruhte, war leer. Der Gatte war so verzweifelt darüber, dass wir nur ein paar Meter gehen konnten, weil seine Beine nicht mehr wollten. Dieses Jahr war ich länger unterwegs und hatte das Glück, ein Konzert dreier Alphornbläser zu erleben. Ich wäre gerne länger spazieren gegangen, aber der Wind war eisig, und dafür hatte ich den falschen Mantel mit. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 302.

Ich hänge aktuell mit den Blog-Beiträgen hinterher. Mir fehlen Ruhe und Konzentration. Beides reicht gerade mal so für's Arbeiten. Deswegen geht dieser Beitrag diesmal nicht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea, denn ich bin zu spät. Über's Kochen und Einkaufen in der Weihnachtswoche berichte ich demnächst in der Kombüse.

Samstag, 20. Dezember 2025

Samstagsplausch KW 51/25: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCI

Diese Woche war emotional sehr, sehr anstrengend. Ich bin absolut platt, sitze am Liebsten im Relax-Sessel des Gatten, schaue in den Garten oder stricke. So ist die Depression wenigstens produktiv. Außerdem habe ich so registriert, dass unterschiedliche Vögel zu unterschiedlichen Zeiten an die Futterstellen kommen. Ich dachte, wir hätten keine Spatzen im Garten. Doch haben wir. Sie kommen halt nur sehr früh und sehr spät, zu Zeiten, in denen ich normalerweise nicht in den Garten gucken kann. 

Der Treppenlift des Gatten ist abgebaut. Das Treppenhaus ist wieder hell und leer. Wieder ist etwas verschwunden, das dem Gatten wichtig war, im Freude bereitete. Das schmerzt. Er war so glücklich über seinen "Treppen-Ferrari"! Und dann konnte er ihn nur zehn Tage nutzen. Ich werde vermutlich nie das Bild vergessen, wie er damit auf sein Sterbebett fuhr. 

Auch das Lager ist geräumt. Auch das schmerzt. Es widerspräche aber jeglicher Vernunft, es zu behalten. Okay, ich bin die letzte, die Vernünftigsein propagiert, aber dennoch. Ich muss ja leider auch ans Geld denken. Also vernünftig sein, so doof es ist. Vom Emotionalen abgesehen, entlastet es mich, dass das Lager aufgelöst ist. Mich entlastet es auch, dass das Haus leerer wird. Aber emotional ist es halt echt schwierig, weil immer etwas verschwindet, das dem Gatten wichtig war, worüber er sich freute. Er hatte noch so viele Projekte, die er umsetzen wollte!

Mir fällt es aktuell schwer, bei den administrativen Angelegenheiten des Gatten am Ball zu bleiben. Ich müsste Versicherungen kündigen bzw. umschreiben lassen, müsste den Fahrzeugbrief suchen, um das Auto verkaufen zu können und und und. Allein: Mir fehlt einmal mehr einfach die Kraft.

Und als fehlte mir nicht ohnehin die Kraft für die täglichen Herausforderungen, stellte ich gestern auch noch einen Rattenbefall im Gartenhäuschen fest! In den letzten sechs Wochen muss sich da eine Großfamilie eingenistet haben, Kot und Geruch nach zu urteilen. Die Ratten haben sich richtig von außen durch das Holz genagt, obwohl es deutliche leichtere Wege gegeben hätte. Im Häuschen ist nichts Essbares, weswegen mich der Befall doppelt überraschte. Zum Glück hat ein Kammerjäger gleich nach Weihnachten einen Termin frei (vor Weihnachten wäre es auch noch gegangen, aber da bin ich ja weg). Ich hätte den Kammerjäger auch kostenlos über unsere Stadtwerke beauftragen können, denn da haben wir eine entsprechende Versicherung für einen Einsatz pro Jahr, aber da wäre ich tagelang mit Callcentern beschäftigt, bis ich einen Termin habe. So hatte ich mir einem Anruf einen Termin. Ich hoffe, ich bin die Ratten schnell wieder los.  

Hier galt 293 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 301.

Schwiegermutter ist schon bei Tante. Es geht ihr schlecht, sie ist einfach verwirrt und neben der Spur. Ich hoffe sehr, dass sie sich einigermaßen wieder berappelt. Zumindest wird sie über Weihnachten obenauf sein, kann sie doch zehn Tage lang auf Tante herumhacken. Anders als Tante kann ich mich zum Glück jederzeit ins Hotel zurückziehen, wenn es mir zu viel wird (wobei ich eher versuchen werde, Tante zu unterstützen). Tante hält sich wacker, was dazu führt, dass Schwiegermutter ihr vorwirft, sie trauere nicht richtig. Als ob es richtige oder falsche Trauer gäbe.

Für das kommende Jahr überlege ich, über Weihnachten nach Weißenhäuser Strand oder nach Dänemark in ein Ferienhaus zu fahren. Aber erstmal muss ich dieses Weihnachten überstehen. Ich bliebe tatsächlich lieber zu Hause, denn es gibt hier schöne Konzerte und Veranstaltungen, zu denen ich gerne ginge. Und dann steht mir Silvester sehr bevor, mehr noch als Weihnachten. Ich denke, ich werde das letzte Feuerwerk des Gatten abfeuern. Er liebte ja Feuerwerk, verdiente lange seine Brötchen u.a. mit Pyrotechnik. 

Ich habe mein Karlchen wieder und hoffe, es bringt mich heute heil nach Dachau und kommendes Wochenende wieder heil zurück. Beim Packen musste ich unwillkürlich daran denken, dass ich das letzte Mal Waschtasche und Co. brauchte, als ich im August zum Gatten ins Krankenhaus zog. Ich musste auch daran denke, wie wir letztes Weihnachten für den Besuch bei Tante packten, dass wir uns auf die Zeit freuten, dass Schwiegermutter aber einmal mehr eskalierte, zwar nicht so sehr wie im Mai auf ihrem Geburtstag, aber dennoch machte sie jede gute Stimmung zunichte. Das wird dieses Jahr kaum anders sein. Das ist ihr Naturell. Das wird sie nicht ändern. Und ich musste an die vielen Reisen denke, die der Gatte für das kommende Jahr plante, die er aber nicht mehr machen kann. Er hatte sich so gewünscht, mit mir nach Lanzarote zu fliegen, jetzt, wo seine Beine wieder in Ordnung waren, er ohne Krämpfe länger sitzen konnte! Sein Tod bleibt einfach unfassbar.

Strick-Kino-Premiere in der Kleinstadt.

Diese Woche fand zum ersten Mal in der Kleinstadt ein Strick-Kino statt. Das war ein schöner Abend! Geplant ist, dass es zukünftig alle vier bis sechs Wochen einen Strick-Film gibt. 

Ich kann mich im kommenden Jahr auf eine Woche in Kopenhagen freuen. Es gibt noch mehr Urlaubspläne für das kommende Jahr, aber die hängen davon ab, ob mein Reha-Antrag bewilligt wird und wenn ja, wann die Reha ist. Den Antrag stelle ich im Januar. Ab Januar habe ich ohnehin ohne Ende Arzttermine. Da muss einiges nachgeholt werden, denn seit Sommer 2024 war ich nur noch mit dem Gatten bei Ärzten, konnte mich um meine Gesundheit nicht mehr kümmern. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Sonntag, 14. Dezember 2025

Samstagsplausch KW 50/25: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCC

Diese Woche hielt jede Menge schöne Momente bereit, und solange ich ausblende, dass der Gatte niemals wieder kommen wird, kann ich sie auch genießen. Ich schaffe es momentan einfach nicht, auf den Friedhof zu gehen. Ich hoffe, das wird besser, wenn das Grab gestaltet ist, ich auf dem Grab sitzen kann. Diese Woche wurde das Grab abgeräumt. Es ist kalt und leer, und die Vorstellung, dass der Gatte dort liegt, schmerzt viel zu sehr. 

Ich schaffte es, eine Karte für die eigentlich ausverkauften Vorstellungen von "Die Stadt der Träumenden Bücher" im Schauspielhaus zu bekommen. Als ich Mittwoch guckte, war alles dicht. Donnerstag Abend wollte ich nur gucken, ob es über die Weihnachtsmärchenzeit hinaus noch Vorstellungen gibt, als plötzlich wieder eine Karte verfügbar war. Prima, mehr als eine brauche ich ja auch nicht, also kaufte ich sie flugs und freue mich auf die Vorstellung im Januar. 

Nach zwei Monaten Pause konnte ich endlich wieder zum Stricktreffen. Das tat sehr gut. Ich bin allerdings noch immer nicht in der Lage, etwas "Richtiges" zu stricken. Momentan verarbeite ich die viele Sockenwolle, die hier liegt, zu Mützen für die Seemannmissionen. Ich habe mir aber schon mal neue Stricknadeln gekauft für den Fall, dass die Konzentration wiederkommt.

Der dieswöchige Blumenstrauß.

Ich kaufte mir einen Blumenstrauß beim Lieblingsblumenladen. Der Strauß hätte dem Gatten gefallen. Der Laden hat einen Automaten im Krankenhaus, und der Gatte war immer völlig fasziniert von den Sträußen mit den großen gefüllten Chrysanthemen in wunderbaren Farben. Besonders faszinierte ihn ein Strauß mit einer tiefblauen Chrysantheme. Der Gatte wünschte sich, dass er wieder fit genug wird, um in den Laden gehen zu können und mir so einen Strauß kaufen zu können, aber soweit kam es ja nicht mehr. Als ich Dienstag an dem Laden vorbeikam, lachte mich ein Strauß mit einer Chrysantheme in Rosa-Lachs-Tönen an, der mit durfte. Ich überlege schon seit einiger Zeit, ob ich den Laden nicht mal frage, ob sie mir jede Woche einen Strauß liefern können. Als der Gatte noch gesund war, bekam ich von ihm jede Woche einen Strauß geschenkt, wenn er auf dem Wochenmarkt einkaufte. 

Hier galt 293 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 300.

Momentan ist die Trauer noch schwerer als sonst, denn FB spült mir regelmäßig Fotos aus dem Dezember 2023 in die Timeline, als wir endlich in das alt-neue Haus einziehen konnten. Wie glücklich der Gatte aussah! Wie sehr er sich freute! Es ist so tragisch, dass er nur zu kurz im alt-neuen Haus leben durfte. Der Gatte fehlt mir so unendlich.

Das Karlchen kann ich morgen aus der Werkstatt holen. Es brauchte tatsächlich nur eine neue Batterie. Um die defekte Zentralverriegelung kümmert sich die Werkstatt im kommenden Jahr, die muss erst bestellt werden. Somit kann ich mit dem Karlchen nach Dachau fahren. Mit dem Kleinstwagen fühle ich mich doch etwas wohler als mit dem großen Wagen, auch wenn der mehr PS hat und schneller fährt. Ich habe mir einen CD-Player gekauft, den ich ans Auto-Radio anschließen kann, um zukünftig auch längere Strecken fahren zu können. Ich hoffe, das passt alles. 

Im Büro habe ich unsere neue Institutsleitung kennengelernt. Sie scheint sehr nett zu sein. Sie will auch eine Lösung finden, wenn ich aus finanziellen Gründen wieder Vollzeit arbeiten muss. Das ist nett, aber ohne einen Stellenwechsel kaum machbar, denn meine Stelle ist eine Teilzeitstelle, kann nicht einfach in eine Vollzeitstelle umgewandelt werden. Mal gucken, wie es sich entwickelt. Ich würde ungern wieder Vollzeit arbeiten. 

Die Sandkasten-Freundinnen waren zum Adventstee da - ein sehr schönen Nachmittag, wenngleich für mich überschattet vom Terror-Anschlag auf die Chanukka-Feier in Bondi Beach. Daran musste ich auch denken, als ich meine Chanukkia einweihte.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Dienstag, 9. Dezember 2025

Gestrickte Engelchen als diesjährige Weihnachtskarten

Dieses Jahr bin ich sehr früh dran mit den Weihnachtskarten, was daran liegt, dass ich endlich mal wieder bei der Aktion Post mit Herz mitmache.

Ich habe zwei unterschiedliche Engel gestrickt. Die Hälfte hat weiße Körper und goldene Flügel, bei der anderen Hälfte ist es umgekehrt.

Und so kümmerte ich mich vorgestern nicht nur um die Danksagungen für die Kondolenzen, sondern auch um die ersten Weihnachtskarten. Die für Nachbarn und Freunde kommen nächstes Wochenende dran, denn sie müssen verteilt bzw. verschickt werden, bevor ich in den Weihnachtsurlaub starte.

Goldene Engel mit weißen Flügeln.

Zuerst zögerte ich, auch dieses Jahr die Weihnachtskarten wieder selbst zu gestalten, denn seit dem Tode des Gatten mag ich nicht mehr stricken oder häkeln. Andererseits brauchen Hirn und Hände Beschäftigung. So kam ich über die kleinen Engel dann wieder zum Handarbeiten. Sicher eine Form der Trauerarbeit, des Heilungsprozesses. 

Ein Rudel Engel hängt so rum.

Die Anleitung stammt von Frau Schaf mit Schal und kann hier als PDF heruntergeladen werden. Die kleinen Engelchen eignen sich wunderbar zur Verwertung von Wollresten.

Noch mehr Weihnachtskarten mit Strick-Engeln.

Dieser Beitrag geht rüber zum Dings vom Dienstag und zum Creativsalat. Vielen Dank für's Sammeln!

Montag, 8. Dezember 2025

#WMDEDGT 12/25: Verwitwet und irgendwie auch verrentet

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Ich kämpfe immer noch mit Schlafstörungen. Eine Nacht Durchschlafen wäre mal wieder schön, aber immerhin konnte ich knapp drei Stunden am Stück schlafen. Der Wecker klingelt nicht mehr um sechs Uhr. Seitdem der Gatte tot ist, kann ich länger schlafen, auch freitags, wenn die Putzfrau kommt, denn ich muss morgens nicht mehr aufräumen. Dass Männer Dreck machen, stimmt zumindest in diesem Haushalt. 

Aufstehen, kurz im Bad und im Erdgeschoss ein paar gestern Abend übersehene Dinge beiseite räumen, die Adventskalendertürchen öffnen, Kaffee kochen, Toast machen, dann klingelt auch schon unsere Putzfrau. Klönschnack über das aktuelle Befinden unserer Familien, dann frühstücke ich schnell und reinige den Kaminofen, fülle das Holz nach, bevor in der Stube gesaugt und gewischt wird. Lachen musste ich, als ich aus dem Gäste-WC Toilettenpapier ins Bad bringen wollte und festgestellte, dass da kaum noch welches ist. Kaum ist der Gatte nicht mehr da, geht fast das Toilettenpapier aus! Er sorgte früher immer dafür, dass immer genug da ist. 

Heute muss ich ins Rathaus, um Hinterbliebenenrente zu beantragen. Ich finde es unglaublich, dass es eine (zudem noch empathische) Mitarbeiterin gibt, die ausschließlich dafür da ist, bei Rentenanträgen, Anträgen wg. Schwerbehinderung etc. zu helfen! Ich weiß noch, wie verloren wir uns fühlten, als wir für den Gatten in Hamburg Rente und Behinderungsgrad beantragten. Nach weniger als einer Stunde sind wir mit allem durch. Ich habe es tatsächlich geschafft, alle erforderlichen Unterlagen dabei zu haben! Außerdem bekomme ich einen Termin für die Klärung meines eigenen Rentenkontos, als die Mitarbeiterin erfährt, dass das noch nicht geschehen ist. Das ist großartig! Ein paar Hausaufgaben bekomme ich auch mit, aber das ist alles machbar, selbst für grundverpeilte Frettchen wie mich. Verwirrend ist die Information, dass ich bei der Krankenkasse jetzt als Rentnerin geführt werde, weil ich Hinterbliebenenrente bekomme. Das muss ich sicher nicht verstehen.

Im Rathaus gab's neben der netten Mitarbeiterin noch ein Kleinstadt-High Light: Gelbe Säcke. Die sind anscheinend keine Mangelware mehr, seitdem klar ist, dass ab Januar jeder Haushalt eine Gelbe Tonne bekommt. 

Ich muss die ganze Zeit über daran denken, wie sehr sich der Gatte freute, als wir uns am 12. April 2024 endlich ummelden konnten und Heidjer wurden! Was für ein schöner Tag war das! Welche Hoffnungen und Träume hatte er damals! Nichts davon sollte in Erfüllung gehen. Wie jeden Tag kämpfe ich immer wieder mit den Tränen. Der viel zu frühe Tod des Gatten ist einfach unfassbar. Ich bin dankbar, dass ich ihn bis zu seinem letzten Atemzug begleiten durfte, und hoffe, ich konnte ihm bis zuletzt schöne Momente bereiten.

Wieder nach Hause, kurz mit der Putzfrau klönen, dann ins Arbeitszimmer und versuchen, wieder in die Arbeit zu kommen. Ich schaffe es, das Sichten von mehr als 2.900 eMails abzuschließen. Das meiste kann ich ohnehin löschen, aber die zu löschenden und die wichtigen müssen ja voneinander getrennt werden. Danach stelle ich sicher, dass meine Kollegin heute tatsächlich wie sonst freitags frei hat und von niemand anderem vertreten wird, so dass ich nichts durcheinanderbringe, wenn ich langsam wieder arbeite.

Das Arbeiten fällt schwer. Mir fehlt die Konzentration, und mir fehlt der Gatte im Nebenzimmer, der immer mal zu mir kam, um zu fragen, ob ich viel zu tun habe, um mir etwas zu erzählen undundund. Ich kann auch nicht mehr einfach zu ihm gehen und ihn in die Arme nehmen. Es ist sehr still im Haus, seitdem der Gatte ging. Er fehlt mir so unendlich. 

Zwischendrin verabschiede ich die Putzfrau. Wie üblich fragen wir gegenseitig nach unseren Plänen für das Wochenende. Es ist seit sechs Wochen, seit dem Tod des Gatten, das erste Wochenende, an dem niemand um mich herum ist. Das wird schön und schrecklich gleichzeitig. Ich muss lernen, Leere, Einsamkeit und Stille auszuhalten. Auf dem Programm für's Wochenende stehen das Schreiben der Danksagungen, das Schreiben der Weihnachtskarten für die Aktion Post mit Herz und das Beschriften der Kalender-Fotos. Ich habe für Schwiegermutter, Tante, die Sandkastenfreundin und mich einen Kalender für das nächste Jahr mit Portraits des Gatten aus den letzten 26 Jahren gemacht und hoffe, sie freuen sich. 

Ich mache einen Beitrag für den Friday-Flowerday fertig, beginne den Beitrag für den November-PMDD, schmeiße den kommenden Wochenplan um, weil es leckere Angebote beim Schlachter gibt, und bestelle über die dort arbeitende Freundin mit dem Hinweis, sie möge sagen, wenn ihr meine Bestellung zu viel ist. Ich weiß, dass sie so ehrlich ist. Sie schreibt nach Feierabend kurz, das es okay ist, aber auch, was aktuell im Laden los ist. Anscheinend drehen gerade alle durch. Ich dachte gestern schon, dass die Verkäuferinnen bei Edeka völlig fertig aussehen. Wie mag das erst kurz vor Weihnachten sein?!

Nachmittags kommt die Sonne raus. Ich überlege, ob ich meine für morgen geplante Runde zum Friedhof und zum Fotos-Abholen mache, damit ich morgen nicht raus muss, befinde aber, es ist viel zu kalt. Außerdem kann ich mir morgen früh Brötchen zum Frühstück mitbringen. Solange es noch hell ist, packe ich das Altglas in den Hackenporsche. Auch das ist wieder so ein Moment, in dem ich mit den Tränen kämpfe: Da ist das Glas vom Heide-Honig, mit dem ich den Gatten bis zuletzt fütterte. Da ist das Glas von den Amarena-Kirschen, die der Gatte so liebte. Vanille-Eis mit Amarena-Kirschen bekam er auch bis zuletzt. Er sollte mit Wohlgeschmack auf der Zunge ins Jenseits gehen. Da ist das Glas von der Aprikosen-Marmelade, die ich für die Sachertorte brauchte, die sich der Gatte im Krankenhaus für den Tag seiner Rückkehr nach Hause wünschte. Alles, wirklich alles, ist mit dem Gatten verbunden und führt zu Tränen.

Teezeit mit Birnen-Apfel-Punsch und Honigkuchen, dann herumpusseln, bis ein Abholer kommt, und ein Paket für einen weiteren Käufer packen. Es tut so weh, die Dinge wegzugeben, die der Gatte kaufte, über die er sich so freute, weil er seine zukünftige Werkstatt vor Augen hatte, aber was soll ich damit anfangen? Sie nützen niemandem, wenn sie hier stehen und einstauben. 

Gestern holte ich eine Holzkiste mit der Totenmaske des Gatten ab. Die Holzkiste kommt jetzt erstmal in ein freigeräumtes Regalfach zu einem der Lieblings-Eisenbahnbücher das Gatten. Dort bleibt die Kiste, bis ich entschied, ob und wo ich die Maske aufhänge oder aufstelle. Das kann ich erst, wenn ich mit dem Umräumen fertig bin. Solange ist die Maske gut in der Holzkiste aufgehoben.

Den Hackenporsche mit dem zu versendenden Paket und der Friedhofstasche bestücken, einen Laufzettel für morgen schreiben, dann kann ich den Tag beenden und zum gemütlichen Teil übergehen. Zum Abendessen gibt es Tomatensalat, so, wie ihn der Gatte gerne mochte, und Lasagne Bolognese, die ich einfror. Sie konnte der Gatte schon nicht mehr essen, aber am Vortag konnte er sich noch über Spaghetti Bolognese freuen, seine letzte Mahlzeit, unser letztes gemeinsames Abendessen. Wie vor sechs Wochen gibt es Vanille-Eis mit Amarena-Kirschen als Dessert. Der Tiefkühler muss ja leer werden ... 

Ich häkle lustlos an einem Wichtel weiter - lustlos, weil ich übersah, dass es sich um billigste China-Wolle handelt, die einfach nicht schön zu verarbeiten ist, und weil ich viel lieber den Lulu Slipover anfangen würde, für den ich letzte Woche Wolle kaufte. Die Stricknadeln, die ich dafür bräuchte, liegen aber unzugänglich im Keller. Ich schwanke noch, ob ich den Zugang dafür freiräume oder einfach neue Nadeln kaufe ... Zum Freiräumen fehlt mir aktuell die Kraft. Und eigentlich will ich ohnehin erst den Wichtel fertig haben. Heute schaffe ich den Körper. Fehlen noch Arme und Mütze. Das sollte am Wochenende zu schaffen sein. In der Projekt-Tasche klimpern 2,50 Euro, ein Betrag, den wir im Krankenhaus immer mit nach draußen nahmen, wenn wir dort stundenlang auf einer Bank saßen. Das Kleingeld brauchten wir, falls der Gatte eine Brause oder einen Schoko-Riegel mochte und die Kantine schon geschlossen war. Die Automaten akzeptieren nämlich nur Bargeld. 

Ich gehe zu spät und zu müde ins Bett, lese aber natürlich noch etwas vor dem Einschlafen. Aktuell lese ich "Düsternbrook*" von Axel Milberg. Das Buch kaufte ich, als der Gatte und ich vor Weihnachten 2022 durch München bummelten. Wieder so eine Erinnerung, die Tränen auslöst ... 

Der Blick zurück in die ersten fünf Corona-Jahre: Am 5. Dezember 2020 schrieb ich nichts, war mit dem erkrankten Gatten beschäftigt, der kurz darauf ins Krankenhaus kommen sollte. Am 5. Dezember 2021 war ich frisch gegen Corona geimpft - zum dritten Mal. Die Hoffnung, dass wir mit dieser Moppelkotze nach dem ersten Corona-Sommer durch wären, war da schon lange verflogen. Am 5. Dezember 2022 hatten wir Baustellen-Blues, kämpften wir mit dem Baukredit. Am 5. Dezember 2023 stand der lang erwartete Umzug endlich kurz bevor. Am 5. Dezember 2024 war klar, dass die Augenärztin des Gatten Mist gebaut hatte, aber es gab dennoch Hoffnung. Drei Wochen vorm Tod des Gatten waren wir zuletzt in der Augenklinik, und in diesen Wochen hätte seine Sehkraft durch weitere OPs weitmöglichst wiederhergestellt werden können. Aber eine Pilz-Infektion, die er sich im hiesigen Krankenhaus zuzog, nahm ihm viel zu früh das Leben. 

Sonntag, 7. Dezember 2025

Samstagsplausch KW 49/25: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCXCIX

In dieser Woche arbeitete ich nach einem halben Jahr Pause zum ersten Mal wieder. Als ich Mitte Juni zum letzten Mal ins Echtbüro fuhr, stand der Gatte in der Haustür, winkte mir zum Abschied, und als ich nachmittags wieder nach Hause kam, wartete er mit dem Tee. Es folgten noch zwei Tage im Heimbüro, dann zwei Wochen Urlaub, an dessen letztem Tag der Gatte als Notfall ins Krankenhaus kam. Der Aufenthalt sollte zu seinem Tode im Oktober führen. Sechs Wochen nach seinem Tod jetzt also wieder der Start ins Berufsleben. 

Willkommensgruß meiner Kolleginnen.

Es ist unwahrscheinlich schwer. Ich weine viel. Meine Kolleginnen sind entzückend, überschütten mich mit Wärme, Herzlichkeit, Verständnis und Geschenken, aber dennoch: Es ist schwer. Mir fehlt die Konzentration, ich bin erschöpft und ausgebrannt. Die Trauer überlagert alles. Aber ich weiß, dass ich die Struktur, den geregelten Tagesablauf, die soziale Interaktion brauche. 

Sonntag war ich wie jeden ersten Advent in den letzten beiden Jahrzehnten bei Schwiegermutter. Bis wir beschlossen, uns nichts mehr zu schenken, war da Wunschzettelschreiben angesagt. Der Gatte gestaltete richtige Kunstwerke! Die Tradition wollte es zudem, dass der Gatte die erste Kerze am Adventskranz anzündet. In diesem Jahr fehlt der Gatte. 

Schwiegermutter war erschreckend klapperig, taumelig, völlig neben der Spur. Kurz überlegte ich, ob sie einen Schlaganfall haben könnte. Es scheint aber, dass sie sich mit einem Beruhigungsmittel, das ihre Ärztin ihr verschrieb, ausknockte, denn einen Tag später war sie wieder halbwegs normal. Mal sehen, wie sich das entwickelt.

Schwiegermutter schenkte mir ein Foto vom ersten Weihnachtsfest in unserer ersten Wohnung. Wie jung, verliebt und glücklich der Gatte und ich uns darauf ansehen!

Auf dem Rückweg hatte ich einen Auto-Unfall, in dessen Folge ich durch die Polizei belehrt wurde, dass Fahrerflucht keine strafrechtliche Relevanz hat. Schon schön! Der Unfallverursacher flüchtete nämlich, und ich wollte ihn anzeigen. Er hat den Unfall ganz sicher mitbekommen, denn er verzögerte seine Fahrt, beschleunigte erst, als er sah, dass es einen Schaden gab. Der junge Mann, der auf meinen Wagen auffuhr, bekam von mir das Kennzeichen der Fahrerflüchtigen. Bei meinem Wagen (und bei mir) entstand zum Glück kein nennenswerter Schaden. Bei dem Wagen des jungen Mannes sah es schon anders aus. Und ja, ich weiß, rechtlich ist der Fahrer Schuld, der auf meinen Wagen auffuhr, aber zur Vollbremsung zwang mich der Fahrer, der meinen Wagen schnitt. Mir blieb nur die Vollbremsung, wollte ich Wagen, der mich schnitt, nicht rammen. Aber Fahrerflucht hat wie gesagt laut Polizei keine strafrechtliche Relevanz, also kommt der Fahrer mit seinem asozialen Verhalten davon.

Ich fuhr dann weiter ins Lager, um noch mal zu gucken, dass ich alles Wichtige mitnahm. Ich fand die Taufkerze des Gatten, was Schwiegermutter sehr freute, und einige Fotos, was mich sehr freute. Generell fehlen mir viele Fotos. Ich hoffe, die tauchen noch irgendwo hier im Haus auf. Im Lager musste ich dem Impuls widerstehen, alles einzupacken und mitzunehmen. Stattdessen beauftragte ich den Entrümpler und kündigte das Lager. Ich kann einfach nur hoffen, dass ich alles, was mir emotional wichtig ist, herausholte. 

Das Karlchen wurde vom ADAC überbrückt und schaffte es dann aus eigener Kraft zu Opel. Das ist schon mal ein gutes Zeichen, denke ich. Auf dem Weg dorthin dachte ich ein paar Mal, ich bin völlig falsch, denn es war sehr ländlich. Mir flogen sogar Rebhühner vor's Auto! Der Opel-Mechaniker vermutet, dass die defekte Zentralverriegelung für Ruhestrom sorgt. Ich muss in den nächsten Tagen mal anrufen und fragen, wie es aussieht. Die Werkstatt machte einen guten Eindruck, nicht nur wegen des Werkstatt-Hundes, sondern auch, weil man zuhörte, mir alles genau erklärte. Ich bekam auch einen Tipp für eine Opel-Werkstatt, die mit dem ÖPNV erreichbar wäre und die ich über Google nicht fand. Für den Moment bleibe ich bei dieser Werkstatt. Sicher würde mich auch der überrechte Nachbar dorthin fahren, wenn ich frage, aber daran dachte ich jetzt nicht. 

Hier galt 293 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 299.

Dieses Wochenende bin ich seit dem Todes des Gatten zum ersten Mal alleine, ohne Besuch, ohne Verabredungen. Das ist schwer, ungewohnt, aber ich muss lernen, Stille, Leere und Einsamkeit auszuhalten. Falls es zu schlimm wird, habe ich mir heute eine Veranstaltung herausgesucht, zu der ich spontan gehen kann, oder ich gehe ins Kino. Aktuell laufen viele Filme, die ich sehen möchte. Außerdem sind da Nachbarinnen, zu denen ich jederzeit mit Strickzeug gehen kann. Dafür bin ich dankbar. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Samstag, 6. Dezember 2025

#pmdd2025: Der 28. November 2025

An jedem 28. eines Monats ist Picture my Day-Day, kurz pmdd. Ich finde, das ist ein schönes Tagebilderbuch. Mitmachen ist einfach: Fotos vom Tag machen, bloggen oder mit #pmdd2025 auf Instagram einstellen. Gesammelt wird alles auf dieser Seite.

Morgenkaffee, dabei die gestrige Wollbeute in einen Projektbeutel umpacken und etwas lesen*.

Die Tiefkühler-Liste aktualisieren.

Den Besuch einsammeln. Das Wetter ist ein Graus.

Heute ist Freitag. Ich habe Besuch von einer Freundin, die mir in den letzten Tagen half, einen Lagerraum zu sichten und zu räumen. Der Raum gehörte dem Gatten, der vor fünf Wochen starb. Die Woche war schwer, belastend, und so gönnen wir uns heute zum Abschied und zur Belohnung etwas Schönes: Fremd-Frühstücken im Hofcafé und Kunsthandwerker-Weihnachtsmarkt im Freilichtmuseum

Vor der Schlacht am kalten Büfett. Wie bei jedem Besuch ist der Tisch liebevoll gedeckt und dekoriert. 

Frühstück, erste Runde.

Auf ins Museum!

Bunt gegen Grau. Vielleicht sollte ich im Garten auch einfach Glasfiguren pflanzen. Die kommen auch im Giersch zur Geltung. 

Es wird heute einfach nicht hell.

Männer und ein Mops stehen um einen Traktor herum.

Ich würde gerne Karussell fahren.

Da hat jemand den Weihnachtsmann ausgesetzt!

Endlich wieder Essen! Grützwurst mit Bratkartoffeln und Apfelmus ist typisch norddeutsch. 

Der Wocheneinkauf war schnell erledigt.

Der Blick zurück in die ersten fünf Corona-Jahre: Am 28. November 2020 litt der Gatte unter neun Monaten Kurzarbeit und fühlte sich ein klein wenig erkältet. Wir ahnten nicht, das daraus Berufsunfähigkeit und Schwerbehinderung werden sollten. Am 28. November 2021 waren wir zum Adventstee bei Schwiegermutter. Am 28. November 2022 war es fast so wie früher, bevor der Gatte krank wurde: Er war vor mir wach und machte Kaffee, und wir hatte die Hoffnung, spätestens Ostern umgezogen zu sein, kämpften mit den Banken wegen eines Baukredits. Am 28. November 2023 standen wir kurz vor den Umzug. Am 28. November 2024 war der Gatte noch bei mir, voller Hoffnungen und Pläne. Vor fünf Wochen starb er, viel zu jung. Er fehlt mir so unendlich.

Dem Gatten guten Abend sagen.

Ein Päckchen packen. Mit jedem Gegenstand, den der Gatte kaufte und der mich verlässt, kommt eine Trauerwelle. Er hatte sich so auf seine Werkstatt gefreut! Es tut weh, all diese Dinge, an denen der Gatte so viel Freude hatte, zu verkaufen, aber wem nützen sie, wenn sie hier stehen und einstauben?!

Lillet Wildberry, verdient.

Den Wochenplan überarbeiten.

Engelsflügel stricken für die diesjährigen Weihnachtskarten.

Vorfreude. Übermorgen darf ich den ersten Beutel öffnen.

Vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.

*Affiliate links